Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 38 (21.9.1911)
- Date
- 1911-09-21
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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dachte er: nicht gewöÄE r zählte nicht, was er hatte, und sparte an (ent was er ausgab so gut es nur ging. WaH hefant, wanbette in eine große schwarze Ledersche, und die legte er am Freitag M Hause iitcr Miriam auf den Tisch. Er betrachtete sich ivissexmaßen so als Kaffrer seines hinünSlischen aters, der ihm schon gab, was er brauchte, id mit dem er nicht rechnen und feilschen durste, reilich nahm er sein Amt sehr ernst. Sonng früh schob er feinen Pack auf den Rücken id sein Ellenmaß unter den Arm und begann ich einem der nächsten Dörfer» zu wandern, chritt vor Schritt, in der Glut des Sommers rd über den harten gestorenen Schnee des lann Winters bis Freitag Nachmittag! Was m das Arbeiten leicht machte war der Gedanke c seine »Familie. Die ersten drei Tage stellte sich seine Lieben daheim vor, wie sie ihm zum bschieo das Geleit gaben zum Dorfe hinaus, id ihm nachsahen und winkten dis er um die aldesecke gebogen war. Die letzten drei Tage eute er sich aufs Wiedersehen und alle die chenden Gesichter und Händchen, die ihm entgen kommen würden. Kam aber der Freitag bend, dann war er ein König aus einem Thron nt Liebe und Treue, in einem Palast von Frohen und Lichterglanz, Und keine Macht war immde, auch nur einen Gedanken von den sechs! agen der Mühe und des Ungemachs jn den mder dieses Märchenschlosses hmeinzuziehen. Einmal war Michel Wolf wieder Freitags mgekommen. Aber diesmal sollte es für etwas nger sein, denn es war Erev Rosch haschonoh. er Sommer war heiß, gewesen. Dafür hatte h der.Herbst umso zeitiger an seinen Platz iellt. Die Blätter waren gelb und hingen nur e an den Zweigen; die Felder öde und veren. Dicke Nebel umhüllten morgens die Täler, tb rauhe Stürme jagten über die einsamen!ege. Um so traulicher war es Rosch hascho- >h abends in der Hellen sauben geschmückten tube. Da erzählte denn Michel Wolf von manch rrem schweren Tage und manch einer Not, aus ihn der Allgüttge dieses Jahr wieder so wunrbär gerettet hockte. Wie unser guter Vater r HnnMel so liebreich zu den Menschen spricht, enn sie ihn nur verstehen wollten. Und wenn Natur sich anschicke zu sterben, so ertöne die , die den MenWn verkün-, det: nrcht Tod und Vernichtung , soll das alles, bedeuten, sondern Umkehr, Umkehr zu einem besseren, schöneren Leben, Umkehr vom Wege, der ins Verderben hinabsÄhre, hinauf zu neuem Leben, neuer Tat. Und wie noch jedes Jahr die Natur diesem Rufe gefolgt sei und die Erde noch immer aus ihrem Todesschlafe erwachte. Das Essen war fertig. Die Kinder küßten die Ettern und legten sich zu Bett. Michel Wolf aber blieb in feinem freundlichen JomtofMbchen auf dem Sofa, das Thillim vor sich auf dem Tisch. Ihm zur Seite seine treue Miriam, den Kopf an seine Schulter gelehnt. So saßen sie stumm und sinnend nebeneinander, und gedächten gerührt der schweren Stunden, die sie dieses Jahr wieder zusammen verlebt hatten. Niemals war ein Wort des Unwillens über ihre Lippen gekommen, sie halfen redlich einander tragen, munterten sich auf und hatten sich immer ein liebes, hoffnungsfrohes Wort zu sagen. Ueberwältigt von all den Gefühlen, die jetzt — vom Ernst des Tages geweiht —, Miriams Brust beklommen, betete sie stille und inbrünstig, der Himmel möge ihren treuen Mann nur.recht lange gesund ihr und ihren Kindern erhallen. Sie hätte auffchreien mögen vor innerer Erregung. Aber nichts verriet die Stürme ihrer Seele Äs eine leise stille Träne, die sie vor ihrem Mann aber wohl zu verbergen wußte; nur noch fester und inniger preßte sie sich an ihn, als ob sie ihn niemals wieder von sich lassen wollte. Da wurde sie durch ein Geräusch erschreckt. Durchs Jagen der Winde draußen hörte man Pochen an der Türe. Wer mochte zu so später einsamer Stunde Einlaß begehren? Die Nacht war finster, daß man die Hand nicht vor Äugen sehen konnte. Die Häuser ringsum waren längst dunkel geworden, und hatten ihre Türen fest