Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 47 (23.11.1911)
- Date
- 1911-11-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Dem vom Borfitzenden des Vorstandes, Herm S. Rheinhold, erstatteten Bericht ist u. a. zu entnehmen, daß die Knabmanstalt stets voll besetzt war, viele Anmeldungen zurückflkwiesen werden wußten und baß statt der 1*0 Zöglinge 200 hätten ausgenommen werden können, wenn Raum und Mittel zur Verfügung ständen. Die entlasienen Lehrlinge der verschiedenen Betriebe kamen gut unter, zum Teil in leitenden Stellungen. (Me steht eS Mit der Wahrung des Sabbats bet der Auswahl der Lehrstellen? Red.) Etwa 20 Prozent der Entlassenen find selbständig. Im neuorganifierten Mädchenhaus find von 60 verfügbaren Plätzen 54 besetzt. Die Gesamtzahl der bislang ausgevtldeten jungen Leute beträgt 192. Davon ist ein überaus großer Teil in Deutschland grbl'eben. Bon den im Auslgnoe beschäftigten sei ein Farmverwalter in Deutsch-Neu-Guinea und ferner fieben Gärtnerechefitzer vezw. Gärtnererpächt« in Amerika erwähnt. Die Gärtnerei hat trotz der ungünstigen Sommerwttterung dank der neu angelegten Bewässerungsanlage gute Ergebnisse gebracht. Die Bäckerei und die Schn iderei decken den ganzen Bedarf der Anstalt, erstere besitzt auch Prtvatkundschaft. Die Finanzlage der Anstalt läßt nach dem Wetter erstatteten Bericht des Herrn Direktor Berliner zu wünschen übrig. Er sagt in seinem Berichte: Wir haben im Jahre 1910 etwa 5000 Mk. mehr auszegeben als wir eingenommen haben) in diesem Jabre ist es ähnlich) die Mehrausgabe beträgt etwa 14000 Mk. Redner appelliert an die Mitarbeit der Anwesenden und Weist auf die dringende Notwendigkeit der Errichtung eines neuen Knabenvauses anstelle des in schlechtem Zustande befindlichen alten htn. Auch eine richtige Turnhalle für den Winter fei erforderlich. Herr Strauß, em Mitglied des. Frankfurter LokalkomtteeS, berichtet über die freudige Entwickelung der htestgen Ortsgruppe. Die Mttgltederzahl und Beiträge — letztere z. Zt. 3649 Mk. — find auch im Jahre 1911 wieder gewachsen, wenn auch eine Anzahl zum Teil namhafter Beiträge durch Tod bezw. Wegzug in Wegfall gekommen ist. Direktor SilVerberg, der Leiter der Ahlemer Anstalt, weist auf die Ausstellung htn, die bekanntlich in der Frankfurt-Loge stallfindet. Im einzelnen berichtet er über die innere Entwickelung der verschiedenen Betriebe. Bon den Schulpflichtigen widmen sich 60 btS 70 Prozent der Bodenkultur als Beruf, die übrigen fast alle dem Handwerk. Hoher Wert wirb auf eine allseitige körperliche Ausblldung gelegt. In dem weiteren Verlauf der Verhandlungen be- Sründrt Rechtsanwalt Dr. Guggen heim-Offenbach te Anregung, eine ähnliche Anstalt wie Ahlem auch in Süddemschland zu «richten. Rechtsanwalt Dr. Baerwald weist darauf hin, daß Ahlem einen Etat von ca. 12000 Ml. jährlich habe, und daß — so dankenswert auch die Anregung sei — zunächst Ahlem gestärkt werden müffe. Rabbiner Dr. Munk-Marburg berichtet, daß im Schüler- und Lehrltngßhetm Marburg ca. 90 Zöglinge regelmäßig im Gartenbau beschäftigt find. Stadtverordneter Fromm gibt eine beachtenswerte Anregung in der Richtung, daß Wanderlehrer in die kleinen jüdischen Gemeinden, zur Ausbildung im Gartenbau und Handfertigkeit, gesandt werden. L. Nickelsberg-Offenbach gibt anheim, die Mädchenanstalt, die sich wohl nicht recht bewährt habe, in eine Knabenanstalt uwzuwanbeln. An der DISkusfion beteiligten fich noch die Herren Rosenthal-Würzvmg, Direktor Carl Herzberg L. Picard- Frankfurt und Justizrat Dr. WolferS- Hannover. Herr Rheinholb bankt für die Anregungen von Dr. Guggenheim und Fromm, die von der Simonfchen Sttfmng (die