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Der Israelit · 1911-11-16 · Heft 46 (16.11.1911) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 46 (16.11.1911)
Date
1911-11-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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m Dem L «r. 46 »er SWrott» schließt. Man schaffe Distriktskasseu am Sitze der Distriktsrabbinate und unter Verwaltung einer fünfgliedrigen Behörde, bestehend aus dem Distriktsrabbiner, dem dtenstältesten Lehrer des Bezirks und drei gewählten Gemeindevorstehern. Die Ueberschüffe bezw. Manki «der einzelnen Dtstriktskaffen werden durch einen AuSgleichsfonds — der rein kalkulatorische Bedeutung hat und von einem Gemetnderechner in Burgkundstadt oder in Jchenhausen geführt werden kann — verrechnet und durch Ueberweisung ausgeglichen. Alles, was in der Hand -einer Zentralkassen Verwaltung politische Waffe gefährlichster Art und Borstufe zur Oberbehörde wird: Prüfung der Etats, autoritative oder repräsentative Stellung des Kaffenbeirats, 2c. ist vollkommen harmlos und bietet absolut nichts Neues, wenn es als Attribut der bei den Distriktsrabbinaten befindlichen Kaffen gedachtwird. Auch sachlich wären die Verwaltungen dieser Distriktskaffen, die mit den Verhältnissen und Bedürfnissen ihres Bezirkes aus eigener Kenntnis innig vertraut sind, der schematisch von oben herunter arbeitenden Zentralkaffen - Verwaltung bei weitem vorzuziehen. Der Staat wäre die odiose und schwierige Psticht der Administration einer kirchlichen Kaffe los, und die finanziellen Wirkungen der Kaffenorganisation für die kleinen Gemeinden und ihre Beamten find dennoch nach keiner Richtung geringer als bei dem unseligen ZentralkassenproM. Man darf zu der religiösen Gewissenhaftigkeit, zu der Einsicht und zu dem Solidaritätsgefühl unserer Gesinnungsgenossen in Bayern da- Zutrauen hegen, daß fie im weiteren Verlauf der Revisionsbewegung diese Gesichtspunkte berücksichtigen und sich nicht zu Konzessionen an die Neologie verführen lassen werden, die für die religiösen Verhältnisse in Bayern, ja weit über Bayern hinaus verhängnisvoll sein würden. Eines der Leitmotive, das in der Broschüre Dr., Kohns immer wieder kehrt, ist die Furcht vor Kompromissen und Konzessionen im Verlaufe der Verhandlungen. Diese Furcht ist theoretisch berechtigt. Zwar hat Herr Dr. Kohn selbst dadurch, daß er das Gewicht feines Einflusses und seiner reichen politischen Erfahrung der organisierten Orthodoxie entzog, die Gefahr unendlich erhöht und die Stoßkraft eines einheitlichen, geschloffenen Vorgehens erheblich abgeschwächt. Allein nicht um Schuld und Verdienst einzelner Personen und Führer darf es sich handeln, wo so Gewaltiges auf dem Spiele steht. Hat die Secession Dr. Kohns die Kraft der bayrischen Orthodoxie in der selbständigen Vertretung des Revisionsbegehrens geschwächt, so ist es in verdoppeltem Maße heiligste Pflicht der Führer, an den in der Würzburger Resolution festgelegten Prinzipien unerschütterlich festzuhalten, eine politisch oder religiös unannehmbare Zentralkaffe entschieden zurück zu weisen und keinerlei gemeinsame Aktion mit den neologen Revisillnsfreunden zu unternehmen, mögen die Gegner auch tausendmal, mit Recht oder Unrecht, ein Scheitern des Nevisionswerkes an der Klippe orthodoxer „Hartnäckigkeit" prophezeien. Wir glauben auf Grund ziemlich genauer Kenntnis der Verhältnisse zuversichtlich an einen vollen Sieg. Die brutale Rücksichtslosigkeit, mit der die Matadore der Neologie neuerdings wieder in Bamberg in die Gewissen hineinregieren, mit Arrest- und Polizeistrafen gegen die treue Wahrung religiöser Vorschriften zu Felde ziehen und so die ganze Unmöglichkeit des herrschenden Systems demonstrieren, sie bestärkt uns in der Zuversicht, daß bei entschiedenem Festhalten aller durch den mia und durch eine weitschauende religiöse Gewissenhaftigkeit diktierten Forderungen die bayrische Judengesetzgebung vorbildlich für andere Länder gestaltet werden, schlimmstenfalls aber eine Revision über den Kopf der Orthodoxie jederzeit verhindert werden kann: ptn p*i