Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 45 (9.11.1911)
- Date
- 1911-11-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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re Gut » aber! könne, f Nutzeren sie,! wollen s :e besorgen I )ic geeichter ige er Sühn-! aber , daß Stun- Verfü- Tore »lösten testen, itzung 58$$kittd von llNmderg. ein jSäireder Mi«nerä«ger. Bvn Prof. Dr. Rover in Mainz Es ist gewiß eine eigenartige Erscheinung, daß zu einer Zeit, als man, besonders während der Kreuzzüge, die Juden aus Fanatismus verfolgte und ihnen fast alle Berufszweige außer Handel- und Geldgeschäften verschloß, sich unter die Schar der christlichen Minnesänger des 13. Jahrhunderts auch einer aus jenem verachteten und gehaßtem Stamme wagte, — Süßkind von Trimberg, den uns die Maneße'sche Handschrift als Zeitgenossen Walthers von der Bogelweide, abstehend von seinen christlichen Kollegen, als Juden, kenntlich an seiner damals vorgeschriebenen Tracht mit dem dreieckigen gelben Butzhüte abbildet. Bon einem in Trimberg von der Saale, unweit Würzburg ansäfftgen Rittergeschlechte nennt das Mittelalter auch einen Dichter Hugo, den berühmten Verfasser eines didaktischen Epos, betitelt der „Renner". Rur dürftig und ziemlich unzuverläffig stießen die Quellen Über Geburt, Erziehung und Lebensschicksale des jüdischen Minnesängers Süßkind von Trimberg. Ob man aus der Abblldung in der Maneß'schen Liederhandschrift, in der er vor einem StistSherrn steht, der mit Krummstab und Teful vor ihm auf einem Thronfeffel fitzt, auf ein Schutzverhältnis des Minnesängers etwa zu dem Bischof von Fulda schließen kann, bezweifelte Roethe in einem Aufsatz in den „Allgemeinen Deutschen Biographien". Pfarrer Dr. Krätzinger in Mettenheim denkt („Deutsche Blätter" 1870) an ein Verhältnis zu einem Stiftsherren des Würzburger Hospitals, in dessen Nähe Süßkind eine Urkunde aus dem Jahre 1225 zufolge, vielleicht infolge seines ärztlichen Berufs wohnte. Das St. Aegidien-Spital soll mit Bewilligung des Domprobsts Otto ein Grundstück an ihn unter der Bedingung verkauft haben, eine untertrrdische Wasserleitung auf seine Kosten einrichten und unterhalten zu lassen. Roethe dagegen in seiner bereits zitierten Biographie scheint die Echtheit dieser von Krätzinger angeführte Würzburger Urkunde zu bezweifeln, da er Süßkinds Auftreten um die Wende des 12. Jahrhunderts annimmt. Auf die Ausübung des ältlichen Berufs, vielleicht well ihm der Beruf eines fahrenden Sängers keinen ausreichenden Lebensunterhalt gewährte, glauben manche Ausleger seiner Lieder aus allegorischen Vergleichen mit Latwergen schließen zu dürfen, doch waren solche Lieder der jüdischen Lehrweisheit geläufig. Wenig Anhaltspunkte gewähren uns auch des Dichters eigene Lieder. Recht sinnig hat der jüdische Schriftsteller Livius Fürst („Jllustr. Monatshefte für das gesamte Interesse des Judentums") fle zu einer gereimten Biographie Süßkinds verwoben, aus der wir einige Bruchstücke zitieren wollen. So schildert er des Minnesängers Auftreten hei einem Hochzeitsfeste des Töchterleins des Schloßherrn Heinrich von Trimberg an der Saale. Im" Dorfe unten vor einer Herberge hat soeben ein Troß fahrender Sänger gehalten, unter denen wir die bekannten Namen hören, die auch die gastfteie Wartburg des Landgrafen Hermann zu bewirten Pflegt. „2ie Tür geht auf: Mit edlem Schritt Ein Jude auf die Schwelle tritt. In seinen schönen, edlen Zügen Scheint tiefer Lebensernst zu liegen. Schwarz ist sein Haar uno schwarz sein Bart, Ter Blick ist nicht von scheuer Art; Tie Haltung stolz, die Sprache rein, — Fürwahr, das kann kein Jude sein!" „Ich bin's!" so sagt der bleiche Mann, „Was seht ihr mich so fragend an, Als ob ich Euch ein Fremdling war? Herr Walther, kennt