nebenbei bemerkt bereUS 70 jüdische Gemeinden für Schulgärten unterstützt) später vielleicht verwirklicht werden könne. Außerdem wird die Stiftung in Peine eine Anstalt errichten zur Ausbildung jüdischer Lehrer in Handfertigkeit und verwandten Stoffen. Bemerkenswert war dabei noch die weitere Mitteilung des RedyerS, daß der preußische FtSkus hierfür ein größeres Territorium der Sttfmng zu besonders günstigen Bedingungen überwiesen hat. Berlin, 13. Nov. Das Zentralkomitee -«Alliance JSraelite Universelle in Paris hat den Beitrag von zusammen 20000 FrS. als Beihilfe für folgende von Branbkatastrophen drtroffenm jüdischen Ortschaften in Rußland bewilligt: Puchelatti, Betsagola, Retowo, Lawkowo (Gouvernement Sowno), TfchetfcherSk, Jurawttfchi, Kostin-' kowitfchi (Gouv. Mohilew), Koben, LaSkarjew (Gouv. Tieblotz), Turow (Gouv. Minsk), BoleSlawitz (Gouv. Kalisch), Makarof (Gouv. Kiew). - Breslau, 13. Nov. Wie man erfährt, ist bet der Staatsanwaltschaft in Beutyen eine Anzeige über den bekannt« Kouttzer Gymnasiastenmord eingegangen. Die geschiedene Frau eines Agenten tn Stmianowttz bekundete, daß ihr Mannsehr häufig jenes Mordes gedacht und fich dabet jedesmal recht sonderbar benommen habe. Er habe zeitweise die Tat in allen angeblichen Einzelheiten mtt grauenerregender Deutlichkeit geschlldert und alsdann sei er tn heftiges Schluchzen ausgebrochen. Der Angeschuldtgte war nach dem Könitz« Mord nach Siemtanowitz gezogen und halte htn eine Bäckerei eröffnet. Jetzt befaßt er sich mit Agentur- und Vermittlungsgeschäften. Inwieweit diese Anzeige Licht über diese unselige Affäre bringen wird, bleibt abzuvarten. Wie nachträglich berichtet wird, ist der verdächtige Agent Br ä ul ich in Laurahütte am 20. d. MtS. ve hastet worben. Kiel, 12. Novbr. Am vergangenen Freitagabend wurden in der htestgen Synagoge 10 jüdische Martnerekruten zum Fahnen eibe vorbereitet. Damit ist die Anzahl der bei der Marine dienenden Mannschaften bet d« Ostseestatton auf 28 Mann angewachsen. Die Vereidigung fand auch diesmal in Anwesenheit Sr. M. deS Kaisers statt. Strasburg, 12. Novbr. Bon der Verpflichtung, zwei Tage nachzudienen, find die jüdischen Einjährigen nun durch eine neue Verfügung deSGmeralkommandös befreit worden. Die Einjährigen waren, wie wtr seinerzeit mitgeteilt, wegen d« jüdischm Feiertage am % Otober erst am nächstfolgenden Tage eingetreten. In dem Schreiben an das jüdische Konfistortum hi« wurde bedeutet, baß die Einjährigen für den 1. und 2. Oktob« 1912 Dimstvefretung erhalten ob« Urlaub etnretchen können. Die Frist von 14 Urlaubstogen darf indes nicht überschritten werden. _ „ , Jaffa, 5. Nov. Jüngst ritt ein jüdisch« WechSl« auf feinem Esel von Jaffa allein nach Pethach-Ttkwah. In der Nähe von Garona überfielen ihn Araber, töteten ihn und raubten seine Barschaft von etwa 2000 FrS. Ein angesehener Herr aus Pethoch-Tikwah fuhr etwas spät« diesen Weg und fand den Leichnam in seinem Blute liegen. Mit'Hilfe deS jüdischen Fuhrmanns — fein Begleiter war ein Kohen — lud er den Toten auf seinen Wagen und führte ihn alS pilLV flö nach Jaffa zurück. Es wurden mehrere Araber, die der Tat verdächtigt «scheinen, tn Hast genommen. Der eigentliche Mörder konnte aber noch nicht eruiert werden. Uereinswem Berlin, 8. Nov. Die Frauengruppe der freien Bereinigung für die Interessen deS orthodoxen Judentums hat beschloffen, um baS Interesse für Zweck und Ziel deS Vereins m Groß- Berlin zu fördern, am ersten Dienstag eines jeden MonatS BeretnSabende abzuhalten. Hierzu haben hervorragende Persönlichkeiten auf den Gebieten der Kunst und Wtffenschast tn liebenswürdigster Beretiwtlltgkett ihre Zusage