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Der Israelit · 1911-09-21 · Heft 38 (21.9.1911) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 38 (21.9.1911)
Date
1911-09-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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rv ' j.-vW».r,»y*‘ L*- ' '••>' ' i '\ -“*' sondern einmal vorn? Rabbiner gesagt wird. Man komme uns auch nicht mit der Macht des schlechten Beispiels, dG angeblich von dorther droht. Mögen Repräsentanten und Vorstand noch soviel in den Orgelsynagogen reformieren und umgestalten.- sie werden die gähnende Leere derselben dadurch nicht ausfüklen, wie sie andererseits nicht verhindern werden, daß die orgelfreien Synagogen stets gut gefüllt und teilweise sogar an Wochentagen gut besucht sind. So wenig lehrt jenes Beispiel in unmittelbarer Nähe und sollte in die Ferne wirken?! Also, auch das berührt uns nicht Und kann uns zur Stellungnahme nicht veranlassen. (Schltchfolgt.) Kamvurg, 11. Sept. Das Repräsentantenkollegium der Deutsch- Israelitischen Gemeinde hielt im Gemeindebureau, Kaiser-Wilhelmstraße eine Sitzung unter dem Vorsitz des Herrn Jakab Alexander ab. Bor Eintritt in die Tagesordnung wurde das Andenken des verstorbenen Schriftführers, des Herrn L. Urias, in der üblichen Weise geehrt. Eine Anfrage des Herrn Albert Wolff betreffend die Ausführung von Arbeiten auf dem Friedhof in Ohlsdorf am Sonnabend und an den Feiertagen gelangte an den Gemeindevorstand. Zum Schriftführer wurde für den verstorbenen Herrn L. Urias, Herr Ad. Kimmelstiel gewählt. Sodann wurde in die Beratung des Statutenentwurfs der neugegründeten Wohlfahrtskommission eingetreten. Nach dem genehmigten Entwurf leitet die Kommission für das Wohlfahrtswesen die Zentralstelle für jüdische Wohlfahrtspflege. Diese will alle in der Gemeinde Hamburgs bestehenden gemeinnützigen Stiftungen, Anstalten und Vereine umfassen, um die Verwendung der ihnen zur Verfügung stehenbcrt Mittel in einer der Gesamtheit dienenden Weise zu erreichen. Die Kommission für das Wohlsahrtswesen besteht aus zwei Mitgliedern des Gemeindevorstandes und zehn anderen Gemeindemitgltedern, von denen zwei der Kommission für das Armenwesen angehören sollen. Die Tätigkeit der Zentralstelle besteht insbesondere in 1. Unterhaltung eines Bureaus für systematische Bearbeitung des ihr zugehenden Materials und Auskunfterteilung a) an die angeschlossenen Stiftungen, Anstalten, und Vereine zum Schutz vor mißbräuchlicher Ausnutzung, b) an Private durch Aufschluß über Arbeitszeit und Arbeitsleistung usw. 2. Herausgabe eines jährlichen Handbuches für jüdische Wohltätigkeit in Hamburg, enthaltend Tätigkeitsbericht der Wahlfahrrskommission, Jahresberichte, Abrechnungen aller ihr angeschloffenen Stiftungen, Anstalten und Vereine und die Namen ihrer Verwaltungsmitglieder. Wie auf eine Anfrage mitgeteilt wurde, haben sich bereits über 60 Vereine und Stiftungen zum Anschluß an die Wohlfahrtskommission bereit erktärt, so daß diese demnächst in Kraft treten wird. Der Antrag des Gemeindevorstandes auf Mitgenehmigung der von der Kommission für das Armenwesen vorgelegten neuen Statuten wurde einer dreigliederigen Kommission bestehend aus den Herren Alexander, E. Helft und Albert Woiff zur »vetteren Beratung überwiesen. Der Antrag des Gemeindevorstandes auf nachträgliche Mitgenehmigung der seitens des Vorstandes dem „Htlfsverein Deutscher Juden" zur Linderung der durch die in Konstantinopel stattgehabten Feuersbrunst entstandenen Notlage überwiesenen JU 500.