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Der Israelit · 1911-09-07 · Heft 36 (7.9.1911) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 36 (7.9.1911)
Date
1911-09-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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11. i daalen, acht, rtten 'Linkt \X so nden rheit des ► nten ^ung gung von kein dauhendere, lente tmig nsereiner i der jü- Rede lung des nomericht der l ge- und it die :aues hier em!- Jn- >enjiiene- \ Ms öatoib omuf Danirteilt. Me- Serjeil-- M Herrn Leber- Herrn M. 7 GeptMber 1911 Kahin (au|: Stuttgart und Dr. Ans - bacher aus Heikbronn gewählt. Sodann erteilt der Vorsitzende dem' Herrn Rabbiner Dr. Ansbacher das Wort zu einem Vorträge über „Das Judentum der Gegen w a r t u n d s e i n e Au f g a b e n Der Redner beleuchtet den allgemein beklagten Rückgang religiösen Lebens, der insbesondere durch mangelhafte Begeisterung für rniujn min zum Ausdruck komme und forderte mit kräftigen Worten zum Kampf gegen den Materialismus auf, der den immer mehr einreißenden rot? yiyn im Gefolge habe. Er schloß mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß auch die Juden Württembergs zeigen mögen, daß hier noch religiöse Kräfte schlummern, die, rechtzeitig geweckt, Gutes wirken können. Der Vorsitzende dankt dem Redner für die beherzigenswerten, mit ungeteiltem Beifall aufgenommenen Worte und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß der Verband fernerhin segensreich wirken möge! Hierauf referiert Herr Em. Kaufmann aus Frankfurt a. M. (bisher in Stuttgart) über die .in Aussicht stehende Revision der Kirchenverfassung und fordert vor allem, daß § 6 derart umzuändern sei, bajj die Schaffung einer dem Schulchan Aruch entsprechenden mptt selbst auf den Wunsch einer Minderheit hin unbedingt zu gewähren sei. § 8, der dissentierenden Minderheiten Subventionen, ja sogar ein Recht auf die Synagoge einräumen will, biete Gefahren, da. hierdurch der Fall eintreten könne, daß auch die radikalste Reform etwa zu einem „Sonntagsgottesdienst" die Synagoge verlange. Auch im Interesse der gefetzestreuen Richtung sei eine Subvention von der Hauptgemeinde nicht immer zu begrüßen, da diese leicht die religiöse Autonomie gefährden könne. Dagegen sei die durch den Prozeß Aron erwiesene Anstrittsmöglichkeit eine Handhabe für die Bewegungsfreiheit der Orthodoxie. Z 8 sei daher zu streichen. Bei dieser Gelegenheit kamen auch die Auslassungen und Angriffe des Herrn Rabbiners Dr. Tänzer in Göppingen in verschiedenen Blättern zur Sprache, däe selbst auf n e o l o g e r Seite, wie die zur .Verlesung gebrachte Korrespondenz erwies, Widerspruch und Entrüstung hervorgerufen. Die Versammlung faßte daher folgende Resolution: „Der Landesverband protestiert energisch gegen die von Tr. Tänzer in verschiedene Blätter gebrachten Artikel, da diese die selbst an höchsten Stellen anerkannte Verschiedenheit der gesetzestreuen und neologen Richtung im Judentum in Abrede zu stellen verbuchten, um das orthodoxe Judentum und insbesondere einzelne Personen, die sich um dasselbe verdient gemacht, zu diskreditieren. Es handelt sich bei diesen Differenzen nicht um „Ritualformen, die i^rit>a^fac^^e finö", sondern um grundlegende Glaubenssätze des für das Judentum für alle Zeiten verbindlichen Thorahn ,,i lii ■wp ’i w n:pp ittschen n Geg ver- . Jn-;umeist ichtung Utti- 08 von Papyri »emmg lanken, scheu rntasttsches Basel esuch i Prälestellt. > mit selten Nachdem dem Vorsitzenden Herrn Herz für die vorzügliche Leitung der Sitzung, sowie den nach Frankfurt verzogenen Herren Kaufmann und Aron für ihre Verdienste um den Verband Dank ausgesprochen worden, schloß die Versammlung. Ungarn. llngsrifcker Brief. (Von unserm Korrespondenten.) Z. B. A. Au-apest, 20. Aug. Nach der statistischen Monatsschrift find aus der „Oesterr. ungarischen Monarchie" seit 1901 bis 1909 