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Der Israelit · 1911-09-14 · Heft 37 (14.9.1911) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 37 (14.9.1911)
Date
1911-09-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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.Tcv?w%t'! 1911 14. September 1911 Der ADrmÜt schen, Form chstes hat. welch n der i rein und daß rt, so rstleroeninzel- Entdem rerbskeinen t vermmer führt, m, ist Mosmus anzuß die t 15. i zum ie in usam- Mgen, n urer er :rtreine im tlicher dort ie die hin-?P es eblüht i, als men v Die des Misracht auf dem letzten Zionistenkongreffe aus der Annahme der Kulturresolution mit so großem Pathos zu ziehen drohten, waren n i ch t im Sinne des Austritts aus der Organisation zu verstehen. Misrachi als solcher tritt nicht aus, sondern er hat in der Berliner Konferenz am 10. ds. Mts. seine Bundesgenoffenschaft mit der Partei, diedie Neutralisierung, die Entjudung des Judentumsauf ihre Fahne geschrieben, von neuem begründet. Damit hat sich die Fraktion selbst gerichtet. Ob sie jetzt überhaupt noch „Konsequenzen" aus jener Peryorreszierung ihrer heiligsten Ideale zu Gunsten einer kleinen Gruppe neuhebräischer Wort- und Federhelden ziehen wird, und welcher Art diese Konsequenzen sein werden, kann der jüdischen Oeffentlickkeit in Ost und West, so weit sie jüdisch denkt, völlig gleichgültig sein, da ein Unterschied zwischen Zionismus schlechthin und Misrachizionismus seit dem 10. September nicht mehr besteht. Der Misrachi, durch die offizielle Partei in Basel kalt und gefühllos zur Strecke gebracht, hat sich durch seinen Berliner Beschluß selbst den Todesstoß versetzt. Mit weitgehendem Optimismus hatte die Misrachizentrale noch in ihrer Einladung zur Delegiertenversammlung u. a. die Frage zur Diskussion gestellt, ob und in welcher Weise Misrachi nach seinem Austritte aus der Organisation noch weiter zu bestehen habe. Ja, wäre der Austritt, wie es die Misrachi-Zentrale so zuversichtlich erwartete, zustande gekommen, man hatte über den weiteren Bestand des „Misrachi" als selbständiger Organisation auf breiterer Unterlage diskutieren müssen. Heute, nach diesem mutigen Rückzuge, nach der plötzlichen Verleugnung alles besten, wofür er eben noch so entschieden und, wie es schien, mit der ganzen Glut seiner Seele, mit der ganzen Kraftseiner Ueberzeugung gekämpft hatte, nach dieser bedingungslosen Kapitulation aus Gnade und Gnade, ist jene Frage des „Fortbestandes" des n i ch t ausgetretenen Misrachi völlig gegenstandslos. Er schwindet nach dieser letzten Tragikomödie laut- und spurlos von der jüdischen Weltbühne und hat das Recht verwirkt, als Faktor im jüdischen Parteileben von der einen oder anderen Seite ferner ernst genommen zu werden. Nicht anders als tragikomisch mutet es an, wenn man den Rückzug mit dem Argumente von der Politik des Ab Wartens zu decken sucht. Die Kultur des Atheismus, sagt man, sei heute nur auf dem Papiere, so warte man doch ruhig ab, bis den Worten die Taten folgen. Zur Trennung sei es immer noch Zeit. Die Guten! Als wüßten sie nicht, daß es hier des Wartens nicht mehr bedarf. Die Taten brauchen den Worten nicht mehr zu folgen, sie sind ihnen längst vorausgeeilt. Wer die Verhandlungen des letzten Kongresses genau verfolgt hat, weißesaus jedem Luftzüge, der von Zeit znZeit aus der gänzlich verseuchten Atmosphäre in Tel- Abib in das Kasino hineinwehte. Worauf man noch gewartet hatte, war nur die Formel, die der bereits geleisteten Kulturarbeit wie den neuen Experimenten die legislatorische Sanktton erteilt. Es bedurfte noch des Scheines, auf dem Die um Sokolow, Moffinsohn usw. bei ihrem kulturellen Vordringen entgegen allen Frömmlern und Nörglern stehen können. Sie erhielten diese Legitimation von der zionistischen Gesamtheit bereitwilligst in der Form der Kulturresolution, eines Blancowechsels, — die heuchlerischen „Zugeständnisse" an die Religion im zweiten Absatz der Resolution vermögen daran höchstens in den von Sokolow besungenen märchenblauen Augen eines oder zweier russischer Rabbiner etwas zu ändern, — der zu neuen „Kulturtaten" anreizt, ja verpflichtet. Worauf soll also noch gewartet werden? Nur die Minorität der Mtsrachisten, allerdings gerade die bisherigen Führer und jedenfalls die süddeutschen und nngarischen Mitglieder, haben eingesehen, daß im Zionismus ihres Bleibens länger nicht mehr sein kann und sie verlaffen'eine