Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 40 (5.10.1911)
- Date
- 1911-10-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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mm 911 5. Oktober 1911 hung ugen rdas lller verte «turn bringe lrhaluri- Sdeullung dgl. chunq dort Juunter Denjlichen > und und ftoner -jahre i aus sucht, insicht imeridurch ehren ebens, enden Und arbeit orgaden euen re die AusrVer iropas unter menlnfälle liertel l und rscheiahreu sche tischen fuden, nicht wird, mtobt s die el für -Zuden. 1I?T Hütten tg ta- Jahre, sollte durch ter ab- Ueber- Gottcö Palast, at und 'Laubder auf ib en! edanke. sie die nt sich Als j ach beekränkt I st und lm, mit j rschau-, es UN' rD'Dl Ewan öltnöirm an! iu, den ttlichen Weltiaphael in Tripolis, das zur Zeit das Kampfobjekt zwischen Italien und der Türkei bildet. (Siehe Wochenrundschau). Eine merkliche Wandlung war in diesem Jahre in der Gesinnung der Türkei den Juden gegenüber wahrzunehmen. Die Judendebatten in der türkischen Kammer, hervorgerufen durch übertriebene Einschätzung der Ziele und Absichten des Zionismus, sind noch in aller Erinnerung. Daß hierbei zum Teile die türkischjüdische Assimilation, wie sie im ganzen Oriente durch die Alliance mit so gutem Erfolge gezüchtet wird, die Hand mit im Spiele hatte, gestaltet die Sache umso trauriger. Wie nicht anders zu erwarten war, hat die chaotische Verworrenheit im jüdischen Gemeinde- und Parteileben in der Türkei unter dem Regime des Rabbi Ha im Na houm zu immer neuen Mißständen geführt. Weder in 8er Hauptstadt noch im Reiche ist es diesem Chachambachi von der Alliance Gnaden gelungen, auch nur eine der vielen brennenden Fragen einer annähernd befriedigenden Lösung zuzuführen, und darunter leiden, wie in einer der jüngsten Nummern in einer Konstantinopeler Korrespondenz erschöpfend dargestellt wird, in erster Reihe und am empfindlichsten die Verhältnisse im heiligen Lande und in der heiligen Stadt, die immer noch des alle widerstreitenden Teile mit seiner Autorität auf einen gemeinsamen zentralen Punkt einigenden Führers harrt. Die verworrenen Zustände in Jerusalem drängten auf organisatorische Selbsthilfe, die sich die führerlose Bevölkerung durch den jüngst ins Leben gerufenen Waad Hair auch kurz entschlossen geschaffen hat, und man darf diesem Gemeindeorgan, das Jerusalem — auch Jaffa — nicht aus der wohltätigen Hand der Großrabbiner erhalten, sondern aus der Not der Lage geboren ist, einiges Vertrauen entgegenbringen. Ein Jahr schwerer Not geht für die philantropischen Anstalten in der heiligen Stadt zu Enoe, die von der Anfang März ausgebrochenen allgemeinen Krise derart getroffen wurden, daß sie ihre Insassen, die hilflosen Greise, und Talmudjünger schutzlos dem Elend überlassend, ihre Tätigkeit einstellen mußten. Von dieser elementaren Katastr ophe hat sich die heilige Stadt bis heute noch nicht gänzlich erholt. Doch ist es, wie wir erst letzthin berichten konnten, dem Eingreifen der Zionsfreunde in Europa, an deren Spitze der Deutschholländischen Palästtnaverwaltung, gelungen, die Not ein wenig einzudämmen und das Untcrstützungswesen, soweit es die Lage und die Mittel gestatteten, in zweckmäßiger Weise zu regeln. Ein Jahr gedeihlicher Entwicklung war das abgelaufene für die jüdischen Kolonien in Palä- Hirsch, Israel Hildesheimer rc stellten ihre gewaltige Kraft in den Dienst gerade dieses Gedankens. 