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Der Israelit · 1911-09-14 · Heft 37 (14.9.1911) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 37 (14.9.1911)
Date
1911-09-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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•/ 4*4* ri'j’V»V“"* Veite «. «r. 37 bleiben, hier in Oesterreich wurde es wieder aus der Grabesruhe gestört — durch einen Journalisten. Ein Wiener Vertreter des führenden Odeffaer Blattes „Odeskaja Nowosti" ist der wißbegierige Zeitungsmann, der aus Anlaß des Projektes eine Rundfrage über den Einfluß der Freizügigkeit der Juden in Oesterreich-Ungarn und Deutschland auf das wirtschaftliche soziale und kulturelle Leben der Völker veranstaltet hat. Das Resultat dieser Enquete ist ein mageres, aber die wenigen Äußerungen sind nicht ohne Interesse. Ministerpräsident a. D. v. Ko erb er erklärt, daß nach aller Erfahrung Ausnahmsgesetze nur selten zum Ziele führen und den Zweck, der dabei vorschwebt, erreichen. Umso - unwirksamer werden solche Gesetze in einem Zeitalter, in welchem die Abschließung der Völker und Menschen immer mehr schwindet. Ministerpräsident Freiherr v. Gautsch und der frühere Statthalter von Niederösterreich Graf Kilmansegg bedauern, sich über die Frage aus gewissen Gründen nicht äußern zu können. Der ehemalige ungarische Ackerbaumtnister Ignaz v. Da'ranyi erklärt: Die Freizügigkeit der Juden in Rußland kann für uns auch nicht ohne Belang sein, denn es scheint uns, als ob, falls den Juden in Rußland die Freizügigkeit gesichert würde, es zu erhoffen wäre, daß die Auswanderung, bezw. die Einwanderung über Galizien lind die Bukowina nach Ungarn sich verringern werde. Vom Humanitären Stand- Punkt aus kann die Einräumung des Rechtes nur gebilligt werden. Handelsminister a. D. Franz Kossuth kann folgende zwei an ihn gestellte Fragen: „Hat in Ungarn die Freizügigkeit der Juden auf die wirtschaftliche Entwicklung hindernd eingewirkt? Haben sich infolge des den Juden gewährten Rechtes der freien Wahl ihres Wohnortes ökonomische, politische und moralische Nachteile eingestellt?" mit lautem Nein beantworten.! llngsrisckerlöriek. (Bon unserem Kvrespondenten.) Z. B. A. Budapest, 20. Aug. Beim Mob lebt das Rezeptions.qesetz der Juden in der lapidaren Variation fort: Gleiches Unrecht für alle Juden! Oft bedarf es nur eines Funkens, um bei der mit Explosivstoffen durchsetzten Atmosphäre eine Katastrophe herbeizuführen. Daß es zu einer solchen in der vorigen Woche nicht gekommen ist, das danken wir der göttlichen Vorsehung, die, wie immer, auch jetzt mit offenem Auge über den Schicksalsgang unseres Volkes wacht. Es war in Kunszent Morton. Die kleine, zweijährige Geopulics Jllona ging ins Maisseld, um zu spielen. Als sie nach einiger Zeit nicht zum Vorschein kam und nach einigem Suchen tot aufgefunden wurde, war die Mutter mit der Ritualmordanklage gegen die Judenheit des Ortes, die — so tuschelte der Mob — zum * Aufbau der Synagoge das Blut braucht, fertig. Erdroffelungsspuren auf dem Halse und drei eingebrochene Rippen waren der schreiende Beweis des Judenmordes, der blutige Rache fordert. Nun förderte die Untersuchung zutage, daß die eigene Mutter ihr Kind ermordete und daß sie die Lüge nur ersonnen hat, um die Schuld von sich ab auf die Judenheit zu wälzen. Charakteristisch für den Geist der Gleichberechtigung, der hier herrscht, ist die Leidensgeschichte des Stropkoer Tischlermeisters Moses Tkacs. Er stammt aus Galizien, wohnt seit *15 Jahren in Stropko, wo er durch seine mühevolle, fleißige Tätigkeit seine Familie, die aus Frau und sechs kleinen Kindern besteht, ehrlich ernährt. Nun hatte er einmal das Malheur, zugegen zu sein, wie der Bezirksrichter Malonyat, der zugletch Grenzbeamter ist, einen ntchtjüdischen Bauern von der Treppe