Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1911-09-14 · Heft 37 (14.9.1911) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 37 (14.9.1911)
Date
1911-09-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2448803-2448841--66901-2495086
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sette 4 *t. 37 das Verbot, Watfen und Witwen zu kränken, übertreten werde. mwm xb nmn nisten n« cnw bw nvp p* •jurn *b Dim ruDb« bs Diese Denkungsart eines solchen Mannes bei solcher Gelegenheit ist ein klassisches Schulbeispiel für die feinfühlige Rücksicht im Verkehr mit Witwen und Weisen. Wie viele, die sonst dieser Rücksicht Rechnung tragen, dispensieren sich von ihr bei Erfüllung einer Mizwo und glauben durch strenge Härte ihrer religiösen Gewissenhaftigkeit erst den Stempel der Echtheit aufzuprägen. Wenn diese Großen solche taktvolle Schonung selbst bei Ausübung, einer Mizwo bestimmte, wie mutz er sie erst im gewöhnlichen Verkehr in einer Weise bewährt haben, auS der Biele Vieles lernen könnten! Wie viel würde die täglich mehr und mehr sich zuspitzende Dienstbotenfrage von ihrer Schärfe verlieren, wie müßte selbst der erbitterte Kampf der Klassen und Raffen ein Aenderung erfahren, wenn sich alle Beteiligten die Schwere der Sünde vergegenwärtigten, die durch Kränkung der Nebenmenschen begangen wird! Es ist unmöglich, im Rahmen dieser Betrachtung alles das auch nur anzudeuten, was dem denkenden, fühlenden Juden durch die Seele geht, wenn sich ihm die Worte aus dem bewegten Herzen über die betenden Lippen ringen: •m fnovn iwvnw xtsrr bp Wer sich darüber belehren will, sei auf das Kapitel 51 des Chaurew verwiesen, das mit den Worten schließt: ,,Jüngling und Jungfrau Israels! Ihr, die ihr noch rein fühlt die Gottesgabe, denen noch weich schlägt das Herz, wachet über euer Wort, hattet es rein und geweiht dem Segen, und kein Gemüt blute krank von euerem Wort. Vor allem wiederum, wachet darüber in euerem Umgänge mit Unglücklichen, Abhängigen, Armen, Gesinde; doppelt fühlen sie jeden leisen Anstug von Hohn, ja ihr gereiztes Gemüt fühlt oft Stachel, wo ihr gar keinen vermutet. Und vor allem ein weibliches Gemüt! Gedenkt der Aussprüche der Weisen, die, nachdem ste, dem Aunooch-(Kränkunas-)Verbot entsprechend, jegliches Necken, Täuschen, Verlegenmachen, Sticheln, Spotten, Witzeln und Ekelbenennen als verboten aufführen, hinzufügen: Schwerer noch als Beeinträchtigung im Handel usw. ist die Kränkung im Worte. Jene trifft nur Vermögen, diese den ganzen Menschenjener kann wieder gut gemacht werden, dieses kann es nicht- und die Tränen, die ein Gekränkter weint, findet leicht Stätte vor dem Throne des Allrichdie sog. reine Seite betreten, nachdem sie ihre gereinigten und desinfizierten Kleider und Gepäckstücke wieder erhalten haben. Zuvor haben sie sich jedoch darüber auszutveisen, ob sie die für den Auswanderer nach den amerikanischen Einwanderungsgesetzen notwendige Barsumme besitzen, oder ob sie den Vorschriften der Bill in sonstiger Weise genügen. Ter Aufenthalt aus der reinen Seite ist für Juden und Christen getrennt — eine Maßnahme, die ihren Grund in der ganz besonderen Rücksichtnahme der Gesellschaft hat, deren sich unsere Glaubensgenossen speziell in ritueller Beziehung erfreuen. Saubere