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Der Israelit · 1911-11-23 · Heft 47 (23.11.1911) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 47 (23.11.1911)
Date
1911-11-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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■B CpRBtnlt Schulordens veranstalteten die Nationalisten und Antisemiten einen Protestumzug, der darin gipfelte, daß eine Unzahl von Fensterscheiben an jüdischen Häusern zertrümmert und auch einige Juden mißhandelt wurden. Die Kämpfer für Religion krönten ihr „gottgefälliges" Werk damit, daß sie die Thore der Synagoge sprengten, in die Synagoge eindrangen und daselbst in einer Weise hausten, wie es ihre beffarabischen Verbündeten auch nicht kunstgerechter zustande gebracht hätten. In ihrem Vandalismus haben sie bedeutenden Schaden angerichtet. Die unzulängliche Polizei "konnte nur mit Mühe der Exzesse Herr werden. Während diese erbaulichen' Dinge sich in der Provinz zutragen, wird aus der französischen Hauptstadt eine systematische Hetze gegen die „unerwünschten Fremdlinge" gemeldet, die bereits sehr bedenkliche Formen anzunehmen droht. Bekanntlich hat sich im vierten Bezirk von Paris durch die gesteigerte Einwanderung von Juden aus Rußland, Rumänien und Galtzfen ein förmliches Ghetto nach Londoner oder Newyorker Muster herausgebildet. Gegen diesen vierten Bezirk richtet sich nun der organisierte Kampf. Vorige Woche fand in einem der größten Säle von Paris eine vom „Verbände der Kaufleute und privilegierten Bürger" einberufene Massenversammlung statt, in welcher eine Protestresolution gegen „eine unbestimmte Bevölkerung" gefaßt wurde, „welche ohne gesicherte Existenz, mir verdächtigen Berufen aus den östlichen Staaten zu uns «mmerr, kein Wort französisch verstehen und zusammengepfercht in Schmutz lebt." Diese Protestresolution wurde durch eine Abordnung dem Ministerpräsidenten Cailleaux überreicht und sämtlichen Blättern zugesandt. Auf der anderen Seite wurde dem Gemeinderate ein Antrag unterbreitet, wonach jedem „Ausländer" (lies: ausländischen Juden) eine Kopfsteuer von 50 Frs. pro Jahr und überdies die Pflicht, sich bei der Polizei zu melden, auferlegt werden soll. Zuwiderhandelnde sollen empfindlich bestraft und des Landes verwiesen werden. Ueberdies soll demnächst auch her Kammer der Entwurf eines Fremdengesetzes vorgelegt werden, durch welches bestimmten Kategorien von „Fremden" der Einlaß in Frankreich verweigert werden soll. gtatnänten. „Ehrenmerte“ Mnner ArtLareff, 16. November. Bor einigen Monaten erstattete der Gewerbetreibende Pack die Anzeige, daß der jüdische Kaufmann Finkelstein, mit dem er geschäftliche Differenzen hatte, den sechsjährigen Sohn Packs zu sich gelockt habe und ihm zu rituellen Zwecken Blut abgezapft habe, um ihm jedoch sonst kein Leid anzutun. Trotzdem die Tendenz der Denuziation offen zutage trat, leitete die Staatsanwaltschaft gegen Finkelstein ein gerichtliches Verfahren ein, welches die Haltlosigkeit der Anzeige ergab. Der Advokat Packs Dr. Nikolaus Scartzan verlangte jedoch die Wiederaufnahme des Berfarens gegen Finkelstein. Gleichzeitig richtete er in den Bukarester Blättern heftige Angriffe gegen die Juden und beschuldigte sie des Rrtualmordes. Nunmehr ist in dieser Affäre eine sensationelle Wendung eingetreten. Dr. Scartzan« wurde auf Grund der Anzeige eines Klienten und Finkelsteins, dem er tausend Franks zu erpressen suchte, verhaftet. Gleichzeitig wurde auch sein Mitarbeiter, ebenfalls unter der Beschuldigung der versuchten Erpressung, in Haft genommen. Die beiden haben bereits eingestanden, die ganze Affäre nur zu dem Zwecke angezettelt zu haben, um von Finkelstetn Geld zu erpressen. igfoläßino* Jerusalem, 1. November. Ein von gesetzestreuen Palästinafreunden längst gehegter Wunsch ist