Gemeinschaft, die durch die Ablehnung der einfachsten und billigsten jüdischen Forderungen ihr Gesicht völlig entlarvt und ihren unjüdischen, das überlieferte Judentum negierenden Charakter auch dem unkritischsten Auge offenbart hat. Die tapferen Männer, die, nachdem ihnen diese Erkenntnis einmal aufgegangen war, von dem Mut der Wahrheit und ihrer Ueberzeugung sich bis zur letzten Konsequenz leiten ließen, werden reichlich Gelegenheit finden, ihre jetzt völlig ungebundene, von keiner unjüdifchen Parteischablone beschwerte Kraft im Dienste der jüdischen Sache zu betätigen. Der Misrachi als solcher ist an der prinzipiellen Schwäche seiner Position nicht etwa an der allzu geringen Zahl seiner Anhänger zu Grunde gegangen. Seine ehemaligen Führer aber, alle die, die den Glauben an die ewige Lebenskraft dieses historischen Judentumauch ohne Sokolow und Achad-ha-am sich bewahrt haben, sie scheiden mit einem Siege aus der Organisation, mit einem moralischen Siege, zu dem sich ihre Erkenntnis der wahren jüdischen Aufgaben durchgerungen hat. ^7 V. 9te.37. Sette» dem M-cdror für die «ton V. Um nur dieser einen Anregung desSündenbekenntniffes gerecht zu werden, sind die vierundzwanzig Stunden des Jom Kippur viel zu kurz. Jede dieser Kategorien erforderte ihre eingehende Würdigung. Der Fremde! Ihr wißt, wie es dem Fremden zumute ist, mahnt das Gotteswort, wenn es uns die Liebe gegen den Fremden nahe legen will, denn ihr wart selber Fremdlinge im Lande Mizrajim. Wir sind es ja in gewiffem Sinne noch, und wenigstens möchte der lieblose Judenhaß uns als Fremdlinge angesehen und behandelt wissen. Er preßt alles Verschmitzte, Verschlagene und Unreelle in das Wort „Jude" zusammen und braucht uns dann nur als Juden zu bezeichnen, um uns zu beschimpfen und zu kränken. Und wir? Handeln wir anders, wenn wir jeden an unserer Türe pochenden Bruder aus der Fremde als „Pollack" bezeichnen, nachdem wir vorher in dieses Wort alles hineingelegt haben, was der Judenhaß dem „Juden" unterstellt? Für viele ist der Begriff „Polen" ein so unbegrenzter geographischer Begriff geworden, daß er bereits östlich von der Elbe und für viele noch früher beginnt. Wie tief muß die moderne „Herrenmoral" auch die jüdischen Kreise bereits vergiftet haben, wenn sie in jedem Hilfe suchenden Fremden nur „Schnorrer" und „Pollacken" wittern, gegen die man sich wie gegen ein wildes Tier abhägt, ohne daß sie sich auch nur der Verrohung bewußt sind, die sie durch diese Kränkung bekunden. Von meinem Lehrer Rabbi Israel Salant wird folgender Zug erzählt. Als er noch seiner Jeschibo Vorstand, trafen die Schüler alljährlich die nöttgen Vorbereitungen für die Herstellung der Mazzos. Nachdem sie alle Räume und Geräte sorgfälttg gereinigt und in Stand gesetzt hatten, ersuchten sie den Meister nachzusehen, ob er noch etwas anzuordnen habe. Im Vertrauen auf die Gewiffenhafttgkeik seiner Schüler lehnte er die Inspektion ab, und sagte: Es ist ohne Zweifel alles in Ordnung, nur auf eines mache ich Euch aufmerksam. Beim Kneten des Teiges und den sonstigen Hantierungen sind einige Witwen und Waisen beschäftigt. Falls sie durch Lässigkeit oder Ungeschicklichkeit es an irgend etwas fehlen lassen sollten, so fahret sie mit keinem harten Wort an, sondern belehrt sie mit Nachsicht und Sanftmut, damit, während wir das Gebot der Mazzotherstellung er füllen, nich Gebens, lle von en nur liomnu spricht, enöung rte des v nd; «ersten »öchsten nen sie :cht die m ein* nnerste as sich s Eintst die Dieser st volltfalten, I bleibe ste von! c Fülle allem >t Aufflektiert einheirr offenste notwendige Begleiterscheinung eines jeden Gemeinwesens, baS bindende Moment, das die ethischen Kräfte gewöhnlich vermindert, bedeutet diesem Bott nur eine Förderung : denn seinem Gehör spricht alles — und das zwingendere desto deutlicher — die göttliche Sprache. Darum versteht es die Stimme des NV'ÜV-'Jahres. Damit bet dem zwingenden, drängenden und drückenden Jagen «ach Besttz, das die Boraussetzung für jedes tätige Leben bildet, das Göttliche nicht aufhöe, die Grundlage des nationalen Lebens und der Einzelmoral zu sein, ist die freie periodische Unterbrechung im Nv'VV-Jahr dazu da, das nationale Bewußtsein wieder in die höchsten Regionen des moralischen und intellektuellen Lebens zu haben, sodaß der göttliche Kern wieder frei zur Wirksamkeit komme, der ohne Rücksicht auf jede Ordnung und jede Mode deS gesellschaftlichen Lebens die