Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 47 (23.11.1911)
- Date
- 1911-11-23
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Knaben WÄ kein Einziger verstehn-" Darum sagt LiviuS Fürst in seiner poetischen Biographie von ihnen weiter: . Ihn kümmert nicht sein eigner Leib; Tie Kinder darben und das' Weib. Das schmerzt ihn, daß die Seinen klagen. Wohlan! und sollt ich Spott ertragen, Ich muß sie lösen von der Qual Und Mills versuchen noch einmal. Vielleicht wird durch mein traurig Singen Ten Herrn die Not zu Herzen dringen! —: „Herr Hebaus und Herr Findenichts, — Wo diese weilen, da gebrichls, Ta kehlet stets das Beste. Sie kommen frank und frech heran; Es folgt Herr Not von Tarbian — O weh! Welch schlimme Gäste! Die setzen sich um meinen Tisch, Tie Kmder haben nicht Fleisch noch Fisch, »ist die Schnaoelweide. ste aßen alles )e-er, T>ie Kinder sitzen und klagen sehr Bon Hunger und von Leide, Da kommt ein Vierter noch gerannt, Herr Gläubiger zubenannt, Ter nimmt sich Kleider und Stühle. — Eh' mir das nackte Leben bleibt, Ist keiner, der die Gäste vertreibt Und fühlet, was ich fühle?" Ob nun Süßkind, well ihm die edle Sangeskunst so wenig Gewinn eintrug, sich, wie.so viele seiner StammeSgenoffen, auf die einträglicheren Geldgeschäfte geworfen, was Pfarrer Krätzinger in seinem nicht sehr judenfreundlichen Aussätze meint („Deutsche Blätter" 1874) läßt sich nicht erweisendoch erkennt er in folgendem Gedicht -ft Notwendigkeit der Wuchergesetze an und verficht sie sogar: „Gar mancher muß bescheiden werden durch Zwang, Der unbescheiden wäre, bis daß ihm gebot Sern' Obrigkeit, daß er.Unfug möge lassen. Tcwei so nähm auch mancher gern den Wucherzitts, Ten ließ er nicht um Gottes willen, noch ab oer Leute Fluch, BB daß er hätt' des Kapitales ganzes Maß. Hütte -er Esel Hörner, So würde er die Leute niederstoßen, Könnten Krokodile ihren Zorn auslassen. Niemanden würden sie leben lassen, Ständ's in der Wahl des Wolfs Biel Schafe man dadurch verlöre. Ter Dieb wünscht, daß nie dis Tür verschlossen, Der Böse wollte, daß der Ehrliche war' kraftlos worden." Daraus die Mische Abstammung und Elgenart Süßkinds folgern zu wollen, wie Krätzinger tut, i ist ganz unnötig, weist doch der Name allein daraufhin und überdies beweisen es auch mit einleuchtenden Gründen der israelitischen Keankfurter Gelehrte Theodor Cretzenach und der Mische Historiker H. Grätz („Geschichte der Juden"), letzterer sogar an Hand mehrfacher hebräischer Redewendungen, abgesehen von der charakteristischen Abbildung in der Maneße'schen Liederhandschrift. Kein Zweifel, daß er die ganze Bitternis empfinden mußte, die zu seiner Zeit die Juden erleiden mußtendarauf weisen auch viele Stellen in seinen Gedichten hin. Wohl mag auch er schließlich seiner brotlosen Kunst Baler gesagt haben, um sich, sei es als Arzt, sei eS als Geldmakler ins Ghetto zurückzuziehen. Go läßt ihn wenigstens Livtus Fürst vom Sängerberuf und auch vom Leben Abschied nehmen: -„So will ich still verbringen T-en Rest, der mir beschert Und denen nicht mehr singen Tie meiner Kunst nicht wert." Ter Leute letzter Hauch verklingt; Bon seinem Spiel die Saite