Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1911-10-26 · Heft 43 (26.10.1911) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 43 (26.10.1911)
Date
1911-10-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2448803-2448847--67017-2495208
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

, »« Mttcr Lehren >ik auf den jungen, kaum 30 Jahre zählenden Gelehrten aufmerksam und setzten setne Berufung auf diesen bedeutsamen Posten durch. Hier öffnete stch dem tatkräftigen Lehrer ein weites Arbeitsfeld, dem seine beste Kraft bis au sein Lebensende gehören sollte. Er fuhr mit eisernem Besen in die dort damals herrschende Mißwirtschaft hinein und stellte alles unverzüglich und unnachsichtig ab, was sein scharfes Auge als wucherndes und die Entwicklung der Anstalt hemmendes Uebel erkannte. Bor allem brachte er Ordnung in den die talmudi-chen Disziplinen umf ssenden Lehrplan und regelte den profanen Unterricht nach den G - setzen der Zweckmäßigkeit. Nach und nach wurde setne Lehrmethode allgemein anerkannt und sein Ruf als Lehrer wuchs im Lande. Der Kampf ruhte jedoch noch lange nicht. Denn nun wollte die Reform, die damals in Deutschland in Blüte stand, über die holländische Grenze hinübergreifen. Die Gefahr war um so größer, als die holländische jüdische Lehrerschaft ihr sympathisch gegenüber stand und den neuen Ideen Eingang in Schule und Gotteshaus zu verschaffen suchte. Da entfaltete der junge Seminarleiter eine Arbeitskraft, die geradezu Staunen erregte und der es zu danken ist, daß all diese Bestrebungen in Holland im Keime erstickt werden konnten. Durch Heranbildung eines treu zur Thora haltenden, aber auch mit dem ganzen Rüstzeug des modernen Wiffens ausgestatteten Rabbinerstobes lieferte er den Beweis, daß moderne Bildung keineswegs um den Preis der Thora erkauft werden müffe. Unzählige Broschüren flogen ins Land hinaus, die die Argumente der Reformapostel wie ein Kartenhaus umstießen. In Wort und Schrift und auch mit Hilfe der politischen und wiffenschaftltchen Fachpresse wurde die Haltlosigkeit der Hypothesen der „Voraussetzungslosen" btbelkrit?- schen Wissenschaft wirksam nachgewiesen. 1874 erhalten die zwei ersten Schüler Dünners von einer Oberrabbinerkommission ihre Rabbinatsautorisation und im selben Jahre wurde Dünner, auf Betreiben Rabbi Akiba Lehrens, nicht ohne Kämpfe zum Oberrabbiner von Amsterdam, dessen Oberrabdinerstuhl36Jahre lang verwaist war, gewählt. Nun galt es für den Führer, die bis jetzt auf das Seminar konzentrierte Wirksamkeit auf die gesamten Gemeindeverhältnisse auszudehnen. Die Schwierigkeiten, die ihm hier in den Weg traten, schienen ihm fast fast unüberwindbar, die Kämpfe verschärften sich. Er aber ging ruhig seinen Weg und fand fast immer mit sicherem Takte und ruhigem Auftreten die Mittel, seinen ^von der saprema lex des ipy ]n?ip bestimmten Willen durchzufetzen. Seiner imponierenden und dabei doch gewinnenden Persönlicheit, der Uneigennützigkeit seines Wirkens, die ihn jedes Honorar für irgendwelchen rabbinischen Akt grundsätzlich zurückwetsen ließ, und der Unabhängigkeit, die er sich dadurch sicherte, gelang es, die Würde des holländischen Rabbinats bei Jude und Nichtjude, vor Parnossim und Köargen in einer in der modernen Zert sonst selten gekannten Weise zu heben und damit für rninn TOD Vorbildliches zu leisten. Wenn er das Glück hatte, daß die aus seinem Seminar hervorgegangenen Schüler auf dem Gebiete des Lernens je nach ihrer Begabung und ihrem Vorsatz gutes, ja