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Der Israelit · 1911-11-02 · Heft 44 (2.11.1911) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 44 (2.11.1911)
Date
1911-11-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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fö wird pcyertich in absehbarer Zeit in Mergent heim mit seinen ausgeprägt konfessionellen Verhältnissen und ea. 80 israelitischen Familien, eine israelitische Volksschule ins Leben treten können. Somit darf mit der Sechs-Zahl der israelitischen Volksschulen zum mindesten gerechnet werden. Es wäre zu wünschen, daß Stuttgart oder Cannstatt ebenfalls eine israelitische Volksschule errichtete. Ungleich schlimmer bestellt jedoch ist es um die israelitischen freiwilligen Konfessionsschule n im Laute. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts gab es deren noch 32, heute gerade noch die Hälste. Ihre Existenz beruhte auf Artikel 14 des Volksschulgesetzes vom 29. September 1836: „Ten Angehörigen der Konfession der Minderzahl eines Orts soll, wenn sie eine Schule für Kinder ihrer Konfession entweder für sich« allem, oder in Verbindung mit Konfesfionsverwandten benachbarter Orte errichten und unterhalten wollen,, die Erlaubnis hiezu nicht versagt werden, wofern sie ein den gesetzmäßigen Bestand der Schule sicherndes Einkommen aüsmitteln." Ihre Fortdauer ist an sden gleichlautenden Artikel 14 des neuen Bolksschulgesetzes vom 17. August 1909 gebunden und gerade deshalb sehr in Frage gestellt. Denn die Familienzahl der Israeliten hat besonders an dsn kleinen Plätzen, wo bisher israelitische Konfesstonsschulen bestandrn, ganz beträchtlich abgenommen, so daß diese Schulen aus eigenen Mitteln allein nicht mehr erhalten werden können, und der Staat, der bisher so fürsorglich auch diesen Schulen seine Beihilfe gewährt hat, sieht sich aus Sparsamkeitsrücksichten veranlaßt, seine Beiträge in Zukunft den kleinen israelitischen Konfessionsschulen zu entziehen. Sollen aber diese immerhin noch nennenswerten israelitischen Konfessionsschulen lediglich der Geldfrage wegen vom württembergischen Erdboden verschwinden? Kann die israelitische Bevölkerung der Landgemeinden auf 16 Schulen einfach verzichten, ohne in ihrer bisherigen religiösen und kulturellen Entwicklung Schaden zu leiden? Jeder Fachmann und Kenner der komplizte.tkn Verhältnisse der Israeliten, besonders auf dem Lande, muß diese Fragen mit einem kräftigen Nein beantworten, und zwar aus folgenden Erwägungen: 1. Die religiöse Erziehung der Schüler kann in der Schule der eigenen Konfession mit weitaus größerem Nachdruck erfolgen als in der Schule einer fremden Konfession. In dieser bleiben dem israelitischen Schüler nur 2 bis 3 Stunden wöchentlich für den Religionsunterricht übrig, während in jener zum mindesten 6, oft aber auch noch mehr Stunden für Religion zu Gebote stehen. Ja, es ist nicht zu leugnen, daß M WWKter Lehrer jede'Stunde, mit Ausnahme der exakt wissenschaftlichen Fächer, seines Unterrichts mit religiösem Geist erfüllen kann. Der Religionsunterricht wird demnach in der eigenen Konfessionsschule vtel intensiver betrieben werden können als in der Schule der fremden Konfession. Das hat sich erst wieder im Februar d. I. gezeigt, bei der Visitation des israelitischen Religionsunterrichts an den Schulen (Volks- und Konfessionsschulen) durch das theologische Mitglied der Königlichen israelitischen. Oberktrchenbehörde. Die Resultate, die beim Religionsunterricht an den Schulen der eigenen Konfession erzielt wurden, waren viel beffere als die an den Schulen der fremden Konfession. Zudem stand dem Lehrer, als die Visitation angekündigt war, in seiner eigenen Schule zum Wiederholen des durchgenommenen Lehrstoffes weitaus mehr Zeit zur Verfügung — er hatte ja seine Schüler in 30 Stunden pro Woche um sich versammelt —, als dem Lehrer, der die israelitischen Schüler der christlichen Volksschule des Ortes nur 2—3 Stunden Pro Woche um sich sieht. Und diese 2—3 Stunden wiegen bei weitem nicht so schwer als 2—3 Stunden etwa in der eigenen Schule. Denn der Religionsunterricht der israelitischen Schüler an christlichen Schulen wird auf dem Lande niemals^ im Anstaltsgebäude selber erteilt (wohl aus Mangel an den nötigen Räumen), wie das beim katholischen Religionsunterricht, der in einer evangelischen Schule