Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 40 (5.10.1911)
- Date
- 1911-10-05
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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' •->■• «■*--: ■ ■•■H '*•■;•.Dtr JSraelL sich dabei bücken soll, auch ohne es mitbeten zu können' falls man gerade während der Ji^öftn flUH selber die pffw betet. (Bei dieser Gelegenheit moniere ich nach häufiger Beobachtung, baß der Borbeter auch bet brr Wiederholung der Jp'tp zuerst den Vers 'flBV '*7K nnsn sagen soll: n")rr 123, 6.) - Auch vergißt man zumeist vor diesem Y'ö, ebenso wie am Freitag Abend vor i^aVI, sVX zu sagen. (Bor tf'p und nach zu N'NND soll es dagegen nicht gesagt werden.) Es sei mir gestattet, an dieser Stelle - auf die auch sonst betonte Wichtigkeit des jag htnzuwetsefi, indem ich aus dem a^V R^11172 Folgendes erzähle: Als niS’ '2 Y“iÖ ,mlr der berühmte Berfasier des zum Rabbiner von Posen gewählt worden war, begab er sich vor Antritt seiner ehrenvollen Stellung zu R. Abuhab nach Venedig, um dort seine Kenntnisse in der Kalenderkunde zu vervollständigen, die nach dem Talmud zur Qualifikation eines nuD gehört. Während seines dortigen Aufenthaltes versäumte er es einmal, auf die j"0"Q eines Kindes jaj* zu sagen, während eS alle Anwesenden taten. R-Abuhab geriet über die Unachtsamkeit seines berühmten Schülers in Zorn und verhängte über ihn den Bann von 30 Tagen, hob diesen zwar auf inniaes Bitten des •»"p*“) auf, aber mit der Weisung, nachstehendes Faktum überall zu verbreiten und dabet auf die Bedeutung von |aR fp'JP hinznwetsen: Bor der Verfolgung unserer Glaubensgenossen z. Zr. des 1. Kreuzzuges tm Jahre 1096 (1"3flJ7 n*TO) lebte in Spanien ein König, der wiederholt den Plan faßte, die Juden aus seinem Reiche zu vertreiben. Dem beim König in besonderer. Gunst stehenden Oberhaupt der Juden gelang es jedesmal, das böse Verhängnis abzuwenden. Wieder einmal drohte die gleiche Gefahr. Die t ganze Gemeinde drängte sich zu ihrem Führer, daß er ' wieder ihr Fürsprecher würde. Der aber bat sie zu warten, bis er das Minchagebet verrichtet haben werde. Man bat chn, nicht zu säumen, sondern später zu beten. So ging der Fromme mit ihnen zum König, wurde sofort freundlich ausgenommen und unterhielt sich in der Hoffnung, daß der verhängnisvolle Beschluß ohnehin wieder zurückgenommen werden würde, mit dem König über allerlei andere Dinge. Während dessen erschien vor diesem ein anderer Geistlicher aus fernen Landen und hielt ibm in lateinischer oder anderer fremder Sprache eine Lobrede, während welcher der jüdische Edelmann fich zur Seite wandte, um daS Minchagebet zu verrichten. Er hoffte, rechtzeittg fertig zu werden. Als jener Geistliche aber sein Gebet für den König beendet hatte, forderte er alle Anwesenden auf, Amen zu sagen, und fie taten es, nur jener Fromme nicht, da er in der W st md. Als der Priester das erfahren hatte, rief er in lauter Erregung, sein Segen könne fich nicht erfüllen, weil jener Jude nicht Amen gesagt habe. Der König geriet darüber in großen Zorn, ließ den jüdischen Frommen unter Martern hinrichten und vertrieb die Juden. In der Hauptstadt lebte damals ein noch frömmerer Jude, der fich nicht denken konnte, daß sein Genosse, ohne eine besondere Sünde begangen zu haben, von Gott einem so qualvollen Tode überantwortet worden sei, und erbat sich fastend vom Himmel Erleuchtung hierüber. Während er, in sein Gemach eingeschlossen, darüber nachdachte, erschien ihm zu seinem Schrecken der getötete Freund, hieß ihn ohne Aufregung bleiben und erzählte ihm, daß er ohne Sünden gelebt und nur einmal vergessen habe, auf die irxittn ro-n eines Kindes svx zu sagen) darum habe ihm