Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1911-11-09 · Heft 45 (9.11.1911) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 45 (9.11.1911)
Date
1911-11-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2448803-2448849--67059-2495252
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

ftn $fanttl 9 NovmVeß rEtr »eite 8 «v. 4L Board zu stellen. Wie seinerzeit bereits mitgeteilt, machte sich gegen diesen Versuch der Ge meindeverwaltung ein heftiger Protest innerhalb -er Gemeinde und besonders auch von feiten der Gesetzestreuen geltend. Auch der Chacham der portugiesischen Gemeinde, Dr. Ga st er, richtete seinerzeit ein geharnischtes Schreiben an den Vorstand, in welchem er gegen denselben den Vorwurf der unberufenen Einmischung in religiöse Angelegenheiten erhob. Dr. Gaster betonte des wetteren in seinem Proteste, daß in Schechitahfragen nur die Meinung des zuständigen Rabbiners maßgebend sei, als welcher, soweit nicht die Rabbiner der einzelnen Gemeinden in Betracht komme, nach dem Tode des Dr. Adler bis zur Wahl eines neuen Chiesrabbt er allein zu gelten habe. Dieser Brief hatte damals großes Aufsehen erregt und wurde auch von den politischen Zeitungen wiedergegeben und verschiedenartig glossiert. Das Komitee hat im engeren Kreis darüber beraten, ob und welche Antwort es auf -diese Protestkundgebung geben soll. Diirse ist aber, da man sich auf die Formel nicht einigen konnte, unterblieben. Heute in der Plenarversammlung zeigte sich, daß die Mehrzahl der Mitglieder mit dem Versuche des Komitees nicht ganz einverstanden ist. Die meisten sind der Ansicht, daß dem Board nicht das Recht zustehe, sich in Kaschrus-Angelegenheiten einzumischen und halten besonders den Passus der Eingabe, der dem Präsident des Board ein Aufsichtsrecht über die Schechitah überträgt, für unberechtigt. Auf Antrag von Mr. Joshua M. Levy wurde die vom Board vorgeschlagene Klausel zum Schlachtgesetz dahin abgeändert, daß die jüdischen Schächter ihre Autorisation zwar vom „Board of deputies" durch dessen Präsidenten empfangen müssen, daß dieser jedoch lediglich zu prüfen hat, ob der betreffende Schächter die gültige Kaboloh eines Rabbiners besitzt. In Bezug auf den Protest des Chacham Dr. Gaster wurde beschlossen, ihn in einer Antwort darüber aufzuklären, daß das Komitee keineswegs die Absicht hatte, in die Rechte der Rabbiner etnzugreifen. _ VatÄsttrra. Die Organifafionsberoegung in der heiligen Stadt. Jerusalem, 24. Oktober. Nach längerer Pause trat dieser Tage der aus 80 Mitgliedern bestehende Generalrat der Gemeinde wieder zu einer Versammlung zusammen. Es handelte sich darum, dem aus diesem Wahlkörper bekanntlich hervorgegangenen „Waad-Hair" die finanziellen Mittel in die Hand zu geben, um seinen schwierigen vielfältigen Aufgaben gerecht zu werden. Es ist klar,, daß der „Waad-Hair" sich das hier bislang übliche System der Geldsammlungen in der Diaspora nicht aneignen kann. Und so bildet zunächst der Geldpunkt die Frage aller Fragen für die junge Körperschaft. Wenn auch der Waad vorwiegend ideale Interessen verfolgt, so erfordern doch einige Institutionen, die ins Leben gerufen, resp. ausgestaltet werden sollen, namhafte Mittel. Bor allem müsse doch der Waad sein eigenes Heim haben und zu diesem Zwecke ein würdiges Haus käuflich erwerben oder mieten. Ebenso müsse ein geeigneter Sekretär angestellt werdender