Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 39 (28.9.1911)
- Date
- 1911-09-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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.T ' U>», jJItflUll ^i Und vielen, rjeren, nicht Titel sigsten ^odesaus- Jeder reise „nur" efcicrt gung und egen Verdieser urden, , daß Furcht tentat r und ckehrt. etwa einem ihren, z die solche lderen lieben l umvers'tande lewer -Mg j von jrhaft i diese auch des dieses Ver- -Vermaßelden e sich tellen ausrren die Bahnhof sammelte, die sich an der Bestürzung der Flüchtlinge weideten und mit Hohnrufen und Drohungen sie noch mehr zu ängstigen suchten. Biele, denen es nicht gelang, eine Reisekarte zu bekommen, machten sich zu Fuß auf den Weg nach den nächsten Ortschaften. Kein einziger Jude in Kiew dachte aber in dieser Nacht daran sein Lager aufzusuchendie meisten verbrachten die Nacht in Gemeinschaft in Nachbarhäusern hinter fest geschloffenen Türen, indem sie fortwährend voller Grauen in die bange Nacht, die nicht enden wollte, hinauslavfchten. In einem Hofe, wo viele arme Familien sich zusämmengefunden halten, um dort die Schreckensnacht gemeinsam zu verbringen, leistete sich der „witzige" Portier den Spaß, gegen vier Uhr morgens Lärm zu schlagen und den Geängstigten mit der Mitteilung zu über rumpeln, daß die Holtgans im Anzuge seien. Solche Streiche roher Gesellen kennzeichnen die Lage in ihrer ganzen erschütternden Tragik. Die gleichen Bilder am Bahnhof, in den Straßen, Häfen und in den Häusern wiederholten sich am Dienstag nach der Abfahrt der Zarenfamilie nach Sebastopol und auch am Donnerstag und Freitag während der Trauer feier für den Verstorbenen. Eine Beruhigung trat erst am Freitag Nachmittag ein infolge der bereits erwähnten Bekanntmachung, die i m Namen des Zaren vor Ausschreitungen warnt. Immerhin stockt noch alles jüdische Leben in der Stadt. Die Synagogen waren, da man von einem beabsichtigten Ueberfall auf dieselben sprach während der Feiertage zum großen Teile geschloffen und die wenigen, die geöffnet waren, waren sehr schwach besucht. Frauen und Kinder sah man unter den Betenden gar nicht. Die meisten Juden soweit sie überhaupt über die Feiertage in der Stadt blieben, taten sich in benachbarten Familien zusammen und verrichteten den Gottesdienst in kleinen Gruppen, so gut es nach Lage der Dinge möglich war. Möge '"vn uns beistehen und über diese Zeit der Not, der Angst und Gefahr bald hinüberhelfen. Kolonien — er selbst — und im Verlaufe die Wahl vollzogen, und unvorhergesehen, Uttlästina. 3ur elisäiam-öslän-lvsti! in Jaffa. Aaffa, 18. Aug. Mit den Chacham-Baschi-„Wahlen" scheint unser Großrabbiner Ha im Nah um kein großes Glück zu haben. Anläßlich der Anwesenheit des Salonikier Großrabbiners Jacob Meir gab er letzterem den Auftrag, hier eme Chacham-Baschi- Wahl zu „machen". Er bestimmte auch zugleich, daß ein junger Aschkenasi aus Jerusalem, der einige Monate bei ihm Adjunkt, gewesen — übrigens ein höchst würdiger, talentierter und gesetzestreuer Talmid-Chacham — gewählt werde. Rabbi Jacob Meir befolgte unverzüglich den Befehl seines Vorgesetzten, konstituierte ein Wahlkomitee aus einigen führenden Persönlichkeiten von Jaffa und den fungierte als Vorsitzender von einigen Tagen war Das alles geschah so rasch daß alles