vom katholischen Religionslehrer für die wenigen katholischen Schüler des Ortes erteilt wird, wohl stets der Fall ist, und auch umgekehrt. Der israelitische Religionsunterricht für die Schüler dieser christlichen Schulen wird stets in einem der israelitischen Kirchengemeinde zugehörigen, besonderen Lokal, für das man, nebenbei bemerkt, die israelitische Kirchengemeinde (nicht die zuständige Schulgemeinde) sorgen läßt, durch den israelitischen Reltgtonslehrer erteilt. Dadurch erhält aber der Religionsunterricht in den Anschauungen der Schüler einen Nebengeschmack, sie halten ihn nicht mehr für wichtig genug, um defür auch ernstlich arbeiten zu muffen- Äifsen sie ja doch, daß sie sich jetzt, nicht mehr in ihrem Schulkomplex befinden, daß der Religionslehrer sein eigenes Lokal besitzt, das nicht unter Aufsicht der offiziellen Volksschule steht, daß der Religionslehrer, um ein genügendes Resultat zu erzielen, sich gezwungen sieht, auch am Sonntag einige Stunden zu unterrichten, daß aber dieser Sonntagsunterricht nur ein fakultativer sein kann, da man ja keinen Schüler der christlichen Volksschule zwingen kann, auch am Sonntag den Unterricht zu besuchen. All das wiffen die Schüler, und die Folge davon ist, daß der Religionsunterricht der israelitischen Schüler, die christliche Volksschulen besuchen, memals das fern kann, was er stets ist in den israelitischen Konfessionsschulen. H!er befindet sich der Schüler in seiner Atmosphäre, hier sieht er, daß der Religionsunterricht den gleichen Grad von Bedeutung hat wie der übrige Unterricht. Er bleibt in dem gleichen Lokal, er hat jeden Tag minde tens eine Stunde mit Religion sich zu beschäftigen, kurz, er hat die Empfindung, daß Religion .ein so wichtiges Fach ist wie Aufsatz uud Rechnen. Und das muß fein, soll der Schüler einmal, wenn er erwachsen ist, ein treues Glied seiner Religionsgemeinschaft werden. (Fortsetzung folgt.) £orre$po«de»zt« «.Nachrichten. Deutsche« Welch. Arankfurt a. M. 1. November. Von Herrn Professor Dr. M. Türk in Berlin empfangen wir folgende Zuschrift: „Die vereheliche Redaktion bitte ich ergebenst um Aufnahme folgender Berichtigung: _ Ter „Israelit" bringt in Nr. 43 vom 20. Oktober, 3. 7, in dem Artikel „Die Entrechtung der Kleingemeinden" folgenden Satz: „Ein Antrag des Lehrerverbandes, auch die Lehrer und Rabbiner im Ausschüsse vertreten sein zu lassen, wurde, nachdem Professor Türk gegen, Geheimrat Wollstein für diesen Antrag gesprochen hat, abgelehnt." Dazu bemerke ich, daß ein solcher Antrag überhaupt nicht zur Debatte stand; es handelte sich vielmehr, wie ans dem beifolgenden Protokolle, S. 16, ersichtlich ist, um die Entsendung von Rabbinern und Lehrern als Deputierte der Gemeinde-Verbände zu den Wcmeinbetagen. Ich habe nicht gegen, sondern f ü r diesen Antrag gesprochen und eine Resolution eingebracht, die folgenden Wortlaut bat: «Tic Versammlung spricht den Wunsch aus, daß die Vorstände der Gemcindeverbände möglichst auch Rabbiner und Lehrer zu den Gemeindotagen entsenden." Diese Resolution ist angenommen worden. Hochachtungsvoll Prof. Tr. M. Türk. Hierzu haben wir zu bemerken, daß der von Herrn Professor Türk beanstandete Bericht nur einen Irrtum ausweift: Es handelt sich um die Vertretung der Lehrer und Rabbiner nicht im Ausschüsse, sondern aus dem Gemeindetage. Im Uebrigen bestätigt der stenographische Bericht, daß der Antrag des LeKrervcrbandes, der zwei Rabbinern und zwei Lchgeladen werden. Man suchit sich seine Taseldekorationen lieber schon unter bereits berühmten, und mindestens schon getauften „Größen" der Saison und zahlt ihnen lieber noch das Auto nach Hanse und bcschenkt sie beim Fortgehen mit einem Souvenier. Der Journalist Edmund Edel, wir wissen nicht ob er „noch" Jude ist, hat, ein vornehmer Charakter wie er ist, feinen Freitisch bei Wertheims teuer mit seiner Reputation bezahlen müssen. Ein „Poet", wie er einer ist, hat er im 'offenen Gerichtssaal das Essen am Weihnachlsabend bei Wertheims als unter aller Kanone schlecht hingestellt. Statt des offenbar beabsichtigten Heiterkeitserfolges erntete er vom Gerichtsvorsitzenden eine strenge Rüge; eine wohlverdiente moralische Ohrfeige. Iran Gertrüde, mit der gewandten Zunge und gejährlichen Feder, hats dem undankbaren Gast aber noch ganz anders heimgezahlt! Tie christliche Welt lacht; lacht