Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 47 (23.11.1911)
- Date
- 1911-11-23
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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enfe aui i/Bolog hatte eine pe, ms Piu welche, heint ni r- -- Feuilleton-Beilage zu Nr. 47 des „)sraelit". gege tgefunde kurel a 4e. D lphenvo lrchau nigs, w rr, we, aiserS, «hwiege Line beii rarthis. auch m, nicht d hl sein ., der pav araos euilleton. Lage Ser Kot. Erzählung aus dem Prager Ghetto. hon voi Wan III,j @eleu!ii Neu^ notftrltdl Don Oskar Ttei«. (5°.ts.tz»ng.) sprechen» Cs gab aber auch Stunden, in denen es den kin EinHjrafen reizter das Leben zu brechen, das ihm in ustauskE^ner lächerlichen Kleinheit ohnmächtig erschien. welchParte Steuern legte er den Juden auf, hörte s starblnbeugsam ihre flehentlichsten Bitten, er sperrte odesjah»as Ghettotor, er drohte mit Ausweisung, mit rS? &eF*rofc und Tod. Und wenn er im Grimm wsuS lMnes ZorneS den verschüchterten Jakob traf, Münze«chte er: „Haha, drückt das Leben und schreit "schMWnd weint und krümmt deinen Rücken? Geh' r bwseU?bh Jude! Hilf dir auf, rette dich vor mir! lumcheWtiro doch, wenn du kannst, lache, und ich will asos alltr recht geben, daß dein Leben stärker ist als , Hie Welt, daß du die Sterne nicht brauchst, um ^NlteFüch deinem Schicksal zu fragen!" rt wärß „Herr Graf," antwortete Jakob, „was liegt rr meinem Leben und an meiner Qual? «t. D»ann einer die Erde unfruchtbar machen, wenn nur eiifr Baum um Baum umhaut, kann einer allen amen aus den Furchen reißen, daß pine Halme a-Stell<Ilehr sprießt?" Briefe» Da legte ihm der Gubernator die Hand auf föhil-P Schulter. „Ich will dich und Deinesgleichen »s, daGlnÄn einziges Menschenleben knieen und schreien ie/ Jrqehw, wenn es einst an der Zeit ist!" solche,!us"a^I Die Zeit kam. Es war an dem Tage, an ihn Theomim und Henoch Schammes den Mühseligen Weg gingen, um die Vorhänge dem aiserlichen Richter der Kleinselte zurückzuerstatn. Der Mchter war ein wohlwollender Mann, en Juden gewogen und nicht blind gegen das arte Kämpfen des Ghettos. Er fragte nicht ach dem Wie und Wo und nicht nach dem äufer, doch hieß er sie warten, weil ihm der efehl zugegangen war, dem Gubernator jede eue Rachricht über die gesuchten Vorhänge zu elden. Bleich kam er zurück. „Der Herr raf," sagte er, „hat befohlen, euch vor ihn zu rinMi- Ich muß gehorchen. Es find Soldaten rautzen, die euch führen werden." Und als er en Wbrechen fah, den feine Worte in das Gesicht er Juden zeichneten, fügte er hinzu: „Es geht attchmat ein Wetter nieder vom grauschwarzen tmmel, daß die Aeste knicken und die Eichen beben. Doch allzeit ist es wieder hell n Bor eltgiöse ifi der icz tnVep 1 Ber-»ew0rBett und die freundliche Frau Sonne ist xxptcbcrgetommen zur Herzstärkung für die Men- Wto. Auch die schwerste Stunde hat eine letzte - Minute, und der bekümmert geht, kommt froh ieder!" Die Abgesandten des Ghettos wurden von L ffünf Landsknechten, denen die weißen wallenden ch »federn über breiten Hüten hinabhingen und I zum lange, schwere Schwerter nachraffelten, ins IJÜte»/ ißtal&ftetnfrfje Haus geführt. .Als sie durch das “ l'2 Kot gingen, klopfte einer der Gesellen an das chuvfensterchen der Wachstube. „He, Wärtel, ie Juden find da! Wenn der Waldstein Juden angen will, will ich's gerne besorgen, nur müssen h Weiberrtzcke tragen und schwarze Augen yaben, onst Gn sch nicht der richtige Mann dazu! i' Mi Rche aus, Wärtel!" Klein Ueber n