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Der Israelit · 1911-09-21 · Heft 38 (21.9.1911) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 38 (21.9.1911)
Date
1911-09-21
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Efr-C». euillelon. Ciab. Historischer Roman von Sara Gugenheimer. (Fortsetzung.) „Das ist allerdings verdächtig da dürften seine Angehörigen vielleicht derselben Krankheit erlegen fein." „Herr Gott im Himmel! Ihr haltet seine Krankheit für lebensgefährlich? „Beruhigt Euch", sagte der Arzt, „wir haben die Hoffnung doch nicht aufgegeben, den herrichen jungen Mann am Leben zu erhalten, im Gegenteil nach Euren Mitteilungen möchte ich o gar behaupten, daß er zu der Krankheit nicht disponiert war, sonst wäre die Blutung schon viel früher ausgetreten. Und wenn meine Diagnose richtig ist, dann hätten wir doch ein leichteres Spiel. — Aber es muß jemand bet ihm wachen, denn der Anfall wird sich vermutlich im Laufe der Nacht wiederholen, hoffentlich nicht in derselben Stärke." „Ich werde nicht von seinem Bette weichen und keinen Blick von ihm wenden." „Das ist recht, und so lange er wach ist, gebt ihm jede Stunde einen Löffel von der Mixtur, die ich schicken werde. — Aber vor allem macht kein solch verzagtes Gesicht, dadurch könntet Ihr dem Kranken schaden, und so verzweifelt liegt die Sache doch nicht." Nachdem der Arzt noch einige Anordnungen getroffen hatte, entfernte er sich mit dem Versprechen, morgen bei Zeiten wieder zu kommen. Liahs Reisegefährte begab sich wieder zu ihr hinüber, und getreu der Aufforderung des Arztes bemühte er sich, seinem Antlitz einen sorglosen Ausdruck zu verleihen. Auch Liah blickte lächelnd zu ihm auf, während die Frau, die an ihrem Bette saß, gleichfalls lächelnd, zu ihm sagte: „Nun, was hat Euch der Arzt gesagt? Hat Euch vermutlich auf die Seele gebunden, dafür zu sorgen, daß die feuchten Kleider entfernt werden." „Das hat er mir nicht gerade auf die Seele gebunden, es aber allerdings als sehr wünschenswert bezeichnet, weniger wegen der Feuchtigkeit der Kleider, denn sie könnten vielleicht schon trocken sein, und Ihr habt den Patienten so gut zugedeckt, daß die geringe Feuchtigkeit ihm nicht schaden würde, aber die Kleider liegen fest an, und dadurch könnte der Blutumlauf gestört werden, darum —" „Habe ich Euch nicht dasselbe gesagt?" wandte sich die Frau triumphierend an Liah/ und dann wieder zu dem andern: „Ihr könnt aber unbesorgt sein, Euer Bruder ist brav gewesen, hat sich nicht aufgeregt, als ich ihm die Kleider ausgeschnitten habe überall, wo sie' fest angelegen sind. Und in einigen Tagen, wenn er mit Gottes Hilfe wieder wohlauf sein wird, dann wird ihm mein Mann, der ein Schneider ist, einen neuen Anzug machen, zum Andenken, daß er unfern kleinen Mauschele aus dem Wasser gezogen hat. Also sorgt Euch nicht wegen des Kranken." „Vielen Dank, aber darum gestattet Ihr doch wohl, daß auch ich über Nacht hier bleibe, um bei ihm zu wachen. Der Arzt hat das für notwendig erklärt." „Komische Frage, ob ich gestatte, daß Ihr bei -Lim. zu Nr. 38 des „Israelit" ihm wachet, hat denn er auch erst gefragt, ob ich gestatte, daß er mein Kind aus dem Wasser zieht? Alsdann braucht Ihr auch nicht erst zu fragen, ob ich gestatte, daß Ihr über Nacht bei ihm bleibt. Aber