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Der Israelit · 1911-09-21 · Heft 38 (21.9.1911) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 38 (21.9.1911)
Date
1911-09-21
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Gerade die populäre Form der Schrift läßt es jedoch notwendig erscheinen, die Charakterisierung, die der Berfaffer der Stellung des Weibes in der Bibel zu teil werden läßt, zurückzuweisen, und die Jrrtümer, die ihm dabei untergelaufen find, als solche zu kennzeichnen. Er entschuldigt sich zwar für die Freimütigkeit, mit welcher er die biblischen Anschauungen bespricht, mit dem Hinweis darauf, daß „diese Anschauungen in unseren Tagen nicht nur von den christlichen, sondern auch von der jüdischen Religion mißbilligt werden." Aber für uns, die wir heute noch die Bibel als Offenbarung Gottes ansehen, kann es nicht gleichgültig sein, wenn sie dem Publikum in einem entstellten und verzerrten Bilde vor Augen geführt wird. Der Berfaffer betont zunächst, daß die Frau nach der Darstellung der Genesis nur dem Manne zuliebe, „damit er eine Gehilfin habe, die um ihn sei", geschaffen wird. Abgesehen davon, daß es an anderer Stelle heißt: „Gott schuf den Menschen in seinem Ebenbilde, im Ebenbilde Gottes schuf er ihn, Mann und Weib, beide erschuf er", daß also hier Mann und Weib völlig gleichwertig als Ebenbild Gottes erscheinen, mutet es sehr merkwürdig an, wenn jemand aus jenem Vers eine Unterordnung des Weibes herleiten will. Man sollte doch meinen, daß die Bezeichnung der Frau als „Gehilfin, die um ihn fei", gerade ihre Stellung neben dem Manne charakterisiert. Die Frau wird nicht etwa als Sklavin oder Dienerin des Mannes geschaffen, sondern als seine Gehilfin, als als Stütze und Ergänzung des Mannes, die rma, neben ihm, als Gefährtin, allerdings in ihrer Spähre, wirken und schaffen soll. — Bei dem Sündenfall, meint der Berfaffer weiter, bei welchem Mann und Frau gemeinschaftlich beteiligt sind, wenn auch die Frau die Ansttfrertn war, trifft die Hauptstrafe die Frau, und ein Teil dieser Strafe ist die Unterwerfung der Frau unter" die Gewalt des Mannes, „Dein *) Die Ehefrau in alter und neuer Zeit. Eine sittengeschichtüche Skize von Dr. jur. Ernst Schuster, aristerat-law in London. Berlin 1911. Puttka,inner und Mühlbrecht. 108 S. Wille soll deinem Manne unterworfen sein, und er soll dein Herr sein." Ich weiß nicht, woher der Berfaffer die falsche Uebersetzung entnommen hat: „Dein Wille soll deinem Manne unterworfen sein"- es heißt bekanntlich: „Nach deinem Manne wird dein Verlangen sein." Seine Meinung, daß die Hauptstrafe die Frau treffe, ist jedenfalls sehr anfechtbar. Die Strafe des späteren Todes und der Vertreibung aus dem Paradiese trifft beide in gleicher Weise. Im übrigen erhält jeder eine seiner Natur und seiner Bestimmung entsprechende Strafe. Wenn aber der Verfasser die Herrschaft des Mannes über die Frau als einen Teil dieser Strafe ansieht, so gerät er mit sich selbst in Widerspruch. Denn nach seiner Theorie war ja die Frau schon von ihrer Erschaffung an die Sklavin des Mannes. Und wenn er ferner behauptet, das ganze altjüdische Gesetz in seiner ursprünglichen Gestalt sei durch dieses "Gewaltverhältnis" zwischen den Ehegatten gekennzeichnet, so beweist er damit nur, daß er von dem Geist dieses Gesetzes keine Ahnung hat. Er führt als Beweis für seine Auffassung die Wegsendung der Hagar an. Aber diese Verstoßung geschieht doch nicht etwa, weil sich Abraham „ihrer entledigen wollte", sie wird vielmehr damit begründet, daß ihr Sohn Jsmael „Gespötte trieb", daß er ein dem Hause Abrahams nicht angemessenes Verhalten zeigte. Und gerade bei jener Episode sagt Gott zu Abraham: „In Allem, was Sara zu dir sagt, höre auf ihre Stimme", ein Ausspruch, der das Verhältnis Abrahams zur Sara wahrlich nicht als das eines Gewaltherrn erscheinen läßt. Ueberhaupt hätte der Berfaffer nur die