sich erstaunt fragte, ob denn der Großrabbiner auch in Jaffa die Ordnung nach dem Muster von Jerusalem Herstellen will. Nun ist auch diese Tat vollbracht und es wird keinerlei Störung eintreten, wenn wir einige Moment- Aufnahmen von „hinter den Kulissen" hier reproduzieren. Im Sommer vorigen Jahres wurden dem Großrabbrner Haim Nahaum auch in Jaffa die pflichtschuldigen Huldigungen dargebracht. Oberrabbiner Kuk hat sich an diesen Ovationen recht lebhaft beteiligt, doch wurde es dem obersten Chacham-Baschi hinterbracht, daß Oberrabbiner Kuk geäußert Härte, er betrachte Nahoum nicht als Rabbiner, sondern als staatlichen Würdenträger. Es wurde damals auch vermerkt, daß Haim Nahoum seinen Kollegen Kuk nicht einmal mit etner Gegenvisite beehrte. Schon damals hieß es in der Umgebung des Großrabbiners, daß Jaffa einen Chacham-Baschi haben müffe. Auch die Jaffaer Gegner von Rabbiner Kuk meinten, es könnte nicht schaden, der religiösen Tendenz ihres Rabbiners durch einen modernen Chacham-Baschi einen Damm zu setzen. Rabbi Jacob Meir schlug den aschkettasischen Kandidaten Nahoums zum Chacham- Baschi vor, würdigte aber ganz besonders die vielseitige Tüchtigkeit seines sephardischen Freun des, des Chacham Usiel aus Jerusalem. Letz terer wurde auch gewählt und das Wahlkomttee bestimmte auch ein Gehalt von 6000 Frcs., welches von Jaffa und den Kolonien aufgebracht werden sollte. Es hieß auch, daß Oberrabbiner Kuk seine Zustimmung zur Vornahme einer Wahl gegeben. Als es aber zur Adrepartierung der 6000 Frcs. kam, ist eine kleine Ernüchterung eingetreten. Man fragt jetzt allgemein, mit welchem Rechte dieses Komitee einen Großrabbtner für die Kolonien wählen konnte. Die ernsten Leute von Jaffa fragen wieder, was denn ein Chacham-Baschi in Jaffa machen soll. Die kleine Sefardimgemeinde hat ihre Chacha mim und für die große Aschkenasimgemeinde mit ihren religiösen Anliegen ist Rabbiner Kuk der kompetente Führer, ob er nun den offiziellen Chacham-Baschi-Titel führt oder nicht. Run verlautet, daß die ganze Aktion im Sand verlaufen ist. Die 6000 Frcs. sind noch lange nicht liquidiert und Chacham Usiel, der eineDozentenstelle am Jerusalemer Rabbinerseminar des Hilfs Vereins bekleidet und als Kultusbeamter der dortigen Sefardimgemeinde ein beschauliches Leben führt, hat garntcht die Ambition unter dem Titel Chacham-Baschi der Dragomatt des Jaffaer Rabbiners und seines Waad Hair zu sein. vermttcdi«. Heilbronn, 25. Sept. Einen erfreulichen Fort schritt hat die hiesige Israelitische Religionsgesellschaft noch im zu Ende gehenden Jahre zu verzeichnen, indem eS ihr gelang am letzten vor n"n ihr neueg 7122277 JT3 (Uhlandstraßr. 7), eine in jeder Hinsicht würdige und dem heiligen Zweck entsprechende Gebetstätte etnzuwethen. Nachdem vor dem tf'np die mspn mtt den d'HSD vorgenommen waren bankte nach dem Etnheben der Thorarollen Herr Rabb. Dr. Ansbacher in seiner Festrede dem Borstand, durch dessen unermüdliche Tätigkeit und Umstcht die Arbeiten rasch und wohlgelungen vollendet wurden, sowie allen, dte durch freiwillige Spenden die innere Aus statmng noch verschönerten. Anlehnend an das Wort der Sidrah: i£D DK Jlpb „nimm dieses Buch der Lehre," ermahnte er die Gemeinde, stets das heilige Thorawort als Richtschnur für jedes Tun und Lasten in Gemetnbe- und Privatleben