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Der Israelit · 1911-09-21 · Heft 38 (21.9.1911) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 38 (21.9.1911)
Date
1911-09-21
Page
– (sequence 14)
Language
German
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.,.v,..^. mehr zur Zierde, als die englischen Frauenrechtlerinnen, die aus Idealismus und aus Begeisterung für Frauenrrchte, den Ministern die Fenster einwerfen. Jenes Loblied auf die wackere Frau ist, wie Güdemann mit Recht sagt, „die aus der Tiefe des israelitischen Bolksgeistes geborene duftige Blüte der Gattentreue, der Frauenwürde, der Kindesliebe, des reinsten und höchsten Familienglückes." Es ist tief bedauerlich, wenn auch Schriftsteller ohne antisemitische Tendenz — und der Verfasser ist offenbar kein Antisemit — durch Oberflächlichkeit und Unkenntnis zu einer Darstellung gelangen, welche geeignet ist, die Bibel in den Augen des unkundigen Publikum herabzusetzen. Bei einem Buche, das ebenso den gläubigen Juden wie den gläubigen Christen heilig ist, sollte -och etwas mehr Vorsicht in der Behandlung geboten sein. J. U. .Ttsn 'on Randbemerkungen zum Giddur von Rabb Dr. B KaenigSberger in Plescheu. Das inhaltsreiche und hier wiederholt eiferte Buch meines verehrten LehrerS, Professors Berlin et, regt .mich zu den folgenden Bemerkungen zum Hlö an, von denen ich hoffe, daß der greise Lehrer — ,12'ttD 212' *111? ~ fie nicht mit den Worten £112 k)D121 *?2 abwenden, sondern sie als ,1127» gelten lassen wird illN'2 N'l^- Im Allgemeinen möchte ich für die verschiedenen 2'3.132 eine vielleicht literarisch unbekannte Stelle im n"^tp anführen, wo es p. 352» Anfg. 12122 '2 heißt zu ihn bv w»: mro w 121« rrn b"i '"i«n 722S7» HIBD V'2122 17'»2 D’pl^n ^>»1V'2 x"b&K N*nbtop - - - Der q"221 (I^BI 4bn 8) liest in den Benedtkttonen für den Morgen: ,13'V '^721 1'2P21vgl. im Rachtgebet ,13'V '^21 ^'L21, Sadjah Gaon am Schluffe v'21V 2'IVN ^212 '"«2 (ohne ^1V'122^)* Zu S. 14 f muß die Reihenfolge der 3 717312 nach unserem Brauche (vgl. S. Amram und 46,4) und x"2 RoteS: 1. ij, 2. 13p, 3. nvk (nicht HIP», 121?) lauten, denn nach Menach. 44» Ans. ist ,HPK2 'B2 bl "722?, während die aufsteigende Reihe nach ib. 43 d Errde 112 '2Vtf *bv /1ÜK 'IW »btP ,b»1W ')WW oder nach jer. Berach 9, 2:13b 173, 173 und HP», was öeffer ist als nach Tos. Berach. 7,18:u, (np» und 112- Aus der 2. Erklärung RaschiS zu »33 ’KI 'bl2 in Menach. ergibt sich aber deutlich, daß auch in unseren Talmudausgaben früher für b»1tP’ '27PP1P stand »blP (12) B"12P '2VP (vgl- ItPXl 2"12p «BlbttD) und wohl erst durch die Befürchtung eines Anstoßes HPPtP b»11P' gesagt wurde. Mir scheint dies auch daraus hervorzugehen, daß doch die von Prof. Berliner gewünschte Bene iktion in der 11177,1 21212 enthalttn ist, die mit den Worten 131 B'2P1 ^22 122 112 IIP» den Hochberuf des Israeliten verherrlicht. Ueber die Benediktionen N'222 und b»1tP’ 121P rr.Kan2 vgl. noch v,ibi 'b2w, Ein längeres Wort über das „Sagen" von 71)'» und V"'11 »1"12 s21pQ! Sie hängt wohl nicht mit der Thoravorlesung zusammen, denn ich fand im blP 11TD ]1»2 D12P 21 (die neue Ausgabe Dr. BondiS besitze ich leider nicht), eä. Warschau 1875, am Ende der Tagesgebete beim 7,71^72 112 Folgendes (p. 