unh tz QUi t nach und givsen >ischen zu vch. Der Pförtner lachte und schob die Juden in seine Stube. Dort saßen sie still Stunde um Stunde. Am späten Nachmittag wurden sie vor den Gubernator geführt. Das Licht, das durch ein buntes Fenster den Eintretenden entgegenfiel, war tiefgeneigt und lauernd, wie das Auge des Grafen. Sie standen nahe an der Tür, dort, wo der fahle Strahl des Tages auf dem spiegelblanken Boden lag, und fühlten mit niedergeschlagenen Augen den Blick, der auf ihnen ruhte. Der Graft beugte sich vor und auf seiner Stirn schwollen die Adern vor Zorn. „Kommt Ihr endlich, Juden?! Näher, näher mit Euch, ich will die Lüge auf Euren Wangen sehen und die Angst, die totenbleich in Eueren Augen steht! . . . Oder seid Ihr furchtlos vor dem Tode? Ja, der Tod ist da, er sitzt vor Euch ungerufen, wie immer, und greift nach dem Schuldigen, wie der Büttel nach dem Lumpen . . . Was habt Ihr mir zu sagen?" Jakob Theomim sah den Grafen an; der lgchte: „Du bist es& Jakob! Nun, D eine Rede : wird kurz sein! Sprich!" Ein Zittern lief über den gebeugten Körper des alten Borstehers. „Herr Graf", begann er, „Ihr seid weise und edel und Ihr seid mächtig! Es ist keiner im Lande, der Euerem Worte widerstreitet. Auch wir gehorchen Euch mit frohem Herzen! .... Einer aus unserer Gemeindl ich selbst kenne nicht seinen. Namen — hat vier Tage, bevor Euer Befehl erging, von Soldaten die Vorhänge gekauft, die jene gestohlen haben. Er hat sie in der heutigen Nacht dem Vertranten der Gemeinde, Henoch, der hier neben mir steht, zurückgebracht und das Beth-Din hat uns am frühen Morgen entsendet, das gestohlene Gut dem kaiserlichen Richter zu bringen. Wir wollen die Sühne tragen, die Ihr uns au'ferlegt, doch schont den, der Eueren Befehl nicht kannte . . ." Der Gubernator unterbrach den Sprecher: „Genug der Worte! Mein Spruch ist getan!" Er winkte dem Hauptmann: „Der Freimann möge bereit sein und mit seinen Gesellen einen Judengalgen bauen. Sie sollen ihr gesondert Holz haben; und rechts und links davon laßt einen Pfahl einschkagen für zwei Hunde, die mit dem Juden gemeinsam sterben sollen!" Der Hauptmann ging. Dann wandte sich der Graf wieder zu den beiden: „Der den Namen des Schuldigen famtt, möge ihn nennen! Gib mir Antwort, wenn ich frage . . .! Soll ich Deinen Mund öffnen lassen und die Zunge peitschen, daß sie redet?" Da trat Henoch mit stolzem Kopfe vor: „Mein Amt ist es, zu sc^veigen, wie Eu^r Amt, zu richten! Wo soll denn Glauben und Vertrauen sein, wenn nicht im Worte eines Mannes? Es kam einer zu mir nach altem Brauch und nach dem Rechte, das der Kaiser uns gab, seine Schuld, die er ahnungslos beging, zu verbergen, ich will nicht zum BerrHter an dem Manne werden!" Waldstein winkte den Soldaten: „Nehmt diesen und legt ihn in Eisen! Und Du, Jakob, geh heim und sag' Deinem Rate, daß ich diesen statt des Schuldigen nehme. Ein Tag sei Euch gegeben, ein einziger, und wenn er Vorbeigehen sollte, ohne daß der Verurteilte vor mir steht, so wird dieser den Tod des anderen sterben! Spar Deine Worte, eil' heim!" Jakob war zurückgewichen: „Herr, Herr", schrie er auf, „Ihr spielt mit uns' um ein Menschenleben! Nehmt Euer Wort zurück, nehmt es zurück..." „Genug, Jude! Schreist Du, weit es um einen Kopf geht? Was liegt am Leben eines Juden? Sind nicht Halme genug auf dem Felde? ..." Da blickte sich Henoch, den die Soldaten schon an Leib und Armen hielten, um und maß den Saal und die Menschen darin mit starkem