'Ul D'ttin DDanö *6 „Nicht, weil ihr mehr seid an Zahl als alle Nationen wählte euch Gott ausdenn ihr seid gerade die Minorität." Es lag im Plane der himmlischen Weisheit, ein der Hütte gleiches schwaches Volk den wunderbarsten Weg durch die Geschichte der Menschheit wandeln zu taffen. Städte und Paläste fallen ringsum in Trümmer, Feste und Burg schwinden, doch die Hütte steht fest. Und noch wunderbarer: nirgends liegt Israels Heil und Zukunft besser geborgen, als in der „Hütte". Wer möchte behaupten wollen, daß mehr warme und innige, echte und rechte LebenSsteude in den modernen lichtdurchfluteten Salons wohne als in den einfachen Hütten der Ahnen? Kann man das zarte Empfinden, wie es das jüdische Familienleben zeitigte, kann man den Zauber deS jüdischen Sabbat, die Wonne deS den heiligen Emst der allen „Judenschul" so leicht ersetzen durch neue „Werte"? Die jungjüdische Bewegung unserer Zeit irrt, wmn fie solche Gehalte der jüdischen Psyche kaltblütig zu degradieren wagt, wenn sie die Religion einfach als Privatsache behandeln zu dürfen glaubt. Man will nur an dm 71^2 *7, den Umfaffungsmauern bauen, mag auch ein ^|0S *pD fie krönen. Man bedenkt nicht, baß so vieles, was für die Wände brauchbar, für die Decke direkt SlDÖ ist. Man mag kaum glauben, daß aller Bölkergeschichte zum Hohn, bet Israels Hütte nicht die Wände das Dach trugen, sondern dieses den Wänden Halt und Dauer gab. Man vergißt, daß das mtföl mifi bll? wie ein eiserner Riegel die Bolksmassen zusammenhielt und — auch jetzt noch diese Kraft besitzt! Kein Mittel der Wett kann so wie dieses mit absoluter Sicherheit wirken im Niederringen der Asfimilationssucht. Die N2D trägt ihre Schönheit . _Der Israelit_ stina, wenigstens in Judäa, während in Galiläa die Haltung der Araber den Juden gegenüber sich immer feindseliger gestaltet und die jüdischen Kolonien anhaltend bedenklichen Ueberfällen ausgesetzt sind. Was indessen des wahren Juden Blick ungleich mehr trüben muß, das ist die Menge der unjüdischen u. antijüdischen Saaten, die im heiligen Lande unter der Marke der nationalen Kultur durch Wort und Schrift uttd auch durch die praktische Tat ausgestreut wird. Wie sollte bei uns echte Freude überden ungeahnten Aufschwung der hebräischen Sprache in Palästina auskommen angesichts der Strömungen, die dort auf dem Wege der hebräischen Literatur Eingang in die jüdische Welt, ja auch in die Schulen gefunden haben, angesichts der unjüdischen auf den religiösen Umsturz berechneten Gedanken, die in dieser uns heiligen Sprache ihren Ausdruck und ihre Verbreitung finden? Das darf jedoch kein Grund sein, sich resigniert vorr der geistigen Kulturarbeit in Palästina abzuwenden. Im Gegenteil muß im Hinblick auf jene schädlichen Auswüchse die Arbeit zur Züchtung jüdischer Kultur auf dem geweihten Boden erst recht kräftig einsetzen, damit gerettet werde, was noch zu retten ist. In diesem Behuse haben die Gesetzestreuen Deutschlands auch in diesem Jahre manchen vielverheißenden Erfolg zu verzeichnen. Ihr Palästinaschulwerk, dessen vornehmes Ziel es ist, erwerbstüchtige