Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 44 (2.11.1911)
- Date
- 1911-11-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2448803-2448848--67038-2495230- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Konsuls n ach der Türket et «geschifft hätten, um dort als Freiwillige tu dccs Kriegsheeu einzutreten. D m gegenüber erklärt heute der türkische Konsul öfferitl ch, daß diese Nachricht jeder Grundlage entbehrt. An ihn hätten sich keine Juden mit solchem Anerbieten gewandt. Neberhaupt lehne die türkische Regierung die Annahme von Freiwilligen für den Krieg ab. England. London, 26. Oktober. Die Verwaltung der United Synagogues wird in ihrer nächsten Sitzung die ersten offiziellen Schritte zur Wiederbesetzung des englischen Oberrabbinats einleiten. ES soll mit anderen englischen Körperschaften in der Frage Fühlung genommen werden. gvankveid). Salomon Reinach’s Demission- Saris, 20. Oktober. Unmittelbar vor der jüngsten Zentralkomiteefitzung der Alliance Jsraelite Universelle vom 18. Oktober d. I. hat Salomon R ei nach setrre Stelle als Vizepräsident der Alliance nieder gelegt. Das war wohl ein taktischer Schachzug seitens der Pariser Herren, um durch ein scheinbares „Entgegenkommen" die nichtfranzösischen Mitglieder des Zentralkomitees für die Abschaffung der allgemesnen Wählen und Einführung des Kooptationssyftems gefügiger zu stimmen. Wie wenig sich die Pariser Machthaber um die öffentliche jüdische Meinung, die einmütig den Rücktritt Reinachs forderte, fümttupm, beweist die Tatsache, daß Reinach weiterhin Mitglied des Zentralkomitees bleibt. Türkei. Konstantinopet, 29, Oktober. Wie aus Konstantinopel gemeldet wird, hat die Wahl des gewesenen Oberrab^iners von Rhodes, Morse Franco zum Oberrabbtner von Jerusalem, die Bestätigung des Sultans erhalten. (Diese Nachricht ist, solange sie nicht von Jerusalemer Korrespondenten bestätigt wird, mit großer Vorsicht aufzunehmen. Die Red.) Palästina. Ierusatem, 20. Oktober. Auf Anordnung sämtlicher Bothe Dinrm wurden am Simchat- Thorafeste in allen hiesigen Synagogen offizielle Andachten für den Sultan und die türkische Regierung abgehalten. Die Notablen der Stadt haben auf Einladung des Gouverneurs eine Versammlung abgehalren, in der beschloffen wurde, zum besten des Vaterlandes patriotische Geldsammlungen zu veranstalten. Seitens der Juden haben der Bankier Valero und Albert An tebi an dieser Versammlung teilgenommen. Es war zufällig Sabbat vor dem heiligen Feste. Antebi har ohne weiteres das Protokoll unterschrieben. Bolero weigerte sich das zu tun. Der Vertreter der „israelitischen" Alliance kam aber nicht in Verlegenheit, denn er belehrte den Pascha, daß nach dem jüdischen Gesetz „Dtna Demalchutha Dina", auch das Staatsgesetz volle Giltigkeit habe. Der Gouverneur aber meinte, daß die unnötig e S a b b a t e n t w e i h u n g mit dem StaatSgesetz .nichts zu tun habe und dispensierte HerrnValero von der Unterschrift? Zu gleichem Zwecke reifte Antebi mit dem Gouverneur am Sabbat nach Hebron, wo die Sammlung auch mit gutem Erfolg eingeleitet wurde. Valero hat natürlich auch die Einladung zu dieser patriotischen Sabbatfahrt dankend abgelehnt. Brief aus Jaffa. Jaffa, 22. Okt. Die Festtage sind b"n ohne Störung verlaufen, obwohl infolge des italienisch-türkischen Krieges Ruhestörungen befürchtet wurden. Die Konsuln haben sogar ihren Schutz befohlenen geraten, sich nicht in den Gaffen zu zeigen. Der Kainiakam hat jedoch die Bevölkerung beruhigt, indem er öffentlich erklärte, man möge ihn am Hauptplatz aufhängen, wenn auch nur die geringste Störung sich ereignen sollte. Auch der Polizei-Hauptmann versicherte, daß, so lange cr seinen Platz behaupte, keine Exzesse zu befürchten feien. Die jüdische Gemeinde hat patriotische Gottesdien sie abgehalten, an denen auch die Spitzen der Behörden sich beteiligten. Es wurden der Regierung namhafte Spenden für patriotische Zwecke zur Verfügung gestellt. Am Cholhamoed