Blicke und sprach ruhig: „In der Gasse warten sie auf uns, Rebb Jäkob! Ich seh sie voll Kummer und Sorgen. . . Geht, bringt ihnen Nachricht, daß das Unheil sich wandte, daß keine Gefahr ihren Schlaf und ihr Leben bedroht. Und sagt dem Rate, daß er sich meines Weibes annehmen möge... sie wird leiden!" Die Soldaten führten ihn ab. An dem dunklen Fenster stand der Graf und wies" stumm zur Tür. Jakob ging. Als das Tor des Ghettos sich öffnete und der Vorsteher allein erschien, als me Ersten am Tore sahen, daß Rebb Henoch fehlte, wuchs von Mund zu Mund der Schrecken und die Klage. Sie schrieen nicht, aber sie faßten sich an den Händen, sie weinten, ehe sie noch wußten, was eigentlich geschehen war. Keiner fragte, an den Häusern standen sie und ließen Rebb Jakob vorbei, der ins Haus des Oberrabbiners eilte zur Sitzung des Beth-Din. In der Breiten Gasse war Kops an Kopf und tausend Augen haWen nach dem gelben Scheine, der aus den Fenstern drang, hinter denen der Rat versammelt war. Sie begannen, leise zu sprechen, einer zum anderen, wie sich's traf, wie sie neben und Hutter einander standen, und hatten alle die gleichen Fragen auf den Lippen: „Was geschaht „Was wird?" „Was ist unler Teil?" Und von allen Lippen antwortete die Gegenfrage, die sich aus der Menge riß, wie die Lawine zum Schneefelsen und hart in jedem Kerzen aufschlug: „Wo, wo ist Rebb Henoch?" Als dann endlich die Tür des Hauses in der Breiten Gasse sich auftat,, als der Schulklopfer, der heute die Stelle des' Bethi-Din- Schämmes vertrat, voranschritt und der Rat ihm folgte, des greisen Rabbi Lipman hochaufragende Gestalt, umgeben von den grauen Gesichtern der zehn Vorsteher und Beisitzer, und der Ruf in den Gassen erscholl „In Schul! In Schul!", als in der Altneuschul' der Oberrabbiner den Lauschenden, Zitternden, erzählte, welches Schick- Zsal Rebb Henoch bedrohe, als er den Bruder rühmte, der sein Leben zu opfern bereit .sei, seiner Verpflichtung treu, die ihn zum Vertrauten der Gemeinde gemacht hatte,, als er mit heißen Worten das Gebet jeder Brust nachsprach um Rettung und Hilfe, als das ganze Ghetto die Antwort wußte auf seine Frage, da kannte jeder seinen Teil an dem Schicksal des einen. Wie sehnten sie den Morgen herbei, wie wünschten sie sich die Kraft der Rede, das Flehen des Kindes, die Macht der Großen! Wie wollten sie eilen von Mus zu Haus, eirf jeder zu dem, der ihm wohlgewogen war unter den Bürgern und Beamten der Stadt, zu den Ratsherren und Richtern, zu den vornehmen Adelsfamilien, zu den Jesuiten und geistlichen Herren, zum Pfarrer des Domes, der der Beichtvater mancher edlen Dame war, zu den Offizieren des' Gubernators, zu seinen Freunden und Vertrauten! Wie viele kluge, warme, herzbewegende Worte wurden ersonnen, als sie voneinander gingen, wie viele Wege wurden beschlossen, alle, alle auf ein einziges Ziel gerichtet, Henoch zu retten! Und wie viele Herzen glaubten und hofften und wie viele Leiden ertrugen die Sorgerwen in dieser Nacht, die dem Ghetto endlos schien! Während noch viele auf der Gasse waren und manche bei Jakob Theomin vorsprachen und ihm Geld brachten, damit der Siühlwbetrag bereit sei. wenn die hundert Mittel, die man zur Befreiung Rebb Heuochs am nächsten Morgen zu versuchen gedachte, den ersehnten Erfolg erzielen würden, während der Zweifel und die Sorge nagte und der Glaube tröstete, stand Josef Thein vor seinem Weibe. Er sagte ihr den Weg, auf dem Rebb Henoch zu retten war. (Fortsetzung folgt.)