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Der Israelit · 1911-09-28 · Heft 39 (28.9.1911) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 39 (28.9.1911)
Date
1911-09-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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sün- ^urchunb , die lderer Sününkel er es ‘ Pro unde, »leich- : erst zegen egen* »Haft, losen nicht der rders bliche lürde rstellt kkehr rden, Daß iddui ihre e die B'M D'nfi avon >tet." nicht fon- )azu, e ihr chter Erdas überaus »ieser das Wch ,, mit rmen- ■ron f 1 0*7 ^ori \*b& tunds erlöse Arm Mein x ein : sein r das e, in 8 für mit!N. — rnenngerl das ) gar rdenctum. gnete jenen utlos der trabe Ec d tm rngle rd er War ■x zu Jede Verbindung der Geschlechter- 8lie nicht die Erfüllung des göttlichen Gesetzes der Hauses- und Familtengründung zum Zweck hat, die nicht durch Chvppoh und KiÄduschin geheiligt ist, zieht den Menschen zum Tiere hinab, ist mit — Unzucht. mit rrpjn im weiteren Sinne ist das Bestreben das Viehische menschlich, das Gemeine salonfähig, das Unaussprechliche mundgerecht erscheinen zu lassen und das sittlich Häßliche in schöne, ansprechende Formen zu kleiden. Unter den Zeiterscheinungen, die unsere Weisen als Vorläufer der messianischen Zeit am Ende der Mischna Sota verkünden, befindet sich auch die Umwandlung der Stätten jüdischer Intelligenz in solche der Unzucht nur? nw njnn rra Es hat gewiß Zeiten gegeben, in welchen grobe Unzüchtigkeit wüstere Orgien feierte, als es in unseren Tagen der Fall ist. Aber in nin rrv'yi, in dem Raffinement, mit welchem die moderne Intelligenz der sittlichen Ungebundenheit in die Hände arbeitet, sie idealisiert oder wenigstens harmlos erscheinen läßt, durch Sport und Flirt, durch Theater und Tanz, durch Bild und Wort und selbst Kunst und Wissenschaft vielfach in den Dienst der Gemeinheit zieht, in diesen Bestrebungen dürfte unsere Gegenwart, unerreicht dastehen. Auch wer sich frei weiß von jeder praktischen Verirrung, wer könnte in einer Atmosphäre, die wie die unserige mit Beschönigungen, Entschuldigungen und selbst Rechtfertigungen jeder unsittlichen Ungebundenheit gesättigt - ist, sich am Jom Kippur von jeder Anerkennung und Konzession an alle diese Ausgeburten der rvm m'jn freisprechen? 8) -nmn 'td, nvDy h'd □« Wer es dennoch glaubt, hat die Gefahr, mit welcher die Miasmen dieser Sumpfblüten unsere Reinheit bedrohen, niemals in ihrer Tiefe erkannt, hat es jedenfalls versäumt, sich mit den strengen Anforderungen des jüdischen Psttchtlebens gerade nach dieser Seite hin vertraut zu machen. Diejenigen, die nicht in der Lage sind, diese Anforderungen aus den Quellenschriften selber kennen zu lernen, seien hiermit auf die Kapitel 65, 66 und 67 des Chaurew verwiesen, an die dort die beherzigenswerten Worte geknüpft sind: „-o, es ist nicht alles gut, was d.e Mode gut heißt, Jüngling und Jungfrau! — ist euch euer Teuerstes teuer, hört auf eurer Lehre Ruf, meidet alles, was an Unzucht grenzt, und hat es tausendfach die Modx geheiligt. Nichts Unheiliges, nichts, was euch eure Heiligkeit und Reinheit rauben kann, kann durch Mode heilig werden und rein. Mag euch der Kreis der Unreinen zurückweisen, mag er euer lachen, besser, als daß mit ihnen auch euch Gott zurückweise aus Seiner heiligen Nähe, besser, als daß mit ihnen auch eucb Gott, der Allheilige, Gott, der euch zur Heiligkeit berufende, Gott auch euch zürne." Vom Theater als einem der Institute, die so vielfach im Dienste des raffinierten nur nTjtt stehen, kann man nicht sprechen, ohne die jüdische Anschauung darüber bei stachen Wettlingen, in den Verruf kurzsichtiger Prüderie und starren Puritanertums zu bringen. Ihnen imponiert vielleicht mehr ein moderner, namhafter nichtjüdischer Gelehrter, der bereits erwähnte schweizerische Professor Fr. W. Förster, dessen Buch „Lebensführung" über dieses Kapitel die folgenden, beherzigenswerten Worte enthält: Wer wahrhaft vorwärts will und seiner Kraft doch noch nicht völlig sicher ist, der muß nicht nur an derStärkung derJnnenkraft arbeiten — er muß auch den Reiz von außen vermeiden und fernhatten. Dazu gehört in erster