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Der Israelit · 1911-11-09 · Heft 45 (9.11.1911) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 45 (9.11.1911)
Date
1911-11-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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In seiner Begrüßungsrede teilte der Vorsitzende, Geheimrat Simon u. a. mit, daß Herr Isidor Günsburg, der seinerzeit aus Gesudheitsrücksichten auS der Leitung ausgetreten war, wieder so weit hergestellt sei, dag er sich an den Arbeiten der Organisation beteiligen könne, und auch die Wahl als Aufsichtsrat in die AJCO-Bank angenommen hat. Diese Bank, (der Herr Günivurg eine Spende von 50.000 Mark zugewresen hat), befasse sich, wie der Vorstand des Ferneren mitteilt, zur Zeit mit fünf Kolonisationsplänen in Palästina, über welche genaue Berichte noch nicht erstattet werden können. Das erste Projekt bezieht sich aui einen Komplex von 50.000 Dunam Ackerland, von dem der größte Teil bereits angekauft ist. Ebenso weit seien auch die anderen Pläne bereits gediehen. Außerdem sei die AJCO in nahe Beziehung zu einer Gruppe angesehener ottomanischer Bürger getreten, die im Besitze einer Konzession sind, sich mit Bodenkultur in Palästina bis zu einem Umsätze von 15 Millionen Mark zu befassen. Wie. man von anderer Seite erfährt, ist sichere Hoffnung vorhanden, diese 15 Millionen in Rußland zu erhalten. Zu diesem Zwecke werden dieser Tage die Herren Günsburg und Geheimrat Simon sich nach Petersburg und Moskau begeben. In der Diskussion riet Professor Marburg entschieden davon ab, sich mit mehreren Projekten gleichzeitig zu beschäftigen. Die AJCO sollte ihre Arbeit mehr konzentrieren. Dr. Heymann wünscht, daß sich die AJCO mit dem Vereine ,,Esra" verbinden solle, der sich ja ebenfalls mit einem Vermögen von 80.000 Mk. und einem jährlichen Einkommen von 15.000 Mk. in Palästina betätigt. Der Generalsekretär der AJCO, Herr Ravikowitz, spricht gegen diese Vereinigung, da die AJCO ihre Arbeit nicht wie die anderen Vereine auf rein philantropischer Grundlage aufbauen könne. Da auch noch viele andere Redner gegen die Bereinigung votieren, ändert Dr. Heymann seinen Antrag dahin, daß die AJCO in nähere Beziehungen zum „Esra" treten möchte, um gewisse Aktionen, soweit es im Jntesse der Sache geboten erscheint, zusammen mit diesem Vereine auszuführen. .Dieser Antrag wird dann einstimmig angenommen. Die Wahlen ergeben die Wiederwahl aller bisherigen Konnteemitglieder. Anstelle der verstorbenen Herren Kommerzienrat Benjamin Hirsch-Halberstadt und Dr. Hirsch Hildesheimer wurden in den Vorstand neugewählt: die Herren Dr. Abraham Hirsch- Haloerstadt und Georg Lachmann-Berlin. Straßvurg, 5. November. Die drei Konsistorien für den israelitischen Kultus in Unterelsaß, Oberelsaß und Lothringen, die nach der neuen Verfassung einen Vertreter zur Ersten Kammer zu wählen haben, einigten sich heute unter Vorsitz des Konsistorialpräsidenten Gentzbourger, Straßburg mit 13 von 17 Stimmen auf die Wahl des Oberrabbiners U ry, Straßburg. Aremen, 26. Okt. Am 19. Oktober schiffte sich hier die von der Kiewer Jto-Emigrationsgesellschaft organisierte 58. Gruppe nach Galveston ein. Die Reisegesellschaft bestand aus 66 Personen, und zwar 46 Männern und 20 Frauen. Bier Personen hatten das Alter von 40 Jahren überschritten, 33 standen im Atter von 20 bis 40 Jahren. Außerdem befanden sich in der Gruppe 16 jugendliche Personen resp. Kinder. Alle Auswanderer, mit Ausnahme von 2 Frauen und einigen Kindern unter 10 Jahren, waren des Lesens und Schreibens kundig. Bon den Männern waren 26 Handwerker^. 