zu nehmen. Wie Bater Isaak im fremden Phtlisterlanüe an drei Stellen nach Wasser grub, weil die Einwohner die von seinem Bater angelegten Quellen getrübt und verstopft hatten, so habe auch dte Adas Jeschmun einzelne „Quellen" anzulegen sich bestrebt, um sich an dem labenden und erbauenden, der lleberlieferung entsprechenden Gebete zu stärken und ihren Wissensdurst aus dem D’b DK2/ dem frischen Lebensborn der Thora zu stillen, in etner Zeit, da diese Quellen durch Modernt« sterungssucht oft getrübt und etngedämmt werden. Auch s neue DDiDH D'O sei dte dritte Gebetstätte (nachdem vorher in der Wohnung des Borstands, Herrn D. Reis, sodann in einem kleineren Saal Gottesdienst abgehalten worden war), doch sei nicht pw$ ober ^anl" oder „Hindernisse", dte Veranlassung, eine neue Quelle" anzulegen, sondern D12IT1 die Erweiterung und Vergrößerung der gesetzestreuen Schar, die keine „Neuortyodoxte" vertrete, sondern nur die von fremden Händen getrübten Quellen wieöerherstellen wolle Möge sich die p"p in gleicher Weise zur Ehre der Q’KT Württembergs stets vergrößern und auSbauen {£»! Rees a. Niederrhein, 20. Sept. In der Nacht vom 20. auf 21. d. MS. wütete in htestger Stabt ein fürchterlicher Brand. Die Zigarrenfabrik von Oostendorp brannte vollständig nieder. Dte Feuerwehr beschränkte sich darauf, die zunächst gelegene Synagoge zu retten. Die Mikwah brannte nieder, nur mtt größter Mühe gelang es, die Thorarollen zu retten. Synagoge, Schulhaus und Lehrerwohnung hatten aber so sehr vom Wasser gelitten, daß sie einzustürzen drohen und polizeilich geschlossen wurden. Der Gdttesdienst an den fand in einem Privathause statt. Karlsruhe, 25. Sept. In den fünf Zentralstrafanflalten in Baden zählte man im Jahre 1910 insgesamt 3286 Gefangene gegen 3135 im Jahre 1909. Der Religion nach zerfielen ste in 1351 (1292) Evangelische, 1882 (1788) Katholiken, 32 (28) Juden und 21 (27) Andersgläubige. Eydtkuhnen, 17. Septbr. Am Montag, den 11. September, fand unter sehr großer Beteiligung und Teilnahme des Magistrats und der Spitzen der Behörden die eterliche Einweihung des neu erbauten großen Wtrballer Beth-Hamtdrasch statt. ES sprachen Rabbiner Law und Synagogenvorsteher I. Fried - sehr bedauerliches MaroSvafarals er am ersten Synagoge zueilte. länder aus Wirballen. Eine Eydtkuhner Dame hat zur Ausschmückung dieses heiligen Zwecken geweihten Hauseeine fiebenarmtge M e n a u r o und einen PoraucheS gspenbet. Budapest, 25. Septbr. Ein Abenteuer hatte der Oberkanior von hely Alexander Zelmanowicz, Srlichostage vor Tagesanbruch der In einer schmalen Gaffe wurde er von einem Bauern burschm angehalten, der von ihm Geld forderte. Als Zelmanowicz erklärte, daß er zu solcher ungewöhnlichen Stunde kein Geld bet fich trage, überfiel ihn der Bauer und verletzte ihn am Kopfe und am Halse lebensgefährlich. Auf feine Hilferufe wurde ein Arzt herbetgehvlt, der an deM Schwerverletzten acht Messerstiche konstatierte und ihm deu ersten Verband anlegte. In hoffnungslosem Zustande wurde der unglückliche Kantor tn das Spital befördert der Attentäter wurde festgenommen und dem Gerichte übergeben. In seinem ersten Verhör glaubte er durch anttfemtttfche Ausfälle gegen die Juden den Richter für sich stiimmen zu können. H London, 20. Sept. Dte Militärbehörden im Lager Ablershotlaffen