hat der Lehrerverband eine Protestverfammlung gegen die jüdischen Eltern abgehalten, die ihre Kinder in die Missions schulen schicken. Die Versammlung war schwach besucht. In der Tachkemonischule hat der unter dkm Pseudonym „Raw Zair" bekannte junge G-lehrte cttks Odessa am ersten Sukkothtage einen Vortrag gehalten, in welchem er über den Mangel des wahrhaft jüdischen Geistes in Erez Jisroel Klage führte. Er sprach über die jüdische Erztehungsfrage im neuen Jischuw und apostrophierte ganz besonders diejenigen, die sich orthodox (?) nennen und ihre Kinder doch in die Missionsschule schicken. Ein jüdisches Nationale ohne Religion und Wissenschaft sei ein Körper ohne Seele. Am folgenden Tage sprach der Tachkemonilehrer Dr. Engel über die jüdische Kultur im Namen des jüdischen Kulturverbandes. Kaiffa, 20. Oktober. Leider ist auch hier die Cholera ausgebrochen, und es zeigte sich die Notwendigkeit im Kreise der armen jüdischen Bevölkerung, sanitäre Maßnahmen zur Bekämpfung der Epidemie zu treffen. Der Direktor der hiesigen Anglobank als Vorsteher der Kultusgemeinde wandte sich telegraphisch an die jüdischen Körperschaften um entsprechende Unterstützung. Als erste auswärtige Hilfe erhielt die Anglobank die telegraphische Weisung, namens der d e u t s chhollänölfchen Palästina - Verwaltung dem Gemeindevorftande 400 Frs. auszufolgen. Die Quarantäne ist hier angeordnet. Doch hoffen wir, daß der unheimliche Gast den epidemischen Charakter bald verlieren wird. Amerika. Wew-HZork, 20. Oktober. Die Bewegung zur endlichen Durchsetzung der Anerkennung der den jüdischen amerikanischen Bürgern erteilten Pässe in Rußland zieht immer weitere Kreise und dürfte jetzt kaum mrhr zur Ruhe kommen. Man plädiert für Kündigung des Handelsvertrags mit Rußland, wenn gar keine Möglichkeit vorhanden sein sollte, auf gütlichem Wege die loyale Ausführung der Vertrags-Bestimmung durch Rußland zu erreichen. Neuerdings hat auch Expräsident Roofevelt zu der Frage das Wort ergriffen. Er befürwortet, sie dem Haager Schiedsgericht zu unterbreiten, ein Vorschlag, der bisher keine besonders freundliche Aufnahme in jüdischen Kreisen gefunden hat. Selbstverständlich ist es in erster Reihe die nahende Präsidentenwahl, welche die Politiker zwingt, zu der das. Ehrgefühl der jüdischen Kreise mächtig erregenden Frage energischer als bisher Stellung zu nehmcu. * * * Die von Dr. Joseph Krauskopf geleitete „National Farm-School" in Doyleftown hat ihre Jahresversammlung abgehalien. Die Schule bildet jüdische junge Leute als Landwirte aus und hat jetzt, wie bereits früher gemeldet, in Verbindung mit dem Projekte der Ansiedlung jüdischer Farmer in Utah eine besondere Bedeutung gewonnen. vemttcdtrr. erbat sich ein Pflaster auf/in Geschwür am Halse. Bor der Tür stand der SanitätSserarant H o ö, 6er den Kr. mit den Worten empfing: „Das wollen Sie Judas Jschartvth denn httr noch so spät?" AlS Kr. ihn erstaunt und unwillig anfchautt, fügte Hotz hnzu: „Daß Sie ein frecher Jude find, werden Sie wohl wissen". Der Soldat erstattete von dem Vorfall Anzeige, und als Hoe das erfuhr, suchte er ihn zur Zurücknahme der Klage zu bt wegen. We^en Beleidigung eines Untergebenen und versuchter Abhaltung von der Verfolgung einer Beschwerde hatte sich jetz: der Sergeant Hoe vor dem Kriegsgericht zu verantworten. Das Kriegsgericht erkannte der Arikiageversügung gemäß gegen den Sergeanten H. auf eine WocheMtrtelarrest. Mannheim, 18. Okt. „Kann ein Angestellter we^en antisemitischer Aeußerunzen sofort entlassen werden?" Das hiesige Kaufmanngericht bejahte in t nem konkreten Falle diese Frage, da der Inhaber einer jüdischen Fabrik stch keine gegen seine Konftsston sich richtende Äeußerungen eines Angestellten gefallen lassen braucht, auch wenn die Bemerkungen nicht gegen die Geschäftsinhaber selbst gerichtet find. München, 31. Okt. Wesentlich erhöht wurde in der Synagoge der Reltgionsgesellschaft "apj?’’ die Thora freuöa am vergangenen JTVifl