als Redner erteilt. Der erste dieser Abende fand Dienstag, den 7. d. Mrs. im Logenhetm statt. Schon lange vor Eintritt der festgesetzten Zeit war der große Saal so überfüllt, daß ein Teil der Gäste mit dm Rebenräumen und Korridoren fürlteb nehmen muß e. Die B'rfitzende, Frau B. Galewski, begrüßte zunächst die Versammlung und entwickelte daS Programm b« BereinSavende. Dann erteilte sie dem Redner des Abends, Herrn Rabdinn Dr. Liebermann, daS Wort. Derselbe sprach in fast einslündigem glänzendem Vorträge üb« „DaS Symbol des Judentums". Er legte klar, wie der spontane Ausdruck innerlichen Erlebens allmählich fich zum Symbol gestaltete, wie auf diese Art die Künste und die Sprachen fich entwickelten und ging dann zu den Symbolen des Judentums und drrm Würpigung über. Trotz der Hitze tn dem überfüllten Saale folgten die Hör« mit Hingabe dem gedankenreichen Bortrage und nahmen die geistvollen Ausführungen der fein pointierten Rede mit groß« Begeffterung auf. Auch die weiteren Darbtetungm des Abends, mehrere Lieder zur Laute, meisterhaft vorgetragm von Herrn Dr. E a s s e l, sowie die deutsche Uebersetzung eines packendm dramatischen Gedichtevon Francois Coppö, mrt groß« Verve und künstlerischer Gestaltungskraft rezitiert von Frau S. Kaufmann, fanden stürmischen Beifall. D« wohlgelungene Abend gewann dem Verein eine stattliche Anzahl neu« Mitglied« Hamburg, 30. Oktober. Der „Verband der Sabvatfreunbe, Ortsgruppe Hamburg,» hielt im Logenheim, Hartungstraße, feine Generalversammlung unt« dem Vorsitz deS Herr» M. Jakobfen ab. Der Vorsitzende hob bet Erstattung deS Jahresberichts hervor, daß die Ortsgruppe auch im verflvffenen Geschäftsjahr eine rege Tätigkeit entfaltete und versuchte, die religiöse Ueverzeugung der Mitglied« und d« Außenstehenden, die fich an ihn wandten, durch Rat und Tat zu befestigen und zu unterstützen. DaS kommende Geschäftsjahr werde der Ortsgruppe rege Arbett bringen befond«S dadurch, baß der diesjährige Delegtertentag am 25. und 26. Dezember in Hamburg tage« wirb. Der Hauptpunkt der diesmaligen Tagung werde die Stellungnahme zur bevorstehenden Abänderung der Sonntagsruhe bilden. Es müsse dafür gesorgt w«den, daß auf die religiösen Gefühle und die geschäftlichen Bedürfnisse der Personen, die am SamStag Nicht arbetteten, genügende Rücksicht genommen w rde. AuS dem dann vom Schatzmeister, Herrn Meyer, «statteten Kassenbericht konme konstatiert werdm, daß die Ortsgruppe, trotz der erhöhten Ausgaben mit einem kleinen Gewinnsaldo adschließt. In d« DiSkusfion regte Herr Stern die Veranstaltung von Lese- und Lernabenden für die Jugend am Freitag abend an. D« Vorsitzende bezweifelte die Notwendigkeit dies« Einrichtung, während die Herren Ltpst'abt, Stern und Falk entgegengesetzt« Meinung waren. D« Vorstand v«sprach die Angelegenheit im Auge zu behatten und darauf zurückzukommen. Rach Genehmigung des Geschäfts» und KassenbertchtS wurden die statutengemäß ausscheibenden Herren A. Auerbach, H. Gumpertz und Cäsar Kleve alS Borstandmttglied« wieb«gewählt. Köln, 5. November. AuS dem soeben «schimmert 6. Rechenschaftsbericht des fugend - Vereins Gabriel Rießer in Köln» entnehmm wir folgendes : Im verflossenen Jahr ist eS Idem Vereine gelungen, die Zahl der Mitglied« so beträchtlich zu «höhen, baß nunmehr daS erste Taufend wett überschritten ist. Ein reich« Stoff zu regem Gedankenaustausch bot fich an dm Borträgm, die auf. speziell jüdischm wie allgemein kulturellen Gebiet« wichtige Probleme behandelten. Andere Faktorm, die dem V«ein feine w«bmde Kraft gegeben, waren die Einrichtung b« Freitagavmbhgesellschaftltche Veranstaltungen, Kunst- und literarische «Lende, sodann seine Sprach- und wiffmschaMichm Kurse. Aus Initiative des V«ein8 wurde am 18. DezrmV« 1910 b« „Beztrksverband der jüdischen Jugend- Vereine Westdeutschlands», gegründet. Dies« soll tn erst« Linie den Vereinen an kleinen und mtttlerm Plätzen zu gute kommen. Weiterhin nahm er an d« tm Mat 1911 zu Elberfeld tagend«, von Herr» Staatsmtntst« von Möller einberufmm drittm Jugendpflege-Konferenz und an d« 5. Konferenz d« Zentralstelle für Bolkswohlfahrt tell. Pmonaliea. Berlin, 22. Nov. Am 25. Novemv« d. Js , d« ersten Wiederkehr des Todestages des Herm Dr. Hirsch Hildesheimer S»vf wird am Grabe des Verstorbenen auf dem Friedhöfe d« Gemeinde Adaß JtSroel 1» Wetßknfee, Falkmvurger Chaussee, mittags 12V, Uhr von dm Dozenten des Rabbin«semtnarS eine Gedenkfeier veranstaltet werdm. Zur Erinnerung ist ein Gedenkbuch «schtmm, daS deS Berstorben« LebmSgang sowie die Nachrufe, Trauerreden usw., die ihm gewidmet worden find, enthält. Es soll zugunsten d« Dr. Hirsch Hildesheimer-Stiftung verkauft werdm und ist b« Mindestpreis auf 3 Mark festgesetzt) jeder höh«e Betrag wird die Stiftung der» größer» helfen. Schweinsurt, 20. Nov. Sin schw«« Gang war es, von dem wtr eben zurückkamm. Galt eS doch b« Besten einem die letzte Ehre zu erweisen Herr JvliuS Hahn war groß als Jehudi und als Mensch. AlS am Freitag abend kurz nach Eingang deS fDV fetne Seele heimkehrte zu ihrem himwlifchm Bat«, qvS D’öSwn "pH nmaai naw iSdp, da fühlte jeder dm großen Verlust, den die Familte und mit ihr die Gemeinde «litt«. Julius Hahn gebürte zu jene» leider fo seltmm Männe«, die in unerlchrockm« und tatkräfttg« Weise ihr Judentum hochhalim und srm davon find, auf Kostm b« Religion dem Zeltgeiste Ikonzesfionen zu machen. Sein Lebe« war beispielgebend für alle, die mtt ihm in nähere Berührung kamen. Seine stritte Beobachtung deS die ihm bet feinem wett ausgedehnten Geschäfte berrteve manch schw«eS Opftrr kostetet, ebenso seine Wohltätigkeit, die allndtngS nur zum alle kleinsten «Teile an die Oeffmtlichkeit gelangte — denn jriD war ihm Selbstverständuchkett — warm allbekannt. An dm överstcmd er eS als njppft Sw und nS'Bn Sw durch seinen verständnisinnigen Bortrag die Hnzm sein« Zuhörer zu Sott emporzubebm Daß ein solch« Jehudi die wichttgste Pflicht, daS Thorastudtum nicht vemachläPgte, braucht kaum gesagt m werden) « hatte trotz sein« vtelsetttgm geschäftlichen Tättgkett immer noch einige Stunbm tn d« Woche für das Lemm übrig. In ttefempfundm« Rede würdigte Herr Rabbtn« Dr. Stein all diese h«rltchm Eigmschastm des eblm B«blichmm und indem « noch feüi inniges Familienleben hervorhob, verlieh « ihm dm “on Titel. Möge '»VN Trost spmdm d« ttauerndm Gattin, d« gretsm Mutter und dm unmündig« Lktndern. Sein Andmkm wird ein gesegnetes bleiben. »riefen, 10. Nov. Die hiesige Synagogmgemetude veranstalkete am Mittwoch avmd eine Ab schieb Sfeter für Rabbiner Dr. Eppstein, b« als Privatdozmt nach B«ltn geht. Auch B«treter von Nackbaraemeindm waren erschienen. Die Gemeinde tn Semeinsthast mtt dem Be«dlgungS- und ^5krankenpflegev«ein machte dem Scheidend« eine Studt«ztmmer-Einrichtung zum Veschmk. tterelmiralemler. Jüdische Frauenvereinigung e. B. Montag, dm 27. November, abends 8s]i Uhr tm ehemalige» Beretnslokale des Saufarännischm B«einS, Langestraße 26, II.: H«r Prof. Dr. I. H. Bondi: AuSgewühlte Schriften aus d« jüdisch« Geschichte. Mittwoch, 29. Rov., abends 83/« Uhr im neuen Hvrsaale der JLraelttifchm ReligwnSgesellschast Fried» berger Anlage 5: Hnr Rabbiner Dr. Sal. Breuer: „Urb« dm Geist d« jüdisch« Gesetze.» Berel» Met« Lbaji»u (BneinSlottü Lanaestraße 18.) Freitag, dm 24. Rodbr^ abmdS nach Schmh >•*