der Herr jetzt *hö *7333 rHÖ vergolten und ihn durch das Unterlassen des Amen beim Segen des Geistlichen sterben lassen. Erzähle dies überall! Mit diesen Worten verschwand die Erscheinung. Ich aber, fügte R. Abuhab hinzu, habe dich wegen der Unterlassung des ja# m den Bann getan, damit er Dir zur Sühne Deiner Sünde werde. Darum lese, sch ießt der Verfasser des a^V R*7ini, ein jeder diese ergreifende Geschichte allmonatlich, damit er fich der Pflicht erinnert halte, saA M sagen, selbst auf die 712*0 eines Kindes, wie auch beim Gebete des Vorbettrs und besonders bei a'"TlÜ2 und vor 1"iaV1, und einem Frommen, der um Beendigung des fastend gebetet habe, sei im Traum die Antwort gekommen, sie könne doch nicht l intreten, wenn Israeliten gerade bei den einschlägigen Stellen jVX*? IfirStt und afrttm1 das ja# vernachlässigen. Und er habe es allen mit denen er in Berührung gekommen sei, zur sttengen Pflicht gemacht, besonders an den beiden Stellen innezuhalten und sogar aufs Brtpuit zu klopfen, damit alle Anwesenden, groß und klein, daran erinnert würden, |ÖK zu sagen." Ich füge hinzu: Wenn wir auch heute im allgemeinen selber beten, sodient doch z. B. bei 71*71)7, nSsnn das Sagen des jaR uns, die wir selbst unser eigenes Gebet ohne starke 17313 verrichten (vergl. die bez. y'3-N), dazu, uns zur stärkeren Anteilnahme an der Lobpreisung anzuregen, zumal wenn entweder der andächtig schöne Gesang des Vorbeters oder unsere Physische Entlastung, wenn wir nur zuhören brauchen, uns dazu eher befähigt. Selbst wenn man den Inhalt der betr. Benediktton nicht ganz verstanden hat, erwacht man doch durch das fatt zur Hingebung an Gottes Erhabenheit, wie ja auch in' der großen Synagoge zu Alexandrien dem im Hinterschiff stehenden Volke, das die Worte deS Borveters nicht hörte, durch daS Schwingen einer Fahne die Zeit angegeben wurde, wenn es ja# -u sagen hatte. Die schöne Anerkennung, welche Prof. Berliner (X, 30 f) der Kabbalah bett. der Erweiterung des Siddur zollt, indem er die beiden späteren Selbstapologien vor dem Morgengebete und im Nachtgcbete anführt, erinnert mich an die Gebete des R. Nechunjah den Hakanab beim Eintritte ins Lehrhaus und beim Verlassen desselben (Berach. 28 b), in welchem die Worte '3 NQV'1 - - - btCOR R^l 131 nur den schönen Sinn haben können: Laß mich, 0 Herr, nicht irren in einer Halachah, und dann werden fich meine (edlen) Genossen über mich freuen, und mögen auch sie fich nicht irren, und dann werde ich mich ihrer freuen! — Bez. des VUm\' a*18 AN' DblJ?S (vfeoD *1NO2 vgl. A"2N2N Kap. 21 gegen Ende und dazu aN^N.'^12V und ai'N NNO- Berechnungen der Zahl der Wörter in einzelnen Gebeten gibt es nicht bloß beim Kiddusch, sondern z. B. selbst beim K a d d i s ch, so daß man angehalten wird, die Zahl der beir. Wörter in den 10 Bußtagen trotz des Zusatzes innezuhalten und statt 87,2*12 *?2 1v bei Einfügung des rS'PSCi) M sagen ^2V r vgl- Targum zu Deut. 28,43. Ein Schreibfehler steht S. 35, wenn gesagt wird, daß 1113 1O21Q2 11)2 (s- Machs. Vitry S. 649) auf der äußeren Seite der Mesusah für ('1) a'lSR '*7 steht; es steht für "7 ly^ba 'Y Mir dünkt, es sollte, ähnlich wie das Sprengen des Blutes des Pessachlammes, Israels mutige Bekundung seiner Zugehörigkeit zum einzigen Gotte sein auch in nichtjüotscher Umgebung, und drei Worte wurden gewählt, um die Trinnät zu entwaffnen. Nebenbei erwähne ich aus meinem samaritanischen Manuskript, daS mir auf meine Fragen ein famaritanifcher Priester antwortend sandte, daß bei den Samaritanern die Mesusah auf ben (Stein der Wand selbst eingeritzt wird) s. auch u. a. “113*7 von M. A. Günzburg, Wilna 1844, S. 28 unt. (Fortsetzung folgt.) Rabbis kaiserliche