ein Gebäude in ein Beth auS für jüdische Soldaten umwandeln. Die Kostenwerben aus Staatsmitteln gedeckt.?err-«alle>. Kravkfurt a. M., 17. Sept. Im hohen Alter, von 85 Jahren entschlief am 5. d. Mts. in Götttngen, wo er seinen Lebensabend bei feinen Kindern verbrachte eines der ältesten Mitglieder unserer Gemeinde, Herr Henry Oppenheim. Als Sohn etner strengfrommen, hochgeachteten Familie, 1826 in Hanau geboren, ward der Verewigte vom Bater, einem für die damalige Zett schon vielseittg gebildeten Manne, frühzeitig zu miD und ,18^1' erzogen und genoß den Talmudunterrtcht bet Rabb. Dr. F e l s e n st e i n ^"2£7- Während seine Brüder fich dem Kaufmannsstand widmeten, zeigte Henry Oppenheim schon früh Neigung zur Kunst, die tn seiner Familie nicht fremd war (der besonders durch seine Bilder aus dem jüdischen Familienleben bekannte Maler Prof. Moritz Oppenheim war ein Onkel des Verstorbenen) und widmete stch der Gravüre und Steinschuetberet, worin er es, besonders nach mehrjährigem Aufenthalt in London und Paris, zu hoher Meisterschaft brachte. Im Jahre 1864 ließ er sich tn Frankfurt dauernd nieder und vermählte stch mit etner Tochter von Salomon Mayer in Soden i. Taunus, eines allgeachteten, wahrhaft frommen Mannes, der stch um die kleine jüdische Gemeinde sehr verdient gemacht Hatte. Seine Ehe war eine äußerst glückliche. Ihm war auch durch die Gnade des Allmächtigen btS zuletzt eine seltene Rüstigkeit des Körpers und des Geistes verliehen. Bet der am 7. v. Mts. unter großer Beteiligung tn Göttingen erfolgten Beerdigung entwarf Herr Rabb. Dr. S. Beh renS ein sehr treffendes Lebmsbilb von dem Verblichenen, worin er dessen hohe Tugenden als echter Jehudi und Mensch in warmen Worten schilderte. Ein Neffe auS Frankfurt überbrachte dte letzten Grüße bn SYN. Gem. der JSr. Religionsgesellschaft, welcher der Entschlafene während fast eines halben SäkulumS biS zu seinem Ende als treues Mttglied angehörte und für die er auch in der Ferne ein inniges Interesse biS zuletzt bewahrt hatte. Er gab gleichzeitig dem Schmerze der Familie über den Heimgang ihres verehtten Nestors her stichen Ausdruck. D rr LebenSbewise TTHD DP/ die Der von dem Verewigten so hochverehrte große Lehrer und Rabbiner Samson Raph. Hirsch y'JD zur Geltung gebracht hat, ist Henry Opvenhetm treu geblieben, denn er hat daS Hochhalten unserer heiligen Lehre mit moderner Bildung, mit der Begeisterung für alles Schöne und Hehre tn Kunst und Wissenschaft in harmonischer Weise vereinigt. Möge dte allgemeine Verehrung, die dem Heimgegangenen im Leben zuteil ward, der trauernden Gatttn, seinen ihn beweinenden Kindern, sowie der ganzen Familie ein Trost in ihrem Schmerze sein. n"D2MD Sabbat - Anfang u. Ausgang 1)'78.1 .121V D2V ■Ts Anfang MatMM Ausgang UhriMi». 1911 5672 WrlMM. 30. 8. 5 35 Sptbr. Tischri 6 so Berti» .... — — 6 30 MSmche» . . . — — 6 37 5 45 6 50 •tuttftftrt. . . 5 45 6 44 «oft» .... — — 6 17 9ürx*erg . . 5 45 6 36 £>antfcur* . . .1- — 6 46 Geburten: Einen Sohn: MoieS Max Oppenheimer (Jacobs) London. — Meier L e v i (Greift, Alsfeld. — Eine Tochter: Lehrer I. Ra bi nowitz (Guggenheim), Oden« heim i. Bd. Verm&fclte! David Stein. Recha gcb. Cohn, Frankfurt a. M. Barmiswobfeler: Siegfried» Sodn von Josef Bach rach, Frankfurt a. M.» Bäckerweg 4, Synagoge am Börneplatz.