insgesamt 136 668 Juden nach den Vereinigten Staaten von Amerika ausgewandert. Da die Gesamtauswanderung Oesterreich-Ungarns in dieser Zeit 1887368 beträgt, sind die Juden mit ihrem Anteil in unverhältnismäßigem Prozentsatz zu ihrer Einwohnerzahl beteiligt. Erwägt man ferner, daß die mitgebrachten Barmittel bis 1904 im Durchschnitt 20,43 Dollae ausmackten, während sie von da an weiter sich bis auf 16,11 Dollar reduziertenwas bet den übrigen Auswanderern nicht der Fall war, kann man sich __ Der ein klares Bild von der sozialen Verelendung machen, der die jüdische Bevölkerung der Monarchie, die sich auf einer rasch abwärts führenden Bahn befindet, ausgesetzt ist . . . Nun pflegt nach soziologischer Gesetzmäßigkeit die Abfuhr des überschüssigen Menschen Materials nach überseeischem Gelände von günstigem Einfluß auf die zurückgebliebene Gesellschaft zu sein. Das französische Sprichwort vom Aufhören des Kampfes aus Mangel an Kämpfenden, das vorerst bei jedem sozialen Gebilde zur Wahrheit wird und zur inneren Gesundung führt, findet aber bei uns keine Bestätigung. * # * Die Mischehe bedeutet in vielen hiesigen neologen Kreisen kein Problem mehr, sondern eine tägliche Erscheinung, mit der man sich leicht abfindet. In Satoralya-Ujhely ist jüngsthin eine an der Schule der jüdischen Gemeinde angestellte jüdische Lehrerin infolge einer Mischehe die Gattin eines Katholiken geworden, und es ist bezeichnend für die Auffassung der neologen Kreise Ungarns, daß nun darüber eine Kontroverse entstehen konnte, ob die genannte Lehrerin auch weiterhin an einer rein jüdischen Schule tätig sein könne. Und noch bezeichnender ist es, daß diese Frage gar nicht ohne weiteres beantwortet werden kann, da es noch zweifelhaft ist, ob ihre Entlastung auch von dem ungarischen Unterrichtsministerium bestätigt werden würde. In den Regierungskreisen ist man nämlich der Ansicht, daß Mischehen in Ungarn gestattet sind, und die genannte Volksschullehrerin hat demnach nichts getan, was gegen die Landesgesetze oder die guten Sitten verstößt. Man ist in den Kreisen der ungarischen Judenheit naturgemäß auf die endgiltige Lösung dieser wichtigen prinzipiellen Frage sehr gespannt. Jnterestant ist es, daß dieser Fall nicht vereinzelt dasteht. In einer anderen Gemeinde in Waag-Neustadtl wirkt gleichfalls eine Lehrerin an der dortigen jüdischen Volksschule die schon vor Jahren eine Mischehe mit einem Nichtjuden einging. Der dortige Kultusgemeindevorstand hat daran keinen Anstoß genommen und so wirkt die betreffende Lehrerin auch heute noch an der jüdischen Volksschule. fflnglantr. Das 5a?if 9er 3u9enex?effe. London, 3. Sept. Jetzt, nachdem endlich Ruhe in Südwales eingetreten ist, suchen die meisten Zeitungen den Ausschreitungen ein etwas harmloseres Gesicht zu geben. Vor allem möchte man von antisemitischen Exzessen nichts wisten. Auch in den hiesigen leitenden jüdischen Kreisen erklärt man die Vorgänge als Begleiterscheinungen der allgemeinen Lage, die mit Judenhetzen nichts zu tun hätten. Andererseits wird auch im Auslande von denen, die Judenhaß als Motiv der Kravalle gellen lasten, die ganze Schuld den Iren zugeschoben. So schreibt die „Bost. Zeitung" : „England ist ein vereinigtes Königreich und besteht aus so grundverschiedenen Ländern wie England, Schottland, Irland und Wales. Von diesen Ländern kennt der Durchschnitts - Mitteleuropäer eigentlich nur England, höchstens etwa Schottland. Bon dem an die Schweiz gemahnenden Wales oder der reizenden, grünen irischen Insel weiß er wenig. Für ihn ist eben alles zusammen — England. Und so kommt es, daß die antisemitischen Krawalle in „England" in der ganzen zivilisierten Welt maßlose Verwunderung hervorgerufen haben. Der Kenner der Verhältnisse jedoch wird sich weniger wundern. Denn er weiß, daß Tredegar, Bargoed und Giljoch in Wales liegen und dazu noch stark mit Iren bevölkert sind. Der