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Der Israelit · 1911-11-16 · Heft 46 (16.11.1911) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 46 (16.11.1911)
Date
1911-11-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Dazu kommt noch eine Million in Asien und Afrika verstreut lebender. „Luftmenschen" hat Max Nordau die Bolksmaffen der östlichen Juden, Jbie tatsächlich von der Hand in den Mund 'leben, genannt, die des wichtigsten Menschenrechtes von heutzutage, der Freizügigkeit beraubt und auf ein Gebiet zwangsweise zusammengepfercht sind, das noch nicht einmal ein Zwanzigstel des europäischen Rußlands ausmacht, und auf d:m dessen ursprüngliche Bewohner kaum leben können. Immerhin sind sie in Rußland noch Halb b ärger, während Rumänien die Juden (entgegen dem klaren Wortlaut des Berliner Vertrages von 1878) als „Ausländer" behandelt. Amerika, wohin von 1881 bis 1908 nahezu zwei Millionen Juden ausgewandert sind, als die ärmsten von allen Emigranten der Welt, die durchschnittlich nur 8,7 Dollar mitbringen (wogegen die deutschen Einwanderer 28, die französischen 37, die japanischen 39, die schottischen 41 Dollar), gewährt ihnen zwar alle politischen Rechte, und vielen gelingt es auch, aus den berüchtigten „Schwitzwerkstätten" der Konfektionsindustrie in besser entlohnte Berufe zu gelangen, aber dafür herrscht in Amerika ein gesellschaftlicher Antisemitismus, wie ihn Europa nicht rennt. Wohin tendiert nun die Entwicklung? IN Osteuropa, meint Sombart, ist auf Besserung kaum Aussicht, im Gegenteil werden die Schikanen gegen die Juden dort immer größer. Amerika beginnt sich gegen ihre Einwanderung zu sperren, und da ihre soziale Lage in Rußland durch das Wort „Pogrom" gekennzeichnet ist, so scheint die „Lösung" des verstorbeilen Oberprokurators des Heiligen Synods sich'verwirklichen zu wollen: ein Drittel der Juden wände rt aus, ein Drittel verhungert, ein Drittel w i r d t o t g e s ch l a g e n. In England, Frankreich, Deutschland geht die Zahl der Juden seit Jahren relativ zurück, d. h. die übrige Bevölkerung wächst stärker, obwohl die Juden.eine geringere Sterblichkeitsziffer haben. Demzufolge behauptet nun eine Theorie, die westlichen Juden stürben allmählich aus, während andere meinen, es finde eine immer stärkere I u d a i s i e r u n g der nichtjüdischen Bevölkerung statt. Sombart verqrückt beide Anschauungen zu der These: In dem Maße, wie der Untergang der Juden sich vollzieht, schreitet die Judaisierung der christlichen Gesellschaft fort, und zwar weil sich dieser Untergang vollzieht; und er ist der Meinung, daß die Gegensätzlichkeit ztvischen Inden und Nichtjuden die Tendenz habe, immer größer zu werden, je mehr die Juden in die christlichen Sphären hineinkornmen, weil sich so die Reibungsflächen ständig vergrößern. Als Beweis führt er Frankreich und Amerika an, wo die Juden in allen Berufen vollständig gleichberechtigt seien und eben deshalb der soziale Antisemitismus so stark sei. Auch Gründe subjektiver Art, die auf blutsmäßigeu Differenzen beruhen, spielten hier mit, und Sombart verwahrt sich ausdrücklich dagegen, daß man derartige tatsächliche Feststellungen etwa mit dem politischen Motive des Antisemitismus, der ihm durchaus fernliege, verdächtige. Der Konstatierung dieser soziologischen Dinge will Sombart in einem folgenden Bortrage ihre