Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 40 (5.10.1911)
- Date
- 1911-10-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Kjr Sette 2. Nr. 40 genommen hat. Auf Grund von Ausschreitungen hergelaufener internationaler Anarchisten, die, wie sich später herausstellte, keine Juden waren, wurde im Januar ein neuer Entwurf zur Verschärfung der Einwanderungsgesetze von der Regierung selbst im Parlamente etngebracht, der trotz aller schönen toleranztriefendrn Begleitworte, die ihm der Minister Churchill widmete, doch seine Spitze gegen die Aermsten der Armen, gegen die mittel- und schutzlosen jüdischen Flüchtlinge nicht verleugnen kann. Neben diesem Entwürfe, deffen Schicksal noch nicht entschieden ist, ist es ein anderes, tief in das jüdische Leben einschneidendes Gesetz, dessen Entscheidung die englische Judenheit im Anfang des einziehendeu Jahres mit bangem Herzen, aber nicht ohne Hoffnung, entgegensicht: das Sonntagsruhegesetz. Die Gefahren, die aus dieser Vorlage für Juden und Judentum drohen, haben die jüdischen Gemüter in England mächtig aufgepeitscht und ist es zu hoffen, daß die von der dortigen Judenheit verlangten Konzessionen, deren Umfang allein schon zeigt, welch hohes Maß von religiöser Toleranz man von der englischen Regierung erwarten darf, ihr auch zur Wahrung ihres heiligsten Gutes, des Sabbat, bereitwillig erteilt werden. Eine große Gärung geht zur Zeit durch die englische Judenheit infolge der' gerade in den letzten Tagen durch den Tod des Chiefrabbi Dr, Adler 7"XT zur hohen Aktualität gelangten Frage des Chiefrabbtnats. Schon zu Lebzeiten des Chiefrabbt zeigte es sich immer mehr, daß diese veraltete Rabbinats- und Gemeinde- " ordnung zu der neuen Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in England ganz und gar nicht mehr paßte. Bei aller berechtigten Verehrung, die man von allen Setten dem verstorbenen, in der jüdischen Tradition wurzelnden Chiefrabbi entgegenbrachte, setzte doch eine kräftige Opposition gerade von gesetzestreuer Sette gegen ihn, oder richtiger, gegen das starre System des Großrabbinats, ein, welche durch gewisse Borkommniffe der letzten Zeit, die drastisch zeigten, wie sehr es in der Natur dieses Zwangsystems liegt, die Disziplin über die Lehre zu stellen, an Schärfe noch wesentlich gewann und einen Ansporn zu einer aus jeden Fall erfreulichen Vereinigung der gesetzestreuen Rabbiner und Laien Englands — in der Leedser Versammlung im April — gab. Jetzt, nach dem Ableben d?s immerhin als treuer Wahrer der jüdischen Tradition allgemein verehrten Chiefrabbt, gestaltet sich Rabbinatsfrage nachgerade zu einer Zukunftssrage für die englische Judenheit. Daß man in maßgebenden Kreisen keineswegs gesonnen ist, von dem zähen System der alle Gemeinden des Wer Israeli, Reiches umfaffenden Londoner Oberrabbbinatsbehürde abzuweichen, zeigt die neueste Eingabe des Board of Deputies an das Parlament, die darauf hnrausgeht das Schächtwesen im Lande einzig unter die Gewalt des Chiefrabbi resp. des Präsidenten des Board zu stellen, eine Zumutung, die mit Recht den heftigsten Protest der Gesetzestreuen hervorgerufen hat. Andererseits mehren sich die Zeichen und Symptome im jüdischen Leben Englands, die eine mehr auf der Souveränität der Thora als auf der Staatsgewalt beruhende rabbinische Autorität als eine zwingende Forderung der Verhältnisse — nicht zuletzt auch der politischen Berhältniffe — erscheinen lassen. Hoffen wir, daß das einziehende Jahr diese bedeutungsschwere Frage einer glücklichen und allgemein befriedigenden Lösung zuführen möge. Leider schließt die jüdische Jahresrechnung in England mit einer recht traurigen Ziffer, mit den Ausschreitungen und Plünderungen in Südwales. Es war für uns ein unfaßbarer Gedanke, daß auf diesem wirtlichen Boden der Judenhaß so tief wurzeln sollte, um die echtrussische Blüte der Pogrome zu treiben. Glücklicherweise zeigt doch der Ausgang der Dinge, das energische Eingreifen der Behörden, daß es sich hier um traurige Begleiterscheinungen der allgemeinen durch die Arbeiterkämpse und Streikunruhen hervorgerufenen Lage handelte, von denen nun auch hier, wie cs unser Golus- Geschick einmal erheischt, die ganz unbeteiligten Juden in erster Reihe betroffen werden mußten. Nicht viel besser als in England liegen die Einwanderungsverhältnisse in Amerika, an dessen Eingangstor der allgewaltige