5 Lohnarbeiter, 5Handelsgehilfen __Der Israelit._. und 5 selbständige Kaufleute. Unter den Frauen befanden sich 7 Schneiderinnen, eine Fabrikarbeiterin und eine Verkäuferin. Nur 5 Personen waren beruflos, unter.chnen aber 4 Frauen, die zu ihren im Westen Amerikas Berufe ausübenden Männern reisten. RuHland. Die ösgrow-Inierpellslron in Ser keickisSum«. Petersburg, 5. Nov. Wie vorauszusehen war, gestattete sich die Interpellation über das Kiewer Attentat in der ersten Sitzung der letzten Dumasession zu einer lebhaften Judendebatte, in deren Verlauf Purrischkewitsch und Markow wieder einmal ihre ganze Weisheit und Gelehrsamkeit in der jüdischen „Geheimlehre der Revolution und des Ritualmordes" zeigen konnten. Daran ist man bereits gewöhnt und sonderlich auftegen möchte man sich über die Töne, die von dieser Seite angeschlagen werden, wahrlich nicht. Bezeichnend ist es aber, daß hier die Verteidiger der Juden nicht gegen die Berbändler, sondern gegen die Oktooristrn auftreten mußten, da die von G u t s ch o w Unterzeichnete Interpellation der letzteren ebenfalls nicht genug dett Juden Bagrow betonen kann und ganz im Sinne der Berbändler - Interpellation sich weniger gegen die Geheimpolizei als gegen die „fremden Elemente" (lies Juden) kehrt. Der Kadettensührer R o d i z e w und Abg. Niffelowitsch hätten bei ihrem Abwehrkampfe gerade keinen leichten Stand. Während ersterer mit dem System der „Ochrana" scharf zu Gerichte ging, wandte sich Niffelowitsch vornehmlich an die Oktobristen, die Partei, deren Namen an das Oktober-Manifest erinnert. Im Verlauf seiner Ausführungen protestierte Niffelowitsch gegen die antisemitische Fassung der Interpellation und erklärt, daß Bagrow nicht als Sohn des jüdischen Volkes anzusehen ist. Die jüdische Bevölkerung habe mit den Geschehnissen in Kiew nichts gemein. Anstatt solche antisemitische Anfragen zu stellen, wäre eS viel vernünftiger und gerechter, jener Politik zu entsagen, die in nichts anderem als in Judenverfolgungen besteht. Dann werde man den Juden keine Moralpredigten zu halten brauchen, denn die Juden wissen ganz gut, daß sie mit jener russischen Bevölkerung Hand in Hand gehen müssen, welche das wirkliche, aber nicht das vermeintliche Heil Rußlands wünscht. WaS die' Geheimpolizei und das Spitzeltum betrifft — bemerkte der Redner sehr zutreffend, — so habe ich bereits anläßlich der Anfrage wegen Azew betont, daß es den Juden lieber wäre, wenn man in der Ochrana eine Prozentnorm gegen Juden einführen wollt e,- alsindenSchulen. Vom Scfiicfcfal des Rayonprojefifes. 6 November. Ihre Auffassung in Ihrer letzten Wochenrundschau, daß eine Behandlung der noch schwebenden jüdischen Frage in der letzten Session dieser Duma nicht gewünscht werben kann, wird hier überall geteilt und deckt sich auck ganz mit der Ansicht der leitenden jüdischen Kreise. Vorige Woche erklärte der Kadettenführer Rodizew einem jüdischen Berichterstatter gegenüber, daß die Opposition mit aller Entschiedenheit für die Erörterung des Rayonprojektes in dieser Session eintreten werde. Dem entspricht es aber nicht, daß in dem Arbeitspläne der Dmnasesfion, der jetzt den Deputierten zugestellt wurde, von dem Rayonprvjekt nichts enthalten ist. Wie jetzt bekannt wird, ist es auf die Einwirkung der jüdischen Deputierten selbst zurückzuführen, daß man von der Behandlung dieser Vorlage vorerst Abstand genommen hat. Bezeichnend für die Sttmmung ist es, daß die „Nowija Wremja," dieses Organ des offiziellen AnttsemittSmus, sehr erstaunt und