Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 39 (28.9.1911)
- Date
- 1911-09-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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„-Js.'ä&.'j gung des ThoraMarikens im Leben geschehen dann. Die Jeschiwos haben sich auch in diesem Jahre entgegen allen fremden Strömungen, wie sie von gewisser jüdischer Seite gezüchtet und in die Reihen der Jugend getragen werden, auf der Höhe gehalten. Möge es unseren Brüdern in Rußland im neuen Jahre gegönnt sein, unter etwas freundlicheren Verhältnissen ihre Kräfte zu sammeln und sie für die weitere Ausgestaltung ihres Geisteslebens nutzbar zu machen.- In der Geographie des Golus folgt unmittelbar auf Rußland Rumänien. Darin hat sich auch mit der liberalen Aera Karp in nichts geändert. Rechnet man die positive Arbeit der Gesetzestreuen und das blühende Jeschiwohwesen ab, so trifft alles, was wir von Rußland sagten — inkl. Sonntagsruhe und.Ritualmordhetze— auch für Rumänien zu, mit dem Unterschiede, daß, während dort die Juden als Juden unterdrückt, sie hier lediglich als „Fremde" außer Recht und Gesetz gestellt werden. Hervorzuheben ist höchstens, daß die Anfang dieses Jahres gemachten Anstrengungen, den abgeschaffken Eid more judaico wieder einzuführen, an der kräftigen Gegenwehr der Juden scheiterten.- Ein recht bewegtes Jahr war das abgeläufene für unsere Brüder in O e st e r r e i ch. In W e st ö st e r r e i ch, wo die Dinge nach innen und außen ungefähr so gelagert sind töie bei uns in Deutschland, brachten die Reich sratswahlen im Juni den völligen Bankerott der Lueaerpartei, die vor noch nicht allzu langer Zeit die Kaiserstadt ganz in ihrer Gewalt hatte, was aber nicht verhinderte, daß der abgewirtschafteten Christlichsozialen antisemitisches Erbe von anderen am Ruder stehenden Parteien unter anderer Marke treulich gewahrt und sogar gemehrt wird. Und dies trotz — oder gerade infolge — aller verzweifelten und aufdringlichen Annäherungsversuche seitens einer gewissen jüdischen Oberschicht, trotz Assimilation in jeder Form, trotz Mischehe und Taufe, von der spaltenlange Austrittslisten in den jüdischen Zeitungen auch dieses Jahr allwöchentlich Kunde' gaben. Während es der österreichischen Judenhett an jedem politischen Zusammenhalt fehlt und sich besonders in Wien bei jeder Parlamentswahl die jüdische Stimmkraft aus Mangel an zielbewußtenl Zusammengehen, zum Nutzen der Feinde in unzählige sich befehdende Einzelgruppen zersplittert und verzettelt, sinnt man in den Kreisen der Kultusvertretung unausgesetzt auf die ganz und gar unnatürliche und uns so wesensfremde religiöse Zwangsvereinigung, die alle 1 Gemeinden des Landes und der Kroniänder unter 1 den eisernen Ring der Gesamtorgan:-^ sation, unter die Diktatur der Wiener Gemeindegewaltigen bringen soll. Soweit also alles wie bei uns daheim. Doch wagt man einen Schritt weiter in östlicher Richtung, so ist man wieder mitten im tiefsten Goluslande, wo die Not des Lebens so schreiend ist und so viele der Fragen und Sorgen o.uf uns einstürmen, daß zuallererst unser Blick an der äußeren Lage haften bleibt. Galizien ist immer noch das ungelöste Problem, ein Wort, das Elend und Hunger und wirtschaftliche Verkommenheit bedeutet. Die Komödie der E n q u e t e, die nach jahrelanger Vorbereitung endlich im Januar d. I. in Lemberg in Szene ging, hatte wenig versprochen und noch weniger gebracht. Man sprach viel über das grassierende Elend und über die Mittel,; demselben zu steuern. Hinterher aber ließ man das S ch a n k g e s e tz, das den vielen Tausenden jüdischen Schankwirten das Brot nahm, ruhig in Kraft treten und schuf ein Hausierergesetz dazu. Von Glück darf man noch reden, daß die Vorschläge der „jüdischen" Teilnehmer an der Enquete, die mit polnischen Schulen, Zwangsorganisationen und derlei „Kulturrmtteln" mehr den Brothunger in Galizien zu stillen versuchten, wie alles anderetn dieser Versammlung Rhetorik blieb. Auch ein kleiner Pogrom blieb dieses Jahr den Galiziern nicht erspart. In Karow und Umgegend, wo die Ruthenen gegen die