Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 47 (23.11.1911)
- Date
- 1911-11-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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»8 en vom I. 1.20. zur Er- . Heller stiaa Scherira i Gaon iMb. II. rauch in 17128 in* ti m $fl$$kind m Grimberg, ein jüdischer Minnesänger. .S**k Doch alle dachten damals nicht so menschlich und edel, wie Walcher von der Vogelweide, der Christen und Juden als gleichberechtigte Kinder des einen himmlischen Vaters ansah und der keinen Unterschied^wischen Adeligen und Bürgerlichen machte. Wie sehr Süßkind auf seine Ehre und seinen Namen hielt, geht aus einem Gedichte hervor, worin er den" Adel in der Entrüstung den Fehdehandschuh hinwirft, es lautet: „Wie gut ist's, daß gar mancher Mann Nvchch alles, was er möchte, kann; So manchem gab die Not Verstand, Ter jetzt als Tugendheld bekannt. Der Heuchler dort! Es tönt sein Wort Von Mild' und Wohltun fort und fort. Und dennoch wär' er, hätt' er Geld, Ter ärgste Gauner in d:r Welt. Hätt' er ein schmuckes Hörnerpaar, Brächt uns -er Esel in Gefahr, Und ging es nach dem Krokodil, 'Tie ganze Erde war' ein Mel. ad sehr Elegant (11190 rannt. Dem - Dieb behagen Schlösser nicht, Ter Gute nicht dem Bösewicht — Und manchem fehlt zur Schändlichkeit Nur Mut und die Gelegenheit." fertag, ». „Was singst Du, Jude?" hört mans schrei'n, „Soll das aus uns gemünzet sein? Berweg'ner Sänger, denke dran. Daß ich ein mächt'ger Edelmann!" Darauf antwortet Süßkind unerschrocken: .Jätet Edl es tut, den will ich e d el n e n neu, tzem 'HerA lst^mtt- E' bsste" Welsbrief, Tvch jedes Adelsblut veracht' ich tief, LLenn drauf der Siinden Schgndenmale brennen. Me Spreu verfliegt, die gold'nen Körner bleiben. Hinweg drum mit dem eitlen Adelsstolz, Wer adlig denkt, der ist aus bess'rem Holz Und wird der Menschheit bess're Früchte treiben. Und wenn auch seine Väter Bauern wären, — Pocht unterm grauen Wams nur treues Blut, Und übt er alle Tugend recht und gut, Will ich als w a h r e r E d e l m a n n ihn ehren." Das Lied verklingt im hohen Saal. Dia zieht der Burgherr blank den Stähl;.. Allein die Gäste wehren ihn: „Er ist ein Jude, laßt ihn ziehn, . Er ist des Ritterzorns' nicht wert. Sein Bluf"beflecke nicht Tein Schwert!" So wird unserem Sänger die Kunst verleidet. Welch ein Schmerz liegt in der Klage, mit der er ins Ghetto zurückkehrt: „Was soll das thörichte Wandern Mit Sang und Saitenspiel Bon einer Burg zur andern. Was ist m?in Lohn, mein Ziel? Sie wissen, daß der Sänger Verhaßten Glaubens Sohn, Sie reichen ihm nicht länger Ten kargen Minneloh«: « Verstummet Henn» ihr Lieder. ' Vor jedem Edelhaus, . Ich will als Jude ttriebet Zieh'n in die Welt hinaus; Will Mantel und Hut erfassen Und will nach Judenart Mir wieder wachsen lassen Ten langen, grauen Bart. ^diSeUN» i ... So will ich still verbringen Ten Rest, der mir beschert. Und denen nicht mehr singen T>ie meiner Kunst nicht wert." Papst Innozenz HI. hatte damals den kanonischen Erlaß gegeben, daß die Juden überall eine besondere, äußerlich leicht kenntliche Tracht zur Schau tragen sollten, und der Hohenstaufenkaiser Friedrich II. hatte 1221 auf die Ueberttetung dieses Gebots eine scharfe Strafe gesetzt. Demnach vertauschte Süßkind die kleidsame Tracht eines fahrenden Sängers mit dem Judenmantel und dem trichterförmigen, spitzen, gelben Hute — dem Abzeichen des Ehrenrats, wie ihn die Maneße'sche Liedersammlung darstellt. Doch ähnlich, wie den Juden in der babelonischen Gefangenschaft, schwand auch ihm das Gottvertrauen nicht, wie sein in deutscher Sprache angestimmter Psalm beweist: „König, Herr, hochgelobter Gott, was Tu vermagst! Tin