16): Qy» ^221 '121 |2ip» 117'» 121» DU-' Angeführt wird dann zwar nur die erste Mischnah dieses Perek; es scheint aber, daß Amram diese Einrichtung als tekannt vorausgesetzt, zu der auch nach Kidb. 30» ('1 D11P2 K1BB 1''» K’22n J2 P7P11'' lu Ab. sara 19 d wird dieser Ausspruch mit ^'31 12 DITO T» eingelettet, und '277, Stw. VblP' bringt damit den Brauch von 1'i2klN 'B, 7)3tP2 J21p2 117'» und V"'11 zusammen, während es durch das Studium des alle 3 Teile dieses Schrifttums umsaffenden babylonischen Talmud ersetzt sein läßt) wohl die V"'11 KJV'12 gehörte (f. Machs. Bitry S. 5). Und aus 1V2 ,122 Kap. is eri$It' man eine genügende Aufklärung über den. späteren. Brauch, diese Stücke der L"P3V ,11121 zu „sagen", mdem man sich durch die bet den einzelnen Mtschntjoth vorher zu sagenden pari M' (über das Gebet beim 77»2N s. bei 2"2) von der nach der Zerstörung brS Tempels nicht wörtlich zu «Menden Verpflichtung zu diesen Opfern nach dem Satze Hosea 14, 3 (iz'TIVV B'12 .12^V21) befreit. Mit dieser Anficht unterscheide ich mich l"apb vielleicht als Rabbiner von den sonst auf die Hebung des Gottesdienstes ernst bedachten Gelehrten, indem ich den einmal in erweiterter Fassung der Form bestehenden Brauch erkläre und pädagogisch seine Beibehaltung befürworte, und zwar an der eingeführten Stelle vor lüKtP *s112 > denn führte man es (nach' Amram Gaon) wieder an das Ende des Morgengebetes zurück, so bliebe doch das zur geschäft lichen Tätigkeit eilende Publikum kaum zum „Lernen" zurück, das Talmudbeflissene ja ohnehin durch Talmudstudium ersetzen (vgl. r>"l). .12^1 btD22 2.122vgl. Mas. D'lfilD 14, 18. Uebrigens wird die Primärquelle der »7H12 tP/y'11 von Prof. Berliner nicht richtig angegeben. Am Anfang des s"T) ist nur die Sekundärquelle. Mir ist es gelungen (vgl. meine Arbeit 181K2 JJJb in der Jubel schrift für Dr. W. Feilchenfeld hebr. Abtlg. S. 2), die ursprüngliche Stelle dieser Baraitha zu finden; fie gehört in die '' 2V11 »1^22 Anfg. v'2LV2 'D; s. meine „Monatsblätte^ 1890, S. 92, und Hoffmann, Jsr. Mtschr. 1892, Nr. 5, is» und dessen Edition der '"2V11 »1^22 1905, S. 117. Ich möchte diese Partten nicht mit Prof. Berliner, als für den Fachgelehrten bestimmt, unpunkttert abdrucken, sondern vielmehr noch mit einem Kommentar versehen und den Kollegen zur öfteren Erklärung an Herz legen. Die sorgfälttge Mtschnah-Uebersetzung, die bei Jtzkowski erscheint, bietet eine Unterlage dafür. Zu S. 27 füge ich hinzu, daß man in Rußland und Polen am Sabbatausgang vor 3'12?2 Zwischen den bei den gesungenen Psalmen 144und67 noch den Psalm 29 sagt; im 732V flSj? D es.Wilna fand ich ihn auch an der betr. Stelle gedruckt. Auch in unserer Gemeinde wird er gesagt, vielleicht, da er vor 'in -j2^ zur Einleitung des ro$ gesagt wird, auch am Ausgange des heiligen Tages, um mit einem Sabbatpsalm 'p3BK 1PTKÖ »21' SU sein (tote beim Omerzählen). Im Kap. IX spricht Prof. Berliner vom Ausheben der Thora. Man trägt die Thorarolle in der Rechten (nach 5.B.M.33, 2 12^ 7,1V» 12'2'2 D'IBID '22:3,10). Das gibt mir Anlaß, unseren modernen jüdischen Künstlern den Rat zu geben, nicht nach der Phantasie, sondern nachdem^ zu malen, daß die p^SJI nicht zwischen den Augen sitzen, daß man im Gotteshause nicht stebenarmige Leuchter