— wurde genehmigt. Der Antrag der Herren Krimmelstiel und Oettinger, den Gemeindevorstand zu ersuchen, Legate und Stiftungen künftig nur in Übereinstimmung mit dem Repräsentantenkollegium anzunehmen, wurde nach kurzer Begründung durch die Antragsteller einstimmig angenommen. Kch«,eix. Vereinstsg 9es Vereins zur Förderung 9es geledestreuen Iu9enlums in 9er Süiwelz. Aaset, 19. Sept. Sonntag, den 17. September, fand im Saale des Bethamtdrasch in Basel, die Generalversammlung des „Vereins zur Förderung des gesetzestreuen Judentums in der Schweiz" statt, welche von Freunden von fern und nah stark besucht war. Der Tagesordnung voran ging ein Vortrag von Herrn Dr. M. Ascher-Neuchstel über: „Sogenannt liberales und sogenannt konservatives Judentum". Er bedauerte es, daß die Mahnung des alten Attinghausen: „Seid einig, einig, einig!" so wenig befolgt werde, schilderte in düsteren Farben die Zerklüftung des Judentums, wies die Jrrtümer des sog. liberalen und die Fehler des konservativen Judentums nach und schloß mit einem warmen Appell zum gemeinsamen Wirken aller derer, denen die Erhaltung des Judentums am Herzen liegt. Der Vortrag, der nicht nur inhaltlich, sondern auch stilistisch vortrefflich war, fesselte, obwohl er über eine Stunde dauerte, die Zuhörer bis zum letzten Augenblick. Nachdem sich der Beifallssturm gelegt hatte, wurde aus der Mitte der Versammlung der Wunsch ausgesprochen, der Bortrag möge gedruckt und allen Mitgliedern übersandt werden. Hierauf erstattete Herr Rabbiner Dr. Cohn den Jahresbericht. Die Zahl der Vereinsmitglieder beträgt 407, die sich aus 47 Ortschaften der Schweiz verteilen. Im Aufblühen begriffen ist die vom Verein begründete und subventionierte Schule Machsikei.Emunoh in Zürich HI, um deren Leitung sich Herr Josef Br and eis große Verdienste erworben hat. Die Schule hat zwei Lehrer, welche in je drei Klaffen zusammen 92 Kinder unterrichten. Die ^vom Verein begründete jüdische Bibliothek unterhält Filialen in Zürich, Luzern, Winterthur, Endingen, Baden und Lausanne und erfreut sich einer guten Frequenz. Die vom Verein begründete ö‘Jv man zählt bereits 70 Mitglieder und konnte am Chanuka ihren ersten cjpd abhalten. Einer Anregung von Herru Rabbiner Kornfein folgend, bemüht sich der Verein um die Anstellung eines Wanderlehrers, der an allen Orten der Schweiz, wo nur einzelne Juden wohnen, den jüdischen Kindern Unterricht erteilen soll. Aus die vom Verein veranstaltete Enquete sind aus 17 Orten 54 Kinder gemeldet worden, die bis jetzt gar keinen jüdischen Unterricht erhalten. Ob die Anstellung eines Wanderlehrers, die überaus segensreich wäre, möglich sei und nicht an technischen und sinanziellen Schwierigkeiten scheitern wird, bedarf einer weiteren eingehenden Prüfung. Der vom Präsidenten erstattete Bericht über die in Aussicht stehende Begründung einer Organisation der thoratreuen Juden aller Länder findet allseittge begeisterte Zustimmung. Hierauf erstattet Herr Hermann Weil aus Zürich den Kassenbericht. Einnahmen und Ausgaben gleichen sich fast völlig aus. Das Bereinsvermögen beträgt 2000 Frcs. Die nunmehr erössnete Generaldebatte wird von den Anwesenden stark benutzt. Herr Kim che aus St. Gallen beklagt sich in einem an die Generalversammlung gerichteten Briefe über die Schwierigkeiten, die der aus Polen und Rußland einwcmdernde Jude in manchen Orten der Schweiz hat, wenn er nach dem Gesetze der Religion leben will. Die in dem Briefe mitgeteilten Vorkommnisse werden dem Vorstand zur genauen Prüfung überwiesen. Auf Antrag des Herrn Jsaac Erlanger wird eine besondere Kommission gewählt, welche die Angelegenheit des Wanderlehrers prüfen und' dem Vorstand binnen drei Monaten Bericht erstatten soll. Gegen 6 Uhr mußte die sehr interessante Diskussion zu allsettigem Bedauern abgebrochen werden, da die auswärtigen Teilnehmer abreifen mußten. Die ausscheidenden Kommissionsmitglieder wurden per Akklamation wiedergewählt. Neugewählt wurden die Herren