Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 37 (14.9.1911)
- Date
- 1911-09-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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8 Mo. 3? »« M«lV Brot, ein oder zweimal am Tage ein warmeA Essen, Thee und nötigenfalls auch Milch verabreicht. In den Monaten März und April erhielten 300—350 Greise und Greisinnen an 27.000 Leib Brot und ebensoviel Portionen frischgekochtes Essen. Für Pessach erhielten 600 bis 650 Greise und Greisinnen Mazzo, Fleisch, Wein, Kartoffel, Eier und Fett. Eine beträchtliche Anzahl von diesen bekamen Mazzo und etwas Kartoffel von ihren Kolelim. Das Fehlende hat das Komitee der deutsch-holländischen Palästina-Verwaltung ergänzt. Etwa 2 — 3 Wochen nach Pessach herrschte auch im alten Moschaw Skenim große Not, so daß einige Wochen auch diesen 300 Skeninl Brot und Nahrungsmittel von diesem Komitee gegeben werden mußte. Anfangs Mai mußten etwa 250 Greise und Greisinnen des vor drei Jahren eröfftreten Moschaw Stemm ihr Asyl verlassen, weil der frühere Unternehmer nur bis dahin die Miete bezahlt hatte. Die alten Leute zerstreuten sich und nahmen Wohnung in verschiedenen entlegenen Stadtteilen, so daß an eine einheitliche Speisung nicht mehr gedacht werden konnte. Der Vertreter der Pekidim hatte daher die Vorkehrung getroffen, daß an einem bestimmten Tag der Woche Brot- und Speisekarten für acht Tage verteilt wurden. Von Anfang Mai bis gegen Mitte August wurden an 15.000 Brot- und ebensoviel Speisekarten verteilt. Die Zahl der von dem Palästinabureau der Pekidim gespeisten Skenim wechselte jede Woche. Die größte Zahl war in der Pessachwoche und noch etwa drei Wochen nach Pessach, 400—600. Die kleinste im Monat Juli und Anfang August, etwa 150—180. Um diese Zeit hat das neue vereinigte Gr eisen heim seine Tätigkeit ausgenommen. Außer diesen Brot- und Speiseverteilungen bekamen die Skenim für Sabbath- und Jom-tow-Mahlzeiten weiße Brote, Suppe mit Fleisch und Sabbathgerichte. Während dieser Zeit gab es auch Kranke, für welche Milch, Thee, Zucker und Arzneien verabreicht wurde. Eine beträchtliche Anzahl von Greisen und Greisinnen erhielt auch die Miete der neuen Wohnungen bezahlt. Erfreulicherweise und Dank der Unterstützung unserer Freunde, hat während dieser Zeit die von der deutsch-holländischen Palästinaverwaltung besorgte reguläre Armenspeisung nicht nur nicht gelitten, sondern wurde mit Rücksicht auf die allgemein herrschende Notlage in gesteigertem Maße aus geübt. 3—4000 Speisekarten werden monatlich verteilt. Es sind die Aermsten der Armen aus allen Schichten der Bevölkerung, die sich zu diesen Verteilungen drängen. An hundert Schüler der ärmsten Thoraschulen bekommen täglich Brvd und ein warmes Mittagessen. Durch die allgemeine wirtschaftliche Krisis sind auch viele Gewerbetreibende in große Not geraten. Im Rahmen dieser Hilfsaktion wurden daher größere Beträge auch für gewerbliche Unterstützungen verwendet, ebenso wie die zahlreichen Thovagelehrten der Jeschibot, die durch die Zahlungsstockungen auch piel gelitten, mit gelegentlichen Unterstützungen bedacht wurden. Der Vertreter der Pekidim hat seit Beginn der Katastrophe den Standpunkt vertreten, daß sämtliche Skenim der zusammengebrochenen Greisenheime unter einen Hut gebracht werden müssen. Alle drei Greisenheime wurden von einem gleichen Mißgeschick heimgesucht und es wäre ein engherziges Beginnen, zu sagen: die Greise des alten