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Der Israelit · 1911-11-23 · Heft 47 (23.11.1911) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 47 (23.11.1911)
Date
1911-11-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Die Frage der Judenemanztpation ist für Grabowsks keine Frage der Humanität mehr, sondern eine solche der Berechnung, die mit den Lesfingschen Toleranzidealen nichts mehr zu tun habe. Unter diesem Gesichtswinkel betrachtet, könne dem Juden von heute kein Appell an Moral und Gerechtigkeit helfen, sondern nur noch der Nachweis, daß er kraft seines tätigen Anteils am deutschen Kultur- und Wirtschaftsleben der Emanzipation auch würdig sei. Diesen Nachweis könne der Jude erbringen, habe er tausendfach erbracht, denn er fei nach GrabowSki aus der deutschen Kultur gar nicht wegzudenken: „Beschaut man nun nur ein Gebiet des Handels, den Exporthandel, und erkennt man hier die groß: jüdische Pioniertätigkeit, die Kühnheit und Berritschast im Einschlagen neuer Wege, so sieht man sofort, wie viele Arbeit die deutsche Juden der deutschen Gesamtheit verschafft haben. Wer freilich auf d:m Standpunkt steht, daß! überhaupt jede Verbreiterung des Handel zu bedauern sei, weil damit die frühere stille Bodenständigkeit vernichtet werde, niit dem ist nicht zu diskutieren. Man muß den Tatsachen ins Gesicht sehen: da einmal die ganze Welt oder alle in Betracht kommenden Völker zur Expansion übergegangen sind, oder besser, da nur die Völker, die zur Expansion übergegangen sind, in Betracht kommen, so kommt der Stachel, den der Jude dem Deutschtum auf dem Gebiete des Handels gegeben hat, der ganzen Stellung des Reichs zugute. Und was hat der Jude — um nur ein Gebiet der Wissenschaft herauszugreifen — in der Medizin geleistet! Der kleinste jüdische Arzt erfreut sich noch besonderer Schätzung, was so weit geht, daß bei ernsten Fällen gerade im Volke immer nach jüdischen Aerzten verlangt wird. -Es wäre hier, wo allgemein gesprochen werden soll. Nicht am Platze, Namen zu nennen und etwa noch die Reihe der übrigen Wissenschaften nach jüdischen Namen, die sich besonders ausgezeichnet haben, durchzugehen. Nur das eine sei nochmals betont: In Wissenschaft wie in Handel, wie iit Industrie hat der Jude in das oft sclbst- Der genügsame Germanentum ein Element der Initiative gebracht, eben das, was ich das Borwärtsweisende genannt habe. Man denke sich das Judentum, das im Deutschtum steckt, fort, und man hat nicht mehr und nicht weniger als eine Verarmung des Deutschtums. Daß die Juden zur Zivilisation, will heißen zur Bereicherung des äußeren Lebens, Erhöhung der Lebensbequemlichkeiten, Verfeinerung der Lebensformen, etwas beigetragen haben, ist daneben ganz unerheblich." Den etwaigen negativen Leistungen der Juden, die diesen positiven gegenüberstehen sollen, erklärt sich Grabowski nicht, wie es das antisemitische Dogma lehrt, aus natürlichen geistigen Defekten der jüdischen Raffe, sondern aus der Zwangslage, in der der stetig mm sein Recht kämpfende Jude sich allenthalben befindet. „Wer alle seine Kräfte aufwenden muß, um sich einer Welt, die ihn bedroht, gegenüber zu halten, dem wachsen keine Flügel." Grabowski weiß aber wohl, daß gerade das orthodoxe Judentum, das Ghettojudentum, etwas mehr als praktische, für-den Tag berechnete Werte züchtet und er denkt auch voller Verehrung, wenn auch nicht mit jüdischen Maßstäben messend, an diejenigen, die Tag und Nacht öder dem Talmud sitzen und in der Gemeinde viel mehr geehrt sind als selbst der reichste Kaufmann. Soweit jedoch, das Vorhandensein d e st r u k - tiver Tendenzen im Judentum von Grabowski zugegeben werden müssen, hält er sie nicht für unlösliche Bestandteile des Judentums, sondern für zeitlich bedingt. Er sagt darüber u. a.: „Mehr als alles andere hat zu diesen Tendenzen beigetragen, daß die Juden ins Destruktiv:, ins Zynische, ins .Skeptische, ins Radikale mit Gewalt hineingetrieben worden find. „Wären die Agrarier nicht, so wären wir alle konservativ", sagte mir neulich ein sehr bekannter — arischer — Industrieller. Wäre der ' Antisemitismus unter den Konservativen nicht, so wären die Juden zum größten Teil konservativ, kann man als Gegen st ück dazu sagen. Der Konservatismus eifert gegen den Radikalismus des Judentums