haben dürfe usw. So fand ich in der Mtschr. ,,Ost und West" in Nr. 5 (1911) Bilder von einem neuen jungen russischen Maler, in denen bei der Thoravorlesung die „JaÜ" links anstatt rechts beim jätD liegt; im Bild 5 „Simchas Thora" werden die Thorarollen irrtümlich in der linken Hand getragen, während d^r Zknabe im Bilde „Eßrog und Lulaw" den Eßrog verkehrt hält, obwohl er noch vor der .1212 zu stehen scheint, und ohne daß der erwachsene Begleiter den Lulaw mitstützt, da der Jfcp nicht ,12,12 sein kann. - Es scheint, daß man zur Zeit der Pest 1589, als man (nach Prof. Berliners Vermutung) das 7l12p,1 D12'Ö einführte, auch den von R. Elia Wilna beanstandeten Satz 2 Sam. 24,4f,3nn vorsetzte; auch er bezieht sich auf die Pest V'i. 21222 TH beim „Ausheben" zu sagen, scheint nicht uralt zu sein (vgl. Reh. 8). Nach Machs. Bitry S. 71 sagt man 2 Sam. 6, 13. Wie schön ist dennoch seine Einführung, zumal in der Erinnerung an die alte Zett der Wüstenwanderung? Pgl. meine Schrift „Aus Masorah rc." S. 43. Beg. des #2tP usw. beim Ausheben s. Sofrim 14, 8 ff. Der zweite Teil der 1. Benediktton nach der.1122.1 ('121 s2»2) wurde zuerst von der Gemeinde gesagt und nachher vom 1'2S2 wiederholt; s. tb. 13, 10. Zu den Worten des Prof. Berliner, daß J7,2p 1112 keine Btkelsteve ist, bemerke ich, daß diese Worte rin Zuruf der Gemeinde zu sein scheinen, die für das Geschenk d« Thora dankt. Es ist eine Art.1212, wiedie fast glkichlautende in der Pessachhagadah vor dem Beginn der 77IVII, nur daß dort für 17,VNp2 die Worte »1.1 "p12 stehen. (Fortsetzung folgt.) I iücherscha«. Lewi be« Verso« als Mathemotiker. Emj Beitrag zur Geschichte der Mathematik bet den Juden. BonjjJoseph Carlebach. Berlin 1910.j Louis Lamm. 239 S., 3. Tafeln, 8 °. Daß Leo Judtzus odn Leo de Baneolis, wie 5cv i Gelehrte in der Literatur gewöhnlich genannt wird, ein sehr! geschickter Mathemattker war, ist allgemein bekannt, allein! baß er als ein so origineller Denker anzuerkennen sei,! wird Bielen doch erst durch die vorliegende Schrift, die Erweiterung einer Heidelberger Jnauguraldissertatton, zum! Bewußtsein kommen. So auch dem Bericht«statter, obwohl er sich mit jener interessanten Persönlichkeit wiederholt zu beschäftigen Gelegenheit hatte. D« B«faffer nennt Leo (Lewi oen Gerson, Gersonibes) einen Abkömmling der Provence, während sonst ein Bagnolos im Nordöstlichen Spanien, welches freilich nach Bolksart und Sprache mit Südftankretch nahe Äbereinstimmt, als Geburtsort angesehen ward; höchst wahrscheinlich ist aber Bagnols im Departement Gard die in betracht kommende Stadt. Wir erhalten zunächst Nachrichten über seinen Levensgcmg (1288—1344) und erfahren mit Staunen,, daß er weder das Lateinische noch das Arabische, hie beiden großen Kultursprachen seines Zeitalters, bcherrschte, sondern nur sein heimatliches Idiom und selbstverständlich Hebräisch verstand. Die mehrfach «örterte Fr»ge, ob in seinen späteren Jahren aus dem Juden Levi ein Christ Leo aeworden sei, entscheidet der Berfaffer in dem Sinne, daß oersrlve bei seiner väterlichen Religion geblieben sei, und man wird den dafür beigebrachten Gründen die B«echtigung kaum avstretten rönnen. Auch als Jude konnte er sehr wohl jene schützende Begünsttgung seitens der im