Betten in hellen, lustigen Baracken von verschiedenster Größe, getrennt für Männer, Frauen und Kinder, sorgen für die Nachtruhe der Auswanderer. Eine Synagoge mit allem Zubehör — bezw. für die christlichen Auswanderer (größtenteils Katholiken) eine Kirche — dient ihrem religiösen Bedürfnis. Jeden Nachmittag findet aus einem schönen, großen Platz Konzert einer eigenen Kapelle statt und auch sonst ist in jeder Weise dafür gesorgt, den Auswanderern das Leben während der Hirzen Zeit ihres Hamburger Aufenthalts so angenehm wie möglich zu machen. Hierzu trügt in erster Linie die hervorragende Verpflegung bei, die die Gesellschaft ihren Gästen gewährt. Tie Speisen für die Inden sind natürlich frrenjj die jüdische Küche steht unter der Leitung einer orthodoxen Aufseherin, und ein in hebräischer Sprache abgefaßter Erlaß des Hamburger Oberrabbincrs verkündet von den Wänden des Speisesaals allen denen, die ihn betreten, daß alle Speisen, die ihnen hier vorgesetzt werden, in jeder Beziehung den religiösen Speisegesetzen genügen. Mit freudigem Interesse hörte ich bei meinem Rundgang aus dem Munde der Küchenvorfleherin, daß am vergangenen Tischohbeaw der größte Teil der Männer gefascht hatte, und daß man ihnen deshalb »er JsraAtt._. _ ters,* Ihn fürchtet, Sein Auge schaut. (v"N 228.) Wer, heißt es an einem anderen Orte, wer vor Vielen seine Nächsten beschämt, gleicht dem Mördersiehst du denn nicht, wie fein Blut stießt? — Drei steigen ins Ge-Hinaum hinab, aber nicht wieder herauf: wer Ehe bricht, wer öffentlich seinen nächsten beschämt und wer mit Spitznamen seinen Nächsten benennt. — Wenn auch alle Pforten des Himmels geschlossen sind dem Gebete, für die Träne eines gekränkten Gemütes ist keine Pforte verschlossen." V. ns 'itd ttKörra ttvn bp •mar rmro »ton bp\ Für die Sünde, die wir vor Dir begangen durch (bloßes) Bekenntnis mit dem Munde Für die Sünde, die wir vor Dir begangen durch Verabredung zu Unzüchtigkeiten. Das größte aller Wunder in unserem Leben ist: Teschuba, die Rückkehr zu Gott und zu seinem Gesetz, nachdem wir ihm die Treue gebrochen haben. Daß der Fluch der bösen Tat nicht fortzeugend Böses gebären muß, daß die von uns gestreute Saat des Unrechts in ihren Folgen rückgängig gemacht werden kann, wenn wir selber es nur ernstlich wollen, das ist ein so völliger Durchbruch der ehernen Gesetze von Ursache und Wirkung, wie er wohl kaum zum zweiten Male sich täglich, stündlich in unserem eigenen Innenleben vollzieht. Er widerspricht unserem ganzen Wissen und Denken. „Die Weisheit antwortet auf die Frage nach der Strafe der leichtsinnig Sündigenden: „Die Leichtsinnigen wird der Böse verfolgen"- die Prophetie: „Die sündigende Seele muß sterben" - aber der Heilige, gesegnet sei Er, erwidert: „Er möge in Tischuba zurückkehren, dann wird ihm Sühne werden, denn es ist gesagt: Er weist oie Sünder auf' den Weg, das ist der Weg der Teschuba." (Talmud, Jeruschalemi, Makkot II, 6). Der erste Schritt auf diesem Weg ist die Erkenntnis des begangenen Unrechts und sein in Worte gekleidetes Selbstbekenntnis, wie es in unserer Widdut geschieht. Wer dieses Bekenntnis nur mit den Lippen spricht, ohne Reue über das Vergangene, ohne neuen Lebensvorsatz» für die Zukunft, der hat den Stab der Aufrichtung in eine Krücke