befähigt ist, die Geschäfte des Waad zu leiten, und dergleichen mehr. Außerdem gehört es in den Wirkungskreis des Waad, mit der Diaspora in Fühlung zu treten und ihre Verbindung mit Palästina immer aufrecht zu erhalten, was ebenfalls mit bedeutenden Kosten verbunden ist. Nach dem Voranschlag belaufen sich die jährllchen Ausgaben auf rund 6000 Fr., und es handelte sich in dieser Ätzung zu allernächst darum, eine geeignete Einnahmequelle für diese Summe ausfindig zu machen. Es wurden irr dieser Beziehung mannigfache Vorschläge gemacht,' zum Schluffe wurde ein Antrag angenommen, wonach der npi in Gemeinschaft mit den ihm nicht angehörigen einzelnen Kolalim und bemittelten Privaten in gleichen Teilen zu den Kosten des „Waad- Hair" beitragen sollten. Auch auf dem Gebiete der Wohltätigkeit machen sich hier zur Zeit allerlei Zentrausationsbestrebungen geltend. So hat ein hier weilender Herr aus Amerika am letzten Chaul-Hameued die Leiter der hiesigen philantroptschen Institutionen zu einer Versammlung einberufen und ihnen ein bis ins Kleine ausgearbeitete Projekt vorgelegt, dahingehend, alle von Amerika aus unterstützten Anstalten und Institutionen in Jerusalem zu zentralisieren und sie unter eine Verwaltung zu stellen, an welche all die in Amerika für Jerusalem gesammelten Gelder abgeführt werden sollten. Aufgabe der Zentrale würde es dann sein, die Verteilung an die einzelne Institutionen nach Maßgabe ihres Rechtsanspruches zu besorgen. Dadurch, so meint das Projekt, würde das in letzterer Zeit gesunkene Vertrauen in die Institutionen der heiligen Stadt wieder hergestellt werden und' auch eine Unmenge von Kosten für Sendboten usw. gespart werden. In der Sitzung machten einige Teilnehmer allerlei Bedenken gegen den Antrag geltend, und eine zweite Versammlung, die, von vierzig maßgebenden Persönlichkeiten besucht, sich zum zweiten Male mit diesem Projekte befaßte, lehnte dasselbe in aller Form ab. Es wurde hingegen beschlossen, eine Art'Z entra lkomitee, in welchem alle Institutionen vertreten sein sollen, zu bilden, welches die Oberaufsicht über die Anstalten Und Institutionen ausüben soll. Es wurde auch ein siebengltedriges Komitee damit betraut, das Arbeits-Programm für dieses Zentralkomitee aufzustellen, ebenso eine Liste der in Betracht kommenden Institutionen aufzunehmen. / vermkedrer. Berlin, 6. Okt. Am SamStag, den 4. November wurde das erste jüdische Studenten- und Jugendheim in Charlottenöurg offiziell eröffnet. In der am ve stoffenen Sonntag stattgehabren Komireefitzung, die von einer kleinen, aver illustren und eigens hstrzu etngeiadenen Gesellschaft besucht war, wurde den Erschienenen bas vorläufige Programm durch den ersten Vorsitzenden, Herrn R.gierungsbaumetster Frankel in einer warmen Begrüßungsrede mtrgetetlt. Herr Rabbiner Dr. Wilhelm L e w t berichtete über die ersten Zuwendundungen, die da8 so rasche Zustandekommen deS HermS sicherten. Herr Dr. Arthur Kahn, als der Urheber des ersten jüdischen Studentenheims gab dann in einer kurzen Rebe die Gründe an, die ihn schon jahrelang beschä,tigten, eine solche Heimstätte der Jugend tnS Lehl n zu rufen. Man sorge schon seit Jahrzehnten sür die schwächlichen, physisch und geistig Zurückgebliebenen, für Alte und erwerbsunfähig Gewordene. Und wenn Iran die große Anzahl von Heilstätten, Krankenhäusern und Alter» Heimen bet den Juden Überblicke, so konnte