KochrwunWaa. Paläflinenfifdie Kronrabbiner. Eine nach Ursache und Wirkung wenig erfreuliche Golus-Erscheinung hat in den letzten Wochen ihren Einzug ins Heilige Land gehalten — die Institution des russischen Kronrabbinertums! Bekanntlich hat die Entwicklung der Dinge in Rußland seit Jahrzehnten dazu geführt, daß neben den durch Thorakenntnis und ideale Frömmigkeit ausgezeichneten rabbinischen Führern der Gemeinde, denen leider zumeist die Kenntnis der Landessprache fehlt, von Staatswegen Beamte zu Rabbinern creirt werden, die diese Würde lediglich dem Staate gegenüber, nicht aber äs facto und nicht in den Augen des Volkes bekleiden. Sie entstammen zumeist den Kreisen der Intelligenz, sind Aerzte, Rechtsanwälte oder Kaufleute und zeichnen sich zumeist nicht gerade durch einen besonderen Grad von jüdischem Wissen und religiöser Gewissenhaftigkeit aus. Daß das Kronrabbinerr Zeichen — die nicht trügen. (Zum Wocheuavschuitt.) Die Art, wie Elteser tot heutigen Wochenabschnitte öle Zukunft des ahrahamitischen Hauses von Zeichen bestimmen läßt, und, wie es im erstm Augenblick den Anschein hat, dem Spiel deS Zufalls anvertraut, wtrd von unseren weisen Gchristerklärern keineswegs im Prtnzipe gebilligt. Neben Jstach und anderen mehr wtrd Elteser (Tr. Taanith 5) zu denen gezählt, die zumindest unvernünftig kalkulierten Nach Maimonides fällt die Handlungsweise Eltesers sogar unter den Begriff der Zetchenbeuterei (E7HT3)/ wie er in Talmud Chultn (91 und g6) präzisiert wtrd, was allerdMgs der und mit ihm viele andere Kommentototen mit Rücksicht aus die vielfach in der Thora herdvrgehobene Treue deS mit den Traditionen im Haufe feines Herrn so gut vertrauten Dieners nicht gelten laffen. Und man wirb Ihnen recht geben müssen, diesen Verteidigern ElieserS, wenn man besten Expedition in allen Phasen im Geiste begleitet und besonders den Borgang am Brunnen mvas näher ins Auge faßt. 3J1 M war gerade keine leichte Mission, für die Elteser da mit einem feierlichen Eide verpflichtet wurde. Galt es doch, tm fernen Lande, in einer fremden. Umgebung die Frau zu finden, die erstens zu dem Sohne seines Herrn patzte, die Eigenschaft befitze, als Tochter in das gottgewethte Haus zur Wahrung des dort gehüteten heiligen Gutes zu treten, und dann mit ihrem lauteren Charakter und dem angeborenen Adel ihres Wesens auch würdig sei, einem Jzchok zur Sette z u st e h e n - und NVX NNP^I. Nicht alle Töchter des Landes in Kanaan, die Abraham grundsätzlich ablehnte, waren im Götzendienste großgezogen, so wenig wie alle Menschen in Aram von vornherein als treue Bekenner der Gotteinhett zu betrachten waren. Ausnahmen gab es hüben wie drüben. Oner, Eskol und Mamre, alte kanaittsche Gkschlechter, waren nach dem Zeugnis unser Weisen nicht allein die kriegsgerüsteien Bundesgenossen Abrahams, sondern auch in ihrer Auffassung des Gottbegriffes E7H2K JVQ und besonders der letztere fühlte fich Abraham so gesinnungsverwandt , daß ein Abglanz. der Abraham zuteil werdenden Gottesherrltchkeit auch auf ihn fiel fcTlÖtt /taT y6k (Stehe Rabva und Tanchuma zu dieser Stelle.) Und andererseits hören wir nicht später von „T e r a f i m", die die Tochter auf ihrer Flucht aus H a r a n dem Bater entwenden muß? So mutzte es denn in erster Reihe nicht das Götzentum der Tochter Kanaans gewesen fein, daS Abraham fo sehr abstieß, als vielmehr ihre sittliche Etttartuna. Götzentum ist, wie Hirsch in feinem Kommentar so trefflich bemerkt, eine Berflandsirrung, die heilbar ist und in einem Abrahamshause auch ihre gründliche Heilung' hätte finden müssen. Sittliche Entartung dagegen wurzelt zu tief in der Seele des Entarteten, um noch tu den Sonnenstrahlen reinen Menschentums ihre Genesung zu findenda haben 8^ 1$. November 1911 tum objektiv betrachtet nicht nur eine Schmach für das Judentum ist, sondern auch eine eminent große Gefahr in sich birgt, liegt auf der Hand. Wird doch auf diese Weise Persönlichkeiten, die keinerlei inneren Beruf zur Wahrung und Vertretung religiöser Angelegenheiten in sich tragen, das Ahr des Staates geöffnet, und ihnen ein offiziell und