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Der Israelit · 1911-11-30 · Heft 48 (30.11.1911) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 48 (30.11.1911)
Date
1911-11-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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8WMZ mmmm Der Israelit J Ein Cenfralaraan lür das orthodoxe Judentum (fdBB IJJ eessssesi Begründet non Dr. Lehmann in IRainz ss&ss ul 30. November 1911. 52. Mrjang, Frankfurt a. M.. Öen M « 9. Kislew 6672. lft*meweftP$t0 Pcwkbnlichr Ausgabe Mt. 1.60, kffetateabe (ÄmtfibnuT) Mk. 8.—. AuSianb&teife: Gewöhnliche [uSgabe r Oesterreich-Ungar» 8 Ki., Rußland l Bub« England 8 ih., Amerika 60 cfc, Niederlande l JO fl., Frankreich Fn. 8.60. lboaaement» bei allen Postanstalten. Buchhandlangen, sowie direkt bei dem Verlag. HeftauSgabe nur direkt. Der Israelit erscheint jeden Lonnerftan. Jjnferater 80 Pfennig für die sechSgesvaltme Colonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Jnferatenannayme am dmch Haaseusteiu u. Vogler A.-G., Frankfurt a. vk., und denn Filialen. Zahl «»Gen wunea äußer dirckt au den Verlag erfolgen per «ont» bei bee ». ft. PostfParkaHe «ia» 8t». 79 MB. Gant» bei de« St» Postfp»eikaste«»«t Bmbabest 8t». 18494. Genta bei der Vtt|«e* Gammeräbeuck in Mg« und deren Filialen. I!« RatfiOrucft Oer firflhel unfl eorrefponöenjen Oes „Israelit*1 Ift nur unter oenauer Quellenangabe, unO, soweit es slck um urigere üufltte handelt nur nach norheriuer Genehmigung gehaftet IrrhaUsüderstchr. 1. Leitartikel: Auswanderer-Sorgen. — 2. ochenrunbschau: Kweralr Menschrnttrde. — Dom edraextag in Galizien. --- 3. Aufsätze: Verbotene Gottesdienste in Kayrr». — Rabbiner. Dr. Schweizer,!Weikersheim: Hie israelitischen Konfessions-Schuten (Elementarschulen) in MÜrtteinderg.---- 4.KleinesFeuil- Ile t^o n: ^„Kain". — Rabb. Josua Schill, Preßburg: Die Vorschriften für dir Mahlzeit. — Erdbeben. — Ausstellung von Erzeugnissen - der israelitischen Erziehungsanstalt Ahlem, - Die- Abnahme des Toten Meeres. — Das reichhaltigste Müseum für egyptische Ausgrabungen. — 5. KorreHpvndenzen u. Nachrichten: Frankfurt a. M. (Generalversammlung des „Verbandes Orthodoxer Rabbiner.) — Berlin (Todestag Hirsch Hildesheimers — Gießen („Israelitische Religions-Gesellschaft.) — Dortmund (Verein zur Wahrung der religiösen Interessen in Westfalen.) — Wien (E aß betr. jnd. Religions-Unterricht.) — Budapest (Aus dem ungarischen Reichstage.) — Lemberg (Der Hebräertag in Galizien.) — Petersburg (Eine neue Rimalmordinter-- pellarion in der Reichsduma.) — Petersburg (Protest gegen diese ungeheuerliche Blutbeschuloigung.) -- ßssetersvurg (Zur Organisierung der jüdischen Emigration.) — Paris (Statuten-Aenderung.) — Paris (Das Budget der jüdischen Gemeinde in Paris.) — London (Eine Sitzung des Board of Deputies. — Jerusalem (Die Nischon lezion- Frage in Jerusalem.) — Aleppo (Die Amtsenthebung eines Gryßrabbtners.) — 6.Verryischtes: Worms.— Kattowitz. — Wien. — 7. Berk inSwesen -.Frankfurt a. M. — Frankfurt a. M. — S.Personalien: Berlin (Emil Wassermann Vitf.) — Hannover. — Mosbach. - Wien. — 9. Briefkasten. — Vereins-Kalender. — Famili.n- Nachrichten. — 10. B e i l a g e n: Feuilleton Beilage: Oskar Stein: Tage der Uot. — Erziehung und Lehre: Welches sind dir wichtigsten Punkte, über welches sich jeder Knitnsdramte vor dem Unterschreiben feines AnstelUmgsoertrüges orientieren foüte? — Seminarlehrer L. Anfänger, Würzburg: Die Pintim von iTEWO j-qe?, — Schnlbrrtchtr. — Correspondenzen. — Bücherschau. — Briefkasten. Huswanderer-Sorgen. Unter den Problemen unserer Zeit gibt es solche, die Mit dem Menschen zu spielen scheinen: sie drängen sich ihm gebieterisch zur Lösung auf DI und entschlüpfen seinem Machtbereiche, so er sich anschickt, ernstlich an sie heranzugehen. Wir brauchen nur die Emigration sfrage zu nennen, um ein klassisches Schulbeispiel für unsere Machtlosigkeit gewissen Erscheinungen gegenüber zu gewinnen, die, aus der Lage erwachsen, fortdauernd das jüdische öffentliche Leben beeinflussen, ja mit unheimlicher Gestaltungskraft immer neue Formen des jüdischen Leides schaffen. Die überseeische jüdische Auswanderung allein soll nach einer neueren Berechnung jahrein jahraus weit weit über hunderttausend Seelen ume m p se fassen und insgesamt 20,000,000 Mk. Reisekosten erfordern, einen Betrag, der nach Ansicht mancher, die mit runden Zahlen schwierige Probleme — auf dem Papiere — zu lösen gewöhnt sind, j ausreichen würde, bet einer entsprechenden