des Abfalls umgewandelr und seinen bisherigen Verfehlungen noch eine neue hinzugefügt: die Sünde, durch das Bekenntnis mit dem bloßen Munde. noch am späten Abend ein reichliches Abendbrot zum „anbeißen" gerichtet hat. Ich konnte mich auch selbst davon überzeugen mit welch peinlicher Sorgfalt die k12L'-Rnhe in den Küchenrüumen eingehalten wird und sah bereits, wie für jeden Mann 2 rQe»43rote zum Freitag-Abend Kiddusch hergerichtet wurden. Für die ganze Verköstigung einschließlich Wohnung zahlen die Auswanderer 2 Mk. pro Tag. Besser Mniittelte können für täglich 3,50 Mk. in einem der beiden auf dem Terrain befindlichen Hotels (Hotel Nord und Hotel Süd) mit ihren übrigen Familienmitgliedern gemeinsame Zimmer bekommen und an separaten Tischen für sich speisen. Unbemittelte erhalten ganz umsonst Wohnung; oft sogar, wenn sie dessen würdig erscheinen, in einem der genannten Hotels. Entgegentreten möchte ich noch der viel verbreiteten, falschen Ansicht, als ob die Auswanderer während ihres Hamburger Aufenthalts das Auswandercrterrain Nicht verlassen dürsten. Es steht ihnen natürlich frei, sich in der -Ltadt auszuhalten, wo und so lange sie wollen. Tie Institution der Auswandererhallcn ist ja allein zu ihrer Bequemlichkeit von der Hapag errichtet, und es besteht für sie kein Zwang sich dort aufzuh-Uten. Ein polizeilicher Zwang besteht nur so lange sic noch nicht ärztlich untersucht sind, um Krankheitseinschleppungen zu verhüten. Ter Aufenthalt der Auswanderer in Hanlburg dauert durchschnittlich 3 Tage. Sie kommen von den Hallen direkt auf das Schiff, das sie ihrer fernen, ungewissen Zukunft entgegenführt. Tausende übernachten oft gleichzeitig in diesen Gebäuden, die die Gesellschaft im Jahve 1900 errichtet hat, und für alle wird in gleicher Weife gesorgt. __ 14. September 1911. „Wenn jemand eines der Gebote oder Verbote vorsätzlich oder irrtümlich übertreten hat und er möchte nun in Taschubo von seinem Unrecht zurückkehren, der muß sich sein Unrecht selber vor Gott bekennen. Dieses in Worte gekleidete Bekenntnis ist göttliches Gebot. Die Widdut lautet: O Gott, ich habe in Leichtsinn, in Krümme, in Anflehnung vor Dir gehandelt, habe das und das getan, ich bereue meine Handlungen, schäme mich ihrer und werde niemals solches wieder tun. Das ist der eigentliche Inhalt der Widdui. Je mehr jemand dieses Selbstbekenntnis wiederholt, und je länger er dabei verweilt, umso lobenswerter ist er. Auch diejenigen, die wegen ihres irrtümlich oder vorsätzlich begangenen Unrechts Sünd- und Schuldopfer bringen, erlangen durch ihre Opfer erst Sühne durch Teschuba und durch in Worte gekleidetes Bekenntnis ihrer Sünden. Ebenso bringt den zum Tod oder zur Geißelstrafe durch das Gericht Verurteilten ihr Tod erst Sühne nach vollzogener Teschuba und nachdem sie ihre Sünden bekannt. Auch wer einen andern verwundet und an feinem Vermögen geschädigt hat, erlangt, auch wenn er ersetzt hat, was er ihm schuldet, erst Sühne, wenn er sein Unrecht bekannt und es nie wieder zu tun sich durch Teschuba gelobt hat-Wer aber mit bloßen Worten sein Unrecht sich bekennt ohne im Herzen den Vorsatz zu fassen, von seinem Unrecht zu lassen, der gleicht einem, der ein Reinigungsbad nimmt, das ihn verunreinigende Kriechtier aber in der Hand