Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 44 (2.11.1911)
- Date
- 1911-11-02
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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falls W n jüdiscs Nahmen das ü)r| toternn irdische Bings tofl lahmegesl die jOitM ichen Nc> noch ein md briicfl unter weise gl xchulweE dberg, sil ie die T den Ju tzherzogt entstan iätacliti kg cf, W n (dam itb Opp crrakter :gt. sche ©di ernste > Mrs 8 nach Petitjv! :r eine an ^schaftli Ieuilleton-Beilage zu Nr. 44 des „Israelit". Ld-c. 'euilleton. Lage Ser Kot. Erzählung aus dem Prager Ghetto. Bon Oskar Stein. Smittel >afür Bel coeiseS. (Zortsrtznng.) Die Tage wuchsen zu Wochen und Monaten nach manchem Leid kam dann endlich ein x, das für Josef Thein glücklichere Tage ieß. Noch schleppte er fich mit dem schweren durch die Gassen Prags, zog durch's SandwiederI hinaus in die Dörfer und feilschte mit den WbfaifT*™*' stumpfem Gesicht und wundem in Hesrö^ ertrug er manches Schimpfwort und eingehifffchen Schlag roher Soldaten, wenn er ihnen Beutestück abkaufte oder Kleider und Waffen andelte, aber die Not war aus seinem Hause sichen und wieder erglänzte die Lebensfreude seinen Augen. Wenn er heimkam und die gen, lernbegierigen Stimmen seiner Knaben ahm, in die mit halblautem Singsang der mgcne'bilchkr einfiel, der jetzt die Stelle eines bezahlten L hcbüHrers bei ihnen einnahm, seitdem Red Senmöchters jede Bezahlung zurückgewiesen und dem Isak Pfreim überlassen hatte, vergaß tneife i»I Welt, die drohend das Schicksal des „Schaß^tos umgab, und horchte in tiefer Weihe dem!«"Lkkb«lten Quell des Lebens, der in seiner Stube die Ha»d an seinem Tische sprudelte, und aus den Mn mt*' heiligen Büchern, aus der Fülle ihrer inden ui$fee, aus dem Leben und täglichen Treiben angekäM» Ghettomenschen ans Licht drang. Wärme am eifdb Licht fehlte nie in der Judengaffe. ,^^,'Ienn draußen der Haß die dunklen Schleer zeitcemU Nacht über die Erde senkte und Kinder aus allem, i» Händen der Mutter riß, im Ghetto schloß ängte Ä um so fester Herz an Herz und über den all dieser Menschen lag eine sonnige weisen, ßhönhett, die sie in den vielen Jahren ihrer - ' Wanderschaft treulich bewahrt und aus ihrem melsnahen Lande in alle Welt mit sich gegen hattkn. Sie hatten alle ihr Heim in sich, heimatlosen und vogelfreien Juden, wo sie ren und standen, wohin sie gingen und woher , . . kamen, der jüdische Glaube und ihr jüdisches Sund a> h^en einte sie überall,' in ihren kleinen Stuben, beitung l engen, schiefen Gassen, in ihren dunklen, Z auch »drtgen Gotteshäusern wurde es gleichmäßig reuden «bbat, wenn der sechste Tag zur Raft sich gte, heimatlicher Friede und Gottes Innigkeit üllte ihre Herzen, wenn sie aus der wilden st der Welt in ihre vier Wände traten . . . Auch Josef Thein wurde jedesmal ein aner Mensch, sobald er die Judengaffe betreten tte. Vor dem Tore, draußen in der Stadt, lag dunkler Schatten über seinem Gesichte, tief, bilden Wort t zur e es an lext ein en der rschetr,« meindev, r in Btc| waS je! Gesttzbi Et zwtsl aeeinetm ttt den Boden starrte sein Auge, sein Mund Borstä!»" stumm, sein Ohr hörte nicht, alles Fühlen en Stesd Empfinden schien er verloren zu haben, nur he obkiln Sinn und ein Wunsch wachte in ihm, den chen DHenschen möglichst unfühlbar zu sein. Er ging er die Fahrbahn, weil der Bürgersteig ihm jrboten war, er mied die großen Plätze und st vorE'iten Straßen, in denen die Menschen von ^en Seiten gegen ihn rannten, er wich in item Bogen jedem Tiere aus, das sich chm in n Weg stellte, und fürchtete den Strahl der onne, der mit ihm spielte. Denn alles war efahr für sein Leben, in allem drohten Augen, auf sein Verderben sannen . . . wäre ig „Uno Doch, wenn er das Tor durchschritt und das Ghetto wieder betrat, wurde sein Bündel leicht. Die Sonne lachte ihm und gab ihm Freuden, die aus seinen Augen blitzten, Heiterkeit drang an sein Ohr und die Dinge hatten alle Farbe und Schönheit für sein frohes Herz. Er atmete wieder, er wurde ein Mensch. Er lachte über Jtztgel Stums, der der vergnügteste Narr in der Gasse war, er bückte sich zu Kindern hinab, die vor den Häusern spielten, er stand mit Reb Henoch, dem Schammes des Beth Din, und ließ sich tausend Dinge exzählen, er ereiferte sich über Meir Epstein, den Chasen, der in allen unbegreiflicher Weise der Prager Meiselschul' den Rücken kehren und nach Posen ziehen wollte, er horchte mit der Miene deS Kenners den Disputen der Studenten und besprach mit Menachem Frenklin, dem Schadchen, die Heiratsaussichten, die die jungen Mädchen und Männer hatten. Er mischte sich in den erbitterten Wortkampf, den Krle, die Genslerin, mit ihrer Nachbarin Slawe Fisch! täglich führte, und freute sich, wenn Reb Henoch dazwischen trat und den beiden mit dem Ketzele, dem Gemeindegefängnis drohte: wie sie erst still schwiegen, dann plötzlich zu gleicher Zeit mit vereinter Kraft über den guten Schammes herfi-len und schließlich als Freundinnen von einander schieden, wenn Reb Henoch sein Heil in der Flucht gesucht hatte. Er hörte gutmütig die Vorwürfe Dwerls an, die ihn, wenn er über den Tandelmarkt schlenderte, heimschickte, er ließ sich Schmer! Katzew's Mißgeschick erzählen, dem wieder ein feister Ochse „trefe" geworden war, und sprach mit begeisterten Worten von der Sabbatpredigt, die der berühmte Lehrer der Gemeinde, Rabbi Lipman Heller in der Altneuschui' gehalten hatte. In keinem Stücke glich er dem armen, gedrückten, stumpfen Juden, den draußen die Soldaten mit Hunden hetzten ... Am Freitag Nachmittag saß dann Josef in seiner Smbe und schrieb. Da galt es Briefe an seine Verwandten und Freunde zu senden, nach Wien und Nikolsburg und in manches andere Ghetto, um ihnen von dem Wohlergehen seiner Familie zu berichten, manches Geschäft zu erledigen, Erkundigungen etnzuziehen über einen ftemden Brautwerber, den ihm der Schadchen ans Herz gelegt hatte, und vielleicht auch von einem Posten bunter Tücher Nachricht zu geben, die er zu günstigen Preisen an den Mann bringen wollte. Am Freitag früh hatte der Bote die Briefe, die er auf seiner Fahrt zwischen Wien und Prag gesammelt hatte, den Empfängern zugestellt, und am Nachmittag saß nun jeder, der ein Schreiben absenden wollte, über den grauen, groben Briefbogen und beeilte sich, damit es zur rechten Zeit vor Anbruch des Sabbaths in die Hand des Boten käme, der, wenn die ersten Sterne der neuen Woche om Himmel erschienen und ein fröhliches „Gut' Woch" von Mund zu Mund klang, seinen gefahrvollen Weg anzutteten pflegte. Während die Männer Briefe schrieben, hatten die Frauen vollauf zu tun, einen würdigen Empfang des Sabbaths vorzubereiten. Auch Gütl stand am Herd. Sie nahm den eisernen Topf, in dem ein Gansrücken mit duftendem Scholet schmorte, von der heißen Platte, schrieb mit Kreide ihr Zeichen auf den Deckel, und sästckre ihren Moschele damtt zu Mordechai Flesch in's Scholethaus, wo in einem großen Ofen die Sabbalhspeisen des ganzen Ghettos bis zum nächsten Mittag verblieben. Als Moschele gegangen war, den kostbaren Topf mit beiden Händen umfassend, die Augen auf den Boden gerichtet, vorsichtig, wie ihm die Mutter aufgetragen hatte, zog Gütl die braungebackenen Sabbathbrote aus der Röhre, goß die weiße Mandelbrühe über den gekochten Fisch und ließ Schöndl, die in der Küche fleißig mithalf, als Wache beim Ofen zurück. Dann eilte sie in die Stube, um ihrem Manne den