das muß ich euch doch sagen, notwendig habt Jhr's nicht, bei ihm zu wachen, das tat ich von Herzen gern. Und obs für ihn nicht besser wäre, wenn ichs täte? Ihr schaut gerade nicht danach aus, als ob Ihr von Kran kenpslege viel verstehen möchtet, während ich. . . Was meint Ihr?" wandte sie sich an Liah, „wer soll über Nacht bei euch bleiben, euer Freund oder ich? Eine leise Röte stahl sich für einen Moment in das bleiche Gesicht der Kranken. „Wir sind in der verwichenen Nacht unterwegs gewesen, sagte sie leise, „zwei Nächte hintereinander nicht zu schlafen —" „Mir wäre es nicht zu viel," siel er leb hast ein, „ich wäre glücklich, wenn ich euch von Nutzen sein könnte und der Arzt hat mir genau gesagt, was geschehen muß." Aber die Frau hatte unschwer erkannt, daß die Kranke ihre Pflege der des anderen vor ziehen würde. „Nein, nein, wer eine Nacht nicht geschlafen hat, der ist in der kommenden Nacht ein schlechter Krankenpfleger." Der müde Mann entschloß sich, dem Wunsche der Frau nachgebend, zu gehen. Liah wandte sich an hie Frau, winkte ihr mit den Augen und die Frau neigte sich zu ihr, das Ohr nahe an die Lippen der Kranken. „Verstehe, verstehe, ich weiß schon, was Ihr meint, den Gürtel, den Ihr unter den Kleidern angehabt. Ihr wollt ihn haben? Ich soll ihn euch geben?" Liah bejahte durch einen Augenwink und die Frau reichte ihr den Gurt, den sie seit dem Ableben der Muhme immer getragen hatte, aber jetzt hatte sie ihn ablegen müssen. Sie entnahm demselben ein Geldstück und drückte es ddm Manne in die Hand. „Danke euch," sagte er, „und nochmals gute Nacht!", dann verließ er das ZiinMer. Draußen erst gewahrte er, daß er ein Geld-, stück in der Hand hielt, und daß er daher ohne Anstand ein gutes Einkehrhaus auffuchen und voraussichtlich auf einer guten Lagerstätte würde ruhen können, seit JahEn zum ersten Male. Wonnig durchschauerte es ihn, wenn er sich das vergegenwärtigte, trotzdem wurmte es ihn, Mehr als er es sich selbst gestehen wollte, daß sein jugendlicher Reisegefährte, dem er sich so hoch verpflichtet fühlte, seine Hilfe verschmäht hatte. Wenn nur der Arzt nicht ein gar so ernstes Gesicht gemacht hätte! — Zwar hatte er versichert, daß im Augenblick keine Gefahr vorhanden scheine, aber er schien die Sache doch! als sehr, sehr ernst zu betrachten. Wenn nur die Frau die Anordnungen des Arztes pünktlich befolgen würde! — Am liebsten wäre er zurückgegangen und hätte gebeten, man möge ihn dort lassen, damit er wenigstens darauf achten könne, daß nichts vergessen werde. Mer dann hatte er sich jcx doch einer Zudringlichkeit schuldig gemacht, das konnte er nicht, unmöglich! Er hatte ein Einkehrhaus aufgesucht, in dem er schon vor Jahren wiederholt logiert hatte, unweit der Synagoge, damit er am folgenden Morgen den Gottesdienst besuchen konnte. Und als! er sich nun in dem einfachen aber sauberen Stübchen befand, mit dem einfachen aber guten Bette, da ward es ihm doch ganz wohl zu Mute, und obgleich er sich überzeugt hielt, er werde kein Auge -schließen können in der Angst um das Leben seines Retters, verfiel er doch, 'aum daß er sich niedergelegt hatte, in einen traumlosen erquickenden Schlaf. Als er am Morgen erwachte und Sonnenlrahlen sein Stübchen golden durchfluteten als er Hes finstern Kerkers gedachte, in