Bewertung und bestimmte praktisch-politisch? Vorschläge folgen lassen. verernrmsent Halberstadt, 3. Nov. Die Geschichtsvorträge des Herrn Rabbiner Dr. Auerbach finden auch in diesem Winter regelmäßig am Freitag abend von Freitag, den 3. November an um 8 Uhr in der Aula der Jüdischer Schule statt. Die Psalmenvortrüge! des Herrn Rabbiner Nobel werden an jedem Sonntag nachmittag vom 5. November an von 7,6—V, 7 Uhr in der Aula der Jüdischen Schule gehalten werden. Der LernkurS für verheiratete Damen beginnt am SamStag, den 4. November er. und findet regelmäßig Samstag abend von 8—10 Uhr in der Wohnung des Herrn Rabbiner Dr. Auerbach statt. Der Lehrkursus für unverheiratete Damm wird.von Herrn Dr. L. Rothschild an jedem Samstag nachmittag von 3—4 Uhr abgehalten. Die Schturim des Herrn Rabbiner Dr. Krankl findm nach folgendem Plane statt: Chaje Odom: SamStag nachmittags 21/*—3*/4 Uhr (für jüngere Leute), Samstag nachmittags 3x/4—4 Uhr, Mittwoch nachmittags 2—3 Uhr. G e m 0 r 0: Dienstag nachmittags 2—3 Uhr, Donnerstag nachmittags 2—3 Uhr, Donnerstag abmds 9—10 Uhr, Mittwoch abends 8—9 Uhr. Zu den regelmäßig am SamStag vormittag nach Beendigung des Gottesdienstes stattstndenden Borträgen über.die Gidra find auch Damen willkommen. Personalien. Fürth, 6. Nov. Der beliebte BolkSschullehrer Herr Sigmung MoSbacher vollendete am 28. v. M. seinen 7 0. Geburtstag. Seit 50 Jahren eifrig und unermüdlich im Lehrberuf tätig, wirkt derselbe seit nahezu 35 Jahren an der htefigen Israelitischen Walsenanstatt und hat fich durch seine edle Natur, sein anspruchsloses, bescheidenes Wesen, sein redliches und pstichteifrigeS Schaffen die Achtung wetter Kreise, die Verehrung zahlreicher Schüler, den Dank deS BerwaltungSkörpers der Anstalt, an der er vis zum heuttgen Tage unverdrossen wirkt, in reichstem Maße erworbm. Der Direktor der Waisenanstalt, Herr' Dr. Deutsch, gab diesen Empfindungen schönen und gehaltvollen Ausdruck in einer Ansprache, mit welcher er an der Spitze einer Deputation den Jubilar an feinem Ehrentage begrüßte. Reiche und finnige Geschenke wurden sowohl seitens der Verwaltung, von den Waisenkindem, Freundm und Verehrern dargebracht. Zahlreiche Gratulanten durchwogten den garzen Tag daS Haus des Gefeierten und legten Zeugnis von der Hochachtung ab, die ihm allenthalben entgegengebracht wird. Mainz, 8. Nov. In der vergangenen Woche schied hier eme grau aus dem Leben, die eS wohl verdient, daß ihr in diesen Blättern einige Worte deS Gedenkens geweiht werden. Frau Fanny Vogel, gev. Schiff mußte in dem jugend'.ichen Alter von 32 Jahren von hinnen gehen^ ihren Galten, Herrn Simon Vogel, und ihre vetden Töchterchen in unsagbarer Trauer zurücklossend. Die Dahtngeschiedene war eine der edelsten Frauen unserer Gemeinde, die es verstand, ohne viel Aufhebens und ohne Laß andere Einblick in ihr^Tätigkell empfingen, unendlich viel Gutes zu wirken. So manche Täne wurde getrocknet, ohne daß man ahnte, baß die Hem gegangene ihre Hand dabet im Spiele hatte. Dabei war fie von einer vorbildlichen Frömmigkeit und der Einfluß, der von ihrer Persönlichkeit ausging, zeitigte innerhalb ihres Kreises und darüber hinaus die besten Früchte. Er wäre ein noch größerer geworden, wenn ihr ein längeres Verweilen hienieden vergönnt gewesen wäre. In diesem Sinne schilderte auch Herr Rabbiner Dr. Bon dt an der Bahre