dadurch, daß Herr Ludwig Werthetmer an diesem Tage eine von ihm selbst geschriebene mift "ILM dem 3“3,T3 übergab. Die neue jY'b wurde vor osn niBpn von Herrn Rabbiner Dr. Ehrentreu und der Vorstrndschafr aus dem ttHTöri JV3 abgeholt und unter feierlichen Chor gesängkn ins IJHpn p"1K gebracht. Herrn Wert hetmer war es dann gegönnt, als fi'EWlS ffin zum erstenmal aus seinem "ibd Weiten zu dürfen. Breslau, 28. Okt. Aus dem Nachlaß der Kam leute Paul und Julius O e st r e t ch e r fiel der hiefige Synagogengemeinde eine Stiftung von einer Million Mark zur Errichtung eines jüdischen Waisenhauses zu. Köuigshürte, 17. Ott. Das Ergebnis der letzten Volkszählung am 1. Dezember 1910 tm Stadtkreise Köntgshütte weist unter 72611 Personen 901 jü bische Seelen auf. Budapest, 20. Okt. Das aus 135 Mitgliedern bestehende Lehrpersonal der Pester israelitischen Reltgions gemeinde halte stch gestern versammelt, um die zur Ber befferung ihrer Lage notwendigen Schritte zu besprechen. Die. Lehrer der ReltgionSgemeinde find schlechter situiert als die hauptstädtischen Lehrer und leiden infolgedessen noch mehr als die letzteren unter der unerrägltchen Teuerung. Den Vorsitz in der Versammlung führte Philipp Csukasst. Einhellig wurde konstatiert, daß höchste Zeit sei, die minimalen Forderungen der Lehrer schaft nachdrücklichst zu verfechten, drnn die Lage kann bet der heutigen Teuerung gar nicht mißlicher sein als ste in Wirklichkeit ist. Die Versammlung tu schloß, die Wünsche der Lehrerschaft der Religtonsgem lade in ein Memorandum zu fassen und dieses durch eme Deputation dem Vorstände der ReltgionSgemeinde zu übermitteln Die Deputation wird vom Reichstagabgeordnrten Dr Wilhelm B a z s o n h t geführt werden. Petersburg, 13. Okt. Das statistische «omitre des Ministeriums des Inner > veröffentlicht Daten über die Bevülkerungszahl Rußlands. Am 1.Ja nuar 1911 betrug dleselbe 163800000. In den letzten 50 Jahren ist die Bevölk-rungSza^l rapid gewachsen 1858 betrug ste 74500000, im Jahre 1897 schon r. 0900 000. Der Nationalität nach stnd 65,5 Prozent Ruffen, 10,6 Proz. türkisch-tatarische Völker, 6,2 Prozent Polen, 4,5 Prozent finnische Völker, 3,9 Prozent Juden, 2,4 Proz. Lithauer und 1,0 Pcoz. Deutsche. Rom, 25. Okt. Die Borsteherschaft ber jüdischen Gemeinde in Tripolis richtete an den Präfekten ein Schreiben, worin ste für die Unterstützung und Pflege dankt, die die italienischen Ordensschwestern jüdischen Kranken zuteil werden ließen. Alexandrien, 27. Ott. Der htestge Magistrat Hai beschloffen, von nun an das Rathaus der Stadt Alexandrien am BersöhnungStag geschlosse zu Hallen. Der Beschluß gelangte am jüngster Jom-Klppur bereits zur Ausführung, waS unter der yiestgen jüdischen Bevölkerung große Befriedigung her dorrtest Auch die Börse von Alexandrien war am Jom-Kippur streng gefchioffen. Umtn$u>e$cn. Leipzig, 19. Okt. Am 24. August abends kam der jüdische Soldat Kr. in die Revierstube der Krankenbaracke auf dem UebungSplatze Zeithain bii Leipzig und Frankfurt a. M., 30. Ott. Am Sonntag, den 29. Ottover eröffnete die „Jüdische Frauenverein i g u n a" tm Hörfaale Schützenstraße 12 den Zyllus ihrer Vorlesungen. Herr Dr. Btberfeld auS Berlin sprach voremer zahireichen, aufmerksam horchenden Zu Hörerschar über „Ein Tag aus dem Leben de babylonischen Hochschulen" Der Redner füh l uns zurück in ferne Zeit und fernes Land, nach der Stätte der ältesten Menschenkultur dem Lande, wo einst Abraham gewohnt und den Namen Gottes verkündet hat. Dieses Land sollte auch später eine Hochburg unseres Glaubens, unserer Thora werden, alc oie jüdische Herrlichkeit auS Zion dahingegangen war. Dort in den Hochschulen von Puwpeditha und Sura war die Zentralinstanz für jüdisches Leben und Wirken, von dort sandten die Gaontm Lehren für das Judentum in die DrvSpora, dort wurden gewaltige jüdische Werke verfaßt. Der Referent ließ dann die letzte Epoche der Hochschulen und die Lichtgestalt des letzten Gaon Raw