dem er allih ml morgendlich die Augen geöffnet hatte, ohne au nur irgend etwas zu sehen, da strömte sein über in unaussprechlichem Dank gegen Gott u gegen seinen jugendlichen Retter. — Doch der nur sein Rettungswerk nicht allzu teuer wür bezahlen müssen! Heiße Gebete sandte er empo um die Genesung des Jünglings. Dann aber sprang er rasch auf und kleide sich an, um sich in das Gotteshaus zu begebe Der Gottesdienst hatte bereits begonnen, er hi sich in der Nähe des Eingangs, in einem / dunkeln Winkel, wo er nicht gut gesehen werd konnte, denn er hatte kein Gebetbuch, keinen Tall und keine T'fillin — aber er betete mit ein! Inbrunst, wie nie ftüüov im Leben, oft mit übe strömenden Augen. Nach beendetem Gottesdienst wollte er Teilnehmer desselben unbemerkt vorübergeh lassen, um als Letzter den heiligen Raum verlassen, aber der Arzt Reb Elje hatte ihn blickt und war mit ausgestreckter Hand auf i zugegangen. „Friede sei mit euch! Was ma euer junger Freund, unser armer Patient? Der Angeredete erwiderte, daß man die Pflege des Kranken nicht habe überlass wollen, daß er daher nicht wisse, wie die Na verlaufen, denn er habe in einem Logierha übernachtet und müsse sogar zu seiner Schau gestehen, daß er gut geschlafen habe." „Das war sicherlich das beste, was Ihr ha tun können, denn Ihr sehet heute unvergteichli besser ans als-gestern und wenn Frau Hanndie Pflege des Kranken übernommen hat, so w er in den besten Händen, denn sie ist eine selt gutherzige Frau und hat viel durchgemacht Krankheiten in der Familie. Und wenn ich an vermute, daß der Ansall im Laufe der Nacht si wiederholt haben wird, so weiß ich doch mj Bestimmtheit, wenn er Besorgnis erregend wesen wäre, so hätte Frau Hannah mich ruf lassen. Da sie das nicht getan hat, sv>. woll wir hoffen, daß der arme Junge sich recht ba erholen wird. — Aber es ist eigentümlich, hat ein so liebliches Gesichtchen, das mir wä rend der ganzen Nacht vor Augen gestanden ' immer schien mir, ich müsse ihn schon irgend gesehen haben und doch möchte ich mit Bestimu heit behaupten, daß ich in meinem ganzen Leb noch keinen solchen Jungen gesehen habe. U wie habt Ihr gestern so überschwenglich von gesprochen! —" „Verzeihet Rabbi, aber wenn Ihr ihn kenn würdet, würdet Ihr nicht behaupten, daß i überschwenglich von ihm geredet habe." „Das mag sein, aber ich interessiere mich ihn, möchte Näheres über in wissen. Wenn I nichts besonderes vorhabt, so kommt mit m nach Hause, nehmt das Frühmahl bei nt ein und erzählet mir dabei von eurem jung Freunde, dann gehen wir zusammen zu ihm. Der Andere war einverstanden und pla dernd schritten sie durch die nicht übermäßig le! haften Straßen. „Wisset Ihr, Rabbi, daß Ihr mich sch einmal von der Synagoge mit nadHause nommen habt, um das Frühmahl bei euch ei zunehmen?" Der Rabbi sah ihm forschend ins Gesich „Es war in Stafford," setzte der Ma hinzu, in der Omerzeit, ich befand mich zu kn zem Aufenthalt in eurem Wohnort, da kamt I' nach dem Morgengottesdienst in der Synago zu mir, gäbet mir Scholm alechem und fra tet mich, ob ich nicht ein Sohn des Reb Schm Halevi in Aork wäre, Ihr hättet mich an mein Aehnlichkeit mit meinem Vater erkannt. Eri nert Ihr euch daran nicht?" ih 0 (Fortsetzung folgte

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