springt. Ihm ists, als sprang' ihnc auch dabei Bor Web das eigne Herz entzwei. Hinweg die Laute, lieb und gut. Dich decke nun des Stromes Flut! Ein Todesschauer mich umweht — Ich fühls, daß es zu Ende geht." Eine tiefe Tragik liegt in des Dichters Schwanensang: „Nach dieses T-aseins lieblichem Genuß Naht jene Stunde, da man scheiden muß, De Stunde, der iw mich bereitet habe. Sie tritt an Jede», ob er arm, ob reich. Ob klug, ob thöricht, jeden trifft sie gleich Und führet ihn hinab zuin stillen Grabe, Kein Rat, kein Spruch hält hier das Schicksal aus. Kein Zauber hemmet seinen ernsten Laus, Es wird kein Engel das Verhängnis wenden! Ich kann nicht fröhlich sein; denn es durchbebt T-ie Frage mich, wohin die Seele schwebt. Wenn dieses Körpers letzte Seufzer enden? Er will nach Haus im Mondenschein; T-ie Seinen schliefen hungrig ein. Er tritt ans Fenster, blickt hinaus Nach jener ewigen Sterne Laus, — @0 tönt in Mitternacht'ger Stunde T-as Schwanenlied aus seinem Munde: „Wenn ich bedenke, was ich war und bin. Und was ich werden muß. und wie die Tage Verrinnen, stimm ich .an das Lied der Mage, Und alle Freude schwindet schnell dahin. Und ists nicht jammervoll, auf diese Not T-es Lebens seufzend seinen Blick zu lenken Und an dem letzten Abend zu bedenken. Daß dieser Mühen Endziel nur der Tod? Jetzt bist Du kummervoll, o Seele, mein. Und warft in Biinben doch so wohl zu Mute. Vertrau dem Herrn! Er ist der ewig .Gute; Mag er auch T-ir ein gnäd'ger Richter sein!" Als früh sich hob das Morgenrot, Fand man den edlen Sänger tot. Nun schlummert er im Frankenland Zn Trimberg, an der Saale Strand. Kein Kranz senkt aus sein Grab hernieder, T-em Wanderer kündet es kein Stein; Doch das Gedächtnis seiner Lieder Wird ihm das schönste Denkmal sein." Süßkinds dichterische Stärke lag weniger im eigentlichen Minnesang, in der Verherrlichung religiöser (Gottes) oder weltlichen Minne (Liebeslyrik), vielmehr der Didaktik d. h. Lehrpoesie. Wie hätte auch ein Jude wie z. B. Frauenlob die Madonna verherrlichen können, und die süßliche, schmachtende Verhimmelung des weiblichen Geschlechtes, in die zumeist die Minnesänger verfielen, lag seiner praktischen und nüchternen Sinnesart fern, wenn er auch, wie aus dem angeführten Beispiel erhellt, wohl den Wert eines reinen, tugendhaften Weibes zu verherrlichen weiß. Er gehörte zu jenen Dichtern, die wie Wtnsbecke und Freidank den Pulsschlag der Zeit fühlend, in lehrhaftem Tone von moralischen Dingen handeln und zugleich ihrem Jahrhundert im Spiegel der satirischen Dichtung das wahre Antlitz zeigen. Für die jüdische Kultur, Literatur und Geschichte, sagt Ko Hut in seiner „Geschichte der Juden", besteht seine Bedeutung hauptsächlich darin, daß er als Jude des Mittelalters wagte und vermochte, in deutscher Zunge zu singen. Httabaa. Von Rabbiner Dr. Kriedmaun in Sublimtz. Artaban ist der Name oder der Titel eines parthischen Königs. Er kommt an einzelnen Stellen unseres nachbiblifchen Schrifttums vor in Verbindung mit Rav, Rabbi, mit Rabbi und Antoninus und endlich auch bei der Erklärung des biblischen Wortes („spalten, teilen"). — Die bemerkenswertesten Stellen find folgende (vgl. S. Krauß' „Antoninus und Rabb/'): . 