nahen Avignon residierenden und zum Teile sehr tol«anten Päpste genießen, deren er sich fraglos «fteut har. Da der Berfaffer wiederholt den Unterzeichneten als einen von denen nennt, welche den Religionswechfel für wahrscheinlich erklärt hätten, so darf letzterer hier erklären, daß er nicht im mindestens etwas dawider hat, wenn die vielfach gehegte Vermutung der Apostafie sich als unrichtig herausstellt. Die Astronomie hat Leo bereichert durch die Erfindung des Jakobstabes, eines Instrumentes, welches durch mehr als vier Jahrhunderte den Beobachtern, zumal auf der See, die besten Dienste leistete. Für astronomische Zwecke konstruierte er, lange vor Lionardo da Vinci und Porta, die Camera obscnra, indem er mit ihrer Hilfe vor allem genauere Maße der Berfinsterungsgröße bei partiellen Sonnenfinsterniffen zu erlangen hoffte. Sein Tabellenwerk („Luchot hatchuna") sollte, wie die Uebersetzung der ihm vorangehenden Einleitung öartut, dazu dienen, Finsternisse genauer als bisher vorausbesttmmen zu können. Er hatte bei dies« Arbeit die Ueb«zeugung gewonnen, daß das allgemein angenommene System der EpMkeln und Exzenter nicht durchweg genüge, und so griff er auf das Prinzip der homozentrischen Sphären des Eudoxus zurück, weil er fich mtt d« ihm durchaus nicht unbekannten Ansicht, daß die Erde fich um die Sonne bewege, nicht befreunden konnte; er «weist sich da stark von Alpetragius (Al Bidrondji) beeinflußt. Als Mathemattker bethättgt sich Leo vielfach mit großem Talente. Die Mgebra sein« Zett, die ja fteilich nur eine „Wortalgebra" sein konnte, beh«rschte er vollkommen, und zumal in d« Lehre von den Progressionen, wie auch bei der Wurzelausziehung tritt sowohl selvfiändige -Auffassung, wie auch rechnerisches Geschick zutage. Was jedoch dem modernen Leser am meisten imponieren dürfte und den Durchschnitt d« übrigen Leistungen noch entschieden überragt, das ist «ine ganz neuarttge Darstellung der Kombinatorik, welche ganz dem eigenen Geiste drS Autors entsprungen und von fremden Vorbildern ganz und gar nicht bestimmt gewesen zu sein scheint. Er lehtt permutteren, kombinieren, variieren «nd gibt die dl?, NC, NV ohne und mit Wiederholung korrekt an. Die Trigonometrie hat Leo ebenfalls sorgfälttg gepflegt. Die Gevmettik scheint aus Leo namentlich in dem Sinne eine große Anziehungskraft ausgeübt zu haben, daß er ihre Gmndlehren philosophisch untersuchte, wie « ja auch sonst zu abstrakten Spekulattonen Neigung besaß und mit den Doktrinen des Maimvnides fich in Widerspruch setzte. Wo immer möglich, suchte er den Altmeister. Euclides zu verbessern; die Axiome wollte er möglichst beweisen, zu vielen Sätzen neue, einfach«- Beweis «bringen. Er war „der-«ste selbständige Kommentator Euclibs im hebräischen Sprachgebiet", r— . Da der Bersaff« durch Verdeutschung" wichtiger Stellen, Einkleidung des alten Textes in die «ns geläufige mathematische Sprach!« und zahlreiche literarische Hinweise alles getan ha^ um uns das wissen- .chastltche Lebenswerk des G«sonibeS in einer uns zusagenden Form vorzuführen, so verdient seine Schrift von allen Freunden oer Geschichte der mathematischen Disziplinen wohl beachtet zu w«dt'.n. Prof. Dr. S. Günther.

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