Reihe die Abwendung von allen Schaustellungen, die darauf ausgehen , die ungeordnete Sinnlichkeit der Menschen zu erregen und zu unterhalten. Eine wahrhaft männliche Seele wird daher dem ganzen modernen Theaterwesen mit größter Zurückhaltung gegenüberstehen und dabei ruhig den Hohn und Spott derer über sich ergehen lassen, die zu weichlich sind und zu bescheidene Ansprüche an ihre innere Reinlichkeit stellen, um sich konsequent jedem Sinneskitzel zu versagen. Selbst eine ganze Reihe von ernsteren Opern und Schaustücken unseres modernen Theaters enthalten so wenig wahre Kunst und atmen in einzelnen Partien der Musik oder ' der Dichtung leider so unverkennbar die sinnliche Unfreiheit und Ueberreizung ihrer Autoren, oder sie werden bisweilen mit einem solchen Mangel an feinerem Empfinden inszeniert, daß sie die niederen Seiten des Zuschauers anregen, und zwar gerade durch die poetische Illusion, durch die sie alles beschönigen und verhüllen. (Alle diese Bemerkungen richten sich natürlich nicht gegen die große und echte Kunst auf der Bühne. Das wahrhaft Geniale hat sogar weit mehr bildende Kraft als die bloße Moral.) Es ist ein Dogma geworden, daß man das alles gesehen und gehört haben müsse, um darüber mitreden zu können — man lasse andere schwätzen und sei stolz aufseine Unbildung. „Wage es weise zu sein" — dies Wort gilt hier mehr als irgendwo. Wenn wir nur wüßten, wie tief die Bilder, mit denen wir unsere Phantasie ernähren, unser ganzes Handeln und unsere ganze Standhaftigkeit bestimmen! Man höre und sehe nur das Allerbeste und rede sich nicht ein, daß e8 zur Bildung gehöre, Schmutz hei elektrischem Lichte zu sehen. Mirraedi und Zionismus, Wir erhalten folgende Zuschrift: Frankfurt <r. M., m S-pt. mf. Sehr geehrter Herr Redakteur! Sie haben wohl meinen „Offenen Brief an Herrn Dr. Bodenheimer, Direktor des Indischen Nationnlfonds,Köln" und deisen Erwiderung in Nr. 37 der „Welt" gelesen. Das Zentralbureau des Misrachi in Hamburg Altona hält die Angelegenheit .ür rein persönlicher Natur und erklärt, nicht in der Lage zu sein, dazu Stellung zu nehmen. Die „Welt" hinwiederum hat es abgelehnt, ihre Spalten mir nochmals in dieser Angelegenheit zur Verfügung zu stellen. Ich ersuche Sie daher freuudlichst, den nachstehenden Ausführungen in Ihrem gesch. Blatte Aufnahnre zu gewähren. Mit Dank im Voraus Hochachtend Dr. I. Feuchtwanger. * * ♦ Zweiter offener Brief an Herrn Dr. Bodenheimer, Direktor des Jüdischen Nationalfonds, Köln Sehr geehrter Herr Doktor! Ich hätte mir gerne diesen zweiten Brief an Sie erspart. Aber meine Freunde zwingen mich förmlich dazu. Ehrenrührige Beleidigungen, wie sie Ihre Erwiderung auf meinen ruhig und sachlich gehaltenen ersten Brief enthält, müßten eigentlich — so meinen meine Freunde — durch eine Klage vor dem ordentlichen Gericht ihre Erledigung finden, zum mindesten aber dürsten sie nicht ohne jede Abwehr bleihen. Ich fügte mich, obgleich ich anderer Ansicht war. Ich war der Ansicht, daß bei Differenzen zwischen uns beiden über Respektierung des jüdischen Gesetzes in dem Ihnen unterstellten zionistischen Berwaltungsgebiet niemand auch nur einen Augenblick im Zweifel sein kann, auf welcher Seite das Recht ist. Sie haben trotz der damals schon vorliegenden Beschlüsse und Versicherungen dreier Kongresse, „nichts gegen das jüdische Religionsgesetz zu unternehmen", in dem Ihnen unterstellten Nationalfondsbmeau am Sabbat wie am Werktage arbeiten lassen — es sind zwar schon einige Jahre hrr und durch das Eingreifen der alten Misrachiieitung ist das anders geworden/ man hat die Tatsache seinerzeit abgeleugnet, nur waren es damals nicht Sie, der leugnete, well die damaligen Borwürfe sich Ende . . . Des Lenzes Geige schwieg. Und auch der Sommer verwelkte, verdorrte und verwehte . . . Der Herbst kam! Wütend, rachesüchttg peitschten seine Vorboten, die feuchten, mißgelaunten WMde . . . Aber das Sänger! empfand nichts von dem Frösteln des Herbstes. In ihm tobten noch Frühling und Sommer . . . Allein, eines AöendS im Freien durchzog rs ihn plötzlich kalt. War es ein Stretch des tückischen Herbstes? Nein! Nicht daS allein. Noch