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Der Israelit · 1911-11-16 · Heft 46 (16.11.1911) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 46 (16.11.1911)
Date
1911-11-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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16. November 1S11. Nr. 4«. Settr v sind. Daß es gerade die Jugend war, die dieses Werk vollbracht, macht die Tatsache doppelt erfreulich. Doch auch die praktischen Resultate werden gewiß nicht ausbleiben. Die Erinnerung an die drei mitgelebten Tage macht uns diese Hoffnung zur Gewißheit. Kommt noch das Ausland zu Hilfe in der Weise, wie ich es in meinem jüngsten Artikel angedeutet, dann werden jene Leute Recht behalten, die in dem ersten Kongreß der jüdischen Jugend Italiens ein historisches Ereignis erblicken wollen. Die israelitischen Konfession«* schulen (€lernentarschulen) in MMembelg. Bon Rabbiner Dr. Schweizer in Weikersheim. (Fortsetzung.) Und noch ein Faktor spielt, bei der religiösen Erziehung mit, die nur eine Konfessionsschule bieten kann, das ist der Anschauungsunterricht, ein pädagogisches Moment, auf das heute ja so ungemein großer Wert gelegt wird. Die israelitischen Schüler, die, wenn sie keine Konfessionsschule mehr haben, in die christlichen Schulen zn gehen gezwungen sind, sehen da Bücher und Abbildungen echt konfessionell gefärbten Stoffes, besonders in den katholischen Schulen. Das ist aber Gift für die zartbesaitete Kindesseele der fremden Konfession. Dem Kinde soll nur solche Lektüre und solche Aufzeichnung in die Hand gegeben werden, die seinem Anschauungskreis entspricht, und das ist nur möglich, wenn es seine eigene Konfessionsschule besucht. Der Religionsunterricht allein tut es schließlich auch nicht. Grau ist alle Theorie. Durch die Praxis wird-am meisten gelehrt und erzogen. Besucht der israelitische Schüler die christliche Volksschule, so hat er an seinem S a bbat- und Festtag keinen schulfreien Tag.' Auf Wunsch kann ihm der Lehrer am Sabbat zur Stunde des Gottesdienstes, und am Festtag den ganzen Tag frei geben. Mancher Lehrer aber gewährt diese Freiheit mit Widerwillen, weil er eine Störung in seinem Schulbetrieb darin erblickt, oder weil er glaubt, der Schüler, der vielleicht etwas schwach begabt ist, versäume durch sein Wegbleiben zu viel. Der Schüler merkt etwas von dem Widerwillen des Lehrers und verzichtet darum lieber auf Befreiung vom Unterricht. Die Folge aber wird sein, daß der Schüler im Kinoesalter schon anfängt, seinen Sabbat, und Festtag zu entweihen, und daß er Der MraeM. schließlich seinem Gottesdienst ganz entfremdet wird. Und jung gewohnt, alt getan! Würde der Schüler aber seine Konfessionsschule besuchen, so hätte er, wie die christlichen Schüler an ihren Sonn- und Feiertagen, so un seinen Sabbat- und Festtagen ohne weiteres schulfrei und wäre auch zur Teilnahme an seinem Gottesdienste gezwungen. Er sieht seinen Lehrer, wie streng derselbe den Feiertag heilig hält, er sieht seine Eltern, wie sie zum Gottesdienst gehen, und er wird es ihnen nachmachen, denn so wird es ihm vorgelebt. Das Bestehen der israelitischen Konfessionsschule darf auch gefordert werden 2. der Parität wegen. Die Volksschulen Württembergs sind keine Simultanschulen, sondern konfessionelle Schulen. So gut es evangelische und katholische Schulen gab, so gab es seit Bestehen des Volksschulgesetzes, seit 29. September 1836, auch israelitische Volksschulen, bezw. Konfessionsschulen. Und diese konfessionellen Schulen bestehen auf Grund des neuen Volksschulgesetzes vom 17. August 1909 auch in Zukunft, sowohl bei der evangelischen als auch bei der katholischen Konfession. Warum sollte nun die israelitische Konfession in dieser Beziehung anders behandelt werden, da wo bis zur Stunde noch solche israelitische Schulen bestehen, die noch lebenskräftig find? Warum sollte man auf einmal die verschiedenen israelitischen Familien des Ortes zwingen wollen, ihre Kinder in die evangelische bezw. katholische Volksschule