Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 42 (19.10.1911)
- Date
- 1911-10-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. «' np»^?^r? <Cä LSmMt. IS. Oktohye Aus jüdischer Seele will auch I. LöwenbergZ seine' Gedichte geschöpft haben. Und hie und da ermöglicht er uns auch, es ihm zu glauben. So kann das Leid in der Tat nur die jüdische Seele empfinden, uämltch hoffend, stark, ungebeugt. „Mit der Liebe starken Waffen Rüstet Euch, Ihr Brüder alle, Recht und Menschlichkeit wird siegen, Und die Bosheit kommt zu Falle." („Ausgewiesen". Seite 18) Man darf dieses Liederbuch — es ist das höchste Lob, das man einem jüdischen Buche spenden kann — auch getrost unseren Kindern in die Hand geben. Gedichte von der Art wie „Des Vaters Gebetbuch", der „Sabbatruh'" und der vielen agadischen Bearbeitungen können nur Liebe zum Stamme wecken und das Vertrauen in seine ewige Kraft stärken. (Schürft fvlgt.) Ll*<v €orrespondenzen ».Nachrichten. Deutsche» Weich. öunö jüdifdier NksSenilker. Nerki«, 17. Oktober. Der Bund schreibt uns: „Im Anschluß an die in Nr. 40 Ihres, geschätzten Blattes erfolgte Besprechung der von uns herausgegebenen „Mitteilungen" können wir heute schon über die Verwirklichung des von Ihnen erwähnten Bundestagsbeschluffes, das Thorastudium im B. I. A. intensiver zu gestalten, berichten. Während der letzten Akademischen Ferien fanden an verschiedenen Orten mehrere Wochen hindurch mehrstündige tägliche Schiurim statt. Besonders intensiv wurde das Thorastudium in Heidelberg gepflegt, wie Ihnen schon von anderer Seite berichtet wurde. Um uns nicht mit fremden Federn zu schmücken, müssen wir allerdings bemerken, daß das Talmudische Seminar, von dem in gleichem Zusammenhänge berichtet wurde, keine °) „Aus jüdischer Seele." Gedichte von I. Löwenberg. Dritte vermehrte Auflage. Verlag M. Glogau jun., Hamburg. (Bon den Inden in Tripolis.) Zur Ergänzung unserer Mitteilungen über das Leben der Juden in Tripolis in der letzten Nummer unseres Blattes sei hier nad;> dem . Univers israölite" noch folgendes berichtet: In Tripolitanien lebten 1904 etwa 18000 Juden, -lauou 12 000 in Tripolis selbst, in Bengasi 2000, in Jesfren 1000; die übrigen in geringerer Tie vornehmsten Familien sind aus Europa eingewandert,' sie stehen seit länger als 100 Jahren in reger Handelsbeziehung mit Livorno, London, Manch e st er, Par i s. Tie tripolitanischen Juden sind im allgemeinen braun, mager, groß, unschön; das Antlitz der meisten trägt dte Spuren der Trauer. Sie sind sehr fromm und hängen mit großer Liebe an der Tradition. Ihre Kleidung besteht in blauem Burnus, roten Hosen, schwarzem Turban; nur wenige junge Leute kleiden sich nach europäischer Mode; die Frauen bevorzugen reiche urld elegante Tracht. Tie Wohnungen sind eng und dunkel. Die meisten Familien verfügen nur über ein mit sehr wenigen Möbeln versehenes Zimmer, sie schlafen und essen ans dem Fußboden. Nur die wenigen Reichen haben europäische Häuser. Bon den etwa 2000 Familien in Tripolis fallen über 100 der öffentlichen Wohltätigkeit zur Last; die 1000 Familien, deren Häupter Handwerker, kleine Beamte, Kolporteure, Händler sind, leben in recht bedürftigen Verhältnissen. Bis 1883 nährten sich viele, tote ein Bild in der letzten Nummer unseres Blattes zeigte, reichlich durch den Handel mit Straußenfedern; seitdem mußte man neue Nahruugszweige suchen. In Händen der Juden .liegt aitdi der Export und die Bearbeitung von Halsa (Esparto-Gras), ein Handel, der aber durch wenige monopolisiert .ist. Institution des B. I. A. ist. Auch während des Semesters wird, wie bisher, in allen Bundesveretnigungen Gelegenheit zum „Lernen" geboten werden, wenn auch das Fachstudium während dieser Zeit im Mittelpunkt der Tätigkeit jedes einzelnen stehen muß. — Bei dieser