Treunde. Bon Rabbiner Dr. Friedmann in Lublinitz. In seinem geistvollen und wiffensreichen Werke „Antoninus und Rabbi"' versucht Samuel Krauß nach zuweisen, daß in den so zahlreichen und verschiedenartigen Antoninus-Sagen und -Berichten des Talmuds und Midrasch und unter verschiedenen Namen und Bezeichnungen ledig ich eine einzige Persönlichkeit gemeint und gezeichnet sei, und zwar Avidius Kassius. Schon in meinem Artikel „Zur Biographi Rabbis" (s. „Israelit" vom 27. Juli d. Js.) habeich mich zum Teil damit einverstanden erklärt und gemeint, daß Rabbi, welcher während der ganzen Zeit der Statthalterschaft und der Katser-Prätendentschaft des Avidius Kassius und schon viel früher das anerkannte Haupt des palästinenfischen Judentums gewesen, jedenfalls auch mit i h m befreundet war, daß dieser daher auch in der Darstellung des talmudischen „Antoninus" erscheint, welcher mit Rabbi befreundet war. Aber Avidius Kassius war keinesfalls der einzige, welcher von Talmud und Midrasch mit Rabbi in nähere Beziehungen gebracht wird.- Wi' ich in dem früheren Artikel ausgeführt habe, ist Rabbi etwa im Jahre 195 gestorben. Dieses Dawm möchte ich jetzt — gestützt auf eine wichtige Agada (vgl. Krauß S. 51) — bestimmter aussprechen und als Todesjahr Rabbis den Anfang des J.-Hres 193 angeben. Nach dieser Agada ist nämlich Rabbi in demselben Monate gestorben wie Commodus, der römische Kaiser, von welchem b.kannt ist, daß er am letzt n Tage des Jahres 192 gestorben ist. Rabbi hat zuletzt 17 Jahre in Sephoris gelebt und vorher in Liberias, von wo er also bald nach der Ermordung des Avidius Kajsius, welche im Jahre 175 stattfand, nach Sephoris wegzog. Sei es wegen des tiefen Schmerzes, welchen ihm dieser traurige Verlust verursachte, sei es wegen des infolge dieses traurigen Falles in Liberias eingetretenen Elends und Verfalls. Hat nun Rabbi ein Alter von etwa t7 Jahren erreicht, war er — nach der früheren Ausführung — schon im Jahre 140 in Amt und Würden, so wann in der Zeit von etwa 140—193 Antoninus Pius, Mark Aurel, Lucius Berus, Avidius Kasfius und Kommvdus römische Kaiser und Mitkaiser. In den jüdischen Berichten werden als mit Rabbi befreundete Kaiser genannt: „Antoninus" schlechthin, Severus ben Antoninus, Antoninus ben Severus, Antomnus der Aeftere und Antoninus der Jüngere. I st es nicht interessant zu bemerken, daß von beiden Seiten, von der römischen wie von der jüdischen, je fünf verschiedene Namen und Personen genannt werden? Ist diese gleiche Zahl wirklich zufällig? Nein. Es erscheint mir fast z w e i f e l l 0 s, daß sie einander entsprechen und zwar so: Unter „Antoninus^ schlechth n ist Antoninus Pius, unter Antoninus dem Aelteren ist Mark Aurel, unter Antoninus dem Jüngeren ist Kommvdus, unter Severus ben Antoninus ist Lucius Berus, der Schwiegersohn und Mitkaiser des Mark Aurel, und unter Antoninus ben Severus ist Avidius Kassius, dessen Vater (oder Großvater) Severus hieß, zu verstehen. Als zweifellos darf es gelten, daß Rabbi mit Lucius Berus welcher den größeren Teil seines Kasserttuns (161—169) in Anttochien zuvrachte, sowie auch mit Avidius Kassius, welcher nach dem Abgänge des Lucius Berus der Be herascher des ganzen römischen Orients wurde, in freundschaftlichem Verkehr stand. Die von Kraun gegen Lucius Berus vorgebrachten Einwände find keineswegs stichhaltig und zwingend, sie sind nur für ihn zwingend, weil er eben nur einen einzigen mit Rabbi befreundeten Kaiser beweisen will. Um nur auf eins hinzuwe sen, kann sich Krauß die Aenderung des Namens Berus in Severus (Asverus) nicht erklären. Nun haben doch beide Namen denselben Ausklang, und der Name Severus erscheint in der ganzen Reihe