und im praktischen Judentum wurzelnde Juden in Palästina für Palästina heranzuziehen, ist in steter Entwicklung begriffen und nötigt selbst den erbittertsten Gegnern der Religion, wie Urteile der palästinensischen Presse bezeugen, Achtung und unbeschrankte Anerkennung ab. So möge denn die Arbeit derer, die sich allenthalben um das Thoraideal schaaren, nicht vergebens sein und auch im einziehenden Jahr Früchte zeitigen dem Volke zur Ehre — “pI?1} TO3 — /öen Frommen zum Ruhme, ."6nJi/ dem Lande zur Freude und der Stadt zur Won ne. pwi nrröttT/ daß uns Tat und Erfolg zum Jubelruf unseres Festes berechtigen: iniirri nr km n minn nun vwi ^5 und Kraft im Innern. Wir sind und bleiben Hüttenbewohner. Daran machte uns weder die Siegesfeier der großen „Völkerschlacht" noch der Sedanstag irre. Unsere „Bescheidenheit" ist unsere beste Politik. Sie schützt vor Täuschungen u. Demütigungen, vor Kränkung u. Seelenschmerz. Der Hüttengedanke ist unser unverjährbarer Stolz, unser unbesiegbarer Trotz, unsere unzerstörbare Hoffnung. Nicht wir verlaffen die Hütte, um glänzendere Räume aufzusuchendie Menschheit allerwärts wird einst in unsere Frieöenshlitte etnztehen, soll einst dort einztehen. Der Talmud selbst nennt uns B'IJSV W die starre Nation. Unser Lehrer Moscheh har uns ja gerade in der Stunde der Gefahr zur Verteidigung qj? nwp genannt, Mas „Volk mit dem harren Nacken" also Ün guten Sinne: hartnäckig hält es an den einmal übernommenen Geboten und Gesetzen fest. Das sollen wir heute um so mehr bedenken, da alles, dem Zettgetste entsprechend, den „Zug ins Große" nimmt. Die Dampfkraft und der elektrische Funke haben die Schranken von Raum und Zeit überwunden. Die soziale Frage schmiedet die Stände zu großen Jnteresienverbänden zusammen. Das ist nicht in letzter Linie mit ein Grund, warum die großen Organisationen der heutigen Judenhett ins Leten treten konnten. Die Hindernisse und Schwierigkeiten vergangener Jahrhunderte stehen da nicht mehr im Wege. Für prunkvolle Gotteshäuser wurden buchstäblich Millionen geopfert. Man schielt jüdtschersetts so gerne nach fremden Mustern! Wo bleibt ba der n21V'^^st, der Hüttrngedanke? Wird man es nicht für absurv finden, daß Israel seinem Gotte nur „vier Ellen", die NIVtt '1 rtsbn btP zuweist? Daß auf dem „Hauche der Kinder im Le^rhause" der Bestand des Weltalls ruhen soll? Das aber sind Konsequenzen des SukkohgedankenS. Aeußerlich betrachtet, mag er als Schwache beurteilt werden. In der Tat aber bedeutet er »o. 40 Sette 8 KochmrsuWa«. I.» c. Die ahademifdie lugend im deichen des Tfiorasfudiums- Im dem Ringen der Gesetzestreuen Deutschlands um die Souveränität der Thora im jüdischen Volksleben und um die nur zu oft bedrohten Rechte ihrer Bekenner fällt unstreitbar der gesetzestreuen akademischen Jugend, wie sie im „B u n d e jüdischer Akademiker" vereinigt ist, eine der wichtigsten und bedeutsamsten Rollen zu. Mit welch hohem Maße von Liebe und Eifer unsere jüngeren und älteren Akademiker ihren Aufgaben in dieser Hinsicht gerecht zu werden suchen, zeigt auch die vor kurzem erschienene Nr. 2 der „Mitteilungen" des genannten Bundes, welche neben einem erschöpfenden Bericht über die Arbeiten des Bundes und einigen wichtigen Mitteilungen geschäftlicher