sogar entrüstet darüber tut, daß _ Ro. 45 Selle 7 man in dieser Session nicht auch endlich mit dieser Sache aufräumen will. Man kann sich denken, in welchem Geiste die Behandlung dieser Frage stattgefunden hätte, wenn sie in „Nowoja Wremja"-Kreiftn so sehnlich herbeigewünscht wird. Hdess«,, 7. November. Die Gefahr eines SchächtverboteS, von der wir in letzter Nummer berichteten, darf G. L. als abgewendet betrachtet werden. Es war eine glückliche Idee von den maßgebenden Persönlichkeiten der hiesigen jüdischen Gemeinde, den Aufruf des Tierschutzvereins nicht, wie von mancher Sette empfohlen war, zu ignorieren, sondern der Sache weitgehendste Aufmerksamkett zu schenken und sich an der entscheidenden Versammlung, ausgerüstet mtt dem ganzen nötigen wissenschaftlichen Apparaten, aktiv zu betelligen. So kam es denn, daß der Sieg der Wissenschaft und Wahrheit diesmal ein voller war. Bon.jüdischer Sette nahmen an der Sitzung Herr Rabbiner Polenkowskiund zwei Mitglieder des Vorstandes teil. Außerdem waren drei Gemeindeschächter als Sachverständige zugezogen. Schon in seiner Begrüßungsrede teilte der Vorsitzende mtt, daß die in den letzten Tagen vorgenommenen Experimente ein recht günstiges Resultat für die jüdische Schlachtmethode ergeben hatten. Es sei über allen Zweifel klargestellt, daß das Schächten den Tieren nicht mehr Qual bereite, als alle anderen üblichen Tötungsart,en. iN wurde dann ein Gutachten des Generaldirektors der städttschen Schlachthöfe verlesen, in welchem betont wird, daß die wissenschaftliche Forschung nirgends zu einem Schächtverbote führen konnte, und daß selbst in Finnland, wo das Schächten faktisch untersagt ist, die allgemeine Ansicht vorherrsche, daß dieses Verbot einer rechtlichen Grundlage entbehre. Entgegen den Wünschen einiger Diskussionsredner, trotzdem ein Verbot, cder wenigstens ein« Einschränkung des Schächtens einzuführen, führten nun die jüdischen Vertreter die Urteile aus der bekannten Hildesheimer'schen Gutachtensammlung an, die von bestimmendem Einfluß aus den wetteren Gang der Beratungen waren. Es wurde dann noch folgende Resolution einstimmig angenommen: „Es sei dafür zu sorgen, daß beim Hinwerfen des Tieres jede unnötige Qual vermieden werde, und daß womöglich diese Vorbereitung mit Hilft eines geeigneten Instrumentes vor sich gehen soll. Me Rabbiner sollen es den Schächtern zur Pflicht machen, auf eine humanttärr Behandlung der zu schächtenden Tiere zu achten. Die Schächter selbst sollen sich .möglichst rascher und gewandter Ausführung des Schächtmittels befleißigen, damit jede Tierquälerei vermieden werde." Man darf sich mtt dem Verlauf der Sitzung zufrieden geben, und die von ihr gefaßten Beschlüsse werden umsomehr allerseits befriedigen, als sie zum guten Teile auch den religiösen Vorschriften entsprechen und demgemäß in den jüdischen Schlachthäusern ohnehin respekttert werden. Gnglarrd. Nus gen verlianSInngen Ses vomÄ of Depufles, London, 27. Okt. Nach einer längeren Pause trat der Board of Deputier am 22. Oktober zum eilten Mal wieder zu einer Sitzung zusammen, die diesmal einen für die hiesigen Verhältnisse recht lebhaften Charakter hatte. An der Spitze der Tagesordnung stand die Schechitahfrage, die aber hier in England Gott Lob lediglich eine innerjüdische Frage ist. Es handelt sich um die bekannte Eingabe des Komitees des Board an das Ministerium, hei der Neuregelung des Schlachwrfttzes das Schächtwesrn ausschließlich unter die Gewalt des Cyiesrabbinats resp. des Präsidenten des

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