und hat selbst diesen Radikalismus verschuldet. Es ist einer der Hauptprogrammpunkte des Kulturkonservatismus, diesen unglaublichen Zuständen abzuhelfen." Das sind Worte, die wir rückhaltlos unterschreiben können. In der Tat spiegelt sich in dem konservativen Aerger über den „jüdischen Radikalismus" eine für beide Teile höchst verhängnisvolle Verwechslung von Ursache und Wirkung wieder. Und man konnte im Gesamtintereffe unseres Vaterlandes nur wünschen, daß Herr Grabowskt das nötige Verständnis für seine Ideen im Kreise seiner Parteigenossen finde. „Aus reinen HBnöen..." Es war gegen Ende. 1909, als der Finnische Landtag schon in seinen letzten Zügen, sich noch zu Sinne ' zweifelten Kampfe um Sein und Nichtsein kann Jakob nur mit der Waffe seiner heiligen Güter, mit d.r hochvort?"/! gehobenen Fahne in der H md siegen ... lernen// So war >S immer schon und so ist es heute n die ,alten, igiösen roerntm wir in der Tauf- „Und egung, s Jn- &, als ib kul- '\na in all tchttge ichtem einem rfriede Was )at die mdern t den Haffe ln im Wirtvächex „die "i m vernoch. Und jede Epoche hat auch' die einzelnen jüdischen Männer hervorgebracht, die mit befc Fackel der Gotteswahrheit in das Dunkel ihrer Zeit hiüetnleuchteten U'd ein jüdisches Geschlecht, das — in der Auffassung des welthistorischen Kampfes zwischen Elau und Jakob als bloßen Rel gionskampf - mit dem Gesetze den Anschluß an die feindliche Welt sich zu erkaufen wähnte, auf den Weg der jüdischen Pflicht wiesen. Ein solches trauriges, aber in seinen lapidaren pro- Phettschen Hinweisen zugleich lichtspendendes Zeitbild entwirft uns die heutige Haftorah. M a l a ch i spricht zum Volke, zu dem entarteten Volke des Zeitalters Csras, und dieses sieht chm Rede und Antwort. <o.-71 “012 KW 'VT '2K*7v 1212 'fc rroTTTJ .'121 DWPö lWO Und da en,Nuckel: sich zwischen Prophet und Gemeinde ein Dialog, aus dem wir die Argumente der gegen die Gotleserkenntnis ankämpfenden Anpassungssucht aller" Zetten herauszuhörett glauben. „B2f1K W2NK", ruft der Prophet, §ich liebe euch, spricht Gott!" Daxauf das Volk: WV NK *K2n 13*12.2« .102// 2p2'^: /.Worin bekundet sich diese brsondere Liebe? Ist nicht Esau ein Bruder Jakobs? Sind es nicht die gleichen Böikerschicksale, die uns verbinden? Wozu dann die Schranken, die wir als Liebeszeichen erkennen sollen/" Malocht aber sagt: ,,2pV' DK 271X1"- „Und doch, habe ich offensichtlich meine BorMe zu Jakob bekundet mch in den Leiben, von denen er heimaesucht wurde enn diese find so ganz anderer Art und dienen auch nderen, höheren Zwecken. . "DKiV wp DK1- Esau und fein Prinzip traf mein Unwille. Habe ich etwa Esau wie Jakob in die Fremde gesandt, um in der Menschheit dunklen Gängen m t dem Gotteslichte der Heimat sich und anderen *u leuchten? Nein, riK O'VKI 121 DVVV V2JT 3« der Heimat erhiett er seine Strafe. Seine Berge sind verödet, seine Fluren sind zur Wüste. Und mit dem Boden verelendet, der an der Erde haftende Mensch, an dessen geistiger Erhebung man verzweifeln mußte." „Nein," wenden die Klügler ein, „wohl dem Volke, das auf der Scholle bleibt und dort noch hoffen darf, sich von seinen Trümmern auftichren kann EWK DDKD ’2 D12DD N3231 211231 13VV12- W e und woIoll aber dem Wanderoolke, oas den Boden unter seinen Füßen verloren, auf ftemdem Grunde Hoffnung ersprießen?" „Ein schw rer Irr um, erwiderte der Prophet, und ein verhängnisvoller zugleich! ftT .10,1 *7 DöK 712 D1"WK '3K1- Sie werden sich nicht erheben, sie werden nicht bauen, da chnen das Fundament der Gotteserkenntnis mangelt. rtfVOD D2,3,21- Ihr aber werdet es erleben und Mit eigenen Augen schauen, wo die Wurzeln eueres nationalen Seins liegen. Euere Heimat i st die Tch o r a und heimnch wird euch der Boden überall, 9vo ihr die heiligen Samen streut und sie mitten in einer feindkrchen Umwelt liebevoll pflegt, denn über euerem harten Golusgeschick steht euere hohe Golusaufg abe: „bett Namen Gottes zu verkünde i weil über das Gebiet Israels hinaus." .