Ire aber haßt den Juden. Es ist England bis auf den heutigen Tag nicht gelungen, in Irland z. B. den Schulzwang einzuführen. Bei weitem der größte Teil aller Iren sind Analphabeten. Und der Priester ist ihr Befehlshaber. Ihm / - ' v Bo. 86 Sette 7 gehorcht der Ire blindlings. Nun entstammt der irische Priester aber dem Milieu, ln dem er sich bewegt. Die Folge ist ein religiöser Fanatismus, der in nichts dem der Mohammedaner nachsteht, gepaart mit Unwissenheit und Aberglauben, wie sie im dunkelsten Rußland nicht böser Hausen können. Für diese Leute ist der Protestant der verabscheuungswürdige Ketzer, der sicher einmal in der Hölle schmoren wird. Der Jude aber —. Wenn man den Namen ausspricht, muß man sich bekreuzigen. Denn er ist der leibhaftige Teufel. Es leben auch in Irland fast gar keine Juden, in Wales verhältnismäßig wenige. Und Protestanten und Juden scheinen in den bedrohten Distrikten bereits gemeinsame Sache gemacht zu haben, denn es haben sich dorr „freiwillige Schutztruppen" gebildet, die Tag und Nacht durch die bedrohten Straßen marschieren und an deren Spitze ein protestantischer und ein methodistischer — Geistlicher stehen." lieber alle Zweifel fest steht aber nunmehr, daß sich alle Behauptungen, als seien die Krawalle dadurch entstanden, daß jüdische Kaufleute, den Streik ausnützend, die Lebensmittelpreise emporgeschraitbt hätten, durch die Untersuchung als völlig grundlos ergaben. Im übrigen wäre es auch schwer zu ersehen, was Butterpreise mit dem Ausrauben von Juwelierläden zu tun haben. Dagegen ist charakterisch, daß fast alle bei den Krawallen Verhafteten — Irländer waren. lieber die Ausschreitungen selbst werden immer neue Einzelheiten bekannt, die daraus schließen lasten, daß dem Mob doch mehr an Raub und Diebstahl gelegen war als an Zerstörung und Mißhandlung. In mehreren Fällen scheuten sich jedoch die Horden auch nicht, das Einschreiten der Behörden mit Brandlegung zu beantworten. Nur ein Fall brutaler Mißhandlung, der an russische Pogrome erinnert, ist bis jetzt bekannt geworden, dessen Opfer eine Wöchnerin mitsamt ihrem Kinde ist. Das Kind hat dabei den Tod erlittendie Mutter ist schwer verletzt nach dem jüdischen Hospital in London verbracht worden, wo von seiten der Gemeinde in liebevollster Weise für sie gesorgt wird. Italien. Römifther Brief- OBon unserem Korrespondenten.) H. E. Htom, 21. August. Die römische Judenheit ist für wenige Tage aus ihrem Jndtfferenttsmus herausgeriffen worden. Dieses Wunder bewirkte weniger der Tod ihres Rabbiners, um besten Wirken sie sich zu seinen Lebzeiten herzlich wenig gekümmert, als sein auch für hiesige Verhältnisse unerhörtes Testament, über besten überraschenden Inhalt ich schon kurz berichtet habe. Am 2H2 'D wurde sein sonderbarer „letzter Wille" in Erfüllung gebracht und noch heute spricht man in jüdischen Kreisen von nichts anderem. Doch — zur Ehre der italienischen Juden, über deren religiöse Verfassung sich wohl niemand mehr falschen Vorstellungen htngeben dürfte, sei es gesagt: Die Kremation hat keinen Verteidiger gefunden. Zwar hat sie zum größten Teile nur Verwunderung hervorgerusen, aber auch derjenigen sind nicht wenige, die der Gedanke an die ungemein traurigen Konsequenzen, die dieses Beispiel „von oben" nach sich ziehen könnte, mit aufrichtigem und bitterem Schmerze erfüllt. Oberrabbiner Margulies aus Florenz hat es angesichts des traurigen Ereignisses in weitschauender Weise für seine heilige Pflicht gehalten, auf den furchtbaren awn in aller Oeffent-' lichkeit aufmerksam zu machen und sich damit den Dank aller Rechrdenkenden verdient. In kurzen, sachlichen, aber darum nicht minder entschiedenen Worten stellt er in der letzten Nummer des „Settimana Jsraelitica" an leitender Stelle fest, daß die Feuerbestattung dem jüdischen Religions gesetz vollständig zu-

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