Moschaw Skenim wollen wir versorgen, die anderen 200—300 Skenim können wir nicht ausnehmen. Der Wvhltätigkeitssinn der auswärtigen Spender kennt keinen Unterschied zwischen Skenim, die vom Hungertode bedr-ckht sind. Die Bothe Dinim sowie Rabbi Ehaim Berlin haben dieser Ansicht beigepflichtet. Doch erst der neue Waad Hair hat diesen Beschluß in die Tat umgesetzt. Die Leiter der nun vereinigten Greisenheime berieten wiederholt mit dem Vertreter der Pekidim und gegen Mitte August haben sie tatsächlich sämtliche Greise und Greisinnen unter ihren Schutz genommen. Sie überreichten zugleich ein Gesuch an die Pekidim und Ämarkalim zu Amsterdam, in welchem es unter anderem heißt: ,,Wir können Ihnen nicht genug danken für den großen Edelnhut, mit dem Sie so rasch in den Riß eingegriffen und hunderte Greise und Greisinnen durch die ganze Zeit am Leben erhalten haben. Die Edlen der heiligen Stadt segnen Ihr Tun dankerfüllten Herzens und aus den zitternden Lippen der Greise und Greisinnen, die vorp Hungertode bedroht waren, werden die Namen der deutschen Wohltäter segnend genannt. Sollen wir viel Worte sprechen, um Ihr Mitleid und Erbarmen auch für die Zukunft uns zu erhalten? Das unterlassen wir. Sprechen wir doch zu den Amsterdamer Pekidim, den bewährten Stützen des heiligen Jischuw, die im Verein mit den deutschen Rabbonim und Zionssreunden seit hundert Jahren an den heiligen Mauern Wache halten und in jeder schweren Zeit an der Spitze aller Hilfsaktionen gestanden. Doch als Gabaim dieser nunmehr offiziellen Gemeindeanstalt und im Namen der Vorsteher der Aschkenasimgemeinde, bitten wir uns besonders in der ersten Zeit, bis die edelherzigen Glaubensbrüder der Diaspora unserem Hilferufe in ausreichendem Maße Folge leisten werden, nicht im Stiche zu lassen. Die Bücher und Namensverzeichnisse unserer Wohltäter sind durch die Wirren und Unordnung, die in den letzten Wochen geherrscht, in Verlust geraten.*) Viele Wohltäter haben aus Mangel an Vertrauen, das teils durch tendenziös alarmierende Zeitungsberichte hervorgerufen wurde, ihre früheren Unterstützungen sistiert. (Siehe auch Briefkasten der Redaktion.) Wir haben eine schwere Ausgabe übernommen und wenden nns an die Pekidim, unsere Gönner, die als Retter in der Not stets einen Ehrenplatz in der Reihe der Wohltäter und Beschützer des Jischuw Erez Jisroel eingenommen. Die unglücklichen Greise und Greisinnen können Ihrer Untersttitzung noch nicht entraten." Pekidim haben ihren Vertreter in Jerusalem beauftragt, bis auf weiteres nach Maßgabe der sich ergebenden Notwendigkeit der neuen Leitung des Bereinigten Moschaw-Skenim 600 Kilo gutes Mehl für Brot und Sabbathbrote wöchentlich zur Verfügung zu stellen. vermircdler. Norderney, 27. Aug. Am Sonntag, den 20. August, staktete der Kgl. Regierungspräsident von Aurta Herrr v. Mauwe mit seiner Gemahlin dem von der Zionloge u. O. B. B. in Hannover jüngst hier erbauten Kindererholungsheim einen Besuch ab. Der gerade zur Erholung auf der Insel weilende Reutner Jacob Berliner aus Hannover b« grüßte namens der Loge den Vertreter der Kgl. Regierung und dankte dem Prästdenten für die Ehre, welche dem jw gen Unternehmen schon nach kurzem Bestehen zuteil wurde. D,e beiden Leite.innen des Hauses, zwei junge aus den besten jüdischen Häusern Hannovers stammende Damen übernahmen nunmehr die Führung durch das seit dem 15. Mat mit fast regelmäßig 80—90 Kindern bevölkerte Haus und bekundeten sowohl der