verschlossen. Ihr Haus stand allein auf einer vereinzelten Höhe. Bon da gings hinaus in den Wald und wohl zwei Stunden nach Rechtenbach, dem nächsten Flecken. Raschen Schrittes gingen sie auf den Flur, beide wohl in der ersten Absicht, nach dem Schloß zu sehen. Aber solche Gedanken hatten nicht lange Ruhe bei Michel Wolf und seiner Frau. Vielleicht war es ein verirrter Bruder, der hungrig und müde vor der Nacht und den Wölfen Schutz suchte, den man ihm übeÄl^ letzten Hütte. Zt^end legke Michel Wdf seine Hand an den Riegel, und unter Düröffnmta erschien ein gut gekleideter Mann in mittleren Jahren, hoch gewachsen, mit kleinem Bärtchen und scharfen, blitzenden Mgen. Seine Züge waren nicht unedel, aber hart ruck fest. Er hatte sich in der Gegend verirrt; er konnte nirgends mehr Einlaß finden und bat, die Nacht hier bleiben zu dürfen. Da führten sie ihn in ihr Zirmnerchen und reichten ihm Speise und Trank, so gut und reichlich sie es vermochten. Schweigsam saß der Fremde am Tisch und blickte wie traumverloren in der warmen HemÄrch erleuchteten Stube umher; auf die beiden freundlichen Leutchen, auf die Schabbos-Lampe und die Porzellanvase Mt weißen Wern auf dem eisernen Ofen. Auf dem Tische lag noch offen das große alle Thillim, auf einem Tischchen in der Ecke tickte so freundlich die reich verzierte Standuhr. Alles war weiß gedeckt und bekleidet, der Sphorim-Schrank Hatte neue Borhänge bekommen, selbst Klein-Ebels Puppe, die dort auf einem! Stühlchen saß, war Mt einem weißen Stück Musselin eingewickett, das ihr die Mutter gegeben hatte. Ms allen Ecken blickte Glück Und Zufriedenheit. Aber immer wieder Mußte er auf eine Stelle blicken. Dort über der Wre hing ein Bild. Da waren nmnderliche Zeichen und Figuren darauf und die Schabboslampe Mt ihre» geformten Züge in rot, gelb und Gold. Wie große fremde Augen hatten sie sich auf ihn geheftet, so daß er schließlich nicht Mehr von ihnen wegblicken konnte. Sie wurden immer größer und unheimlicher. Mm Ende begannen sie sich zu bewegen und aus dem geschnitzten Nähmen herauszusteigen. Langsam und kriechend bewegten sie sich auf ihn zu und firllten schließlich wie Schlangen und Feuergarben den ganzen Raum. Der Fremde saß starr und mußte die Mgen schließen. Er erwachte wie aus einer Versteinerung, als man ihn einlud, sein Schlafgemach anMsuchen. Denn eben war ein Lichtlein der Schabboslampe verloschen und die übri gen zwinkerten, es dem ersten nachtzumächen. Mm nächsten Morgen verabschiedete sich der Fremde und zog schweigsam seines Weges. — — — (Schluß folgt.) in laseratentell Ist die Redaktion nickt rerantwortllcfe; unieaonsen ist et aistcUlesellek Sache dar Leser, iteflnhewiitenM» thaltenenEiipfalilongeii ritueller Waren oder seneflgeAnnkn reMgloisgesetzBchen Charakters anf ttreZereriawl|kMt za frtfen. Bekanntmachung der Stiftungsbestimnmngen für das Allgemeine Jüdische Krankenhaus „Schaare-Zedek“ in Jerusalem. f Für Stiftung eines sechs Betten Raum gewährenden ist als Minimum der Betrag von fßk. 10.000,—, für die Stiftung eines zwei Betten Raum gewährenden als Minimum der Betrag von Mk. 0.000,— festgesetzt. — Hefter dem Eingänge des betreffenden Zimmers werden auf einer Marmortafel die Sttftung und betr. Namen für ewige Zetten kundgegeben. Für Stiftung eines Frribrtte» ist als Minimum der Betrag von Mk 5.000,— festgesetzt und werden auf einer Marmortafel über dem betr. Bette die Sttftung und betr. Namen für ewige Zeiten kundgegeben. — Für die Einzeichnung auf einer MarMSVgr-lrnklnfrl im Borraume ist der Betrag von Mk 2.000,— zu erlegen. Bei Sttftung zu Ehren Verstorbener wird auf besonderen Wunsch deren Trauerjahr sowohl wie auf ewige Zeiten auch deren Jahrzett durch Kadischsagen, Lichtbrennen und Lernen in der Hospitalsynagoge in würdiger Weise abgehalten. Wegen näherer Auskunft wende man sich an unseren Schriftführer, Herrn Dr. Israel Koos, Frankfurt a. M., Schöne Aussicht 5. Der Vorstand -es Allgemeinen IMschen Krankenhauses „Schaare-Mek" in Jerusalem. Rabbiner vr. S. Breuer. Vorsitzender. Ewanpel'Ettinghausen- Eaffier. vr. Israel Roo Schriftführer.