seidenen TalltS und die Sabbathkleider zurecht zu legen, für die Kinder die besseren Anzüge, für sich selbst die gestickte Haube und den Mantel hervorzuholen. Nachdem Josef seinen Brief geendigt, deckte sie den Tisch mit weißen Leinen, wischte nochmals über die blanke, hellglänzende Messtnglampe, daß kein Stäubchen daran hastete, füllte den silbernen Becher mit weißem Weine, stellte die Stühle um den Tisch und rückte den gepolsterten Sessel des Hausvaters an seinen Platz. Die Kinder kamen herein, Moschele, Verschon und Leser, die Knaben, zogen die Sabbathkleider an und legten die Taleffim um, die ihre kleinen Gestalten bis zu den Füßen verhüllten, der Bocher erschien, und Josef in festlichem Gewände küßte fein Weib und die Mädchen und trug ihnen auf, alles bereit zu halten,' dann nahm er Verschon und Leser bei der Hand, während der Hauslehrer mit Moschele, dem Nettesten, voran ging. Die Mutter umarmte noch die Knaben, strich dem Jüngsten zärtlich über das weiße Haar und öffnete ihnen die Türe. Ein Weilchen blickte sie ihnen nach, bis sie sich rasch in der Menge der Schulgeher verloren. Dann wurden die Sabbathbrote auf den Tisch gestellt, ein rotes, goldgesticktes Deckchen darüber gebreitet, Schöndl, Mirjam und Zirl streuten gelben Sand und wohlriechende Kräuter aus den frischgescheuerten Boden, warfen trockenes Holz in die Ofenglut und umstanden schmeichelnd die Mutter, die sogfältig ihr Reich musterte. „Es ist gut, Kinder, wir wollen uns anziehen!" Die siebenarmige Lampe brannte und warf Helles Licht auf den glatten Scheitel Gütls. Sie wob einen strahlenden Kranz üben die drei Mädchen, die sich dicht an einander schmiegten und mit ihren seinen Stimmen das Loblied des Sabbaths sangen. Schöndl, die Aelteste, ließ die Worte in Tönen verklingen, weich und zärtlich, wie Melodien ihres eigenen Herzens, die sie in ftommen Wethestunden erträumt hatte, Mirjam folgte ihr langsam, sprach schüchtern mit großen, heiligen Augen die Sätze und vergaß darüber, zu singen, Zirl, die vierjährige, horchte, summte ein paar klangreiche Töne und lispelte schwerfällig ein aufgefangenes Wort. Auf den widerspenstigen Haaren der Mädchen lag ruhig das Licht. Gütl betete stumm. Ein schmales Buck lag auf ihren Knieen, das in der Sprache ihres Mundes und ihres Herzens geschrieben war, ein Andachtsbuch der Frauen, das ihr die Mutter an dem Tage gegeben, als sie Josef Thein in die Femde gefolgt war. In diesem Buche fand sie die Worte, die ihr Herz fühlte, in Leid und Kummer des Lebens, und in den Stunden der Freude, an den Tagen der Andacht wie der Zerknirschung, am Sabbath und am Werketag. Langsam schloß sie das Buch, die Mädchen hoben die Stirn zu ihr, sie warteten .... Josef öffnete die Tür, und seine Knaben folgten. Der Bocher ließ einen Fremden, den der Hausherr aus Schul' mitgebracht hatte, eintreten und blieb selbst im Eingang stehen. Gütl hatte sich erhoben, die Kinder umringten den Vater und sagten mit sechs klingenden Stimmen: Gut' Schabbcs! Joses hob die Hände über sie und segnete die Knaben: „Seit Gott zur Freude, wie Ephraim und Menaffe!" wandte sich zu den Mädchen: „Werdet wie Sara, Rebbeka, Rachel und Lea, wie die Stammmütter unseres Volkes, ein Wohlgefallen unserem Gotte!" und umfaßte alle mit unendlicher Zärtlichkeit, als er die Worte sprach, die voll tiefer Liebe waren: „Der Ewige segne und behüte Euch, Gott lasse sein Antlitz Euch leuchten und sei Euch gnädig. Er wende sein Antlitz Euch zu und gebe Euch Frieden!" Dann Begrüßte er Gütl und küßte sie. Der Fremde trat vor: „Friede mir Euch, Hausfrau!" Sie reichte ihm die Hand: „Auch mit Euch wandle der Frieden! Seid uns willkommen als lieber Sabbathgast!" (Fortsetzung folgt.)