und organisatorischer Natnr auch einen wissenschaftlichen Artikel über „Häckels biogenetisches Grundgesetz" von eznä. meä. Jakob Levy, Berlin enthält. Ueber die Art, wie sich der Bund die Lösung der Frage aller Fragen denkt, der Frage des min “1107, mit der jede geistigen Interessen gewidmete jüdische Verbindung steht und fällt, lassen wir hier den einleitenden Bericht über den Würzburger Bundestag im Januar d. I. sprechen! „Wie sehr sich der Bundestag der cigcutlidjcu Bestimmung des B. I. A. bewußt war, das zeigte gleich zu Anfang die umnittelbar alt den Gencralbericht des Vundeovorsitzenden sich anschließende eingehende Erörterung der jyrage, was die einzelnen Bereine zur positiven F ördcrung des „Lernens " unter den Studenten bisher geleistet hätten, und auf lvelche Weise diese Förderung in Zukunft umfassender gestaltet werden könne. Daß es eines Juden, rurd icamentlich eines akademischen Juden, durchaus unwürdig sei, in bloß gewohnheitsmäßiger Aneignung der jüdischen Lebonspruxis zu verharren und als Am Hanrez, von der Leben spendenden Theorie unangeregt, dahinzukränkeln, daß dem deutschen Judentum die Gefahr allmählicher, aber desto gewisserer Versandung drehe, wenn es nicht gelinge, mehr als bisher die Jugend dent „Baum deS Lebens" zuzuführen, auf daß (i: in einem Schatten verbleibe und selber Leben gewinne, daß namentlich, ein von den Quellen losgelöstes Destillat jüdischer Welt- und Lebcnsanschnunng, doglnaiisch vorgetragen und dogmatisch aufgcnonunen, nimmermehr einen irgendwie ausreichenden Ersah für ein luehr und mehr zu verselbständigendes Quellenstudium bieten könne: darüber herrschte, wie die NUSdas stozeste Gelöst bewußtsein, das Bewußtsein deS eigenen Wertes. Wenn die „Schtadlomm" des Mittelalters zu den Burgk« der Mächtigen gingen um demütig Fürsprache zum Wohle der Unterdrückten einzulegen, so warm fie dennoch „aufrechte Juden", die kem Haffer je so tief verachten kmnte, als fie sich selbst hochachteten. Da wußte der arme Hausierer, dm große und kleine Gassenjungen höhnten, daß sein „Tisch vornehmer ist als die prunkvolle Tafel der Fürsten", •pnbltPtP ÖSnSlttJÖ SlSü- Ist das Servtlismus feiger Seelen? Es ist der stolz-bescheidene Sukkogetst! Gar viele, die heute in polternder Art sich als „aufrechte" und „bewußte" Juden gerieren, ahnen kaum, was fie von diesem Sukkogetst noch lernen könnten. Er fand die Uchte Spur der Hoffnung im Drange der dunkelsten Zeiten und er hob die „Fitttge zu großm Taten", schuf Werte, die wir kühn heute noch zu den „Ewigkeitswerten" rechnen. Auf den Sukkogetst dürfte wie auf nichts anderes cas Wort gemünzt sein: „Es ist der Geist, der sich den Körper baut." Wenn darum in der Laubhütte sich Herz und Gemüt wettet im Anblick all der Pracht, die fromme Hände dort zusammengetragen, wenn echt kindliche Freude uns erfüllt an dem, was wir selbst in k.ndltcher Begeisterung erdacht und vollendet als nsiB 'iz und mXü üwbt dann mag dies den Wunsch in uns reifen: „O, möchte der Sukkogedanke wieder lebendig werden in Judas Reihen, der Sukkog e i st wieder die Muffen ergreifen und im kleinen, bescheidenen Raum die große Kraft konzentrieren, die unsere Macht gebildet in der Vergangenheit und den Siez uns verheißt für die Zukunft." 'M