etwas. Sr fühlte es ... Es regte sich. Sachte, sachte . . . Und eö kroch mühsam hervor... Nrch etwas verschleiert . . . Eine Erinnerung! . . . AuS dem Vergangenen . . . Aus inm kleinen Städtchen, aus dem Bethause ... Sr unterdrückt, bekämpft sie heroisch. Wie schon oftmals ... Toch, jetzt, unmöglich! ... ES bricht sich gewaltsam Kahn . . . Es schießt unaufhaltsam empor. Und es siegt . . . Gebetsragmente aus tm Jomkippur - Machsor gleiten von seinen Lippen. Bon selbst. Ganz von selbst . . . Bor einigen Tagen empfand er daS Gleiche. Aber — damals gelang es ihm noch, es niederzukämpfen. Warum also nicht auch heute? . . . Warum? ... Er grübelt. . . . Und eisig rieselt es über seinen Rücken. Immer eisiger... > Und plötzlich verwandelte sich die ganze Schwere seiner Stimmung in einen glühten, wllben Wunsch: Er muß fingen! . - . Das „Kaddisch", das „Kolnid.et", „Unthaneh-taukef!" Und laut, ganz laut! W.e einst... Und unbewußt, von Wtndesschnelle getragen, sieht er sich jäh in seiner Wohnung. Und kaum har er die Schwelle betrete r ... da — ein mächtiger Gesarg durchschmettert den Raum. Er fingt und fühlt . . . Und immer weicher wird sein Ton. Und immer weicher sein Herz. Und feucht werden die Augen. Und in ihm werben lebendig flammende Gestalten. Rebb Sender und all die bekannten Gestalten des Städtchens erscheinen, vorwurfsvoll ihn anschauend . . . Und eS klopft chm das Herz. — Wird Gott, die kleine Gemeinde, der gute Nebb Sender, werden sie ihm verzeihen?! . . . Und auS der Ferne kam Antwort: „Wajaumar hafchem, solachtt kldworccho." — — Ec sprang auf. Wer ist düse Stimme?! . . . Alfft ihn jemand? . . . Er riß das Fenster auf und lauschte. Nein! Nein.'... Es ist kein Arfsen. Es ist die Stimme eines BorbeterS! . . . Und plötzlich durchzuckt es ihn wie ein elektrischer Blitz: Was ist denn hrute?! Was?! Ist nicht... Jaun-Hakippwim?!- Er stürzt hinaus! Hastigen Schrittes rennt er dahin, jener Sümme — folgend . . . Und endlich — stehe! die große Synagoge. Schon nach drei Tagen war daS „Sängerl" wieder im Städtchen. Und dort blieb er auch, blieb viele Jahrzehnte, im Dter.ste Gottes und der Gemeinde, der seine Kunst gehörte ... llienn jemand eine Reise tut -. „35B.cn « jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen." Ghr. L. G. von der grünen Judentumszeit u tt g bat eine Reise gemacht, nicht wie sein Freund Theodor Lessittg nach Galizien, sondern nach Holland und was er dort sah und erlebte, verletzte derart sein ethisches und ästhetisches Empfinden, daß er sich in der Wochenschau feiner letzten Nummer Luft verschaffen muß. Er hat nämlich die engen Judenstraßcu in Amsterdam gesehen . . . Tvch lassen wir ihn selbst erzählen: „Ich hatte aber an der Enge, dem Schmutz, dem widerlichen Feilschen und dem traurigen Tlusfehen der Bewohner gerade genug. Zwei Szenen, die ich persönlich erlebte, waren wenig erfreulich. Tie eine ist das Zusammenströmen unverschämter, kaum loszunrndender Bettler in dem Vorhofe der portugiesischen Synagoge, die andere, die ich im Haag erlebte, entbehrte nicht eines gewissen Humors. Als ich aus dem Museum kam, wurde ich von einem Juden, der sich als Führer ausgab, mit den hebräischen Worten angeredet: „Gesegnet, der da kommt im Ranken des Herrn." Statt ihm wie billig, den Rücken za k'hren, antwortete ich mit der Fortsetzung „Wir segnen euch aus dem Hanse des Herrn", ließ ihn aber dann schleunigst stehen." Sehr jüdisch empfunden! Was? Und wie geistreich! Besonders der lrtzte Witz gegenüber dem hebräisch grüßenden Juden« Taß der Herr Geheimrat mit dieser schönen Epistel, in seiner .-s"->-Nummer, also zu einer Zeit, da ander: jüdischen Zeitungen es für nötig finden, meh. oder weniger die p^m CCm DJ7E7 in ihre Rechte treten zu lassen und die jüdischen Gotteshäuser der Rufn p *72C? ,"77"L71 HSWJ1 durchhallt, seine Leser erfreuen zu können glaubt, ist doch sehr zeichnend für das Mas; von Herzensverhärtung und religiöser Stupidität, das man unter der geheimrätli t en Leitung in der Redakivnsstube der „A. Z. d. I." dem Leserkreise dieser Zenuuz ungestraft zumute« darf. Ue/' -

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