Mr. Williams immer noch seine Schreckensherrschaft den wehrlosen Flüchtlingen gegenüber ausübt. Gewisse Symptome deuten aber darauf hin, daß der Wind, der von mancher Seite auch den einheimischen Juden weht, nicht mehr der allergünstigste ist. Mehrmals nacheinander mußte in diesem Jahre der ganz vorurteilsfreie Präsident der Union die Gelegenheit ergreifen, die jüdischen Bürger der neuen Welt vor allerlei Brüskierungen, ja sogar vor Versuchen der Zurücksetzung bet Verteilung von Ehren und Aemtern in Schutz zu nehmen. Vielgestaltig und höchst verworren ist aber immer noch das innerjüdische Leben in Amerika. Die positiv schaffenden jüdischen Kräfte, wie sie in orthodoxen Separatgemetnden und zum Teile auch in der Newyorker Kehillr vereinigt sind, stehen nicht nur dem in Amerika doppelt großen Heer der Indifferenten, sondern auch einem wahren Chaos von religiösen Strömungen und Schaltierungen gegenüber, die zur jüdischen Tra- EZ2S Der Sukkogedanke. Von A Mannheimer in Dettelbach. Ob wohl außer der Sederseter irgend ein Fest deS jüdischen Kalenderjahres einen solch nachhaltigen Eindruck auf das Herz des zarten Kindes, überhaupt auf das jüdische Gemüt macht? Wir möchten eS mit Recht bezweifeln. Welch eine Fülle herrlicher Gedanken löst das Wort „SuKaus" in uns aus! Im Gewände der Schönheit tritt dieses Fest uns entgegen, und Freude ist der- Grundton 'feines Wesens. ‘■ppQ 5INI2D1 „Und du sollst dich freuen an deinem Feste, plÖlP *1# JT'ni/ du sollst voller Freude sein!" In unseren Händen. prangt der Fcststrautz: der stolze Palmzwrig, die dustende Myrte, der wohlriechende Esrxg und die bescheidene Bachweide. .Wir winken damit Len Frtedensgruß nach Ost und West, nach.Süd und Nord allen Menschen zu und hegen die stille Hoffnung, daß sie dereinst mtt unH unter das gleiche Dach einztehen. Gerade am jTDID — so lautet ein äußerst sinniges Wort der Weisen st A. — brachte Israel in seinem Tempel Opfer der Sühne rar für die Wettenvölker. Auch s i e sollten am jüdischen Heiligtum einen Stellvertreter finden am Bolke Gottes. Und Alt und Jung, Arm und Reich soll fich freuen. Sukkaus ist ja zugleich Jfi. das Fest der Einheimsung. Die Kelter fließt und die Scheune ist gefüllt. Da wird in der Thora gemahnt, auch des wirtschaftlich Schwachen nicht zu vergeffen. Der Loitwe, der Waise und dem Fremdling soust du spenden, daß sie mit dir froh werden, mit deinem Segen fich glücklich fühlen. Der soziale Ausgleich schafft erst reines Glück und adelt die Freude Wie könntest du überhaupt stolz sein auf deine Schätze? Siehe, v'VN by 2'2N2 INI, am Hüttenfeste fallen in der Höhe die Würfel über den Regentropfen, durch welchen aller Segen dem Schoße der Erde entquillt. Die Verstopfung dieser Segensquelle wird immer und ' immer als Folge der göttlichen Strafwaltung angedroht. Darum gestaltete fich am Sukkausfeste der «Brauch des „Wassergußopfers" im Tempel überaus glanzvoll. Die Freude erreicht da ihren Höhepunkt, ja fie nimmt mitunter freiere Formen an: Die Stadt wird illuminiert,' Künstler treten auf und produzieren fich in allerlei Fertigkeiten. Herrliche Umzüge finden im Heiligtum stattalles jauchzt und fingt, alles jubelt und frohlockt. Der Ernst der D'KTtt D'Ö\ der uns Sühne und Verzeihung brachte, klmgt am ni2lD in Jubelakkorden aus. Und mit diesen Jubelakkorüen, wclche das Fest der Thorafrcube krönt und erklärt, schreitet Israel dem winterlichen Halbjahr entgegen. So stellt msiB die duftigste Blüte im Kranze der jüdischen Feste dar, Herz und Gemüt anregend wie nicht leicht ein anderes. Doch auch nach der Seite des Verstandes, der denkend zu gewinnenden Lebensauffassung bietet das Laubhüttensest dem jüdischen Volke ewig Wertvolles. Knüpft doch der Sukkausgeöanke an eine historische Tatsache an und sollte -och diese Tatsache 5. Oktober 1911 bitton nur noch in einer höchst losen Beziehung stehen. Bor kurzem ist im Verlage von Eugen D i e d e r i chs-Jena ein umfangreiches Werk über da s religiöse Leben in Amerika von Wilhelm Müller erschienen, das uns auch einige beachtenswerte Mitteilungen über das amerikanische Judentuni macht. Da fiilden wir die unglaublichsten Dinge über die in manchen jüdischen Kreisen unterhaltenen religiösen Verbindungen mit den Puritanern, über die dort beliebte willkürliche Ausdeutung des messianischen Gedankens, über die Stellung mancher Synagogen zum Christentume