Bollag-Endingen, Gug gen heim -Winterthur und Fröhlich-Baden. ■ ■■■> — I.. ta , I—>-»! talfc. > .v&>5*iäfc Ungarn Sopran, 12. September. Seit Jahren hat die hiesige jüdische Frtedhofaffäre den Gesprächsstoff der einheitsfanatischen Neologie gebildet. Herr K lab er, eines der opferwilligen Mitglieder der hiesigen orthod. Kehtlla, hat vor Jahren eine 10000 Kronen-Stiftung zur Begründung des separaten ft"!T2 gemacht. Man ist auch in unserem Kreise ernst zur Ausführung dieses Projektes geschritten. Das wollte aber den Neophiten der hiesigen Neologie, den Aposteln der Toleranz und der Taufe nicht zusagen. Sie setzten alle Hebel in Bewegung, um das Zustandekommen des Bes Hachajim zu verhindern. Vor» allem kam die Entscheidung des hiesigen Stadthauptmcmns — einer gewiß ganz einwandfteten Autoritär in Judaicis — der mit „sic yoleo sic jabeo" den Friedhof verbot, worüber sich Szabolcie ungeheuer glücklich fühlte. Ist das doch wieder ein schlagendes Argument dafür, daß „wir" einheitlich seien. Seine Freude schwoll zum Taumel, als der zweite Appeüationssenat die Entscheidung des Polizeimannes bestätigte. Nun brachte die letzte Instanz, der Minister des Innern, den Herren die jämmerlichste Enttäuschung. Er hat die Entscheidungen aufgehoben und eS ausgesprochen, „daß es das unantastbare Recht der Orthodoxen sei, ihre separate letzte Ruhestätte zu bestimmen. Die Entscheidung steht keiner weltlichen Instanz zu, die nur darüber wachen soll, ob dieser Ort den sanitären Rücksichten entsprechend ist." Der Fall ist also erledigt und wir haben es gottlob nicht nötig, uns zwangsweise begraben zu lassen. & UnMand. IllioBors PogromBrohungen- Petersburg, 17. September. In Zarizin durchlebt die jüdische Bevölkerung grauenvolle Tage. Dort sitzt der ben'ichtigte Hetzapostel, der Mönch Jlliodor, der von Hunderttausenden als Heiliger verehrt »vird, und fordert das Volk offen zur großen blutigen Abrechnung mit den Juden auf. In einer Massenversammlung erklärte er, daß in allerkürzester Zeit die letzten Vorberatungen der Delegierten der Schwaben Hundert stattfinden werden, worauf zu entscheidenden Handlungen gegen die Juden und Fremdvölker geschritten werben soll. Zu diesem Zwecke sei bereits eine verläßliche Liste der Juden und ihrer genauen Adressen angelegt worden. In Zarizin selbst habe Jlliodors Bureau 78 russische Revolutionäre und 6354 Juden konskrib-iert, mit denen man ein Ende machen müsse. Diese Hetzreden haben den Pöbel bereits' in höchstem Maße gegen die Juden aufgereizt und man befürchtet stündlich den Ausbruch blutiger Ausschreitungen. Die Vorstellungen seitens christlicher und jüdischer Krerse bei der Regierung blieben zwarnicht erfolglos, denn seit einigen Tagen prangen Polizei,Plakate ün allen Litfaßsäulen, die vor Unruhen warnen und das schärfste Vorgehen der Polizei gegen die Ansschreitenden in Aussicht stellen. Allein die Warnungen scheinen nicht den geringsten Eindruck auf das verhetzte Volk zu machen.' * 0 'Ü •Sjs ■ 'I \4. ''fr .,,3 , J ' D Niemer Brief. Kiew, 18. September. Hier herrscht »vieder Progromstimm u n g, urrd die Panik, die die jüdische Bevölkerung seit einigen Tagen ergriffen hat, spottet jeder Beschreibung. Selbst im grauenvollen Oktobermonat 1907 war die Verwirrung und Kopflosigkeit hier nicht in dem Maße wie jetzt. Und das kam so plötzlich und unvermittelt, daß uns die ganze Wendung der Dinge wie ein böser Traum vorkommt. Denn gerade an die Kietver Kaisertage hatte die hiesige Juden- Heit einige leise Hoffnungen gesetzt. Zu den Ausgaben für die Schmückung der Straßen und die Empfangsfeierlichkeiten haben die Juden Mit großen Summen beigesteuert, und beinahe wollte es eine Zeittang Miners M Mt« ei» Bfäff Lil-

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