Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 39 (28.9.1911)
- Date
- 1911-09-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Brief per Post von Herrn Rabbiner Reines am Dienstagabend vor dem Kongreß und habe ihn ohne Direktiven an die Delegierten nach Basel wettergegeben. Herr Rabbiner R eines, der einige Stunden später selb st nach Frankfurt kam, gabmir gegenüber mit besonderem Hinweis auf diesen Brief seiner Neberzeugung Ausdruck, daß für den Misrachi keines Bleibens mehr in der zionistischen Organisation sei. Mit Hochschätzung Dr. Feuchtwanger. 0om$pon<kiiztti u.Nacvncvken. Ltv-Ct Arankfurt a. M , 26. Sept. Das Comitö der Moria schreibt uns: Durch verschiedene Äußerungen iu der Presse veranlaßt, sind wir genötigt folgende Erklärung abzugeben. 1. Paragraph 1 im „Programm und Organisationsplan" der Moria lautet folgendermaßen: „Zweck der Moria Organisation ist die Förderung der Kolonisation Palästinas auf religionsgesetzlicher Grundlage. Diese Aufgabe soll der Jugend ein Ideal geben, das in ihr religiöse Treue zu befestigen geeignet ist und zugleich die Basis zum Zusammenschluß der religiösgesinnten jüdischen Kreise aller Länder bildet." Daraus ist für einen jeden mit Klarheit zu ersehen, daß die Moria weder einseitig Palästina- Arbeit leisten will noch einseitig Kulturarbeit. Sie sieht jedoch die gemeinsame Arbeit in Palästina auf religionsgesetzlicher Basis als die wichtigste Forderung des Tages an und als das Mittel, durch welches erst die gemeinsame Arbeit zur Förderung des gesetzestreuen Judentums in allen Ländern der Diaspora ermöglicht werden kann. 2. Laut Paragraph 2 der Moria ist ihre Perfassung demokratisch. Die Leitung liegt dort, wohin das Vertrauen der Wähler sie legt. Sie ist nicht an Ort oder Personen gebunden. Die jetzige Leiiung ist provisorisch. 3. Ob die Mitgliedschaft bei der Moria von dem Nachweis gesetzestreuen Lebens abhängig gemacht werden muß, kann Gegenstand der Bejprechung einer von der Moria zu veranstaltenden Umfrage sowie einer sobald wie möglich zu berufenden Konferenz sein. 4. Die Moria ist bisher die einzige bestehende Orgamsatin, welche ein Programni hat, das alle religiösgesinnten Kreise der Judenheit vereinigen kann, wenn allseitig der gute Wille dazu besteht. Während glle Unternehmungen ähnlicher' Art nur auf dem Papier stehen, hat die Moria begonnen ihre Organisation auszubauen. 5. Es liegt unseres Erachtens daher sachlich kein Grund vor, eine neue Organisation zu bilden. Berliner Brief. IT. (Bon unseren Korrespondenten.) E. B. Aertirr, 9. Sept. Auch was sonst an dem Beschlüsse die Kritik ierausfordert, z. B. die überhebliche Auffassung, "’V;'"- ’; ' D« Mrarltt. ' die di^ jüdische Gemeinde (lies: die Repräsentanten) zum Forum beruft, das über die Mustergilttgkeit einer Bibelübersetzung zu entscheiden hat, vermöchte uns nicht aus unserer Reserve zu locken. Daß die Herren eine hohe Meinung von ihrer Sachkenntnis haben, tritt bei dieser Gelegenheit nicht zum ersten Male zu Tage,' und da außerhalb ihres Kreises dieselbe nicht geteilt wird, so ist und bleibt dieser Irrtum im Grunde recht harmlos. Was unseren Widerspruch hervorrust und uns zur Stellungnahme zwingt, das ist lediglich die Art und Weise, in der in der Diskussion über die sexuellen Stellen in der Thora abgehandelt wurde. Nicht als ob wir forderten, daß bei einer „Verdeutschung" des Thvraworts auch diese