Geschichte der Stammväter etwas genauer und liebevoller lesen sollen, dann hätte er unmöglich zu einer so schiefen Darstellung kommen können. Dann hätte er erkennen müssen, wie Sara als treue Gefährtin Abraham zur Seite steht, hätte er sehen können, mit welcher Sorgfalt Abraham bet der Auswahl der Gattin für seinen Sohn auf Charakter sieht, und wie sein Diener Elieser selbst daran die Würdigkett der künftigen Schwiegertochter Abrahams erkennen will, daß sie bereit ist Liebe zu üben, ihm und seinen Tieren zu trinken zu geben. Dort wird auch die Einwilligung zur Heirat auch nicht „allein von dem Willen des Vaters oder sonstigen Gewalthabers der Erkorenen" (S. 15) abhängig gemacht, sondern es heißt dort: „Wir wollen das Mädchen rufen und sie fragen." Und wenn wir z. B. sehen, wie Jakob vor dem entscheidenden Entschluß über die Rückkehr in seine Heimat Rahel und Leah zur Beratung zu sich ruft und die Sache auch ihrem Urteil unterbreitet, so ist dieser eine Zug schon hinreichend, um das ganze Bild, das der Berfaffer von der Stellung der Frau in der Bibel entworfen hat, als ein Zerrbild zu charakterisieren. Aber dieses Verhältnis zwischen den Patriarchen und ihren Frauen erwähnt er überhaupt nicht. Als Beispiele von Frauengestalten aus dem Alten Testament, führt er „Deborah, Joel, Jfebel" an und sagt von ihnen, „fie könnten nicht als Zierden ihres Geschlechtes angesehen werden." Nun allerdings, Jfebel — das muß zugegeben werden — war keine Zierde ihres Geschlechts. Aber ste war auch keine Jüdin, sondern die Tochter des phönizifchen Königs der Sidonter- und fie ist auch niemals eine Jüdin geworden, fie hat vielmehr den unsittlichen Baalkultus in Israel eingeführt und hat dadurch die ganze sittliche Entrüstung und den ganzen Zorn der Propheten, besonders EliaS, auf sich gezogen. Und Joel war eigentlich auch nicht aus jüdischem Stamme, abgesehen davon, daß die Tat Joels, an die der Verfasser wohl denkt, aus dem Kriegszustand und den Verhältnis^ zu erklären ist. Debora aber sollte keine Zierde ihres Geschlechts gewesen sein, Debora, die Richterin und Prophetin, die in der trübsten Zeit, als die Männer vor dem übermächtigen Feinde verzagten, durch ihren Mut und durch ihre nationale Begeisterung die Erhebung und den Freiheitskampf gegen Stsra organisierte, und die dann in so herrlichen Worten den Sieg ihres Volkes besang? Da scheint den Verfasser sein Gedächtnis völlig im Stich gelaffen zu haben. Noch ein paar Worte über die Zulassung der Polygamie in der Bibel, die der Verfasser ebenfalls auS der untergeordneten Stellung des Weibes erklärt. Wenn man die hier in Betracht kommenden Zustände so sieht, wie fie zu allen Zeiten gewesen find, so wird man es durchaus bereifen, daß die Thora die Polygamie gestattet. Wohlbemerkt, gestattet - denn das Ziel der Thora ist die Einehe. Das sieht man schon aus den Worten der Genefis: „Darum verläßt der Mann Vater und Mutter und schließt sich seinem Weibe an"- man sieht es ferner daraus, daß die meisten bedeutenden Männer in Einehe lebten und daß die Beispiele von Polygamie stets besonders begründet werden. Auch die Bestimmung, daß -er Hohepriester, der Repräsentant der Heiligkeit, in Einehe leben muß, weist darauf hin. Nur auf dieser Grundlage find auch die rührenden Bilder aus dem Eheleben verständlich, welche die Propheten auf das Verhältnis zwischen Gott und Israel anwenden, und die dem Berfaffer bet feiner vorgefaßten Meinung offenbar vollständig entgangen sind. Deshalb sieht er auch in den wunderbaren Schilderungen von 1TI rttPK nichts als eine „Verherrlichung der Haushaltungstugenden." Freilich, .eine Vorkämpfern der Emanzipation, die in Volksversammlungen gegen die Uebergriffe des starken Geschlechts anftritt, ist die in Tn nvtt geschilderte Frau nichtaber vielleicht gereicht sie trotzdem oder gerade deshalb ihrem "4 % I WM

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