der Antoninen viel häufiger als der Name Berus, sodaß im Bolksmund der Name Severus geläufiger wurde als der Name Berus, und eine Verwechslung beider Namen leicht möglich war. — Vielleicht darf man auch den Endbuchstaben von Lucius dafür verantwortlich machen, daß aus Berus — Severus geworden ist. — Nachdem nun Rabbi mit 'den beiden Kaisern Lucius Perus (Severus ben Antoninus) und Avidius Kassius (Antoninus ben Severus) engere Fühlung haben konnte und auch hatte, wurde er tm Bolksmund auch noch mit den anderen Kaisern seiner Zeit, mit Antoninus Pius („Antoninus"), Mark Aurel (Antoninus der Aeltere) und Kommvdus (Antoninus der Jüngere) in freundschaftliche Beziehungen gebracht, obgleich ein wirklicher Verkehr zwischen ihnen vollkommen ausgeschlossen war, weil weder Rabbi jemals in Rom war, noch diese Kaiser jemals Muße und Veranlassung hatten, längere Zeit im Orient weilen zu können. Und da die Agada besonders in diesem außergewöhnlichen Falle Wohl einen Kern von Wahrheit enthält, aber doch nicht in jedem Betracht, in allen Einzelheiten historische Wahrheit ist, so kann man auch nicht alles, von den Beziehungen Rabbis zu den Antoninen berichtet wird, als bare Münze nehmen und als hlstorische Wahrheit Nachweisen wollen. Es genügt zu wissen, baß Rabbi Gelegenheit und Ehre hatte, von zwei Kaisern in näheren Verkehr gezogen zu werden und daß er daraufhin vom Volke mit allen Kaisern seiner Zeit in Verbindung gebracht wurde. iüchttscha«. '21V2N71. Literarisch-wissenschaftliches Jahrbuch des Ttudeutenvere ins „Tachkemoni" in Bern. H. Redigiert von Dr. B. Lewin. Verlag M. Poppelauer, Berlin. Die neuhebräische Literatur ist nicht gerade reich an ernst zu nehmenden wissenschaftlichen Erscheinungen. Ueber eine mehr oder weniger schöne und stimmungsvolle Feuilletonproduktion kommen selbst die besseren hebräischen Zeitschriften selten hinaus. Bon jüdischer Wissenschaft, d. h. solcher, ie die Göttlichkeit der Thora zur ersten Voraussetzung und zum unverrückbaren Grundstein für all ihre Gedank-»bauten hat, schon gar nicht zu reden. Um so höher ist die Bedeutung des vorliegenden hrbräischen Jahrbuches einzuschätzen, das in schönster Weise einmal dokumentiert daß Thora und modernes Wissen keine Gegensätze bilden, sondern, daß im Gegenteil auch heute noch das alte Wort gilt: NV2NN Dtt mim DipöD Wie im ersten Buch, so zeichnen sich auch in diesem zweiten alle Beiträge durch Tiefe und Gründlichkeit und strengen wissenschaftlichen Ernst aus. An der Spitze des Jahrbuchs finden wir einen gedankentiefen, rettgionsphilosophischen Artikel über den Begriff der Gottesnähe von Oberrabbincr Kuk in Jaffa. Eine treffliche Kritik derBibelkritik bringt neben anderen Beiträgen der allbekannte Historiker S. J aw itz. Ter gelehrte Herausgeber selbst befaßt sich wiederum mit gewohnter Gründlichkeit mit der Massora und fördert auch einige bisher unbekannte Gedichte von David Hanasst ans Tageslicht. Eine würdige Ergänzung zu den Jawitzschen Beiträgen bietet Herr M. Seidel in seinem Artikel Typ-jp. In einem sehr schönen Aufsatz erörtert Ben-Lewt (Dr. Halevy, Hamburg) einige brennende Erziehungsfragen in Palästina. Außerdem enthält das Jahrcuch Abhandlungen über die verschie ennen Gebiete der jüdischen Wissenschaft aus der Feder deS Herrn Dr. Bauet, Rabbiner Feimer, I. N. Ep st ein, Dr. S. Halevy und aus dem Nachlasse des verühmien jüdischen Gelehrten Jakob Reifmann. Höchst erfreulich! Mitteilungen über die Ziele und die bisherigen Erfolge des Studentenvereins „Tachkemoni" macht ein Schlußartikel des werwollen, in der neuhebräischen Literatur nach seinem echt jüdisch-wissenschaftlichen Inhalte einzig dastehenden Jahrbuches. , Sch.