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Der Israelit · 1911-10-05 · Heft 40 (5.10.1911) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 40 (5.10.1911)
Date
1911-10-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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ganz respektablen Basis erwachsen soll, in nichts aufgehen zu lassen. Die Materie sucht und findet er auch in verschwenderischer Fülle im Hekdesch (Armenhaus) und auf dem Fried Hofe, allein, was er daraus, immer nur mit künstlerischem Anlauf, bildet, find Gestalten, die ziemlich großspurig auf breiter Unterlage, aber ohne Kopf einherwandeln. Die mit breitem Behagen und hie und da mit Auflug von allerdings oft nur sehr gezwungenem Humor gezeichneten Bilder der grauen Armut, des hohläugigen Hungers, des lachenden Wahnsinns erwecken unser Interesse, ohne es halten zu können, da sie statt in aufsteigender Entwicklung zu fesseln nach oben immer mehr abstumpfen und uns nichts mehr zu sagen wissen, oder ganz unvermittelt eine Richtung nehmen, die in gar keiner Beziehung zu dem Motiv, aus dem sie ausgingen, stcht. Da verfolgen wir beispielsweise „die Drei" auf ihrer Wanderschaft am kühlen Tifchobeawmorgen, hören auch etwas von ihrer sonnenarmen Vergangenheit und erfahren, just im Momente, da wir anfangen, uns für die Lebensschicksale dieser famosen Kinder der Landstraße zu interessieren, — die Geschichte eines armen Schneidersohnes in einer weltverlafsenen Hafenstadt. Verhältnismäßig am besten gelungen sind noch der freilich höchst unwahrscheinliche stille „Leiserl" und der Krüppel Chaimcki Hund. Aus den „Gesprächen" der beiden Verurteilten in der Gefängniszelle erfährt man wieder, nicht etwa den Leidensweg der Gefangenen, sondern eine etwas grausige Chedergefchichte, in der eine Katze, eine Ziege und ein gewisser Noachky eine Rolle spielen. „Der Hekdesch und seine Leute" sind in drei Bildern nicht ohne Talent, wenn auch ohne rechtes Farbenleben gezeichnet. Dagegen ist es bei allem Aufwande von mehr oder weniger geratknen Wortwitzen absolut unerfindlich, 'wie, warum und zu welchen! Zwecke in der folgenden Skizze die Malkele nach Wilna gekommen ist. Den Schluß des bei allen Mängeln an solidem künstlerischem Aufbau nicht uninteressanten Buches bildet die Schilderung eines Schisfsunterga n.geseine Art lyrisches Gedicht, in dem Sturm und wüdwogendeWellen und krachende Schiffsbretter und schreiende Menschen sich zu einer schaurigen sinnverwirrenden Symphonie vereinigen. Diese aber klingt dann tn eine im Verhältnis zu der gewiß nicht gerade behaglichen Situation höchst g emütliche Unterhaltung zweier an einem Schiffsbrett mitten auf hoher Seesestgeklammerten Menschen aus, deren einer etwas trübe, aber sehr weit ausholend über das Meeresgrab philosophiert, während der Andere mir einem umfangreichen Apparat von Beweisen und Argubteskm Falle durchaus nicht mit dem ominösen Worte Rindvieh identisch sei, sonoern nur im Sinne von „Unge'.chickter" awzufassen sei. Das Gertchr entschied indessen zugunsten des Klägers und verurteilte den Gegner zu 12 M. und die Kosten. Bei der jetzigen allgemeinen Teuerung immerhin roch billig genug. (Die Juden in Russisch-Polen.) Pro 1909 betrug die Gesamtbevölkerung Polens 11953 318 Personen, davon waten 1747 655 Inden, gleich 14,64 Prozent. In Warschau waren in dem Jahre 1910 bei 782 641 Einwohnern 308 488 Juden gleich 39,4 Prozent, in Lodz bei 408 641 Einwohnern 92 556 Juden gleich 22,7 Peoz<-nt. Tiefe beiden Städte umfassen allein den vierten Teil der gesamten polnisch-jüdischen Bevölkerung. In Lublin wohnten 31 607, in Bendzin 22 074, in Czenstochau 22 024, in Radom 16 976, in Kalisch 14 74O, in Pettikau 13 960, in Siedgce 13 470, in Suwalki 13 364, in Sosnowice 13 261 und Lomza 12 088 Juden. Allein in Lublin beträgt die Anzahl der jüdischen Einwohner 50,7 Prozent der Oesmutbevölkerung, in den anderen Städten unter 50 Prozent. Es gibt aber auch Städte mit überwiegend jüdischer Bevölkerung so Kaluszin mit 85 Prozent, Nazielsk mit 80 Proz., Tgialoschin mit 84 Proz., Chmieluik mit 79 Proz., Terespol mit 82 Proz., Wlodaic 80 Prozent und Przedborz jnit 80 Prozent. Bon 1827 bis 1909 hat sich die jüdische Bevölkerung in Polen verfünffacht. menten den Tod in Freiheit preist. . . Wiederum eine Lebensgeschichte, bestehend aus Geständnissen, Bekenntnissen, Erinnerungen und Enthüllungen.