die Heimgegangene, er erinnerte an unsere Mutter Sarah, die in der Zeit unserer Jugend von ihrem Gatten „Meine Fürstin" genannt wurde, bann aber nach einem Leben edtm Tuns stch zum Range einer „Herrin" emporhov. Ein sehr großer Teil unserer Gemeindemitglleder bezeugte seine Teilnahme, indem er dem Trauerzuge fich anschloß. Mögen Gatte, Kinder und Eltern dieser gottesfürchtlgen Frau Trost finden in dem Bewußtsein, daß ihr Erdenwallen kein vergebliches gewesen. rQSun Vellenftndt, 5. Nov. Nach fünftägigem schwerem Kranker, lager verstarb hier im 72. Lebensjahre Herr Feist Rapp. Mit ihm ist wieder einer jener BTD dahingegangen, wie fie in den allen Landgemeinden in der Gegenwart nur noch selten angetroffm werben. Lange Jahre erfreute derselbe an den Ctmi D’O’ feine Gemeinde durch liebliche Weisen und würdevollen Bortrag. Stets war er der erste im GotteShause und unerschü.terlich war sein Gottvertrauen. Große Betrübnis verursacht der Heimgang dieses Mannes nicht nur bet den Angehörigen und dem ganzen Familienkreise, sondern auch in der Gemeinde und namentlich bei den Armen ohne Unterschied des Bekenntniffes. Sein freundliches, leutseliges Benehmen, sowie sein Btederfinn und sein bereitwilliges Entgegenkommen gegen jedermann führten ihm viele Freunde zu. Die Bestattung gestattete fich zu einer imposanten Kundgebung der Trauer, sowie warmen Teil nähme für die Familie. Briefkasten. Leser in Holland Die literarischen Flegeleien, die sich ein begeisterter Schüler und Verehrer des Heimgegangenen Oberrabbiners Dr. Dünner y'jtf zu dessen Ehre in einem norddeutschen Blatte leistet, wüGe niemand schärfer verurteilt haben» als der Verstorbene selbst. Jeder Unbefangene, der diese Ausbrüche eines in verds magistri schwörenden Schülers mit dem Geiste objektiver und wohlwollender Würdigung vergleicht, den unsere Nach mse atmeren, wird ohne weiteres wißen, auf welcher Sette die Wahrheit zu finden ist. W. K. W. Wir lassen Ihnen Gewünschtes in einigen Tagen zukommen. A. in und H. R. in I. Die Rezension wird demnächst erscheinen. L. H. i» K. Was soll die Behandlung dieser unerquicklichen Angelegenheit in der bretten OeffenUichkeit bezwecken? Zk. 100. Wir haben Ihre Anfrage einer rabbinischen Autorität unterbreitet und werden Ihnen die Entscheidung zugehen lassen. M. Th. in '<13. Es find uns mehrere Zuschriften über diesen Gegenstand zugegangen, und werden wir demnächst darauf zurückkommen, tu Uereinskalender. Jüdische Frarreuvereinigung e. B. Dienstag, den 21. November, nachmittags 4 Uhr, im Sursaal „M i l a n i", Friedberger Anlage: Gemütliche Zusammenkunft. Referat über die Wertung der Haussrauenarbell. Mittwoch, den 22. Nov., abends 8% Uhr im alten Hörsaale Schützenstr. 12: Bortrag des Herrn Zahnarzt Salomon Ehrmann aus Werden über „Ethik und Judentum". Gäste (Damen und Herren) willkommen. Verein Mekor Ehnji«. (Bereinslokal Langestraße 18.) Freitag, den 17. Novbr., abends nach Schlllß der Synagoge im Hörfaale Frieüberger Anlage Nr. 5: Mtkro-Bortrag des Herrn Walter Wohlfarth. Abends V*9 Uhr, im Vereinslokale: Zwanglose Zusammenkunft. Gäste willkommen. Sonntag, den 17. Nov., abrttdS 8 Uhr tat Vereinslokale: Vorlesung des Herrn Dr. Joseph Breuer aus „Sefer Jtrmtjohu". Fi»>m»e»»sedNM«. Geburten: Einen Sohn: Lehrer Hermann Reich (Stern) Frankfurt a. M., Bergweg 22. — Eme Tochter: S. Hammelburger (Strauß) Mühlhausen (O. Fr.) Verlebte: Regine Wechsler» Salomon Neubauer» Münch - N'Breslaü. — Alice Bachrach. JaqueS Rüdersdorf er, Hamburg 13* Antwerpen. — Jda Stern, Moritz Lazar, BudapestBauffyhunyad. Barmliwohfeier: Salomon. Sohn von Herrn Michael Sekunda» Hinter der schönen Aussicht 1._ Sabbat - Anfang n. Ausgang m© "n na© tBT: - 1 Anfang 9mtmm Ausgang ^UhrjRta. 