mit Recht. Wenn aber die Antisemiten so tun, als komme derartiges nur bei dem jüdischen Parvenütum vor, so muß man ihnen entgegenhalten, daß sie Dinge und Personen verwechseln. Dieser ganze Klüngel vorn. Tiergarten bis hinter dem Gruncwald, der alles Jüdische verleugnet, durch seine und feiner Kinder Taufen un s befreit und das Christ cntum Unglück l i ch m a ch t, ist ebensowenig jüdischer Typus, wie. Metternich und Fetter deutscher Adelstypus sind. Es sind beides geistige und sittliche Mißgeburten, deren Herz nie für eine edle Tat höher geschlagen, die nie in einem Impuls, nie in einem hohen Schwung der Begeisterung etwas Schönes oder Großes vollbracht,- nie ihrem wertlosen Dasein einen tiefern Inhalt gegeben haben. Die Zeit geht auch über sie hinweg und sie brauchen nicht erst durch den Tod in Vergessenheit zu geraten. Ihrer wird doch schon bei Lebzeiten nicht gedacht und deshalb brauchen sie nicht erst vergessen zu werden. „Nichts im Leben, nichts im Sterben, alles fällt an fremde Erben." Doch wie selbst die widerlichsten Vorkommnisse und sozialen Erscheinungen hat selbst das Schmutzbild Mettccnich-Wcrtheim eine Moral. Vielleicht zieht sogar Iran Trude, wenn ihr irgend einer ihrer zahlreichen Freunde diese Zeilen nach Meran schickt, einigen Nutzen daraus. In zwei oder drei Jahren, vielleicht auch früher, wenn inzwischen ähnliche und vielleicht noch schlimmere Dinge die „große Affäre" verschwimmen und verblassen machen, dann finden sich für den „Salon" (nicht mehr „Restaurant") Wertheim neue Gäste. Vorausgesetzt, daß Wolf Wertheim noch derselbe Kozin von heute ist. Da Frau Wertheim sich vorige Woche wieder ganz spontan erinnert hat, daß sie Jüdin sei, was uns mit gemischter Freude erfüllt hat, so kann sie es, nach dem riesigen Fiasko, das sie mit ihren christlichen Gästen gemacht hat, auch einmal nndcrs probieren. Hierzu das Rezept, wofür der Plauderer keinerlei Gegenleistung, keine Schlipse, keine Busennadel, auch keinen Tausendmärker in der Serviette noch ein Zigarettenetui erwartet. Anstatt auf Weihnachten zu warten, verehrte Frau Wertheim, veranstalten Sie doch auf Chanucka eine Soiree. Anstelle des seitherigen riesigen Weihnachtsbaumes stellen Sie eine schöne Menorah hin. Dann laden Sie einige Rabbiner ein, sonstige angesehene Männer, deren cs in Berlin eine ganze Masse gibt, auch jüdische Redakteure und sonstige geistige Schildträger des Judentums. Damit keiner von ihnen, gleich Edmund 'Edel, auf Ihr Essen schimpft, lassen Sie das Menü von Simon oder Fifa rc. Herstellen und Sie werden bei dieser Soiree eine jüdische Freude empfinden, die Sie hundertfach für ein Dutzend Adelsträger und Ossiziere entschädigt und Sie brauchen nicht die bange Gewißheit mit in Ihr Schtafgcmach nehmen, daß Ihre Gäste auf dem Nachhauseweg böse Witze ans Sie Juden machen. Und wenn wieder einmal unbesonnene jüdische Wohltätigkeitsdamcn bei Ihnen anklopfen, dann . . . Also probieren Sies mal, Frau Gertrud! Tor Rückweg ins Judentum steht Ihnen wieder offen. Und Totti? Ihr Töchterchen? Vielleicht wird sie noch einmal mit einem posckJten Juden (aber nur einem ächten!) glücklicher als sie mit Metternich und Fetter je geworden. Sic wissen ja, glatt gchts bei diesen Ehen nie ab. Elchanan. (Der Batikan in Jerusalem.) Zu den Kriegs- Phantasien, wie sie j:tzt täglich in die Welt hinaüstlingen, soll ein Kardinal mit folgender Aenßerung boigetragen haben: „Geht die Türkei jetzt in Stücke, dann wird der Papst das Heilige Land mit dem Titel König von Jerusalem für sich beanspruchen. Erreicht er dieses Ziel, so würde er als Kompensation allen Ansprüchen ans die weltliche Herrschaft über Rom entsagen." Man hätte kaum erwartet, daß von ernster Seite diesen Phantastereien irgend Beachtung geschenkt werden würde. Run aber bildete sie doch den Gegenstand einer Art Enquete, die verschiedenen, dem Batikan näher stehenden Männern Gelegenheit gab, sich über den „Plan" zu äußern. Ter bekannte katholische Fcldprobst Prälat K l e i n e i d a m meinte u. a. : f£j& „Es gibt bekanntlich Leute, die das Gras wachsen 'hören. Häufig hören sie dabei falsch. So zweifellos auch hier. Tor Papst als „König von Jerusalem" ist an ^'ich ein Unsinn. Warum einen Titel, der einzig ist, eintauschon gegen einen, der zahlreich vertreten

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