Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 46 (16.11.1911)
- Date
- 1911-11-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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(i Der Israelit Ein Centralorgan lör das orthodoxe Judentum Begründet oon Dr. Lehmann in fflainz 52. Jahroaiia, Sranhtort a. M.. Sen 16. November 1911. 25. Cheschwan 6672. J&* 6 tlbon*e«e*t Pr0 Vierteljahr r Gewöhnliche Ausgabe Mk. 1.50, HestauSgab^ (Kunswruck) Mk. 8.—. Auslandspreise: Gewöhnliche Ausgabe: Oesterreich-Ungarn 8 Kr., Rußland l Rub., England 8 ah., Amerika 60 et»., Niederlande IAO fl., Frankreich Fra. 8Ui0. Abonnements bei allen Postanfialtm, Buchhandlungen, sowie direkt bei dem Berlag. HestauSgabe nur direkt. Der JSraeltt erscheint jeden Donnerstag. Inserate r 80 Pfennig für die sv^gespalrene Colonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Jnseratenannahme nur durch Haas enstein «.Vogler A.-G. Frankfurt a. SR., und deren Filialen. Z a hin ngen können außer direkt an den Berlag erfolgen per Conto bei der ft» St. Postsparkasse «bien Ho. WHi. Coato bei de« ». Vostspapkasfenamt vnbapest Mo. 1S4AC. Conto bei der Rigaer Connnergbawk in Riga und der« Siliglm. Oer nadiOrudi Oer Drfihel unO ConrefponOenjen Oes „Israelit*1 lll nur unter oenauer Quellenangabe, unö, soweit es Orb um grOSere fluffflfce banOelt, nur natfi norberiger Oenefimfguno oeftattet. I«h«lt»übevstchr. 1. Leitartikel: Die bayrische Revisionsbeweguns- — 2. Wochenrundschau'. Datüsiinrusiflhe Kroaradbiner. — Die Zwangsorgmrifatisn und die Kerltner Gemeindereprüsentanr. ---3. Aufsätze: Bon G. E.: Der jüdische Jirgendkongrrß in Italien. - Rabb. Dr. Schweizer, Weikcrshetm: Dir israelitisch. Konfrssionsschulrn (Glementarschulen) iu Württemberg. ----- 4. Homiletik: Zeichen — dir nicht trügen.--- 5. Kleines Feuilleton: Bon einem Christen geschildert: Das Judentum. — Ben Jeir, Frankfurt: Der Diamant. — Arabische Juden in Mexiko. — Die Juden im Belgischen Kongo. ----6. Korrespondenzen u.Nachrichten: ZurVersicherung der Privatbeamten. Frankfurt a. M. — Frankfurt a. M. (Ersatzkafsonfrage.) — Berlin (Repräsentantensitzung der jüdischen Gemeinde.) — Dresden (Schächtverbot.- — Emden (Rabbinerwahl.) — Wien (Organisation der Religionsiehrer.) — Ungarischer Kries. Budapest. — Kiew (Von: Rltualmordmärchen.) — Odessa (Die Jeschiboh zu Hebron.) — Kandsner Kries. London. — Konstantinopel (Vom Kriegsschauplatz.) — Jerusalem (Die Installation des neuen Chacham Baschi in Jerusalem.) — Jerusalem (Straßenbahn, elektrische Beleuchtung und Wasserleitung.) — Jaffa (Der neue Chacham-Baschi.) — Haiffa («Malers LchLtica.) — 7. Vermischtes: Berlin. — 8. Verein s w e s e n : Halberstadt. ---9. Personalien: Fürth. — Mainz. — Gellenstadt. 10. Briefkasten. — Vereinskalender. — Familtennachrichten. — 11. Beilagen: Feuilleton - Beilage: Oskar Stein: Tage der Uot. — Erziehung und Lehre: Lehrer Ehrenreich, Forchheim: Hasienverband und Uersicherungsgrsrtz. — Seminarlehrer L. Anfänger, Würzburg: Dir Piutim oon JVtPK"D- - Verein der jüdischen Kehrer in den Rabbinatsbeztrken Emden—Oldenburg-Bremen. — Korrespondenzen. — Jüdischer Bolksfreund: Trostspende. — Die Sprisegesrtzr. — Tolstoi über den Zionismus. — Gin kulturgeschichtliches Kapitel der Genesis. - Nachrichten: Gelsenkirchen. — Cüln. — Exegetische Miscellen. — Stipendienfonds. Die bayrische stevisionrdewegung. II. In der für den weiteren Verlauf der Revisionsbewegung bestimmenden Landesversammlung der bayrischen Orthodoxie vom 13. Juni 1909 — einer Versammlung die von Herrn Dr - K o h n selbst zur endgültigen Entscheidung über die Revisionsfrage angeregt und miteinberufen worden war — wurde folgende Resolution angenommen: „Die Revision des bayrischen Judenedikts ist wünschenswert, um die Bildung mehrerer Kultusgemeinden in den politischen Bezirken der Großgemeiudeu KU ermöglichen, und um durch eine — re rgiös und politisch annehmbare — Kassenorgani- . sation der Not der kleineren Gemeinden und der Beamten abzuhelfen. Die Revision ist jedoch von Seiten der gesetzestreuen Vertretung nur dann und solange zu erstreben oder zuzulassen, als 1. die Wahrung der religiösen Befugnisse der Rabbiner im Sinne der Ministerialentschließung von 1863, Ziffer 5, 2. bic Aufrechterhältung des rellgionsgesetzlrchen Charakters der Kultusgemeinden im Sinne von Ziffer 4 der Ministerialentschließung von 1863 nach Maßgabe der politischen Lage gesichert erscheinen, und 3. jede Entwicklung der Kasscnorganisation zu einer Oberbehörde unmöglich gemacht wird. Die Konzedierung der genannten drei Forderungen in der Kommission