*) Eines jener Bücher, die mit ihrem feuerroten Zettel auf dem Umschlagsdeckel sensationelle Enthüllungen aus dem Privatleben versprechen, jeden anständigen Menschen von sich hinwegekeln. Aber schließlich hantelt es sich doch um Karl Lueger, den Herrn von Wien, den die Woge des Judenhasses emporgetragen hatte. Da lohnt es schon, in der Hoffnung etwas zur geschichtlichen und volkspsychologischen Aufklärung dieses traurigen und dunklen Kapitels in der Wiener Zeitgeschichte zu finken, einen Blick in das Büchlein zu werfen. Sie wird nicht ganz getäuscht, diese Hoffnung. Unter einem Wust, von durch Eifersucht und ver letztem Selbstgefühl erzeugten Klatsch- und Tratschgeschichten befindet sich so manch Wörtlein, das tief und weit hinter die Kulissen der bislang in Oesterreich alleinherrschen Partei schauen läßt. Hier eine kleine Probe: „Im greUett Gegensätze zu dieser an Geiz grenzenden Sparsamkeit stand die Rttckfichtslofigkei gegen seine eigene Kassa, wenn es galt, Schäden zu decken, deren Bekanntwerden die Partei kompromittiert hätte. Weniger zornig, als vielmehr bekümmert, schritt er da mit auf den Rücken gekreuzten Händen nervös in seinem Arbeitszimmer auf und ab. „Schon wieder einer?" frage ich bei solchen Gelegenheiten. ,.Ja!" erwiderte er mit trockener Stimme. „Die Kerl'n können das Stehl'n nicht lassen. „Und Du mußt wieder blechen?" „Der Partei wegen!" Und mit einem Seufzer der Resignation blickte er vom Fenster auf die Straße. „Lieber Freund, wenn Du tmmer hilist, so werden die Leuie zum Stehlen nur ermutigt. Du solltest im Gegente l ein Exempel statuieren. „Das geht nit! Ich muß die Integrität kur Partei um jeden Preis aufrecht erhalten." „Und wer ist rs diesmal." Er nannte mir den Namen,' mit einer Art Galgenhumor fuhr er fort: „Es wird gleich bei mir das Gerichtskollegium erscheinen, um zu beraten. — Die Opfer sind — ich, der — Er brach kurz ab, denn einer der Herren betrat bereits sein Arbeitszimmer. In einem Falle hatte er großes Mitleid mit dem Schuldigen, der sein Vergehen mit dem Leben sühnen wollte. An seinem Krankenlager, das ihm ium Sterbebette wurde, besuchte ihn Lueger und sprach ihm Trost zu. Ein leuchtendes Beispiel „reiner Hände" stand der Bürgermeister an der Spitze seiner Partei — er fand nicht viele Nachahmer." Wie sagte doch nur der kluge Friedrich II. : „Und mit solchem Gesindel müssen wir uns herumschlagen!". (Schluß folgt.) Bei den £ba$$idim. V. (Schluß.) Unvergeßlich werden mir die Schowuostage sein, die ich in Lubawitsch verlebt habe. Schon einige Tage vorher strömten von allen Seiten die Fremden herbei, obwohl der Zudrang dieses Jahr nicht so groß war als sonst, weil einige Zeitungen irrtümlicherweise berichtet hatten, daß Rabbi Schneersohn wegen der Kiewer Blutbeschuldigung in Sr. Petersburg sei. Auch in meinem Hotel, in dem ich bisher der einzige Gast war, wurde es lebendig. Ein würdiger Greis, der aus Riga kam und den ich fragte, ob er eine weite Reise zu machen hatte, verneinte die Frage. Er habe nur 16 Stunden Bahnfahrt: das ist in Rußland keine Entfernung, besonders wenn man zum Rabbi reist. Bereits am Erew Schowuos wimmelte es von Gästen in allen Straßen und besonders in dem geräumigen Hof des Rabbi. Freunde und Bekannte, die sich nach langer Zeit wiedersahen, feierten hier die Freude des Wiedersehens und gingen, in angeregter Unterhaltung in kleinen *) „Aus meinen Erinnerungen an Dr. Karl Lueger* von Marianne Veskiba. — Selbstverlag der Verfasserin. Wien IX. Gruppen auf und ab. Je mehr fich der Tag neigte, desto größer wurde der Andrang. Kurz vor Eintritt der Nacht wurden im großen Saale 4 Tische so aufgestellt, daß der von ihnen eingeschloffene Raum ein Quadrat bildete, in dem ein Stuhl für den Rabbi reserviert war. Um diese Tische gruppierten sich die Anwesenden, um den Vortrag des Rabbi anzuhören, der jeden