1. Als Artaban starb, sprach Rab: n*7*lBJl3 rr^nnn „Gelöst rst das Band" (b. Ab. Sar. 10 d). 2. Artaban sandte unserem heiligen Lehrer (Rabbi) eine unsätzbare edle Perle und ließ ihm sagen, er möchte ihm auch etwas von gleichem Werte senden. Und er sandte ihm eine M e f u f a. Da sprach jener: Wie denn! Ich sandte dir eine unschützbare Sache und du sendest mir etwas, was so gering an Wert ist! Und dieser erwiderte : Deine und meine Güter wiegen es nicht auf; und noch mehr: Du sandtest mir etwas, was ich behüten muß, ich aber habe dir etwas gesandt, das dich behütet, während du schläfst, denn es heißt: „Bet deinem Gehen leitet sie chie Thora) dich, und wenn ou schläfst, wacht ste über dich» (j. Pea 1, 1, 15 d). 8. „Ich vernichte die drei Hirten in einem Monat" (Sech. 11, 8) — Das find unser Lehrer, Antoninus und Artaban, der König von Persten, die in einem Monat gestorben waren, sodaß man auf fie anwandte den Schriswers: „Und ich vernichte .. (Jelamdenu bet Ja». U, 679.) 4. Perfirn wird dIB genannt, weil sich das Reich in Teilen zu einem Ganzen entwickelte, zur Zerr deS Tirdat und zur Zeit dcS Artaban. (M. Esther r. 1, 18).-' - , , Wer war nun der Artaban, von dem Rab sprach? Da Rab — nach ftüherer Ausführung — erst um daS 220 definitiv nach Babylonien zurückgekehrt war, um dann die Akademie in Sura zu gründen, so kann er nur den letzten Pmtherkönig Artaban V. gemeint Hüven, welcher im Jahre Wb in der Schlacht bei Ktefiphon gegen den Saffantden Ardeschir starb. Wer ist der Artaban, mit dem Rabbi Geschenke au tauscht? DaS kann nur der parthische König Bolog ' “ " Dieser hatte durch eine svs 1H. sein, welcher 148—192 regierte. Jahre 14 die Mißhelligkeiten mit Rom durch sönltche Begegnung am Euphrat mit Antoninus vetgelegt. — Bet welcher Gelegenheit und zu welche, Zwecke dieser Geschenkaustausch qffolgte? ES scheint mj kein trifftiger Einwand zu sein, welchen Krauß g e g e die Anficht Rapaports erhebt, daß derselbe stattgefunde habe anläßlich der Gesandtschaft, welche der Parthiski König dem, in Syrien weilienden Kaiser Mark Aurel a Beweis seiner Friedensliebe emgegengesandt hatte. D> in dem betreffenden Berichte des römischen Hofbtogräphen vo persischen Gesandten oie Rede Ist, spricht nicht durchau gegen eine Gesandtschaft deS parthischen Königs, w oieS noch später ersichtlich wird. Rabbi aber war, wen, auch kein persönlicher Freund deS römischen Kaisers, | doch wahrscheinlich durch LuctuS Berus, Sen Schwieger sohn des Kaisers, welcher im Orient herrschte, eine beir Kaiser angesehene Persönlichkeit, sodaß der parthisch Frtedenswerber nicht nur mit Rom, sondern auch mi uda gut stehen wollte. Daß aber im Texte nicht de rasen iner l nbeug Name Bologasos, sondern Artaban steht, hat wohl sein« Grund darin, daß mit Artaban als Titel der pm thische König bezeichnet war — ähnlich wie P h a r a o h Caesar,Antoninus. Mn Artaban war dem jüdischen Volke schon vo, früher unliebsam bekannt. DaS war Artaban III welcher nach der Katastrophe der Juden in Seleukio während der Regierung Tiridates!IL die N eu begründung des parthischen Reiches ermö^ lichte, im Jahre 