^K-iv" 21232?PD'n 223' 120KD DDK1 Leiche«, die «lcht trügen! Eine Randnotiz von Rabbiner I. Nobel, Filehnc. Zu dem ausgeführten mit gutem psychologischem Scharfblick vorwöchentlichen Sidrahdericht sei es mir ._ IU. 47. Cttte 8 einer großen Tat aufraffte: er beschloß die völlige Emanzipation der Juden in Finnland. Der Vertreter des Reiches am Ministertische lächelte ominös, denn er hatte die Auflösungsordre bereits in der Tasche und gönnte dem sterbenden Parlamente diesen schönen Schwanengefang. Bald wurden auch die finnischen Abgeordneten heimgeschickt, und von der beschlossenen Judenemanzipation sprach man seitdem nichts mehr. Jetzt nach vollen zwei Jahren kam dieser Beschlich wieder zur Sprache, und zwar in der russischen Reichsduma. Und bet dieser Gelegenheit wurde von den jüdischen Abgeordneten ein stolzes Wort geprägt, das seine historische Bedeutung für immer behalten wird: Wir wollen unsere Rechte nur aus reinen Händen erhalten. Wir sind, wie . unseren Lesern bekannt, nicht gerade für die Taktik der scharfen Sprache und geballten Faust bet unserem Abwehrkampse und meinen, daß im allgemeinen ein bescheidenes Auftreten eher und sicherer zum Ziele führt. Hier aber tagen doch die Dinge so, daß eine weniger entschiedene Sprache ein Manko an Selbstachtung bedeutet hätte. Die Komödie war zu offensichtlich, um eine sanftere Form zu rechtfertigen. Man bedenke: In der russischen Volksvertretung wird über die politischen Geschicke Finnlands verhandelt. Die extremen Freiheilsparteien stimmen entschieden gegen die Vorlage. Da steht, wie aus dem Boden gewachsen, einer aus den Reihen der Rechten ans und versucht einen geschickten Schachzug. Er wünscht, daß den Juden in Finnland die Rechte erweitert werden. Und er glaubt somit, einmal den Stein der Weisen gefunden zu haben, der die Zustimmung der Linken zu der Entrechtung Finnlands sichern soll, dann äber auch, woran ihm am meisten gelegen ist, eine willkommene Gelegenheit den Berbändlern geboten zu haben, mit ihren Ausfällen gegen die Juden endlich herauSzurücken. Ersteres wurde natürlich nicht erreicht, denn die Kadetten, die das Manöver gleich durchschaut hatten, -lieben hart und ließen sich von dem bischen Judenrechte nicht ködern. Umso gründlicher wurde aber das zweite Ziel erreicht: Wie auf Kommando standen die Pogromhelden von der rechten Seite auf und leierten ihr bekanntes Sprüchlein herab von Ritualmord, jüdischer Ausbeutung, jüdischer Revolution,, dem bevorstehenden Bolksg e r i ch t e und dergleichen mehr, Worte, die in diesem Hause und in den Kreisen, die zu demselben hinaufblicken, immer starken Eindruck machen. Vereinzelt und wirkungslos klangen dann die verteidigenden Worte des Kadettenführers in diesen wahren Rattenkönig von Begestattet, noch eine Nachbemerkung hitizuzufügzn. Sehr richtig erklärt der Verfasser die Bedingung m, die Etieser als Maßstab feines eigenen Urteils bei der Wahl der Gattin für Jsak setzt, als ebensoviel Symptome des Charakters, die nicht als gefährliches Spi-'l mit dem ' blinden Zufall aufzufaffen sind, und erwähnt den . usspruch Taanith 4a nfygj I^KtP DEfStt? pW2 Im Midrasch rabba zur Sidrah variiert bekanntlich der Satz, in dem auch Kateb angeführt ist. (Vgl. Raschi und Thosaphoth hierüber, sowie über die Bitte Gideons an den Engel.) Es ist nun leicht als Gemeinsames in den Gelöbnissen der Efieser, Kaleb, Jephtach und Saul zu statuieren, daß sie in kühner Weise die Zukunft herausfordern, die dem Menschen wohlweislich verschleiert bleiben soll, daß sie nämlich der Zukunft selbstherrifch Bedingungen diktieren wollen. Doch ist I e p h t a ch s Gelübde sachlich entschieden fehlerhafter qls die seiner Gesinnungsgenossen. Denn Elieser, Kaleb und Saul stellen für die verheißene Belohnung: die Ehe mit dem Gebieter Jsak, die Heimführung von Absa und Merab nicht blos Zufallsbcdingungen auf, sondern sachliche Anforderungen, deren Erfüllung bei Rebekka hervorragende Charaktertugenden und auch bei den Siegern mindestens Heldenmut beweist, Eigenschaften, die jedenfalls des Lobes und der Anerkennung würdig sind, wen immer das Schicksal in die glückliche Lage bringen würde, sie gerade in das Blickfeld des yistorischTn Momentes und auf den dementsprechenden Ort zu stellen. Jephtach dagegen hat w a h l l o s Gott dasjenige als Opfer versprochen, was ihm zuerst b?- gegnen würde. Er hat den Gegenstand seines Gelöb- Msses Nicht schon voraus auch durch fachliche gestellte Bedingungen zu etwas Wertvollem erhöh«!. Diesen doppelten Fehler hat ihn die Vorsehung mit

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