Ihr mich nicht mehr, Ten Ihr gelehrt auf manchen Reisen Tes Minnesanges edle Weisen?" „Süßkind! Gott grüß Mch!" Walther sprichts, Und freundlich, milden Angesichts Springt grüßend er von seinem Roß Und winket der Gefährten Troß: „He, Wolfram, Bitwolf! heran! Seht diesen braven Sänger cm; Ja, Süßkind ist es, der mir wert Bor allen, die ich singen lehrt? Er ist ein Jude, — mir ists gleich; Mich soll in meiner Künste Reich Kein Glaube scheren und kein Stand. Kommt, reichet ihm die Bruderhand! Nun, Süßkind, folg' uns als Genoß, Auf zu der Trimberg stolzem Schloß, Um dort mit uns in Lied und Tönen Die Hochgeitsfeier zu verschönen." „Habt Tank, ihr Herren, doch mein Gesang Hat schlummern müssen jahrelang; Wer weiß, ob mir der Kunst Gewalt Noch ist geblieben, nun ich alt. Ich Hab ein Weib und Kinder viel; Me Not vertrieb das Saitenspiel, — Sei's denn! Ich will's noch einmal wagen Und will mit Euch die Laute schlagen. Will mit Euch gehen, leben, singen — Vielleicht schenkt mir mein Gott Gelingen." Bald zogen all im Freudenschnn Tes Morgens in die Burg hinein. Und in dem kunstgewölbten Saal Erklangen Lieder ohne Zahl. Ten Bitwolf, den Ofterdingen, Wolfram und Walther hört man singen. Da trat auch aus der Sänger Chor Süßkind mit seiner Laute vor, Und bei der Saiten Feierklang Erscholl sein edler Frstgefang: „ Ge du n k e! Frei für Jedermann, Für jeden Thoren, jeden Weisen! Wer Dich verstehen. Dir folgen kann, Ter ist an Herz und Sinn ein Manu, Ten sühvest Du durch Stein und Eisen; Und spottend eines Menschen Hand Tragt ihn der Fittich übers Land. . Gedanke! Schneller als das Licht, Gewalt'ger als die Macht, der Sinn! Flog' ich auf Trinen Schwingen nicht. Was wär' mein Sang und mein Gedicht Und was der goldne Lohn der Minne? O trage mich des Geistes Bahn Hoch über Adlern himmelan!" Und Beifall hob sich in der Rund Und tat sich laut dem Sänger kund. Ter schlug den Blick zur Braut hinan Und spielte zarter und begann: „Tes Mannes Krön', es ist die reine Frau; Sie nennt er seinen Stolz und seine Ehre. Was war, mit aller Pracht des Hauses Barr, Wenn dringen nicht das Weib die Seele wäre? An seinen treuen Weibes Seite mag Ter Mann sein Dasein selig froh verbringen, Ihr Licht erhellt ihm jeden trüben Tag — Ich will ihr Lob, solang' ich lebe, singen." Zum Tanke neigte sich die Braut, Ihn lobten alle Frauen laut. Und für die Lieder bot zum Tank Der Burgherr ihm den Ehrcntrank. Doch Süßkinds Blick schiveist in die Runde; Ein neues Lied entströmt .dem Munde: „Ich weiß ein Tränklein wunderbar Und will's euch künden auf ein Haar, Wie man's bereitet, daß es frommt. Für jedes Uebel, das da kommt. Biel Zucht und Treu' muß drinnen sein Auch Kraft und Milde tut hinein. Und daß es wohl sich mischen kann. Tut etwas Mäßigung daran. Und habt den Trank ihr recht vollbracht, Tann gebet auf das Glas wohl acht, Tenn nur, wenn dieses klar und rein, Kann, was darinnen, heilsam sein. Daß ihr des Tränkleins Namen wißt. Vernehmt, daß es die Ehre ist. Heil Jedem, der nach Weiser Art Im reinen Herzen sie bewahrt!" Sv läßt Livius Fürst seinen poetischen Glaubensgenossen Gedankenfreiheit, der Frauen Lotz und Ehre besingen. Fürwahr! drei der Verherrlichung wohl würdige Lebensgüter! (Fortsetzung folgt.) CiterarlscDe RmuUcfta*. Jndftica. Bereits ein Jahr alt, jedoch erst in der jüngsten Zeit in unseren Besitz gelangt, ist die stattliche Festschrift, welche Moritz Stern in Berlin zum vierzigjährigen Amtsjubiläum Dr.Salomon Carlebach's in Lübeck in Gemeinschaft mit Freunden und Verwandten des Jubilars herausgegeben hat. Das stattliche Buch enthält nicht weniger als 37 längere «nd kürzere Abhandlungen aus den Gebieten der Halacha und Hagada, der Geschichte und Literatur, der Thora« und der Talmudkunde. Der