Verlegung des Schwerpunktes der Thorastudien auf dte Ferienzeit hoffen wir die Verwirklichung des N'hyn Prinzips am besten zu fördern. Den Vereinsabenden im Semester wird dabei die Aufgabe zufallen, die profanen und jüdischen Kenntnisse, soweit ihre Gebiete sich berühren, zur Darstellung zu bringen, und so jedem Bbr. den Weg zu zeigen, auf dem er sich eine wissenschaftlich begründete jüdische Weltanschauung aneignen kann. Alle, die diesem Ziele zustreben, verweisen wir daher an dieser Stelle auf unsere Vereinigung (B. I. A.) in Berlin, München, Straßburg, Marburg, Heidelberg, Würzburg, und Breslau und bitten alle gesetzestreuen jüdischen Studenten, sich um nähere Auskunft über alle unseren Bund betreffenden Fragen an uns wenden zu wollen. (Adresse: cand. chem. W, Halberstadt, Berlin W. 24 Krausnickerstraße 17)" « Aerti«, 6. Oktober. Einigkeit macht stark! Denken jetzt auch die Herren Antisemiten, dte sich sonst gegenseitig all zu gut kennen, um einig zu gehen. Nachdem aber Abg. Ltebermann v. Sonnenberg dem Abg. Zimmermann im Tode nachgefolgt ist, wollen sich die verschiedenen Gruppen der Antisemiten wieder zu einer Fraktion im Reichstage vereinigen. Der ganze Reichstag weist gegenwärtig 9 Antisemiten auf, und wenn sie sich vereinigen wollen, dann müssen sie sich sehr beeilen, denn die kommenden Reichstagswahlen werden mit den Antisemiten so gründlich ausräumen, daß kaum mehr als ein Vierteldutzend in den neuen Reichstag zurückkehren wird. Als Vorsitzende der neuen Fraktion sind die Abgg. Bruhn und Lattmann in Aussicht genommen. Gewiß Namen von gutem Klange! Straßvura, 1. Oktober. Eine Bestimmung, die in jüdischen Kreisen eine gewisse Aufregung nach sich zieht, hat das Kommando des 15. Armeekorps in Straßburg erlassen. Da der 1. Oktober d. Js. auf einen Sonntag fiel, wurde den Einjährig-Freiwilligen erlaubt, erst am 2. Oktober Vormittag einzutreten. Nun fiel aber der 2. Oktober aus das Bersöhnungfest. Das hiesige Konsistorium hat sich deshalb an den Kommandierenden gewandt und eine Verschiebung des Eintrittstages für dte Juden auf den 3. Oktober erreicht. Am schwarzen Brett der Synagoge lesen wir folgende Bekanntmachung: „Dem Anträge vom 1. August 1911 entsprechend genehmige ich, daß der Diensteintrttt derjenigen Einjährig - Freiwilligen israelitischen Glaubens, welche es wünschen, in diesem Herbst erst am 3. Oktober innerhalb des 15. Armeekorps stattfindet. Dte beiden Tage wären nachzudienen. Der kommandierende General: gez. von Fabeck. Es ist nun höchst erstaunlich, so schreibt die' „Straßburger Zeitung", daß die Einjährigen israelischer Konfession 2 Tage nachdienen sollen, während ihr Eintritt in Wirklichkeit nur 1 Tag später erfolgt als der der übrigen. Gleiches Recht für alle. Ferner sieht jedes Nachdienen in der Oessentlichkeit aus, als ob es sich um eine Strafe handelt. Bemerkenswert ist jedoch, daß in dem Erlaß des Kriegsministeriums anderer Deutschen Staaten nichts von Nachdienen gesagt ist, und auch weder in Bayern, Württemberg noch sonstwo verlangt wird. Wie wir erfahren, beabsichtigt eine Deputation des hiesigen Konsistoriums sich dessentwegen an den Kaiser zu wenden." (Tant de bruit .... Red.) gjjpUanb. Oberrabbiner Dr- Dünner y'xt. Amsterdam, 17. Oktober. Eine Trauerkunde geht durch die Stadt, die überall tiefe Erschütterung hervorruft. Unser Führer, der Stolz unserer Gemeinde und der holländischen Judenheit, Oberrajbbmer Dünne r, ist plötzlich im Älter von nahezu 80 Jahren gestorben. Zu frisch und betäubend ist der Schmerz, um jetzt schon eine eingehende Würdigung dieses großen Meisters der Thora möglich zu machen, das möge uns für die kommende Nummer Vorbehalten bleiben. Für jetzt sei nur kurz gesagt, daß dieser Verlust nicht allein das holländische, sondern das G e s a m