jetzt in Erfüllung gegangen. Die Syriendampfer des oesterr. Lloyd von Jaffa nach' Triest werden nicht mehr amSabbath, sondern am Mittwoch von Jaffa abgehen. Diese Dampfer haben Freitag in Alexandrien direkten Anschluß mach Triest. Nach dem bisherigen Fahrplan fuhren die Eildampfer sowohl in Jaffa als auch in Alexandrien am Sabbath ab. Von Triest gehen die Eildampfer nach Alexandrien Sonntag nachmittags ab. Durch den Anschluß an die Syriendampfer in Alexandrien erfolgt die Ankunft in Jaffa schon Freitag morgens, so daß man auf der Herreise am Sabbath garnicht zu reisen hat. Man kann vielmehr von deutschen Städten am Ausgang des Sabbaths abreisen und schon Freitag morgens in Jaffa etntreffen. Die Eildampfer des oesterr. Lloyd machen jetzt die Reise von Triest nach Alerandrien in drei Tagen. Aus Sem heiligen Lande. (Bon unserem Korresponbeten.) Jaffa, 4. Nov. Ein wohltuender Frühregen hat sich rechtzeitig eingestellt. In ganz Palästina ist die Luft abgekühlt, was den Gesundheitszustand im Allgemeinen recht günstig beeinflußt. Am jüngsten Sabbat fiel auch ein starker Hagel, der glücklicherweise keinen Schaden angertchtet hat. In den Kolonien beginnt die Orangenerte, von der man sich ein gutes Ergebnis verspricht. Aus Jerusalem werden ebenfalls gute Witterungsverhättnifse gemeldet. Mit Beginn des Winters hat leider auch die Auswanderung wieder große Dimensionen angenommen. Es sind hauptsächlich jüngere Leute aus Jerusalem, die von der Not getrieben, zum Wanderstabe greifen. Die Jerusalemer Bevölkerung letdtt immer mehr an den Folgen der im vorigen Jahre dort ausgebrochenen wirtschaftlichen Krisis. Inzwischen haben die europäischen Organisationen wieder eine Anzahl neuer Schulen gegründet, aber um die wirtschaftliche Not im täglichen Erwerbsleben haben sich diese Kreise garnicht gekümmert. Das hebräische Tageblatt „Haor" erscheint wieder unter der Redaktion der Familie Ben- Jehuda. In den jüygsten Nummern dieser Zeitung wird wiederholt gegen die Eltern geeifert, die ihre Kinder in die Missionsschulen schicken. Dieses Eisern gegen den Missionsschul-Unfug wäre an und für sich lobenswert und man'kann es auch Vater und Sohn Ben-Jehuda glauben, daß ihnen die Missionsschulen in der Seele verhaßt sind. In dieser Zeitung wird aber behauptet, „daß viele dieser Eltern fette Chaluka beziehen und die Oeffentlichkeit wird aufgefordert, den auswärttgen Wohltätern mitzuteilen, für wen sie ihre milden Gaben schicken". Sogenannte fette (?) Chaluka — wie sich „Haor" ausorückt — gibt es bekanntlich nur bei den ungarischen Kaulelim. Ebenso bekannt ist? es aber, daß gerade bei diesem Kautel denjenigen Eltern, deren Kinder auch nur die Schulen des Hilfsvereins oder der Alliance besuchen, im Sinne der Kaulelstatuten die Chaluka entzogen werden muß. Die jüdische Oeffentlichkeit wäre „Haor" also dankbar, wenn diese Chalukahelden auch öffentlich an den Pranger gestellt würden. Namen nennen und nicht unschuldige Kreise verdächtigen! In Jerusalem sollen es nach „Haor" sogar Mermmim und Notablen der Gemeinde sein, die ihre Kinder zu den Missionären schicken. mXD □'sann na dd-»S7. Im „Haor" lesen wir auch die Nachricht, „daß im Jerusalemer „Beth mtdrasch lerabb antm", welches der Leitung des Herrn Eftatm Cohn untersteht, an Stelle des Herrn Usiel, der heute den hiesigen Chacham-Baschi - Posten angetreten, Chacham Josef Halewi, der bisherige Lehrer des pesardischen Waisenhauses als Dozent für Talmud berufen wurden". Dieses erst vor einem Jahr eröffnette Rabbinerseminar zählt schon an 40 Hörer, von denen' etwa 15 Söhne aschkenassischer Eltern sind. Vom vilkwerhe in Moron. Saffed, 12. November. Das Komitee, das sich nach der Katastrophe in Myron bet Saffed zur Unterstützung der Opfer seinerzeit gebildet hat, legt jetzt öffentliche Rechenschaft über