bedeutendes Thorawissen sich aneigneten, fast alle aber der rtttv POIDKI mitten in allen Anfechtungen der Zeit erhalten blieben, so liegt die Erklärung dafür, abgesehen von der trefflichen Organisation des Seminars, in der Persönlichkeit des Lehrers. Die sittliche Kraft, die von ihm aussträmte, die rastlose Arbeitsfteudigkeit und strenge Selbstzucht, mit der er sich ohne Unterlaß in den Dienst des Lernens und der Gemeinde stellt, der gründliche Ernst seines Lernens, die Schlagfertigkeit seiner Rede und seines Bxtefsttles, die Innigkeit seines Gebetes, die Strenge seiner jüdischen Ehrbegriffe wie die liebevolle gemütstiefe Heiterkeit im Verkehr mit seinen 'Schülern — das alles wirkte zusammen, um i h n s e l b st zu einem vorbildlichen Erzieher für miajn min zu erheben. Setne wissenschaftlichen Arbeiten (Studien über die KDSDin. Gegen die Bibelkritik u. a. m.) zeigen die gleiche Gediegenheit und Tiefe wie sein Talmudvortrag. Aufsehen erregten die 1896—98 erschienenen „ninan" zu mehreren Talmudtraktaten. Der kühne Individualismus der Mischna-Jnterpretation indessen, der an manchen Stellen dieses Werkes zutage trat und der sich mit der wohlbegrünteten überlieferten Methodik der halachischen Wissenschaft nicht in Einklang bringen läßt, mußte — das darf bei aller Verehrung für den Heimgegangenen nicht verschwiegen werden — den scharfen Widerspruch von '’ynai 'nun »min Hervorrufen, und wir können diesen Individualismus von unserem Standpunkt aus nur als eine vp^n naav ansehen. Dankbarcn Herzens aber darf insbesondere die orthodoxe Judenheit Deutschlands einer bedeutsamen Episode im Leben des Heimgegangenen gedenken, bei der die Entschiedenheit seiner religiösen Ueberzeugung und die rücksichtslose Energie, mit der er für die Erhaltung der minDn rmDK in die Schranken zu treten verstand, hell hervorleuchtete. Es war kurz nach der Gründung des „Allgemeinen Rabbinerverbandes in Deutschland", jener unglückseligen Schöpfung, die sovi-'l Verwirrung in die Köpfe und soviel Zwietracht in die Herzen getragen hat, als vr. Dünner, um seine Meinung befragt, in einem zur Veröffentlichung bestimmten Briefe sich über diesen Verband in markigen Worten aussprach. Es heißt da: „Das Lesen der Verhandlungen in der tonstitu iervnden Atzung (cf.: des Allg. Rabbinerverbands ließ dem Zweifel keinen Raum, daß die projektierte Vereinigung nicht bloß der Abwehr irgendwelcher von außen her drohender Gefahren, son dern auch der Behandlung religiöser.Fragen dienen soll. Wenn eine Verbindung solch heterogener Bestandteile auch selbst für den erstgenannten Zweck als eine unnatürliche bezeichnet werden müßte, so wird sie aber durch die Hineintkagung des religiösen Momentes zu einer Erscheinung, für welche mir jedes Verständnis abgeht. Ich weiß mich in der reichen Geschichte unserer Vergangenheit keines. Beispiels zu erinnern, das, um mich gelinde auszudrücken, ein solch farbloses, widersinniges und für die Gesamtheit gefährliches Streben dokumentiert. Die Widersinnigkeit und Farblosigkeit bedarf keiner näheren Erörterung. Aber auch die Gefährlichkeit muß, sollte man meinen, schon bei einiger Betrachtung einleuchten. Tie Vereinigung ist gefährlich in zweierlei Beziehung, gefährlich für die daran beteiligten Personen und gefährlich für das Judentum. Nehmen wir den Fall, es habe ein neologeS Mitglied des Rabbinerverbandes eine Copulation vollzogen, die, von unseren Ehegcsetzen verpönt, von den gesetzestreuen Berbandsmitgliedcrn als ungültig erklärt werden müßte. Es