man auf den Gedanken kommen, es gäbe gar keine gesunden und starken Juden mehr. Und doch sei es unsere erste Pfitch, die Gesunden und Starken, besonders d i e jungen Leute zu uns heranzuz'eden, die einst berufen feien, im jüdischen Gemeinde- und öffentlichen Leben eine führende RoUe zu übernehmen. W.r müffen uns der Jugrnd zuwei den, damit sie stch nicht später von uns abwendet. Sich von den anderen Berufsständen abschließende Studenten- und Kaufmannsvereine führten zu gegenseitiger Entstembung, die stch mit dem Geiste der Gegenwart nicht mehr vertrage; hingegen würde eine gesunde Mischung der verschiedenen Berussträger dem Judentum nur zum Segen werden. Das neue Studentenheim solle die erste Zufluchtsstätte für alle jüdischen jungen Leute werden, die fremd nach Berlm kommen, deS Rates erfahrener und wohlwollender Männer bedürfen und im Studenten- und Jugendheim einen Ersatz für das so leicht vermißt werdende Elternhaus bitten. Des wetteren appellierte der Skdner an die Opferwtütgkeit der Glaube»Sgeroffen, nicht nur Berlins, sondern überall, wo man warme« Interesse für die jüdische Jugend hege. Herr Bankier Max Jaffa, als Mitgliedes Vorstandes des SiuüentenheimS, gab beherzigenswerte Wwke zur Propaganda und sprach die Hoffnung aus, daß recht bald in allen Städten m ähnlicher Weise solche Jugendheime gefchaff n würden. Als Zerchin feh.er Sympaihie (Herr Jaffa ist bekanntlich auch der Gründer teS Jaffawarsenhaufes in Charloitenburg) spendete er zu seiner erstmaligen Gabe weitere 500 Mark zum Besten deS Studentenheims. Rach em noch me Herren Reumann, Turoff, Dr. Weißenberg, Isaak, RosenkranS u. a. zur Propaganda gesprochen hatten, wurde die offizielle Eröffnung auf den bereits erwäbmen SamStag abend et stimmig festgesetzt. AlS Herr Reg - Baumeister mit herzlichen Dankesworten die Versammlung schloß, hatten alle Teilnehmer Hte yeberzeugung gewonnen, daß ein für die jüdtsch^Jugend bedeutungsvolles Werk hier seinen Grundstein gefunden hatte. London, 8. Rov. ZangwillS neues Drama „Der Krtegsgott" gelangte heute hier zur ersten Auff ihrung. Seiner Tendenz nach soll das Stück ein Piatdoher »ür die Friedensbewegung fein. ES steht jedoch in künstlerischer Hinficht nicht auf der Höhe und wird iw Kreise der deutschen Juden jedenfalls wegen der Art, in der BtSmarck in den Mtttelpuntt gestellt und mißhandelt wird, zweifellos alS grobe Taktlosigkeit empfunden werden. Am bedauerlichsten ist, daß daS Stück, sofern überhaupt Eindruck macht, nur dazu dienen kann, die Vorurteile der Engländer gegen Den schland und die für den Weltfrieden wahrlich genügend gefährlich Germano- Phobte zu fördern. Zrrgwill hätte jedenfalls klüger daran getan, in feinem Ghetto zu bleiben und fich nicht auf die Weltbühne zu begeben. Budapest, 28. Okt. Eine Deputatton der Pester autonom-orthodoxen israelitischen ReligionSgemetnde uni er der Führung Dr. Jakob Schächters trug dem Bürgermeister Dr. Sefan B a r c z y die Bttte vor, die Hauptstadt möge für die in der Kazinczhgaffe im Bau befindliche Schule eme Subvention gewähren. Der Bürgermeister erklärte, die Sache in Erwägung zu ziehen. Budapest, 26. Ott. Ueber die gewiß heikle Frage, ob die Benennung „Jude" eine MajeftätSbeletdtgung fei, wird demnächst ein ungarisches Gericht zu entscheiden haben. Ein Bauer in Debrecztn, oem kalvtnischen Rom, wie es wegen der überwiegenden kalointschen Bevö kerung