leuchtest mit dem Tag und dunkelst mit'der Nacht, Davon die Welt viel Freud' und Wonne hat. König Herr, an Herrlichkeit Tir's me gebrach, Ter Du den Tag uns zierest nsit der Sonne Glanz, Und auch die Rächt Deines Mondlichts glänzet sanft, Du schmückest den Himmel mit. den Sternen. Ja, Deine Güte will immer schenken, uns bedenken! Du hast zu geben Gaben viel, die nimmer schwinden." Wir sehen, der ganze Gehalt mittelalterlicher Minuepoefie war auch unserem jüdischen Minnesänger in Fleisch und Blut übergegangen,' er sang „von Lenz und Liebe, vonsel'ger gold'ner Zeit/ von Freiheit/ Männerwüroe, von Treu und Heiligkeit." Die höchsten Fragen der Menschheit beschäftigen ihn, mitunter zeigt sich in seinen Sprüchen von scharfem, epigrammartigem Gepräge der. dem semitischen Stamme eigentümliche Esprit, besonders in Aussprüchen mit fast sozialistische« Anflug. So charakterisiert er tteffend den Unterschied von arm und reich in folgenden Versen: „Stroh sind die Armen; doch die Reichen Sind voller Aehren zu vergleichen. - Sagt selbst, wo käm das Korn wohl her, Wenn unter ihm der Halm nicht wär'? Wenns hoch sich wiegt in stolzer Pracht, Ter Halm hals in die Höh' gebracht; Trum ist. er auch ein fchtechtes Ding, Zum Freund ist er nicht zu gering. Wie leicht bedarfst Du seiner sehr. Bedrück ihn drob nicht allzu schwer; Tenn, wenn er fällt zur Schnitterszeit, Jsts aus mit Deiner Herrlichkeit. Wirf Nicht hinweg den - schlichten Wenn Sacke Du zu binden hast; Stets war der Mel gut genug. Daß er den Herrn die Lasten trug. Wer wäre hier nicht versucht/ an die lehrreiche altrömische Fabel „vom Bauch und den Gliedern", von der Notwendigkeit einträchtigen Zusammenhaltens der reichen und der armen Arbeiter zu denken, an die Fabel, die einst der abgesandte Patrizier Meuenius Agrippa den streikenden Plebejern vortrug? Walther von der Vogelwetde, mit dem Süßktnd von Trimberg so gern in Würzburg bei dem edlen Graf von Henneberg geweilt, wm: leider nicht mehr unter den Lebendener hattt dort seine letzte Ruhestatt gefunden und testamentarisch vermacht, daß in einer Mulde feines Grabsteins den Böglein, die er so sehr geliebt und denen er im Leben an holdem Sange so sehr geglichen, mit Semmeln gespeist wurden. Lange hatte man sein Vermächtnis in Ehren gehalten und den trauten Sängern des Waldes und Feldes dott das Futter gestreut, bis es die Chorherren von Würzburg für probater hielten, die Semmeln selbst zu verspeisen. Gar oft ehrt man des Dichters Andenken nach dem Tod? durch ein Denkmal von Stein und Etz, während man ihn im Leben darben läßt. Ging es doch unserm großen Schiller selbst nicht besser, und auch Süßkind von Trimberg sollte im Leben die bitterste Not empfinden. Im Anmut läßt er darum seine Laute erschallen : „Schlimm ists, wenn Kunst erst mit Verdruß Ten Bissen Brot sich rauben mich. Das will sein Innerstes empören. Wohlan, ihr Herrn, ihr sollt es hören! Es sprach mit traurigen Gebärden Ern Wolf: Was soll aus mir noch werden. Wenn ich in meines Hungers Not Stets kämpfen muß mit Angst und Tod? Mich hat Natur bestimmt zum Rauben; Schuld ist es nicht, ihr könnt es glauben. Vielleicht gewann' ich leichter mehr. Wenn ich voll Trug und Falschheit wär. Wollt' ich aüs krummen Wegen schleichen, Ich würve Geld gnd Gut erreichen. Pack' ich einmal ein Gänschen an, Ter Hunger, wißt's, ist schuld daran. Kein rotes Gold Hab' ich zu geben. Verzeiht dies offene Ränoerleben, Das schrecklich, aber besser ist Als Ränkeschmieden, Lug und List." Doch es ergeht ihm, wie dem „Zigeunerknaben im Norden" in Geibels rührendem Gedicht. „Spärlich reicht man ihm die Gabe, mürrisch 0 heißet man ihn gehen. Ach! den armen, braune»;> \