Stellen zum Vortrag gelangen solltenhat ja doch schon unsere uralte Halachah sie vom Vortrag durch den Methurgeman ausgenommen. . Aber, wenn ein Redner sich zu der Forderung verstieg, daß „Stellen sexuellen Charakters auch im hebräischen Text nichr zum Bortrag kommen sollten", trotzdem sie, eingestandenermaßen, ohnedies von den Frauen, Mädchen und Knaben, die man „schützen" will, nicht verstanden werden, so liegt darin ein Werturteil über den ethischen Charakter des Gotteswortes, das nicht scharf genug zurückgewiesen werden kann. In unserer Thora ist kein Wort, geschweige eine Stelle, das vor dem Richterstuhl der höchsten sittlichen Forderung nicht Stand halten und Lehre gebend wirken könnte. Sogar nicht in der „Verdeutschung", die naturgemäß die herbe Reinheit des Textwortes nicht restlos wiederzugeben vermag) und reinen Frauen, Mädchen und Knaben könnte auch daher einst die geringste Gefahr drohen. Lediglich die Rücksicht auf die „Hilde Simon" unb ihre Schwestern aus Berlin W, die ihre sexuelle Ueberreiztheit sogar in das Gotteswort tragen und durch ein Lächeln, in verständnisvoller Geberde oder Bewegung an diesen Stellen die Seelenrelnheit Unveroorliener vergiften könnte, zwingt dazu, von ihrer Uebersetzung Abstand zu nehmen, wie schon in der Schule die Anwesenheit solcher Elemente den Lehrer in eine Peinvolle Lage bringt. Bei dem hebräischen Text besteht —, glücklicherweise unglücklicherweise — diese Besorgnis nicht; und es ist ein Versuch mit untauglichen Mitteln, der aber darum dennoch schärfste Zurückweisung fordert, der Thora das Stigma anzuheften, daß sie Dinge erzähle und berühre, die eine geläuterte Sinnesart als unwürdig empfinde. — Mit Dank sei daher anerkannt, daß während aus der Repräsentantenversammlung niemand aufstand, der diese Beleidigung der Thora gebührend zurüökvies,, wenigstens der Vertreter des Vorstandes, Herr San.-Rat Dr. Feilchenfeld, mit aller Entschiedenheit diese Anschauung bekänipfte und in -ebenso Farmen wie sachgemäßen Ausführungen ihre Hältlosigkeit erwies. Und wir sind hier schon bescheiden genug geworden, daß wir auch das Selbstverständliche, wenn es einmal geschieht, mit freudigem Dank quittieren. Repräfenfanfen-Verfarnmlung. Aerli«, 17. Septemb. Der Vorsitzende der Repräsentantenversammlung, Herr Louis Sachs, eröffnete die Sitzung mit einem warm empfundenen Nachruf auf Gehetmrat Senator. Zur Verlesung kam ein Schreiben des Herrn Geheimrat Timendorfer, welcher seinen Dank für die Anerkennung seines Wirkens im Gemeindevorstand ausspricht. Der Vorsitzende gibt der Hoffnung Raum, Herrn Geheimrat Timendorfer später wieder in Ser Verwaltung tätig zu sehen. Zur Kenntnisnahme gelangt ein Schreiben des Herrn Rabbiner Dr. Rosenthal in Köln vom.24. Juli 1911: „Zu meinem schmerzlichen Bedauern muß ich Sie mit diesem Schreiben davon in Kenntnis setzen, daß ich meinen Ihnen bereits mitgetellten Entschluß, die auf mich gefallene Wahl zum Rabbiner Ihrer Gemeinde anzunehmen, nicht auftecht •/* '' •'R" _ ■’; ''' '; MW 'SäSr erhalten kann. Dem seit der Stunde Jhre^ ehrvollen Berufung in mir von Tag zu Tag sich steigernden inneren Kampf und dem in gleichem Maße wachsenden Drängen meiner Gemeinde, sie nicht zu verlassen, fühle ich nicht die Stärk, Widerstand zu leisten. Ich bitte Sie herzlich, eS menschlich verstehen zu wollen, daß ich in der großen Aussicht, in Berlin wirksam zu sein, die