konventionellen Formen adelnd umgestaltet. Die Hiirvandembalie« der ffapag. Bon Tr £. K» Frankfurt a. M. (Ls war an einem Freitag Nachmittag — tief in meinem Innern hallten noch die traurigen Melodien der Magegesänge des gestrigen Gedenktages der Zerstörung Jerusalems wieder — als mich der Wagen weit hinaus vor die Tore Hamburgs fuhr, zu den Answandererhallen der Hamburg-Amerika-Linie, deren Besichtigung mir das freundliche Entgegenkommen der Direktion gestattet hatte. Ich fuhr über die große Elbbrücke und betrachtete bewundernd das Kulturwerk, das des Menschen stets strebender Geist stier geschaffen hatte und noch zu schassen im Begriffe war; aber ein noch größeres Kultürwerk sollten bald meine Äugen erblicken, ein Werk, das bestimmt war. das Los der Aermstcn der Armen, unserer bedauernswerten, russischen Glaubensgenossen zu lindern. Bald brachte mich der Wagen zum Ziel. Wi? eine Festung Ulit starker Mauer umgeben, lagen die Hallen vor mir und schon die massive'Wuchtigkeit ihrer Ausführung macht einen mächtigen Eindruck auf den Betrachter, deines Unbefugten Auge kann einen Blick yinemwerfen. Nur wer von Süddentschland aus mit der Bahn nach Hamburg kommt, sicht kurze Zeit vor Hamburg rechts von der Bahnstrecke die Bauwerke liegen und kann sich daun wenigstens einen Begriff von der immensen Ausdehnung des Geländes machen. Der Zutritt selbst ist nur mit Erlaubniskarte gestalt.."?, die aber nur ausnahmsweise erteilt wird. Zunächst betrat ich das Verwaltungsgebäude, in dein ein Stab von Beamten die zahlreichen Adm-nistrationsgeschüfte erledigt. Einer der Herren hatte die Freundlichkeit meine Führung zu übernehmen und orientierte mich zunächst über die einzelnen Stadien der Auswanderung, sowie über die leitenden Gedanken UNd das Prinzip des Auswanderungswesens, auf die ich aber an dieser Stelle nur ganz kurz Hinweisen kann. 'Bereits an der deutsch-russischen Grenze werden die Auswanderer von den Agenten der Hapag in Empfang genommen, die ihnen alle Arten von Auskünften geben und sie in die richtigen Züge verweisen. Diese Agenten sind selbständige Gewerbetreibende und nicht etwa Angestellte der Gesellschaft. In Rah'eben, einen, Ort in der Nähe Spandaus, stehen Sonderznge der Hapag für die Auswanderer bereit, verniittels derer diese nach Hamburg geschafft werden. Sie verlassen diese Züge, deren durchschnittlich 3 in Hainburg täglich einlaufen, auf einem besonderen Bahnhof, von dem sie, ohne die Stadt zu berühren, nach den Auswandererhallen gelangen. Tie Auswandererhallen selbst zerfallen in zwei Täile: eine reine und eine unreine Seite. In einer großen gcrällmigen Halte der unreinen Seite werden die Auswanderer empfangen und zunächst wird über jeden einzelnen ein Protokoll ausgenommen, das alle näheren Angaben über die Person des Auswanderers, seine Bermügensverhältnisse, sein Reiseziel re. enthält, ---ein Geld kann jeder hier gegen Quittung deponieren. Männer und Frauen trennen sich nunmehr hier und in einem Nebrnrannr haben sie sich sodann vollständig zu entkleiden und ihr Gepäck abzugeben, das sofort, samt ihrer ganzen Kleidung in einen Tesins.'kiio'ls apparat gebracht wird. Diese mit den modernsten Errungenschasten der Techrrik ausgestatteten Desinfektions- Vorrichtungen sind eine Sehenswürdigkeit für sich. Während dieser Zeit nimmt jeder in einzelner Zelle sein Bad. Besonders interessant ist hier eine Borricht ing die es ermöglicht, den Zulauf des heißen Wassers von außen mittels eines einzigen .Hebels für sämtliche Wannen zu regulieren. Es kam nämlich oft vor, daß Auswanderer, die nrit den modernen Badewasserkrahnen »licht nmzugehell verstanden, sich durch heißes Wasser verbrüht haben. Tie Gesellschaft hat deshalb die Ei»-, richtnng getroffen, daß ein Beamter die Temperatur des Wassers in säiiitticlcu Badezellen voi, einem Zentralranr» aris beobachten kann. Nach dem Bad wird jeder Anslvanderer dein Arzt zur Untersuchung vvrgcsührt. Wer an einer ansteckenden .Krankheit leidet — besonders häufig ist hier die berüchtigte Angenerkranküng — wird alsbald wieder nach Nußland zurück transportiert, da ihm die Einwanderung in Amerika ja doch nicht gestattet wird, und er aus diese Weise wenigstens die Kosten der vergeblichen Ueberfahrt spart. Tie übrigen Kranken kommen in das dort bereitstehende Spital. Diejenigen, die die ärztliche Untersuchung für gesund befunden hat, dürfen nunmehr

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