stieß und wie dieser an: den erlittenen Rippenbrüchen seinen Tod fand. Als Zeuge vor Gericht zitiert, mußte er natürlich das Geschehene wahrheitsgetreu beschwören. __ DcheZSwM. Das ward ihm zum Verhängnis. Er wurde als unliebsamer Fremder äusgewiesen. Seine Papiere wurden konfisziert, und da er vorbestraft war — er hat nämlich, um als Jude nicht zu verhungern, das Sonntagsruhegesetz einmal überschritten und^wurde vom gleichen Richter Malonyat wegen Anhäufung von Brettern in seinem schmalen Hofraum zu zehn Kronen verurteilt — der Rtchterspruch zu sofortiger Exekutive gebracht. Während er nach Budapest eilte, um bei den höchsten Behörden sein Recht zu suchen, wurde sein Haus aufgestöbert und Weib und Kinder in finsterer Nacht über die Grenze ins Ungewiffe getrieben. Seine Tragik wächst ins Unermeßliche, wenn man bedenkt, daß der arme Tkaes seine Kinder zu echten Magyaren erzogen hat und diese keiner anderen als der magyarischen Sprache mächtig sind. Nach langem Drängen haben die Fürsprecher erreicht, daß der famose Richter Malenyai seines Amtes entsetzt wurdedas Unrecht aber, das er veranlaßt, wartet aber immer noch auf Restimtion. Es gibt viele, die den Worten des ungarischen Ministerpräsidenten, die dieser auf Veranlassung einer bei ihm unter Führung von Szabolcsi, in diesem Falle vorsprechenden Deputation Bedeutung beimeffen und glauben, daß feierliche Versicherungen, wie diese, geeignet seien, Tatsachen aus der Welt zu schaffen und Volksinstinkte auszuhaltenwir sind fest überzeugt, daß in all den hochtönenden Verkündigungen nichts als politische Verlegenheitsauflüchte eines klugen Diplomaten zu entdecken seien, der in der politischen Not des Augenblicks nach den Reservetruppen auslugt, die den verfahrenen Karren der Regierung aus dem Moraste zu zerren berufen sind. In der Politik herrscht die Stille vor dem Sturme. Neue Wahlen sind in Sicht. Es wäre schade um die armen mosaischen Wähler. Sie werden mit Phrasen abgesüttert. Die nafionailfierung des Kreditwesens. Petersburg» 23. Aug. Vor kurzem gaben einige russische Blätter das Gerücht wieder, daß in der Judenfrage mehrere neue Beschränkungen bevorftehen, die von Stolypin ausqehen, und in nichts Geringerem als in einer Nationalisierung des Kredits der russischen Reichsbank 1 bestehen sollten. Diese absurde Frage sollte in der letzten Sitzung des Ministerrats, zu der Stolypin eingetroffen war, verhandelt werden, doch würde sie im letzten Augenblick durch das Zutun des Finanzministers Kokowzew temporär von der Tagesordnung gestrichen. Das Kadettenblatt „Rjetsch" versichert nun, daß . diese Streichung nicht etwa aus dem Grunde 'erfolgte, weil sich die Autoren des Entwurfs der Unmöglichkeit seiner Durchführung bewußt geworden sind, sondern weil das Ministerium des Innern einsah, daß es diese bedenkliche Frage nicht durch seine berüchtigten Geheimzirkulare lösen konnte, sondern dabei vom Finanzministerium abhängig war. Das Finanzministerium konnte sich aber schon aus dem einfachen Grunde nicht für diese Idee erklären, weil das bloße Gerücht genügt hatte, eine Fülle von Zuschriften ausländischer Bankiers an das Finanzministerium gelangen zu lassen, in denen darauf hingewiesen wurde, daß die Hineintragung eines ausgesprochen antisemitischen Prinzips in die Wirtschaftspolitik Rußlands in hohem Grade ungesund wäre und seine Finanzpolitik auf lange Jahre hinaus, wenn nicht für immer, diskreditieren müffe. Uebrigens war der Finanzminister schon vor den eingelaufenen Anfragen der Ansicht, das Ministerium des Innern müsse seine Reformen auf diesem Gebiete bis zu einem «„geeigneteren Zeitpunkte" noch hinausschieben. Aufgegeben hat das Ministerium des Innern seine Idee einer Nationalisierung des Kredits der Reichsbank deswegen noch nicht. Jene 6L - 1^ IM 14 minores, die Herrn