Augenblick erwartet wurde. Man schob, stieß und drängte sich um einen möglichst guten Platz in der Nähe des Vortragenden zu bekommen und nicht immer in sehr rücksichtsvoller Weise. Mein Nachbar, der die Stöße und Püffe, welche die vordrängende Masse freigiebig verteilte, redlich mit mir teilte, glaubte mir einige entschuldigende Worte wegen dieses Ungestüms sagen zu müssen. Ich beruhigte ihn lächelnd, daß ich schon ein ungeberdigeres Drängen und Stoßen in den Zentren der westeuropäischen Kultur gesehen hätte, wo es sich bloß um Eroberung eines guten Theaterplatzes handelte. Da habe niemand, der um seine Ellenbogenfreiheit kämpfte, auch nur daran gedacht, sich deshalb bei seinem Nachbar zu entschuldigen,' warum solle man nicht mit denselben Mitteln um einen guten Platz ringen dürfen, um Worte der Thora zu hören? 'iDiy} DK nntoy 12121 'ny} *p 12121 Mein Nachbar, der ebenso witzig wie liebenswürdig war, wollte mein Argument nicht gelten lassen. So wie diejenigen, meinte er, die einmal den Namen für Frühaufsteher haben, lange schlafen und wie Liberale illiberal handeln dürfen, so brauchten auch diejenigen, welche die moderne Bildungsstätte des Theaters aufsuchen, sich nicht manierlich zu benehmen; ihr Theaterbillet sei ein genügender Ausweis über ihre Bildung und Gesittung, die durch kein noch so rohes Stoßen und Drängen in Frage gestellt werden können. Aber an unsere Bildung glaubt der Westeuropäer nicht, wenn wir uns auch noch so rücksichtsvoll benehmen, geschweige denn —- Mehr konnte ich von diesen Ausführungen nicht hören) denn jetzt setzte plötzlich ein herrlicher Gesang ein, der von den jungen Leuten der Jeschiba angestimmt wurde und in den dann alle Anwesenden einsrelen. Es waren Lieder ohne Worte in dtzi Hellen, schwellenden, bald jauchzenden, bald klagenden Weisen, wie sie der chassidischen Sangesart eigen sind. Das Fest der Thora batte die jahrein jahraus in rastlosem Ernst ihrem Studium Obliegenden in heitere Sänger umgewandelt. Der Gesang hatte für mich etwas Ergreifendes, so oft ich ihn früher und später gehört habe. War es der Schmelz der klangvollen, Hellen Stimmen, war es die Heiterkeit der Sänger bei den heiteren und ihre Ergriffenheit bei den ernsten Partien? Ich hatte das Empfinden, daß die Jnnigkit der Sangesweise in wortlosen Melodien viel intensiver zum Ausdruck kommt als tn Liedesworten. Das Wort ist für die Melodie eine Fessel, welche sie in seine Form zwängt und ihr keine andere als die vorgezeichnete Richtung gestattet. Aber wer zählt die Gedanken, wer mißt die Tiefe der Empfindungen, wer ahnt die Höhe des Flugs, zu dem der aus dem bewegten Herzen quellende Sangeslaut die Sänger hebt und die Hörer mit fortreißt? Demselben heiligen Ernst der Sänger und ihre andächtige Innigkeit hatte ich täglich früh und spat angestaunt, wenn ich sie in ihrem Morgen- und Abendgebet vor Gott stehend sah. Sie find dieselben als Beter, als Sänger, als Studenten, alles aus einem Guß. Sie werden es auch sein und bleiben und im Leben bewähren, was sie an dieser Hochschule als Schüler gebetet, gesungen und studiert haben. Sie haben es chon bewährt in den Hunderten von Zöglingen, welche dieses Haus bereits verlassen haben und einen Geist in alle Richtungen der Windrose ragen. — - Der Rabbi erscheint noch immer nicht, obwohl die Abenddämmerung schon weit vorgeschritten ist. Das Gedränge wird immer heißerich stehe eingekeilt wie im Schraubstock mit so fest an den Körper gepreßten Armen, daß ich auch nicht die geringste Bewegung machen kann. — Rur der Trost geblie zur L uns vis-äein ei Bart stimm stimm die he die S tigste das 6 Rabb I Mafsi nung nahm stehen Stun und l und S schwei folgen mache tsche! gen v Mitte Maar beim erte. Licht noch i Sie n den si worin elwail über rung. Hörer wird, einma Dieseden, gebet dauere die ir Glas D Morg meine Aber ein 2 besuch kärgli> sehr f Schab konnte und w an Kc ligen. und li das u seinen bekanr besinn stamm zückter '?y 'i kannte leute, Fahre dringl dadur, armen war k ihn ük Zügden, d Seine Rückst nachge betend Andaö Holder begreif

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