Regierungspräsident als dessen Gemahlin eine bis ins Kleinste gehende Sachkenntnis sowie großes Interesse für den Bau wie für die inneren E.nrich ungen. Ostende, 29. Aug. Unter großer Beteiligung fand heute die feteutche Einweihung der htestgen neuen Synagoge statt. Entworfen und ausgeführt wurde der Neubau von dem Architekten Herrn Langer aus Antwerpen und stellt der Bau ein Prachlwerk der modernen Baukunst dar. Kissinge«, 29. Aug. Frau Baronin Edmund o. Rothschild -Parts har der Israelitischen Kinderheil st ätre in Bad Ktsfingen den Betrag von 8600 Mk. behufs Errichtung eines Fretbettes überwiesen. Königsberg. 29. Aug. Bon den 2064175 Einwohnern Ostpreußens waren, wie jetzt fest.iefteüt ist, bei der letzten Volkszählung 1740 822 Evangelische, 290 877 Ka.hvUten und 18027 Juden. *) Bon einen: gelegentlichen Korrespondenten in Jmusalcm wird uns mitgeteilt, daß zwei frühere Angestellte des alten Moschaw-Skenim in den Menst des sefardischen Greisenhauses, welches blos 20—30 alte Leute beherbergt, eingetreten sind. Die Vermutung liegt nahe, daß diese Angestellten — es sind zwei Brüder — das bewährte Adresscnmaterial gegen gute Beteiligung an dem Stutzen, dem sefardischen Beth Haskenim überlassen werden. Die Jerusalemer Zci tnngeu bestätigen diese Nachricht. Anm. der Redaktion. 14. September 1*11 Karlsruhe, 6. Dcpt. Der Israelitischen Religionsgemeinschaft deS Großher zo grums Baden ist im Einvernehmen mit dem Mtntstertu» des grotzh. Hauses, der Justiz und des Auswärtigen und dem Ministerium der Finanzen vom Ministerium des Innern die Genehmigung zur Ausgabe von zu 3 Prozent verzinslichen Schuldverschreibungen auf den Inhaber im Nennwert von 150000 Mark, sowie zur Ausgabe der zugehörigen ZtnSscheine erteilt worden. 0min$we$en. Frautfurr a. M.» 12. Sept. In einer sehr schwach besuchten Versammlung wurde am Montag Abend un Parterresaale deS Kaufmännischen Vereins über einen von der Gemischten Komrmfston des „ZentralVereins Israelitischer Gemeindemitglieder" und des „Freisinnigen Vereins für jüdisches Gemetndeleben" festgestellren Entwurf für ein neues Gemetnderegulattv beraten. Der Referent, Herr Dr. Katzen st ein, betont, daß baS Regulativ von 1839 zum Teile veraltet und reformbedürftig sei und durch ein neueS ersetzt werden müsse. Unentbehrlich für ein gesundes Gemeindeleben sei die G taatS aufs tch t —, für die der Entwurf nicht weniger als 5 Paragraphen vorfieht, — die aber nicht in die religiöse Autonomie der Gemeinde eingretfen dürfe. Wichtig sei auch § 6, der den steuerzahlenden Frauen das aktive Wahlrecht erteilt. 8 20 bnngt eine wichtige Neuerung durch die Bestimmung der Verhältniswahl. Ganz neu ist der § 84, der für jede Gemetndesynagoge eineneungltedrige Synagogenkommtsston als Beiwalrungsbehörde vorfieht. Er geht dann auf die Bestimmungen des Entwurfes im einzeinen ein und empfiehlt feine Annahme. In der Dtsluiston ergreift zuerst Herr Stadtverordneter Fromm das Wort und unterzieht einige wesentliche Punkte des neuen Entwurfes einer scharfen Kritik. Es entspreche vor allem nicht dem demokratischen Prinzip, daß der Vorstand nicht direkt durch die Gemetndemitgneder, foi dern durch einen Ausschuß gewählt werden solle. Dann gehe es keineswegs an, dem Vorstand, wie es in ß 33 geschehen ist, dte Befugnis einzuräumen, auch in religiösen Dmgen Entscheidungen zu rreffen und m Kultusangelegenhetten als auiortrutlver Repräsentant der Gemeinde nach außen zu gelten. All dieses gehe