Stolypin mtt so viel Erfolg bei seiner Polittk zu inspirieren verstehen, haben keineswegs auf die Hoffnung verzichtet, ihren Gedanken einstmals verwirklicht zu sehen. Schon vor der Anregung der ganzen Frage wurde zur Vorbereitung der beteiligten Kreise vom Ministerium des Innern ein Buch über die Judenfrage herausgegeben, das den Getreidehandel zum Gegenstände hatte. Dieses Buch, ein recht elendes Machwerk, setzt sich fast ausschließlich zusammen aus Äußerungen reaktionärer Blätter über die Teilnahme oer Juden am russischen Getreidehandel. In etwa drei Wochen soll der zweite Teil dieses Buches im Verlag des Ministeriums des Innern erscheinen. Das Werk ist „dem Bankwesen und den Banken" gewidmet. Das Material mußten sich die Autoren selbst sammeln. Der Zweck des Buches ist ein rein antisemitischer, denn es soll der Beweis geführt werden, daß die Verwaltung fast aller russischer Banken und deren Aktien in Händen von Juden liegen. Dieser Beweis wird den Autoren kaum sehr schwer werden, da, wenn man von der Retchsbank und der Moskauischen Kaufmannsbank absieht, das jüdische Element im Bankwesen Rußlands in der Tat entschieden überwiegt, das dem russischen Finanzwesen ungeheure Dienste geleistet hat. Das Finanzministerium ist aus jeden Fall der Ansicht, daß eine Beschränkung des Besitzes von Bankaktien einem Selbstmorde ziemlich ähnlich sehen würde, und setzt dem Plan deshalb sein Veto entgegen. tolmaWmv geht — Ausweitungen. Hdeffa 12. September. Große Freude herrscht hier, nicht allein in jüdischen Kreisen, infolge des Rücktritts des General Tolmatschow, des wahnwitzigen allgefürchteten Stadthauptmanns, dessen willkürliche Gewaltherrschaft besonders die jüdische Gemeinde zu spüren hatte. Dem Vernehmen nach soll er zum Gouverneur in Kaluga ernannt werden. Was er im judenretnen Kaluga, wo es keine Chewrakadischa zu verwalten, keine Synagogen zu beausstchttgen und keine Rabbiner ein- oder abzusetzen gibt, anfangen will, ist noch nicht ersichtlich. Die administrativen Judenausweisungen nehmen einen immer größern Umfang an und werden immer grausamer gehandhabt. Aus den Gouvernements Bessarabien und Witebsk treffen täglich Schreckensnachrichten über die plötzliche Vertreibung unzähliger jüdischer Familien ein. In der Nähe von Jusowka gewähren die Behörden den aus den Dörfern ausgewtesenen Juden bloß eine Frist von zwei Tagen zur Ordnung ihrer geschäftlichen Angelegenheiten. In ihrer Verzweiflung haben u. a. ein Greis von 75 und eine Greisin von 80 Jahren, denen aufgetragen worden war, ihr Hetmatsdorf innerhalb zweier Tage zu verlassen, ihre Zuflucht zur Taufe genommen, aber schon nach wenigen Tagen hatten Gram und Reue die alte Frau aufs Krankenlager gebracht, dem sie nicht mehr entronnen ist. Der Gouverneur von Wologda hat an einem Tage zweihundert jüdische Familien ausgewiesen. Die Betroffenen — meist kleine Kaufleute und Handwerker — sind größtenteils seit Jahrzehnten unangefochten im Gouvernement ansäfftgviele von ihnen sind dort sogar geboren. Und dabei verkündet der Gouverneur, daß die Ausweisung der 200 Familien nur als bescheidener Anfang yedacht sei. &nglanb+ Nack den Krawallen London, 10. September. In England funktioniert -er Gertchtsapparat mit staunenswerter Promptheit. Kaum ist die Ruhe in Südwales zur Not hergesteüt und schon tritt das Gericht in Tätigkett, um den Herren Hooligans zu Gemüte zu führen, daß Südwales nicht in Südrußland liegt. Die erste Verhandlung gege d. ger auf woh Lar schie Unr falle sie disch daß gern Ehrl unfö habe fall und und beklc die Hau Hau der zeffe und soga die 1 straf urtei mit; ungc persi impl Ausl mrhi für sche tion Fam Jer das 'rabbi nicht wie i Konj 15 3 besu; nach in di und eines Rabl Salc au§e 6 tfixfti der k seines chen. 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