etNtreten zu lassen, da wo sie bislang eigene Schulen, eigene Lokalitäten, die vielleicht erst vor kurzem, um den gesetzlichen Anforderungen zu entsprechen, restauriert worden sind und eigene Lehrer besaßen, die durch das plötzliche Aufhören der Schule zum Müßiggang verurteilt werden. Denn die israelitische Gemeinde wird ihren bisherigen Lehrer nicht ohne weiteres entbehren können, wie weiterhin gezeigt werden wird. Dabei wird die Konfessionalität in den Schulen so strenge durchgeführt — nicht in dem, was die Schüler betrifft, aber in dem, was den Lehrer betrifft —, daß es heutzutage gar nicht mehr vorkommt, selbst bei dem notorischen Lehrermangel auf evangelischer Seite, nicht mehr vorkommt, daß ein israelitischer Lehrer, dessen Schule sich wegen allzu geringer Schülerzahl aufgelöst hat, auch nur aushilfsweise, bis zu dessen späteren anderweitigen Verwendung an der evangelischen Volksschule seines Ortes unterrichten darf, obgleich doch seine bisherigen, wenn auch wenigen israelitischen Schüler jetzt diese evangelische Schule besuchen. In früheren Jahren ist diese Konfessionalität der christlichen Schulen den Israeliten gegenüber inbetreff des Lehrers nicht so strikte durchgeführt worden. In den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts durfte in Weikersheim beispielsweise der israelitische Konfessionsschullehrer, der jetzt im Ruhestand lebende Lehrer Frank, wiederholt an der evangelischen Volksschule des Städtchens unterrichten. In dem gleichen Weikersheim aber muß heute trotz des großen Lehrermangels ein besonderer evangelischer Lehramtskandidat berufen werden, um einige Wochen oder zwei Monate hindurch für einen erkrankten Lehrer den Unterricht zu übernehmen. Und doch ist ein israelitischer Konfesfionsfchullehrer am Platze, der bereits zwei Jahre an Schulen unterrichtet hat, der aber nun keine Schule mehr hat, da seine wenigen Schüler die evangelische Volksschule mit besuchen. Dieser Lehrer, der sür ganz geringe Kosten an der evangelischen Schule die Stellvertretung übernommen hätte, wird aber ohne weiteres ausgeschaltet, und ein fremder Kandidat muß berufen werden, der das volle Stellvertretergehalt nebst den beträchtlichen Reisekosten anzusprechen hat. Zu den Ersparnismaßnahmen des Staates dürfte ein solcher Fall, dem wohl noch andere ähnliche zur Seite stehen werden, sicherlich nicht gehören. Ist es aber nun, wie es scheint, Prinzip geworden, daß kein israelitischer Lehrer, auch nicht aushilfsweise an evangelischen Schulen unterrichten darf, um so mehr wäre es dann Pflicht, die israelitische Konfessionsschule solange nur irgendwie möglich bestehen zu laffen, damit der israelitische Lehrer ein Feld seiner Betätigung hat und nicht an die Luft gesetzt wird. 3. Es soll die israelitische Volksschule erhalten bleiben, weil die israelitischen Gemeinden auch aus anderen Gründen den Lehrer nicht entbehren können oder wollen. Der Lehrer stellt den Repräsentanten seiner Gemeinde nach innen und außen hin dar in solchen Gemeinden, wo kein Rabbiner seinen Sitz hat, und das ist in 14 von den 16 Gemeinden, welche israelitische Konsesstonsschulen haben, der Fall, nur Mühringen und Bra^rnsbach haben außer ihren israelitischen Konfefstonsschulkehrer einen Rabbiner an ihrer Spitze. Den Lehrer würde so manche Gemeinde nicht entbehren können und wollen, weil er auch zugleich ihr Vorsänger ist, d. h. beim Gottesdienst mitzuwirken, ja vielfach den ganzen Gottesdienst zu leiten hat. Da aber die israelitische Gemeinde einen Vorsänger braucht, so wird sie aus all den bisher angeführten Gründen erst recht nicht auf ihre Konfessionsschule verzichten. Denn der Vorsänger muß ja der gesetzlichen Bestimmung gemäß, um Vorsänger werden zu können, die gesamte Lehrerlaufbahn mit 1. und 2. Lehrerprüfung durchgemacht haben. Ist er dann schließlich als Vorsänger angestellt, so wäre sein ganzes Studium lichkeit des Vorurteils, des innersten Motivs aller Menschheitstragödien? Laßt sic Euch doch menschlich näher kommen! Hört