Polen verbittert waren, kühlten die ersteren am 23. April ihr Mütchen an den wehrlosen Juden. Dafür schoß man zwei Monate später auf Veranlassung der Polen auf jüdische Wähler in D r o h o - bycz und tötete deren 27. Und, was das traurigste an der Sache ist, hier war es letzten Endes ein Kampf zwischen Juden und Juden. Denn im bedrohten Wahllokal saß der Allpole Löwen st ein, dessen Wahl mit jüdischem Blute besiegelt werden mußte. Das ist's, was die trostlose jüdische Lage in Galizien so restlos kennzeichnet: eine führerlose Masse, deren unermeßliche schlummernde Kräfte von keinem geweckt, von keinem in jüdischem Sinne nutzbar gemacht werden, mit deren Geschicken unberufene Machthaber ein gewissenloses Spiel treiben, vermag sich das jüdische Galizien bislang aus seinen: Elende nicht zu erheben. Der „Jüdische Klub" ist den Wahlen vom Juni zum Opfer gefallen. Man würde dieser Miniaturfraktton, die nach außen kräftig ihren Mann gestanden, nach innen jedoch zu wenig Verständnis für die vitalen Interessen und Bedürfnisse ihrer Wähler gezeigt, keine Träne Nachweisen, wenn sie besseren und geeigneteren Kräften das Terrain überlassen hätte. Doch wer sind nun die Vertreter, in deren Hände die politischen Geschicke der Million Juden in Galizien gelegt sind? Polen, Alldeutsche, Sozialdemokraten, deren gutjüdische Namen uns weder zur Ehre noch zum Nutzen gereichen. Wann wird auch Galizien endlich erwachen und sich auf eigene Füße stellen? Wann wird es aus eigener Mitte die Männer seines Vertrauens suchen, wann seine Kräfte sammeln und sie zur achtunggebietenden Einheit festsügen, nachdem doch alle ftemde Hilfe so gänzlich versagt hat? An mutigen Anläufen hat es auch in diesem Jahre nicht gefehlt. Erst in jüngster Zeit geht man dort daran, auf dem Boden des Thoragefetzes Vereine zu gründen, Zeitungen ins Leben zu rufen usw. Möge der jetzt durch die Reihen der Tradttionstreuen allüberall hallende Ruf zur Sammlung und Vereinigung auch dort günstigen Boden finden und das vollführen, was allen nicht auf jüdischem Grunde gewachsenen Mitteln zu vollbringen bis jetzt nicht gelingen konnte: innere Erstarkung und Entwicklung zur politischen und wirtschaftlichen Selbständigkeit, durch gesunde Volkserziehung im Geiste der dort treulich gehüteten Tradition und des moderrren Erwerbslebens zugleich. Noch lauter und lockender als in Oesterreich werden die Friedensschalmeien zu Ehren der Zwangsverbrüderung in Ungarn geblasen, wo in den Kreisen der neologen Einheitsfanatiker auch dieses Jahr Taufe und Mischehe den Weltrekord geschlagen haben. Aber in den Reihen der dortigen Gesetzestreuen regt es sich mächtig. Die Ausbreitung der Machst ke-Ha das -Vereine, verbunden mit der Ausgestaltung des Jeschiwohwesens, das ist die schönste Antwort auf all das Ltebeswerben der Neologie, eine Antwort, die, indenr sie aus den eigentlichen Inhalt, den Lebensnerv des Judentums vertveist, zugleich auch in die Welt von Gegensätzen schauen läßt, die sich zwischen den Thoratreuen und der eben diesen Lebensinhalt des Judentums negierenden Neologie ansbreitet. (Schluß folgt.) KochemwvWiw. Ein« miirdfge Hnfmorf. Wie vorauszufehen war, hat die Ammhim' des Antrages Gröber, der die Novelle zum Reichsgesetzbuch, betreffend Tierschutz durch die Bestim nttttij ritu gese Tiebald botes auf i Stur vertu gegn« Niml bars druck schätz derT Bros wttns Jude nicht meint Mini es dei Tiere getött huma empsi E Dian Fachc tveit in di behar restlo word, die j Bib< diese« Louis schn erschn hat, ' T Art, und > ltchen schaft! Frag auch» der d getan chens T satzedaß r welch vermi der d selb j Kleine» Feuilleton. Skizzen aus dem jüdischen Dorf* und Kleiimadileben. Bon «ö. «rotz. (Schluß.) D i e Laie n. Dem Kolnidre schließen sich die unter dein Namen „Schirhajichnd" bekannten Rezitationen poetischer und philosophischer Art an. Dazu braucht man keiner; geübten Chason. 