ist ja undenkbar, daß ein gesetzestreuer Rabbiner z. B. die Vollziehung der religiösen Trauung eines Bastards aus kameradschaftlicher Gefälligkeit gutheißen oder anerkennen möchte. Welch' heftigen Streit würde diese Tifferenz unter den Verbandsmitgliedern Hervorrufen! Auf welch' bittere Enttäuschung würde durch solche und andere Fälle, wie sie die dianletrale Gegensätzlichkeit der Grundanschauungen der Berbandsmitgkieder als unvermeidlich erscheinen läßt, die angestrebte Einigung hinauslaufen? Die Einzige Folge würde sein, daß die Zersplitterung und Zerklüftung der deutschen Judenheit nur noch verschärft und vergrößert werden würde. Ja, dieser Schritt der Unbesonnenheit muß und wird sich gewaltig rächen; er muß und wird hierdurch auch dem Judentum, seiner Ehre, seinem Ansehen und seinem Einfluß nach Außen empfindlichen Eintrag tun. Und nun erst die Gefahr, der man das Wesen, das Prinzip des Judentums, die Reinerhaltung seiner Tradition durch solch ein unnatürliches Bündnis aussetzt! Wenn der Prophet dem frommen König BBEFr äunef: nx tt pa pv nS ‘panrra so hatte er wahrlich nicht nur die pelitischen Mißerfolge, sondern hauptsächlich die Untergrabung der die eigentliche Kraft des Judentums bildenden, in jener Zeit hervorragenden Gcistcsblütc im Auge. Seine Mahnung galt dem Ruin, der zwar dchnals noch, nicht wahr crsch« 9 ländu iäme, lingci t i iii : sichen vh'öst j.ner sich e nn d werde Lerze iitem ivürdc T dring« von a Bckän Bündi E der sü NlN.'s sicht, Verbä L er di der i rkchtv N qesagl Lerr bis z in die führte geholt nats Physis ein B rst er läßt f seinen besser Lehrei Wirke die se R Son klingt Kurt <s stabt a in n s Zwt Naturgeschichte aes beereus. Bon Rabbiner I. Nobel tn Filehne. •ü*ixS nS v» Sx v'va Der Midrasch erklärt diesen Satz: Sowie dein Gesicht, wenn du ins Wasser flehst, darin erscheint, so ist auch das Herz deS Menschen dem Menschen. Dte oberflächliche Erklärung: wte dein Herz gegen deinen Nebenmenschen ist, so ist er gegm dich, wte man tn^den Wald hinetnruft, so schallt es heraus, scheint mir nicht acläquat zu sein. Das würde das wechselseitige Reagieren der Menschenherzen aufeinander auf dem Gedanken der Revanche aufbauen. Pjhchologisch feiner und dem Sinn des Berfes entsprechender scheint mir folgendes: Du fieLst tm Herzen deines Mitmenschen das, waS du nach Anlage deines geistigen Gesichtssinnes, nach der Groß- oder Engherztgkeii deines Urteils auS ihm he.auSholen kannst oder willst. Der Neidische und Kleinliche wird wenig Borzüge beim Mitmenschen entdecken, weil stch die gegenseitigen Strahlen in einer falschen, verkümmerten Stelle des Prisma brechen. Der Realist wird den Idealisten, Antonio den Tasio nicht würdigen kL.nen. Der Artikel dei v'LVN und bei vNXN ist bedeutsam. Nur das bestimmt Kongruente in den den Menschenherzen versteht stch. Realist und Idealist ist übrigens schlecht gewählt, denn die Gegensätze verstehen stch ganz gut. Andere geistige Wesensverschiedenheiten, dte aneinander vorbeiloufen und sich nicht einmal tm Unendlichen treffen, sollen von gegenseitigem Sicheinfühlm der Menschenherzen ausgeschlossen sein. Schließlich könnte auch allgemein der Gedanke bildlich beleuchtet sein, daß es eine Splache der Herzen gibt, daß ein geistiges Fluidum Gefühle tn feinster, unmaterieller Weise virmiitelt, daß ock für Herzen Sichsehen und Stchanschauen, auch Stchfind n heißt. Wie dir das Wasser einen Seelensptegrl Vorhalten kann, der stch mit der bestimmten Physiognomie deines Antlitzes deck', so