80. Bon dieser Zeck an waren natürliö die Juden auf die ArtaVanS nicht gut zu sprechen und als später Bologasos III. mit Rom wieder sein Gin vernehmen suchte, da wollte er auch Juda versöhnlic stimmen. Und das geschah durch den. SeschttckauStausÄ . „ , Dieser Bologasos HI. ist auch der Artatzvn, welche )arte in einem Monat mit Rabbi und Antoninus starb nv Wenn auch nicht von ihnen das genau« TodeSjahHas bekannt ist, so wiffen wir doch, daß oer Kaiser Kymmvdi und Rabbi — nach früherer Ausführung — Ende d- Jahres 1S2 resp. Anfang 193 starben. Bon Bolo§ hat R t ch t e r (vergl. Krauß) auf Gnrnd der. rlls das Todesjahr auf ISS berechnA; Gut auf 191. Zweifelhaft «schewt demnach d Berechnung auf Grund der Münzen. Aber dieses Zweifel wird hinlänglich durch das sichere Datum;- beiden Genoffen behoben, sotaß auch Todesjahr 192/193 gelten darf. Zur Biographie Rabbis sei hier noch zweierlei be merkt. Rabbi kann nicht, wie Zkrauß meint, ein Alte, von 88 Jahren (138-226) erreicht haben. Denn wäv dies der Fall, so hätte ihm die Mtschna nicht nur 712PU" nrrtm sondern 7,-112)1 rmm TWpT zugerechnet, ste ihm nur ,22'VI NI,21 gibt, so hat Rabbi nur ein Alter unter80Jahren erreicht. « -trafsus «i eines tz« rchte e _ L i für Bologasos oü tr rech Krauß erklärt ferner (S. 51) eine Jelamdenu-Stell« lehr s) ganz richtig in d e m Sinne, daß Rabbi in seinen Briefen an Antoninus diesen vor einer Empörung und vor ie einer Verbindung mit Umstürzlern warnt. Eines ‘ solche Warnung setzt doch keineswegs voraus, dH Rabbi mit zum Bunde gegen Rom gehört habe. Gegenteil. Rabbi hat fich niemals zu einem sol Bunde hergßgeven und brauchte sich deshalb auch niemals von einem solchen loszusagen, wenn er auch als Freund des Antoninus dessen Pläne kannte und ihn vo her Ausführung warnte. i OüchwjHa«. "N 2LV- Eine Sammlung von religiösen Bor schriften in Verbindung mit vielen auf das religiöse Pflichtenleben bezüglichen Aussprüchen aus der talmudischen Aaadah von S. Aöramowiez in Dev Wilna (Rudnizkerstraße). Selbstverlag deS Ber fasier. Wir haben gerade keinen' Ueberfluß an populären Sprache. Um so fte£ auf das religiöse Klein- Religionsschriften in hebräischer Sprache. Um so freudiger darf dieses au Nd Wl ie ) de „He me mn i : Bau Hamen Da fiw chrn, 1 crf- — Die err liühseli aiserlic en. % en Ju »arte' 1 lach dl käufer, Zefehl ieue N nelden. irlnaen »raußei >en W »er Ju ttüttch» otmme! usaezeichnete leben des Tages abfehende Werk begrüßt werden. lieber alle Pflichten, die deS Juden TageSleVen ordnen und adeln, finden wir hier Belehrung und zwar in fo prä " tiger Form und überfichtluherZusammenstillung, das die jüdische Jugend des Ostens, soweit ihr Sinn jüdischer Belehrung noch geht, fich gern dieses Buch zum Ratgeber und Wegweiser nehmen wird. Auch alle riTXö, die unser Verhältnis zu unseren Mchsten ordnen — 112712 D"]K ~ find hier in weitgehendster Weise und mit Hinweis auf ihre Wurzeln und ihre echtsch-religiösen Grundlagen berücksichtigt. Im Interesse der jüdischen Bollserztehnng ist dem Buche größte Berbreltung zu wünschen. Sch. viederg chen. Mnute vieder! Die ünf Lc Zedern ange, mm tot gl; Schuvfl )ie Jui » onst i Picht'