hälteinem solchen nützt das Bad nichts, bis er das Kriechtier fortgeworfen hat." (Rambam HUchot Teschuba Kap. I u. II.) Man muß sich diese Bestimmungen gegenwärtig hatten, um einen Maßstab für die Verirrung zu haben, mit welcher der Jom Kippur von so vielen verkannt und geradezu in sein Gegenteil umgewandelt wird. Ohne Teschubo gibt es keine Versöhnung, gibt es keinen Jom Kippur, der das verfehlte Tun unserer Vergangenheit sühnend aus unserem Leben streicht und uns Mut und Kraft für eine neue Zukunft gibt. Ohne Widdut gibt es keine Teschubo, weshalb wir sechsmal das Bekenntnis unserer Sünden am Jom Kippur wiederholen. Das Gnadengeschenk der Verzeihung und Versöhnung wird uns nur für den Vorsatz gewährt, mit Jom Kippur ein neues Leben beginnen zu wollen. Wer nach Jom Kippur sein bisheriges Leben fortsetzen will, wer spricht, ich werde getrost Wetter sündigen, der Jom Kippur macht ja alles gut, dem ist der Jom Kippur mit Nichten ein Tag der Versöhkör hei Jo erf all. odk Zig UN int kur Ni. der lax uni roh Be We 8'f' geg wei hät Fel Boi Ges als gen abei der hin! Hab. kalt es I von zähl daft hau. Süi vtelj i Co nung. Und die Wirklichkeit? Eine große Zahl derjenigen, die am Jom Kippur die Gotteshäuser füllen, verlassen sie genau so, wie sie sie betteten Ais ich, bevor ich die Hallen wieder verließ, noch aus dem Mund und den Mienen einiger Auswanderer selbst erfahren konnte, wie wohl sie sich während ihres Älifenthalts in Teutschland bei der Hapag fühlen, da freute id} mich nnd mit mir wohl jeder ebenso, daß es diesen armen, vaterlandslosen Menschen vergönnt ist, wenigstens einige wenige angenehme Tage im fremden Land zu verbringen. Aufrichtige Freude muß aber auch jeden orthodoxen Juden erfüllen, wenn er sieht, wie unsere russischen Glaubensgenossen auch in ihrem tiefsten Elend treu bleiben dem Glauben unserer Väter und den Vorschriften unseres Religionsgesetzes. Möge sie der jüdische Idealismus dazu befähigen, auch alle ferneren, schweren Tage ihrer Leidensfahrt in mne neue Heirmait zu ertragen, und möge ihnen dort der Lohn für ihre Glaubensfesttgkeit zuteil werden! Möchten sie aber auch noch oft solche gastfreundliche Wirte finden, wie in Hamburg die Hamourg-Amerila- Linie. gkstl. dern feine darir Litt. iüssei die i wirkt sehen Jahr rein Greis leb ha sch me 5» n ist li trüge sie 6i s-hen Abgll (Agadir.) Agadir, in dessen Hascu jetzt di-.' deutsche Fahne aufgehißt ist, beherbergt, wie die meisten Hafenstädte Marokkos, auch eine beträchtliche Anzahl von Juden in seinen Mauern. Sie wohnen in cillem besonderen Viertel. Ein Berichterstatter des „Bert. Lokalanzeigers" findet, daß es dort etwas sauberer wie in den anderen Stadtteilen aussieht. Weiter erzählt er: Wie die Juden einen besonderen Stadtteil haben, so haben sie auch eine andere Tracht. Meist sind ihre Kaftans schwarz oder dunkelblau und auf dem Kopfe tragen sie eine Art schwarze Kappe, während die Araber meist hell gekleidet sind. Die jüdischen Frauen schmücken, sich mtt hellen, oft grellbunten Gewändern und ihr Haar ist zu einem zierlichen Knoten gewunden. Sie verhüllen auch nicht ihr Gesicht, son- < ititcEei INlls biblis di.' bi dtt M. ns Hnlb- Bibel joube: natür wir i stehen 1911),

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.