ist dir Vorbedingung für eine gemeinsame Vertretung des Revisions- Begehrens durch Orthodoxe und Neologe." In dieser Resolution, die offenbar sehr sorgfältig texttert ist, steht kein Wort von einer Zentralkasse, sondern es wird vielmehr „eine religiös und politisch annehmbare Kassenorganisation" überhaupt gefordert und es wird schließlich noch hinzugefügt, daß die Revision, also auch die Kassenorganisation tun* batttt und nur solange zu erstreben sei, wenn bezw. solange (neben zwei anderen Bedingungen) „jede Entwicklung, der Kaffenorganisation zu einer Oberbehörde" nicht etwa nur unwahrscheinlich, sondern unmöglich gemacht werden kann. Welche Momente gegen eine Zentralkaffe vom halachischen und religiös-politischen Standpunkte sprechen, hatte der „Israelit" in seiner vorder Würzburger Tagung erschienenen Nummer wie folgt zusammenzufaffen versucht: „Der Entwurf (gemeint waren die damals erschienenen Dr. Straus'schen Thesen) bringt außerdem, wie zu erwarten war, den Vorschlag zur Bildung einer Zentralkasse. Die Bedenken gegen eine solche Einrichtung, deren Vorteile ja keiner Erörterung bedürfen, sind im allgemeinen halachischer und politischer Natur. In ersterer Hinsicht liegen die Verhältnisse gerade in Bayern recht günstig, insofern R e f o r m gemeinden kaum jemals aus der Zentralkassc llnterstützung empfangen werden, und weil — zum Unterschied von Preußen — bie bayrischen Neligionslchrer in den kleinen Plätzen wohl ausnahmslos treue und gesinnungstüchtige Schüler des Würzburger Seminars und nicht wie anderswo bibelkritische Missionare des Abfalls vom Judentum sind. Man darf also — ohne daß wir ein entscheidendes Wort sprechen möchten — ruhig annehmen, daß die Rücksicht aus 7TT2P ''IZ'iV '’T &VD bei der Beurteilung einer bayrischen Zentralkasse ausscheiden kann. Nicht so beruhigt sind wir in politischer Hinsicht. Der Entwurf betont zwar mit Schärfe, daß die Zentralkasse ihren rein finanziellen Wirkungskreis nicht überschreiten dürfe, za er weist der Regierung eine besondere Aufsichtspflicht nach dieser Richtung zu — allein trotzdem scheint uns die Schaffung einer ständig in München domizilierenden, aus Laien und Rabbinern bestehenden Zentralkafsen- Verwaltung bedenkliche Ansätze zu der mit Recht perhorreszierten Oberbehörde, mindestens zu einer Gutachter- Behörde in sich zu bergen. Der Gedanke ist nicht von der Hand zu weisen, daß die. Ministerialreferenten in den Mitgliedern dieser Kassenverwaltung immerhin die Vertrauensleute der bayrischen Gcsamtjlidenheit erblicken, und aus der Erteilung einer gelegentlichen Auskunft oder eines guten Rates heraus könnte sich allmählich, im Laufe der Jahre, eine Art still e n Oberrats entwickeln, der unter Umständen gefährlicher werden kann, als eine offen schallende Religionspolizei nach badischein Muster." Wenn der später vom gesetzestreuen Verein ausgearbeitete Entwurf die Zentralkaffe beibehält, dir gewählte jüdische Kassenverwaliung aber beseitigt und die Verwaltung der Staatsbehörde zuweist, so hat Dr. Kohn zweifellos vollkommen recht, auch diese Lösung ais unzureichend zu bezeichnen. Ohne jüdischen Beirat würde die Regierung nicht auskommen, und in diesem Beirat hätten wir die gefürchtete Konfistorial- oder Oberbehörde in optima, forma. Wenn die bayrische Orthodoxie eine Zentralkaffe, wie sie der vorläufige Entwurf erster Lesung vorschlägt, in der Tat concedierte, so würde sie damit gegen den Geist der Würzburger Resolution verstoßen und für die Gesamtheit der gesetzestreuen Judrnheit Gefahren heraufbeschwören, die u. E. nicht einmal durch die Errungenschaften des Austrittsgesetzes ausgewogen werden könnten. Und nun gar eine Zentralkaffe, die sich einfallen laffen dürfte, Rabbiner- und Lehrerbildungsanstalten zu subventionieren! Will die bayrische Orthodoxie ein „liberales" Lehrer- und Rabbinerseminar heraufbeschwören und die gesammelten Kräfte der D'm' zur Züchtung von radikalen Zerstörern des Judentums mißbrauchen laffen? Dann wäre es schon beffer, die Gewaltherrschaft der Neologie in den Gemeinden bliebe erhaltenwäre es immerhin beffer, daß die Steuerkreuzer der Gesetzestreuen den unjüdischen Institutionen einer Einzelgemeinde, als daß sie Pflanzstätten systematischer Bolksverführung im Großen zugute kämen. Allein wir begreifen nicht, warum sich die beteiligten Kreise auf das künstliche Gebilde der Zentralkasse versteifen und nicht die in Bayern geradezu sich aufdrängende natürliche Lösung des Kaffenproblems ergreifen, die an Gegebenes anknüpft und nach menschlichem Ermessen alle Gefahren religiöser und politischer Natur aus-