seine Hilfsaktion ab. Die etngelaufenen Spenden ermöglichten eine ausreichende Hilfe für die Kranken und Verwundeten und die Zurückstellung einer Summe von 3623,45 Frs. für weitere Unterstützung von Witwen und Waisen. Die Verteilung der Gelder wurde durch eine eignes zu diesem Zwecke gebildete und von den Vertretern aller Organisation, die'sich mit größeren Beiträgen am Hilfswerke beteiligt haben, zusammengesetzte Kommission geleitet. Die eingegangenenSpenden betrugen insgesamt 8659,20Frs. Größere Beiträge lieferten zu dieser Summe: die A l li a n c e 1500Frs., HerrRabbiner H o r o v t c z im Aufträge der „Pekioim und Amarkalim" 1014,70 Frs., Baron Rotschild durch Vermtttdes Alliance-Vertreters 1000 Frs, der „Hilfsverein der Deutschen Juden" in Berlin: 1000 Frs. In Jerusalem wurden für die Betroffenen 794,75 Frs. gesammelt. Die durch die „Anglo-Palästtna-Bank" in Haiffa veranstaltete Sammlung ergab 350 frs., die in Rosch Ptnoh 500 Frs., in Betruth 280 Frs. Der Chacham- Baschi aus Konstanttnopel überwies dem Komitee 200 Frs. Der Rest fetzt sich aus Privaspenden und kleineren Beiträgen verschiedener Institutionen zusammen. Die Ausgaben für Heilkosten und Unterstützungen an die Familien der Verunglückten betrugen FrS. 5035,75, sodaß sich ein Ueberschuß von Frs. 3623,45 ergibt, welcher Betrag zu weiteren Unterstützungszwecken in den Händen des Komitees bleibt. Amerika. Aew-'Aork, 7. Nov. Die Volksbewegung, welche auf Kündigung des Handelsvertrags mit Rußland hinarbeitet, nimmt immer größeren Umfang an und erstreckt sich auf die verschiedensten Stände und Kreise des amerikanischen Volkes. Ein großes nationales Komitee, an dessen Spitze der ehemalige Botschafter Andrew White steht, und dem hervorragende Kongreßmitglieder und Senatoren angehören, organisiert im ganzen Lande Massenversammlungen und Protest-Meetings, die nicht verfthlen werden, ihren Eindruck auf die amerikanischen Parlamente auszuüben. Am 30. Oktober hat eine Versammlung von Geistlichen verschiedener Konftssionen stattgefunden, die eine kräftige Resolution gegen das russische Gewaltsystem annahm und gegen die Behandlung der Juden, Finnen und der anderen ftemden Völkerschaften in Rußland überhaupt vom Standpunkte der christlichen Echik Verwahrung einlegte. Auch der ehemalige Botschafter in Konstantinopel, Oskar Strauß, sprach in dieser Versammlung. # * * Wie bereits früher gemeldet, sind nach dem Borbilde von New-Uork auch in anderen amerikanischen Städten Bemühungen im Gange, die verschiedenen einzelnen Synagogen gemeinden zu einer Kehillah zu organisieren. In einigen Tagen soll eine solche konstituierende Versammlung auch in Philadelphia stattfinden. Doch hat die angesehenste Gemeinde der Stadt „Rodef Scholaum" beschlossen, an der Kehillah nicht teilzunehmen, sondern ihre Selbständigkeit zu wahren. Es ist interessant, daß der Widerstand gegen diese Organisationsbestrebungen hier nicht, wie in den Ländern Europas von den konservativen und orthodoxen Elementen, sondern von den Reformgemeinden ausgeht. Man fürchtet, nicht mit Unrecht, in jenen Kreisen, daß bei der Organisierung von Kehtlloth, die sich über eine ganze Stadt erstrecken, die eingewanderten russisch-jüdischen Elemente starken Einfluß erlangen und daß dadurch sowohl nach der religiösen als nach der jüdisch-nationalen Seite Kräfte geweckt werden, die der Reform im höchsten Grade unshmpatisch sind. C^D i nehm Beruf ttfd aus | WtS Loge Tag« Dar« vom holl die K düng IW. wenn entlaß unter Mit l Lehrs find von < Leute in D tigter ferne Am« und, erster erstat wüns im 3 einge Metz, M und tung Zustc Halle Lokal der l träge 1911 nauss getan Anstl der? über Bon der S Harri Uche grün! die 9 daß ' und zunäi regeli < Anre klein« Sau 1 aRftfci eine l Ros 8. 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