diesbezüglichen Verhandlungen habe zu einem mich völlig befriedigenden Abschluß kommen laffen, und daß doch die vollzogene Tatsache für mich selbst einen ungeahnt schweren Kampf herausbeschwor und die Verwaltung der hiesigen Gemeinde und ihre Mitglieder zu den redlichlichsten Anstrengungen ideeller und materieller Natur, mich zu halten, veranlagte. Beides zusammen hat den endgültigen Entschluß gezeitigt, von dem ich Sie zu unterrichten die ernste Pflicht habe. Zürnen Sie mir nicht, daß ich die Veranlassung der zeitraubenden Verhandlungen in mündlichem und schriftlichem Verkehr und für einige Herren Ihrer Verwaltung gar zu anstrengenden Reisen von Berlin nach Köln geworden bin. Seien Sie versichert, daß die Tatsache von Ihnen zum Rabbiner Ihrer Gemeinde auserkoren gewesen zu sein, für mich nach wie vor den Höhepunkt meines amtlichen Lebens und Vollbringens darstellt und genehmigen Sie den Ausdruck der aufrichttgen Wertschätzung, besonders für den ehrwürdigen'Vorsitzenden Ihres Vorstandes, mit der ich für alle Zeit verbleibe Ihr u. s. w. An dieses Schreiben knüpfte sich die Rede des Herrn Justtzrat Dr. Cohn, welcher das Gefühl des Befremdens nicht unterdrücken konnte. Herr Dr.Rosenthal habe schriftlich und mündlich erklärt, daß es für ihn ehrenvoll sei, in der ersten Gemeinde Deutschlands zu wirken, und daß er jederzeit bereit sei, das Amt anzutreten. Herr Justtzrat Cohn erklärt, daß man das Amt eines Rabbiners Hochhalte und daß ein solcher Fall nicht wieder Vorkommen möge. Herr Aron Hirsch bittet, für die Zukunft für einen Eventualvertrag zu sorgen. Herr Vorsteher Jacob y betont, bei einem Rabbiner müsse man auf Treu rmd Glauben rechnen können, sonst eigne er sich für eine Gemeinde nicht als Führer. Herr Kommerzienrat Gerson Simon teilt mit, daß er mit der Familie des Herrn Dr. Rosenthal seit Jahren befreundet sei. Er sei deshalb für ihn etngetreten, weil Herr Dr. Rosenthal erklärt habe, eine auf ihn fallende Wahl in jedem Falle anzunehmen, er könne nur sein Bedauern über diese Wandlung ausdrücken. Herr Syndikus Justtzrat Lilienthal bittet, Herrn Rosenthal nicht zu streng zu beurteilen, obwohl kein rechter Grund für seine Absage vorliege. Um 11 Uhr fand die Einführung des Herrn Justizrat Breslauer als Vorsteher statt. 'Zkofeu, 7. September. In dem vom Vorstande freundlichst zur Verfügung gestellten Gemeindehause hielt die „Vereinigung von Rabbinern der Provinz Posen zur Wahrung des überlieferten Judentums" ihre Quartalsversammlung ab. Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen des Vorsitzenden nahm Herr- Dr. Wey l das Wort zu einem ttefgründigen, mit Fleiß und Sorgfalt vorbereiteten halachischen Vortrage, der gleichsam das Korreferat zu dem bereits von Herrn Oberrabbiner Dr. Feilchenfeld behandelten Thema bildete. Nach Anführung der Grundlagen, wie sie in Talmud, Kodizes und Responsen gegeben sind, »erörterte er die schwer zu schaffenden Möglichkeiten, durch Akkordarbeit, Geschäftsbeteiligung oder Verkauf Juden gehörige Betriebe am fUV arbeiten zu lassen und kommt zum Schluffe, daß ein religionsgesetzlich gänzlich einwandfreier nvn nicht existiere. Gegen nj;62p sprächen in unserer Zeit, wo zumeist keine Arkordarbeitcr, sondern Tagesarbeiter angestellt werden, und wo die Arbeit außerdem im Hause des Juden geleistet werde, viele Bedenken. Auch gegen N1SO1V spreche manches, besonders ■Müh 4 t Jti . ''n .•'t