7 Mann aus der Gemeinde, Weist unverheiratete. lösen sich ab. Dr Parnest überträgt den Einzelnen diese Ehre, er -„ist sie ihnen mechabbed". Das Volk drängt znm Schluß. Aber die Worte des Schirhajichnd sind den Vorbctern nicht recht geläufig, oft recht schwierig ansznsprcchen und von den meisten nicht verstanden. Kein Wunder, daß schattdcrhaste Wortgcbilde den Lippen der Bor betenden entströmen bei der Hetzjagd, die bei diesen Rezitationen entsteht. Darum verläßt denn auch stets eine größere Anzahl gebctknndlger Mitglieder schon vorher die Synagoge. Es würde noch eine größere Leere entstehen, wenn nicht noch ein tvennß in Aussicht stände: N'.'b Jainkes beschließt altes mit seinem berühmten Anim semiraus. Der „musikalische" C h a s v u. Bei Tagesanbruch ist die Synagoge schon wieder säst gefüllt. Izik, der Parneß, steht vor dein Omed. Er ist durch und durch NtUsikalisch, wenigstens nach seiner Ansicht. Seit seiner Jugend hat er Interesse für Musik und hört er Konzerte. Es bedarf keiner Betonung, daß dieses musikalische Interesse nur ein oberflächlicheswar. Es zeigte sich vor allem darin, das; er eine ganze Anzahl von Arien und Opernmeloöien in fein Chnsvnus verflocht. Mit Heller Bewunderung lauschte die Gemeinde seinen „schönen Melodien". Bei einzelnen packenden Stellen, so insbesondere beim Owinn mnlkenu (Melodie: Ich war Jüngling noch an Jahren) sang alles mit. Ter Schlußkaddisch (Einsam bin ich . . .) setzte dem Ganzen die Krone ans. Terartige profane Melodien hatten, wie überall, das Gegenteil des beabsichtigten Zweckes zur Folge. Tie ^tnnmnng der Andacht wurde gestört, statt gehoben. Anfangs klangen die Melodien sehr hübsch, im Lause der Jahre fühlte man doch immer inehr, daß ihnen die herzige Innigkeit der eingeborenen jüdischen Gesänge völlig abging. Sie profanierten die gehobene Stimmung der Synagoge. Izik hatte das letztere allerdings, wie wir nicht zu betonen brauchen, nicht beabsichtigt. Er betete sogar mit vollem Verständnis und inniger Andacht vor und hatte nur das Bestreben, die Aufmerksamkeit der Gemeinde zu fesseln, wobei vielleicht auch etwas Eitelkeit mitspielte. Wochenlang vorher bereitete er sich gründlich vor, und wenn man abends an seinem Hanse vorbeiging, so tönten aus seinen:. Zimmer inaner Ehasonusklänge. Er pflegte zu sagen: „Am Chamischo oser bcschvat steigt der Saft in die Bäume und am Chamischo oser beaw in die Chasonim." T er Herr Lehrer oder der moderne C h a s o n. Tie Thoravorlesnng ist beendet. Das Mussasgebcl beginnt und dancit der .Höhepunkt des Tages und des — Chasonus. Ter Lehrer tritt vor. Er lum wirklich musikalisch und tüchtig aus sein Vorbeter amt vorbereitet. In seiner Jugendzeit hatte er in den Chasonim von Frankfurt und anderen Städte» tüchtige Vorbilder gehört, dann auch gründlich di: einschlägigen Werke von Sulzer, Naumburg usw. studiert. Er hielt sich streng an die gegebene Melodie, ohne in selbstgefälliger Weise durch ungehörige Schnür kel und Verzerrungen dieselbe „verschönen-" zu wollen In den ersten Jahren hatte er allerdings schwer zu kämpfen. Die Töne klangen der Gemeinde ne» und ungewohnt, und darum mißfiel er anfangs. Aber schon nach wenigen Jahren hatte man sich in seine Vvrbeterweise eingelcbt und sie lieb gewonnen. Uebri gens fühlte man auch: Er verstand, was er sagte, denn er war kein Amhovrez. Nur den Schlußkaddisch, — darum konnte er nicht herum — mußte er aus dem reichen Bestand de> traditionellen Gemeindemelodien entnehmen. Er statt: ihn in regelrechtem Unterricht vom Schames gelernt Diesei kannste ihn itorf} von seinem Vater her, tvelchei ihn vor ö() Fahrei:. vom Gelichaiiseiicr Ehason g, hört hatte. Noch keinem Balboß war es bis setz! gelungen, ihn richtig nachzusingen. Ter Schamec allein kannte ihn und hütete ihn wie einen Schatz, den er immer nur deni amtierenden Lehrer und Chason ans besonderer Freundschaft „verriet". Ter alt m odische Chaso n. Eine gebeugte Greisengeftalt wankt zum Mincho gebet vor den Omed. 79 Jahre ist er alt. Seil feinem neunzehnten Jahre, also seit gerade 60 Jahren jungic er sei mcrtö Ehasv: airch Gesan bergai! litt ge eigene zehnte A absolu seiner bald s das c Macht Nacht, sanier, einani den? Aber ilellde llinter sogar Ersole Z Ende. den llöwel E beleibi der P nutiv: ein ett mund