Organisation die gesamte Auswanderung zu regeln. Wir wollen die Richtigkeit dieser Berechnung noch dahin gestellt sein lassen. Wir haben überhaupt nur sehr bedingtes Vertrauen zur Statistik auf dem Gebiete der Emigration, da sie getreu ihrer Natur auch hier mehr mit Zahlen als mit lebenden und leidenden Menschen zu tun hat. Die exakte Statistik summiert und geht aufs Ganze, die Not ist indessen rein individualistisch. „Es hat jeder sein eigen Päckchen", wie ein charakteristischer altjüdischer Polksspruch lautet. Die Not eint zwar, wie man sagt, zuweilen die Menschen, jagt sie aber wiederum auseinander, dezimiert und zersplittert sie. Wohin wenden sich die nach Hunderttausenden zählenden jüdischen Wandermassen? Ein Teil zieht nach neuen überfüllten jüdischen Zentren in Ländern, wo die sozialen' und wirtschaftlichen Verhältnisse um nichts besser liegen als in der Heimat und ' kommt somit vom Regen in die Traufe, wo er überdies noch alle Bitternisse der Fremde auszukosten hat. Ein anderer Prozentsatz der Auswanderer wählt ein etwas weniger angefülltes Ghetto, zumeist in einer europäischen Hauptstadt, und trägt das Elend der Heimat mit sich in das neue Milieu, wo dqs Späherauge des Hasses bald eine Fremden in vasion — man denke an die Fremdenhetze in Paris — entdeckt. Ein Bruchteil, oft der beste und arbeitsfreudig sie, geht auf Entdeckungstouren aus und verliert sich, völlig zersprengt, in einer fremden Umgebung, wo er, anfänglich freilich mit schwerem Herzen, auf alle jüdischen Lebensmöglichkeiten verzichten muß. So sieht die Auswanderung heute in Wahrheit aus und so wird sie noch ferner ausseh en, so lange das Becken, aus dem sich der Auswanderungsstrom mit elementarer Wucht nach verschiedenen Richtungen ergießt vorhanden, die Nor nicht beseitigt ist. Und angesichts dieser nackten Tatsache nimmt sich-doch die heute in der zionistischen Presse zur Diskussion gestellte Frage, ob die geplante Emigrationsorganisation die Zerstreuung der Auswanderer fortsetzen oder mehr auf Sammlung und Konzentration sehen soll, zum mindesten sehr papieren und wirklichkeitsfremd aus. Auf der Tribüne eines Weltkongresses, wie er dem Anscheine nach trotz der ablehnenden Haltung der großen Organisationen doch zustande kommen wird, kann die Erörterung dieser doktrinären Fragen sogar chre nicht zu unterschätzenden Gefahren für die Sache der Emigration haben. Man wird bei einem solchen Kongresse selbstredend die Tendenz der Konzentration der Heimsuchenden propagieren müssen, ohne das Wohin nur im entferntesten beantworten zu können. Denn das Jtoland ist noch nicht entdeckt, ist noch nicht einmal in Sicht, und selbst die Zionisten, die dem Kongreßgedanken kräftig das Wort reden, stehen heute dem Charterplane ferner denn je. Man wird sich also darauf beschränken müssen, laut und aller Welt vernehmlich über die EmigrattonSmisere zu klagen und alle Möglichkeiten zur Schaffung eines neuen Bettes für den Auswandererstrom zu erwägen. Dabei wird man, wie es' beispielsweise Trietsch haben will, die bekannten Einwanderungsländer — Amerika und England — ausschlietzen, was diese gewiß nicht als Zurücksetzung auffassen werden, wohl aber als Eingeständnis für die Schädlichkeit der jüdischen E-nwanderung und als volle Billigung ihrer Absperrungsmaßregeln von jüdischer Seite. In Betracht kommt einzig der Orient, vornehmlich die Türkei mit all seinen landwirtschaftlichen und industriellen Zukunftsmöglichkeiten. Nun, wir haben es bereits wiederholt erfahren, welche Folgen eine allzulaute Betonung der Palästinabesiedlung durch Juden auf die Palästinaeinwanderung und Paläftinaarbeit hatte. Was von. einem Kongresse, der die Ablenkung der jüdischen Emigration nach der Türkei als Ziel der Emigrationsorganisation proklamiert, in dieser Beziehung zu erwarten steht, darüber ist weiter kein Wort zu verlieren. Was wir heute in der Sache der Emigration tun können und müssen, ist durch die Lage so deutlich angegeben, daß sich tagetange Kongretzberatungen darüber durchaus erübrigen. Die Aufklärung der Emigranten über die Verhältnisse im Lande ihrer Hoffnung und über alle Bedingungen der Reise und Ueberfahrt, die Bekämpfung des Agentenwesens; die Vermittlung der Auslandspässe und Sch'ffsbillets für die zumeist völlig weltfremden Auswanderer, wodurch sie in gleicher Weise vor dem bestechungslüsternen Beamten wie vor dem beutesüchtigen Grenzschmuggler und Schisse agenten geschützt werden; ebenso die

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