im BolkSmunde heißt, scheint durch gewssenlose anttsemittiche Ägttatton so sehr verhetzt worden zu sein, daß er fich zu dem Ausrufe htnretßen ließ, daß der Kaiser deshalb das Volk nicht von den Juden befreien wolle, weil der Kaiser selbst — Jude sei. Wegen dieser Bemerkung wurde dem armen Bäuerlein allen Ernstes wegen Majeftä sbeletdigung der Prozeß gemacht. Man ist naturgemäß nicht nur in Ungarn, sünderu außerhalb der rot-weiß-grünen Grenzpfähle auf den AuSgang dieses Prozesses gespannt. Wie mutz der Bauer in feinem Judenhaß bestärtt werden, wenn ein Richter die Behauptung, daß der Kaiser Jude sei, als MajestätSbeletdtgung an steht... Graz, 25. Oktbr. Man schreibt unS: In unserer Gemeinde könnte fich ein streng gesetzestreuer R estaurateur, der nebenbei auch den. Geslügelhandel betreibt, ebenso ein jüdischer Metzger, der fich auch eine Selcherei etnrichtete, eine glänzende Existenz verschaffen. Damit wäre nicht nur zwei jüdischen Familien geholfen, sondern gleichzeitig den vielen frommen Mitgliedern der hiesigen Gemeinde ein großer Dienst erwiesen. Die jüdische Gemeinde, wie unser Herr Rabbiner würden dttse Unternehmen sehr fördern. Paris, 26. Oktbr. Bor dem P ir ser Bürgerlichen Gericht begann gestern die Schlußverhandlung in eimm Recht-streit, dessen Anfänge in das Jahr 1912 zurückreichen und der bereus häufig in der antisemitischen Presse erörtert wurde, de ihn mir großem Behagen brelttrilt. Der ehemalige Raabtner Heinrich Brauer von TourS verklagt nämlich die Mitglieder deS JSrael. HauptkonftstortumS von Frankreich, umer denen sich der Baron Edmond v Rothschild, Herr Heinrich Deutsch de la Meurthe usw. befinde», auf Bezahlung emeS Schadenersatzes von 500000 Francs, weil das Konsistorium ihn 1903 auf Antrag feiner Gemeinde seines Rabbtneramte« in Tours enthoben hatte. Dir Amtsenlsryung war ein maßloses Aerg.rnts voraufgegangen. Am Bersvhnungetage war der eigrm Schwager deS Rabbiners in der Synagoge vor den Betpult getreten und hatte laut in die Gemeinde hinemgerufen: „Der Rabbiner Brauer, der hier den Gottesdienst versteht, ist unwürdig, eine gotteSdlrnstltche Handlung auszuführen Er hat am VerföbmmgStage im hiesigen Gafthvf „Zur goldenen Kugel" ND'IVI N722 gegessen." Die Gemetndemttgiteber waren entrüstet und jagtenben „Rabbiner" auS derSynagoge. Schon früher hatte er die Fewd seligkett seiner Gemeinde gegenAch dadurch erregt, dag eia n tisemitische Redensarten führte. Brauer dreht« jetzt den Spieß um und behauptet, die Gemeinde fct chm auf sässtg gewesen, weil er auf der Beobachtung des jüdischer Religionsgesetzes streng bestanden habe. Die Rechts anwatte beider Parteien werden in 14 Tagen plädieren verttarmseo Frankfurt a. M, 5. Rov. Die dies winterliche Tätigkeit des Vereins „Nachlaß Z w t" er öffnete e,r Bornag deS Herrn Prof. Dr. Bon di. Der Redner verbreitere stch über dte Aufgaben, die der Verein fics gestellt hat. Vertiefung deS FühlenS und Denkens ir der Ausübung religiösen und jedes anderen Tuns, Wert schätzung deS Judentums und richtige Einschätzung oe> außerjüdischen Kulrurwerte ln den streifen der Jugend an die er sich vor allem wende, zu erwecken, erstrebe bei Verein. Den allwöchentlichen Veranstaltungen deS Ber eins, die am Donnerstag abend im Lokal des „Mekor Ctzajtm" stattstnden, ist lebhafteste Beteiligung zu wünschen CÄO

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.