inoffiziell weitgehender Einfluß auf die Beziehungen des Staates zu Judentum und Judenheit in die Hände gespielt. In der Türkei war ein solcher Zustand bis in die letzte Zeit hinein unbekannt. Die ersten Spuren der zu ihm führenden Entwicklung traten allerdings schon zutage, als der Alliance-Lehrer Chatm Nahoum wegen seiner sprachlichen und weltmännischen Gewandtheit zum Großrabbiner der türkischen Judenheit gekürt und damit der Würde der min und des überlieferten Judentums ein ungeheurer Schlag vor dem Angesicht der ganzen Welt versetzt wurde. Jetzt scheint es dem Großrabbiner der Türkei in seiner Einsamkeit als Kronrabbiner unbehaglich zu werden. Er beginnt die Zerspaltung des Rabbinertums in eine weltliche und eine geistliche Hälfte auch in anderen Städten seines Reiches durchzuführen und hat in Jaffa und in Jerusalem den Anfang damit gemacht. Man wtrd allerdings so gerecht sein müssen, anzuerkennen, daß ' vorläufig die Träger des türkischen Kronrabbinertums mit ihren russischen Kollegen nicht in eine Linie gestellt werden dürfen. Die offiziellen Chachambaschis von Jaffa und Jerusalem, in erster Stadt der Chachambascht Usiel, in letzterer Chacham Moses Franko aus Rhodos, sind zweifellos würdige Persönlichkeiten, die sicherlich Thoragelehrsamkeit und O'ötP fitrP besitzen und von bestem Willen für die Wahrung der Interessen des überlieferten Judentums erfüllt sind. Allein die verhängnisvolle Entwicklung der Zustände, die wir oben gekennzeichnet haben, ist — unabhängig von der zufälligen Artung der Personen — damit nicht weniger eingeleitet. In Jaffa steht Chacham Usiel neben dem als Autorität anerkannten Oberrabbiner Kuk, besten Überlegenheit er selbst anerkennt und dem gegenüber er, wie unser Korrespondent aus Jaffa meldet, ausdrücklich erklärt hat, daß er nicht daran denke, sich in religiöse Angelegenheiten einzumischen. In Jerusalem wird der 75 jährige neue Chachambaschi Franco (siehe Correspondenz) schon seines hohen Alters wegen nicht daran denken können, praktisch auf rabbtnifchem Gebiet tätig zu sein, und es ist tatsächlich beabsichtigt, neben ihm einen Rischon le Zion, d. h. einen effectiven Chachambascht, aus der Mitte der sefardischen Chachamim zu wählen. Wir können nur die Hoffnung aussprechen ziehung und Gewöhnung zu viel verborben und zu sehr das Menschenwesen in all seinen Tiefen erfaßt, als daß noch eine Besserung erhofft werden könnte. Auf kanaittschem Boden gedieh, trotz bereinigen wenigen Ausnahmen Adel der Gesinnung und Sitte, wie man dessen tm Hause des Patriarchen zur Fortpflanzung der hohen jüdtschrn Ideale bedurfte, nur schlecht. In Aram war er, bei den vereinzelten Anhängern des TerafimkultuS, eher zu erwarten. Und fo hatte denn Elteser die Braut, die er für den Sohi seines Herrn hetmführm sollte, vor allem auf ihr inneres Wesen, auf ihren Geistesadel und ihre HerzenSetgenschaften zu prüfen, aus diese ries in der Seele ruhenden geheimen Quellen menschlichen Seins und Tuns, die ein Anpasten an fremde Wesensart auSschlteßen. Wie klug und weltgewandt entledigt fich doch ber Knecht dlefir heiklen Aufgabe? Er befragt, scheinbar nach heidnischec Art, Zeichen, die darum dennoch kein gefährliches Spiel des blinden Zufalls find, soudern ties in das Gescheh n etndringen und klare Kunde bringen über den Gegenstand, auf besten gründliche Erforschung es hier ankommt. Fremd und unentschlosien steht der treue Diener am Wasserbrun aen außerhalb der fremden Stadt, hinter deren Zinnen fich jetzt die Abendsonne zum Abschiede neigt Und ein Gebet entringt fich seinem bangen Herzen: „Gott meines Herrn Ab .aham, füge doch heute vor mir und übe Liebe an meinem Herrn Abraham!' Dem Herrn daheim, besten Segen und Hoffnung ihn, den Diener, hrerher geleiter, gilt dieses in seiner Kürze und Schlichtheit so ergreifende Abendgebet am Brunnen. DeS Herrn Namm und all die an denselben geknüpften Traditionen muH er fich vor Augen halten, so der bedeutungsschwere Moment der Brautwahl jetzt herannaht. Und da fällt eS chm nicht mehr fonoerlich schwer, Sen

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