1911 5679 llhr iMiu. 18 27. 9*«ntfntt *.91. 4 10 Nvbr. Ehrschwan S 25 Berti» .... — — 4 56 VUdeche» . . — — 5 18 OtnttMi . 4 Sv 5 30 St»ttg»rt. . 4 30 5 20 Hofe» . . . — — 4 44 NSrnterg . 4 20 5 13 Hanebnr« . . 5 9 Maschinenstrickerei Selma Voges Frankfurt am Main ♦ Hochstrasse 23. An* und Neustricken von Strümpfen mit bestem Material und billigen Preisen. Größte Auswahl in Strümpfen und Handschuhen. DasM aller Damm ist ein zartes, reines Gefickt, rvfigrS, jugendfnsches Aussehen» weiße, sammetweiche Haut und bleudeuvschöner Teint. Jede Dame wasche fich daher mit der all. echten Steckenpferd ■ Ciliemnilcb * Seife von Bergmann $ ßo., Radebeul. ä St.50Pf. über^u haben. Bor einiger Zeit Huben wir auf die Wichtigkeit des Verbotes des Rasierens mit dem Messer hingewiesen und ist es doch verwunderlich wie oft noch dagegen verstoßen wird, umsomehr als es doch Mittel gibt, die das1 Rasieren mit dem Messer überflüssig machen. Insbesondere sei hiermit auf das hervorragende Rasierpulver der Firma S. B. v. Matchen, Frankfurt a. M. 48, hmgewieseu. Dirses Pulver, welches vermöge seiner Einfachheit (es ist nur aufzutragen undMbzuwaschen) und angenehmen Geruchs, an der Spitze derartiger Mittel steht, hat sich vermöge seiner antiseptischen Wirkung rasch einen Weltruf und ungeahnte Beliebtheit erworben, wie Ja auefy dieses Pulver gerne von Spezialärzten als Hautkonservierungs- und Heilmittel gegen Flechten, selbst angewandt und empfohlen wird. Die Firma hat sich dadurch veranlaßt gefthen ab 1. November Fischerfrldftraße 61 bebentenb vergrößerte Räume zu beziehen, worauf wir noch besonders Hinweisen. Einen großen Fortschritt auf dem Gebiete der Ernährung bedeutet die allgemeine Verwendung des „Kunerol", ein garanttert reines Manzenfett, gewonnen aus der Frucht der Kokospalme, welches infolge seiner Güte und vielseitigen Verwendbarkeit, sowie wegen feines von Autoritäten anerkannten hygienischen Wertes, allen anderen tierischen und vegetablischen Speisefetten, vorgezogen wird. Bor minderwertigen, täuschend ähnlichen Nachahmungen wird dringend gewarnt. Immer langsam voran, immer langsam voran! ... So hieß es in der guten alten Zeit. Dieses Wort gilt für uns moderne Menschen nicht mehr! Mer heute vorwärts kommen will, für den heißt es, alle Kräfte anspannen, vor allem die Gesundheit, die schneidigste Waffe im Lebenskämpfe, allzeit frisch erhalten. Um das zu erreichen, muß man auf eine durchaus gesunde Kost bedacht sein. Dazu gehört, daß man täglich morgens und nachmittags Kathreiners Malzkaffee trinkt. Er ist unschädlich, bekömmlich, wohlschmeckend und billig. Der heutigen Nummer ist ein Prospekt des Keplerbund zur Förderung der RatrrrerrenntniS, Godesberg-Bon«, beigelegt, den wir der fteundlichen Beachtung unserer Leser empfehlen. Wir machen dabei gleichzeitig auf unseren Artikel in Nr. 42 auftnerksam, in dem wir Zweck und Ziele des „Keplerbund" ausführlich darlegen. . ..

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