t j u d e N - tum, soweit es Thoralehre und Thomleben zu würdigen weiß, schwer trifft. Oberrabbiner Dünner y'tf war ein pn XI pw, wie wir deren im Westen nur noch wenige besitzen. Seine Thöragröße war mit einer staunenswerten Arbeitskraft gepaart, die es ermöglichte, daß sein ungeheuer reicher Wissensschatz in einer der holländischen Judenheit anhaltend segenbringenden Weise nutzbar gemacht werden konnte. Das Licht der Thora, das aus dem Auge dieses strahlte, ließ Alter und Schwäche nicht aufkommen. Noch in den letzten Wochen konnte der rüstige Greis den größten Teil des Tages anhaltend dem Lehrberufe widmen, während der Rest seiner Gemeinde gehörte, deren Mitglieder sich in allem — nicht allein in rituellen Fragen — täglich Rat und Belehrung bei iherm hochverehrten Führer holten. Aus dem von ihm gegründeten und geleiteten Rabbinerseminar gingen eine Reihe von bedeutenden« Rabbinern hervor, die alle, fest zur Tradition haltend, die Hut des Judentums in Holland im Ginne des Meisters treulich wahren. Man begreift wohl den Schmerz der Amsterdamer Gemeinde und der holländischen Judenheit, mit der jetzt das gesetzestreue Judentum der ganzen Diaspora um den Heinlgang eines yna trcuiert. 4- 4- 4° Die Beerdigung Oberrabbiner Dr. Dnnners V'xi. Amsterdam, 18. Oktober. Noch ganz unter dem Eindruck der erschütternden Ereignisse stehend, kann ich Ihnen nur flüchtig über die Beerdigung unseres allverehrten Oberraboiners berichten, die von der beispiellosen Liebe und Hingebung deren sich der Verblichene in allen Kreisen Hollands erfreute, mächtiges, tief ergreifendes Zeugnis üblegte. Um */» 12 Uhr wurde der Oraun des Heimgegangenen unter npipn auf einem Umwege am Rabbinat und am pj? Eman D'D vorbei nach der großen Synagoge getragen. Voran schritten die Waisenknaben, die Insassen des Altenhauses und die Semina-- risten; hinter dem T’n# die Oberrabbiner und Rabbiner der ganzen Niederlande, die fast sämlich Schüler deS Heimgegangenen waren und eine vieltausendköpfige Menge, unter der etwa hundert Zeremonienmeister und die Polizei mit vorzüglichem Takt die Ordnung aufrecht erhielten. Die Reihe der der Großen Synagoge eröffnete nach den filöpn Herr Rabbiner Vredenburg dessen kurze schmerzdurchbebte Ausführungen tiefen Eindruck machten. Alsdann wurde der |*nK nach der Synagoge der portugiesischen Gemeinde getragen, wo man nach portugiesischem Gebrauch VH und N22 K3K Rezitierte. Zwei Stunden, von 12 bis 2 Uhr, dauerte der Weg nach den: CpTH N'2, wo viele Hunderte mit Aufgebot aller Kräfte sich Platz zu 'erobern suchten. Es sprachen dort Oberrabbiner van Loen-Haag, als Schüler, Oberrabbiner Waagenaar-Arnheim namens der holländischen Oberrabbiner, Oberrabbiner M o n a s ch - Utrecht als langjähriger Mitarbeiter und ehemaliger Conrektor des Seminars, Direktor Sohlberg von der Gemeindeschule, Seminar-Conrektor G o b i t s und Lehrer Elte als Vertreter des rVH und des Waisenhauses. Auf einem freien Stück Feld neben dem "Op des vorletzten Oberrabbiners von Holland, "l fand Dr. Dünner hnlf seine letzte Ruhestätte. Am Grabe sprach noch der Vorsitzende des Kirchenrats, Herr Dr. jur. B. A. As.ch er u. namens der Familie, Herr N. Davids. Die überragende Persönlichkeit des Heimgegangenen, der in einer wahrhaft seltenen Weise wissenschaftliche Tiefe mit arbeitsfreudiger Vielseitigkeit zu verbinden wußte, ist in den erschütternden Trauerklagen noch einmal rückblickend unsrem schmerzerfülltev Herzen vorgeführt worden; was wir an diesem O’pJJD DTK verloren, das wird jeder Tag mit erhöhter Eindringlichkeit lehren. 12L"1L TITl' 21V7I 'm : Ungarn. Budapest, 10. Okt. Eine Gruppe ungarischer Großkaufleute und Industrieller — meist Juden — plant die Veranstaltung einer größeren Gesellschaftsreise nach Aegypten und Palästina. ■-i.S-fe