ihrer' Seelen Flügelschlag — und Ihr werdet sie schätzen lernen - als Mitbürger, lieben als Mitmenschen. Machen wir gut, was frühere Zeiten an Schuld gehäuft! Nur mehr Gerechtigkeit im Urteil und ein entschiedeneres Losringen vom Vorurteil: so macht Euch frei — und der Haß mutz sterben an seinem eigenen Gift. Die Liebe aber höret nie aus, und all unsere Pfade seien Frieden! „Möge Dir Herr unser Gott gefallen, Frieden zu stiften wie in Deiner himmlischen, also auch in Deiner irdischen Dienerschaft!" (Berachot 16 b.) Das Buch, das über 300 Seiten umfaßt, ist seinerganzen Natur nach zur Kenntnis und Würdigung von Juden und Judentum in außer)irdischen Kreisen bestimmt. Aber auch jüdische Leser werden es, von seiner apologischen Tendenz ganz abgesehen, durch die reiche Fülle des Gebotenen und die lichtvolle Behandlung der einzelnen Partien mit lebhaftem Interesse und großem Nutzen studieren. Sie werden mit uns diesem wackeren Freunde unseres Volkes dankbar im Geiste die Hand drücken, die sich mit solcher Hingebung und in so wirksamer Weise in den Dienst der Wahrheit und des Friedens gestellt hat. Der Diamant. Drei Parabeln von Ben Jair-Frankfurt. 1. In einer Schale unter bunten Steinen In seinem höchsten Werte unerkannt Verborgen lag ein roher Diamant. „Was willst Du zwischen uns, den hellen, reinen?" Klang des Opals fast ärgerliches Weinen, „Gieb acht, daß Fürst Rubin Dich nicht verbannt." Zustimmcnd drückt ihm Karneol die Hand, Achat, Onyx, Korund das Gleiche meinen. Die Edelsteine aber stille schwiegen. Ein Künstler hat den Diamant ergriffen Die andern ließ er achtlos alle liegen. Sie blieben, was sie waren, ungeschliffen. Wie glänzte nun der Diamant so hell. Gott heißt der Künstler, er heißt Israel. II. Der Diamant lag wieder in der Schale, Ward glanzlos er geschmäht in frnh'rer Zeit, Im Glanze nun ward ers aus Lift'gem Neid. Lang schwieg er still, dann sprach er zum Opale: „Du, der veränderlich im nächsten Strahle, Beweisest Deiße Unbeständigkeit. Euch Andern ist gefleckt, gestreift das Kleid. Besieg' mich einer doch, bevor er prahle! Sofort bekenne ich mich überwunden Gelingt es Euch, mir nur die Haut zu ritzen. Heran denn! Einer wird doch Mut besitzen?" — — Ein jeder hat den traurigen gefunden Und blieb verwundet auf dem Kampfplatz liegen! Der Diamant war nimmer za besiegen. III. Die Steine wutvoll nun in Rach' entbrannten. — — Einst einen Splitter hell zn ihnen trug Ein Windstoß. „Wer bist Du," der Onyx frug Den eben angekomm'nen Unbekannten. Der sprach: „Ich bin vom Stamm der Diamanten, Doch habe ich vom bleichen Licht genug. Zu Eurem Buntglanz fühl' geheimen Zug Im Herz ich!" — „Hängst Du noch an den Verwandten?" Frug Onyx. „Ich befehd' sie, wo ich kann." „O", riefen alle, „sei Uns hochwillkommen. Den Prahler strafe dort, den Stolzen, Frommen". Der Splitter griff den Diamanten an. Der wehrt sich nicht, hat schweigend es gelitten. Das eigne Fleisch hat ihm das Herz zerschnitten. (Arabische Juden in Mexico.) In Mexico leben jahraus jahrein ungefähr 400 arabische Juden, die aus den verschiedenen afrikanischen und südamerikanischen Kolonien nach Mexico kommen, um daselbst Geschäfte zu machen oder in Arbeit zu treten, um dann, wenn sie Einiges erspart haben, wieder in ihre Heimat zurückzukehren. Es sind dies arabische jüdische „Sachsengänger". Nur in den seltensten Fällen nehmen diese arabischen Juden ihre Familien mit. In der Stadt Mexico bilden sie eine Gemeinde für sich, erhalten das ganze Jahr über ein eigenes Bethaus mit einem ständigen Chasan und Schochet. Manche von ihnen haben sich bereite in Mexico ständig angesiedelt. .j -erzi (Die Juden im Belgischen Kongo.) In Katanga (Kongo) besteht eine jüdische Gemeinde, die nahezu hundert Mitglieder zählt. Tie Gemeinde wird demnächst an den Ban einer Synagoge schreiten. Anläßlich der letzten hohen Feiertage wurde der Gottesdienst nach alter Tradition in einem provisorischen Bethause abgehalten.

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