auf dte Vorbereitung der ZwangSorgantsatton hinaus, wie sie von den Berliner Verbanden so eifrig angestrebt wird. Auch die Rttualkommtfston habe im Entwurf diel zu wenig Befugnisse) ste müsse ganz unabhängig vom Vorstände arbeiten können. Herr Martin L e v i g a r d schließt sich im Wesentlichen seinem Vorredner an, weist aber ergänzend die Lückenhaftigkeit der im Entwürfe vorgesehenen Verhältniswahl nach und zeigt an Hand von Erfahrungen, die er bei der letzten Versammlung des „D. I. G. B." gemacht hat, wohin solche Maßnahmen und Grundsätze, wie sie hier vertreten sind, führen. Unerklärlich sei es, daß das Schulwesen im ganzen Entwürfe mit keiner Silbe gestreift ist. Er übt dann scharfe Kritik an dem Schulwesen der Gemeinde und konstatiert, auf das Philantropin übergehend, daß ein Mann, der bei der Einweihung dieser Schule das Judentuin geradezu blamiert habe, heute noch in der Gemeindeleitung sitze. Auch er sieht im Entwürfe eine Unterlage zum Judengcsetze der Berliner Judenverbände, vor dem man nicht genug warnen könne. Er bittet um Ablehnung des Entwurfes und die Wahl einer neuen Kommission, die an einer so vitalen Angelegenheit, wie es der Religionsunterricht ist, nicht achtlos vorübergeht. Herr Heymann hält die Angst der Orthodoxie für stark übertrieben. Tie Orthodoxie, meilli er sehr taktvoll, „neige immer zum Zelotismus und dürfe daher nicht vorherrschend in der Gemeinde sein". Mit einzelneil Bestimmungen des Statutes sei er selber nicht einverstanden. Jür die grüßte Wohltat hält er das Austrittsgesetz, wie es im Hannoverischen zu Recht besteht. Stadtverordneter Fromm verwahrt sich gegen den Ausdruck „ Z e l o t i s m u s " und betont, * daß, wenn die einmal errungenen Rechte der Orthodoxie innerhalb der Gemeinde verkürzt werden, die Zusammengehörigkeit beider „Richtungen" wieder in Frage gestellt wird. In religiöseil Tangen gebe es überhaupt nie eine Majorität oder Minorität, sondern cs müsse auch den berechtigten Wünschen eines Einzelnen Rechnung getragen werden. Er beantragt Ablehnung des Entwurfes, der kein Kompromiß, sondern eine Entrechtung der Orthodoxie darstelle. In diesein Sinne spricht sich auch Herr L e v i g a r d in scharfer, aber überzeugender Form noch einmal aus. Herr Willy M a i n z ist g e g e n die Abschnung, tvülifcht aber eilte umsasserrde Aenderung der beanstande te>r Bestimlnungen und die Schaffung sicherer Oiaraiitien für die Rechte drr Orthodoxie. Herr Eli.Michael bringt das Vetorecht des Rabbiners der Syllagoge ain Börneplatz, wie es bis dahin als selbstverständlich galt, zur Sprache. Nach eip.gen Versuchen des Bmpandes und des Referenten, den Entwurf zu verteidigen, wirb auf Antrag deS Herrn Verwalter Meyer einstimmig der Vesckluß gefaßt, eine sünfgltedrige Kommission zu wählen, dte im Einvernehmen mit der früheren Gemischten Kommission die beanstandeten Bestimmungen gründlich duchberaten und neue Bor-- schläge den Mitgliedern unterbreiten soll. 14 veror Me, S lust e Heim ein <Z in jü hoben motti] in di« Moni durch edle Mens Aeuß vermi Fröui kam. und | zum Kaust Erfol bbs unga wicklr hat, 1 öle er Wäh, zur l kolofi. der h Festu Htmu wahr« ten st Jude u. a. Setta Ster, t Frau 20. A Neu von ( Im 5 Tuge den 3 wart wont, Mm fomtlj derer tmme war Größ die st Mutt Trost Berel bleibe S Mödl < unser, am L Frau keit b erreiö ,vor PulsI Maß, Syrw dem berge leicht Gute betau Gleick Glau nun in de Brück des C ruf z iv l 1 e geteil "4»ad Ü:%ij£ü