spiegelt auch das eine Menfchenhcrz drm a dein a» Bestimmte, Wescnhaste sein s Chara te.s wird r. Und waS dir nicht aus andern Menschenherzen em gegen vtbri-.rt und schallt, tas ist auch in deinem H:rzen noch ntchr als We,eaSzug vorhn den. Kräf tze ihn, betältge 1ha, dann wirst du die Folgen, die du gesät hast, auch er: ten. Was du sonst von dir g aubst und hälft, ach, das Auge deS Menlchen ist ja so htmmelwetr und so abgrundtilf: cHKn rwrawi KS paal SlXtP njyarcn x> (Tie Berliner Expedition zum Tote« Meers Ucbcr diese Expedition macht der Leiter derselben, Herr Tr. Ludwig B r ü h i, im „Berliner Tageblatt" n. a. folgende Mitteilungen: ' Tie Expedition dient ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken und wird in erster Linie an die Forschungen, die der Amerikaner Lynch im Jahre 1848 und der Duc de Luynes im Jahre 1864 aus dein Toten Meere angestellt haben, anknüpfen. Seit dieser Zeit sind ernste hydrographische und chemische Untersuchungen aus Malzgel an geeigneten Fahrzeugen nicht rnehr vorgenommen worden. Es handelt sich zunächst darum, die vorhandenen Lotungen zu ergänzen. Außerdem werden von allgemeinen Arbeiten in erster Linie di: vertikale Verteilung der Tenrperatiiivit und das Verhalten des spezifischen. Gewichtes in verschiedenen Wasscrschichten untersucht werden. Spezielle feinere Untersuchungen sollen die chemische Zusammensetzung des Wassers des Toten Meeres sowie oas Verhalten der vom Jordan eingeschwemmten Lebewelt ergründen; insbesondere wird auch eine ganz genaue Untersuchung mit modernen Methoden darüber angestellt werden, ob nicht etwa doch gewisse niedere Lebewesen im .Toten Meer Vorkommen. Auch der Fauna der Zuflüsse des Totrn Meeres und der Umgebung dieses salzigen Binnensees wollen wir besondere Aufmerksamkeit schenken. Ferner beabsichtigen wir, die Wassermengen zu bestimmen, die durch die verschiedenen Zuflüsse in bas Tote Meer gelangen. Die Expedition ist ein Unternehmen der Gesellschaft für Pa lä st i n a f o r s chu n g. Die Mittel sind der Gesellschaft (wie schon früher erwähnt) von Herrn Oskar Tietz in Berlin zur Verfügung gestellt Görden. Ter ^Leiter der Expedition ist, wie schon bemerkt, der Kustos am königlichen Institut für Meereskunde, Tr. Ludwig Brühl, dem vorwiegend die hydrographischen und die biologischen Arbeiten zusatlen. Als Chemiker begleitet die Expedition Direktor R. Ä o e s o e d aus Kopenhagen, ein Mitarbeiter von Professor S. P. L. Sörensen, dem Leiter der chemischen Abteilung des bekannten Carlsberglaboratoriums. Die Mittel für diese chemischen Untersuchungen werden von dem Carlsbergsonds in Kopenhagen hergegeben. Ferner schließt sich der Expedition aus eigene Kosten der Geodät und Privatgelehrtc Hermann Schocde aus Berlin an. T«ie Expedition dürste gegen Ende Januar wieder in die Heimat Zurückkehren tszi—>-■ (Eine Milliorrenstiftnrrg zur Pflege des Atheismus abgelehnt.) Wie der Leipziger Univcrsitätsprofcffor D jgeiiirici in der Evangelischien Landessynode des Königreichs Sachsen mitteilte, hat,ein in Holland lebender deutscher Monist den Versuch gemackt, im Anschluß an eine Universität oder sonstig: gelehrte Körperschaft eine mit mehreren Millionen dotierte Stiftung zur Pflege des Atheisdie vv sicht c der n sinder der B Titel etwa; die A Espera ietzNttg l ich er Hof zu anlatzt Mosis wendig Esvera ist in tat in Irin t io mä ieden licltsp, '--ch'ns garter eichtet folgend W. den in Reichtu scheide: die Go

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.