u. dgl. tröstliche Angaben mehr über die Verflachung und Verkennung des Judentums, die man dort „Vergeistigung" und „Verinnerlichung" des Judentums nennt. Was Wunder, daß es unter diesen Umständen hie und da einem klar Denkenden in dieser buddistisch - synaaogal - kirchlichen Atmosphäre recht unheimlich zu Mute wird und er sich dann, den Irrtum seines Lebens und seiner Lehre einsehend — wie es der Bostoner Rabbiner Dr. Schindler im letzten Frühjahre getan — mit einem verzweifelten Aufschrei aus dieser religiösen Verwirrung herauszuwinden sucht. Nicht durch solche spontane, aus später Einsicht geborene Bekenntnisse kann indessen dem amerikanischen Judentum geholfen werden, sondern durch zielbewußle Erziehungsarbeit, die dem verzehrenden Moloch des amerikanischen Erwerbslebens, diesem alles absorbierenden und amalgamterenden Schmelztiegel, immer mehr Opfer entreißt. Und diese wahre, einzig zum Ziele führende Hilfsarbeit bleibt auch dort dem kleinen Häuflein der organisierten und — vorerst vornehmlich um den Sabbatgedanken — vereinigten Gesetzestreuen Vorbehalten. Im Oriente hat sich in diesem Jahre die Lage der Juden wenig geändert. In Marokko, dessen wirtschaftliche Ausbeutung zur Zeit den Gegenstand diplomatischer Ver Handlungen zwischen zwei Großmächten Europas bildet, seufzen unsere Brüder immer noch unter dem Drucke von Ausnahmegesetzen, die ein menschenwürdiges Dasein unmöglich machen. Einfälle von fanatischen Stämmen in die Judenviertel sind in dieser Zeit der politischen Wirren und Kämpfe im schwarzen Erdteil tägliche Erscheinungen. In Tunis führen die Juden seit Jahren einen harten Kampf um das französis che Bürgerrecht, das ihnen von den heimischen Behörden, die ihre Gewalt über die Juden, dieses allezeit wertvolle Ansbeutungsobjekt, nicht aus der Hand geben möchten, vorenthalten wird. Von Kämpfen und Gefahren aller Art umtobt waren auch während des ganzen Jahres die Judenguartiere in Persien. Ein Kapitel für sich beanspruchen aber die Verhältnisse der Jude»'. 5. t in T Ms, Wocl Jahr geger ten durch Absiö Er in jüdis' Orw gezüt gesta ande worr leben Rabl ständ im 9 Allia vieler friedi leider einer barg, ltchst, und des l rität einig Zust toris, völke Wa< hat, Jeru tätig aus trau« tropi Ende allgei sie Taln lasser bicfei heilic ®odj ten, an d stin weni Weser statte Q abgel dauernd tm Volksbewußtsein lebendig, bleiben: fpö*? ' '22 n« 'ratPin 5,12122 '2 D2'mtain ii?t, damit die späteren Geschlechter es wiffen, daß in Hütten ich wohnen ließ die Kinder Israels. Das einzig dastehende Ereignis, wie ein großes Volk vierzig Jahre in einer Wütte wunderbar erhalten werden konnte, sollte bet dem auch einzig dastehenden Gange Israels durch die Weltgeschichte dem Bolke den großen Lehrmeister abgeben. Den Reichen schütz; es vor Stolz und Ueberhebung, vor Genuß- und Besttzvergötterung. Gottes Blick fällt auch durchs Steindach, auch in den Palast. Den Armen in der Hütte stärke es den Lebens nuft und die Lebenshoffnung: Gott steht ja durchs schwache Laubbach. Demutsvolle Bescheidenheit a u f 6 e r | einen, felsenfestes Gottvertrauen auf veränderen Seite sind sohin diebeiden^ großen Lehren des S ukkausfestes. Nicht jedem unter uns paßt der Hüttengedanke. Zumal in Zeiten größerer politischer Freiheit, wie fie die Proklamierung der Menschenrechte anbahnte, lehnt sich das Innere des „modernen" Menschen dagegen aus. Als, Israel noch in seinen bürgerlichen Rechten vielfach beschränkt, in seiner Menschenehre und -würde oft gekränkr I war, fühlte es den Hüttengedanken durch die Wucht und Brutalität der Tatsachen ohne weiteres als ein Faktum, mit 1 dem zu rechnen ist. Anders dann, als mildere Anschauungen die Ghettomauern zu Fall brachten? Man fand es unnatürlich, ja beschämend, noch länger das Golk der N2'O l sein zu wollen. Vom Lichte der Zivilisation und Emanzipation geblendet, warf man fich der Asfimtlation blindlings in die Arme. Es hob die Epoche der Reform an! und es fällt der Orthodoxie die schwere Aufgabe zu, den Sukkogedanken zäh zu verteidigen, ja als wesentlichen Bestandteil jüdischer Weltanschauung und jüdischer Welt-! auffafsung htnzustellen. Mäner wie Samson Raphael Htrsq tige 5 ihr euch < lag ir gleich die <£ und * fdjtoii batet gebor woll« Leben wohn man leben die A schul" iübifd wagt, hande den l fie kr! die SB mag! bet I fände vergts Riege noch! dieses der 9