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Der Israelit · 1911-09-07 · Heft 36 (7.9.1911) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 36 (7.9.1911)
Date
1911-09-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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»er ifltartt widerlaufe und beruft sich absichtlich auch auf | das Zeugnis des verstorbenen liberalen Großrabbiners von Frankreich, Zadoc Kahn, der die Kremation scharf verurteilt hat. Die Worte haben nicht verfehlt, einen tiefen Eindruck zu machen und allgemeiner Zustimmung zu begegnen, so daß zu hoffen steht, daß der Fall, einzig wie er ist, auch so bleiben wird. Die Nachfolgerfrage beschäftigt nun zur Zeit alle jüdischen Gemüter der ewigen Stadt. Zwar ist die Gemeinde nicht ganz verwaist, da sie provisorisch von zwei Vizerabbinern, die seit Jahrzehnten hier im Amte sind, geleitet wird. Doch hier bedarf es einer bedeutenden, energischen, fest im Boden des traditionellen Judentums wurzelnden Kraft, um die traurigen Zustände, in denen sich der Kultus hier befindet, zu bessern, oder richtiger, vollkommen neuzuregeln. Mag auch die „Schechitah" an und für sich in Ordnung sein, so ist vor allen Dingen im Metzgereiwesen alles reformbedürftig. Wir werden zur Zeit auf die Kandidatenfrage für einen so wichtigen Posten zurückkommen. Für heute möchten wir der Hoffnung und dem innigen Wunsche Ausdruck verleihen, daß die leitenden Gemeindekreise, die dem pramschen Judentum leider so ferne stehen, sich ihrer Verantwortung bewußt werden möchten und bei der Wahl bedenken, daß das Wohl und Wehe, die Zuknnft einer Gemeinde mit einer großen Vergangenheit auf dem Spiele steht. Und nun noch die zu frohen Hoffnungen berechtigende Botschaft von einem Vorschlag, der, wie fast alle der Erbaltung des Judentums in Italien gewidmeten Projekte, der Initiative des Florenzer Oberrabbiners Dr. Margulies entstammt. Nach den kommenden E3/y'i'> soll in Florenz eine Versammlung jüdischer junger Leute stattfinden, die eventuell zur Gründung eines „Verbandes für praktische religiöse Arbeit" führen soll. Aus der großen Anzahl begeisterter Zuftimmungsschreiben, die die „Setttmana" seit Wochen veröffentlicht, läßt sich glücklicherweise konstatieren: daß auch in Italien noch ein letzter Rest von Ueberzrugungstreue — wenn auch über das ganze Land zerstreut — unter der Jugend vorhanden ist. Nach den bis jetzt vorliegenden Anmeldungen dürfte auf ca. 50 Teilnehmer zu rechnen sein. Ueber das genaue Programm der Tagung sowie deren Verlauf werde ich s. Zt. ausführlich berichten. In einem eingehenden Schreiben haben wir in der „Settimana" dargelegt, daß die Grundlage für alle religiöse praktische Arbeit in der allgemeinen Beobachtung des nnier zu suchen und zu finden ist. Gelingt es, in diesem wundesten Punkte Befferung zu schaffen, gelingt es vor allen Dingen, den schon seit langem geplanten „Schaumere Schabbath" ins Leben zu rufen, dann wird die Tagung der jüdischen Jugend Italiens von unendlichem Segen für das fernere Gedeihen des Judentums in diesem Lande sein, dann wird man einst von ihr sagen können, daß es mit ihr „zu tagen begann". Uerein$we$en. Krakau, 29. Aug. Auf Beschluß der Zentrale der gesetzestreuen Arbeitervereine *,7*1712 ist hier eine neue Monatsschrift im Jargon unter dem Titel „Jüdisch-religiöser Arbeiter" ins Leben gerufen worden, die auch daS offizielle Organ de: Vereine sein soll. Die Tendenz des Blattes ist, das religiöse Gefühl bei den Arbeitern zu heben und zu stärken durch belehrende und unterhaltende Abhandlungen. Personalien. Frankfurt a. M., 7. Sept. Der Heimgang des Rev. Hearst y^T in London löste Erinnerungen in mir aus, denen ich kurze Worte leihen möchte. Ich bin in einem Hause herangewachsen, in dem man viel auf schönes Chasonus hielt und in dem' der Inbegriff schöner Mustk im gehaltvollen Bortrag der Q’iCOn 2*12* 711*?'S71 gipfelte. So nahm ich aus meinen auSgeoehnten Reisen stets gern Gelegenheit gute 2777 äu hören. Doch erst als meine Wege mich nach Londc» führten und ich Rev. Hearst in der imposanten Tuke's Place Synagoge hörte, lernte ich erkennen und würdigen, welch bedeutender Faktor der pn für den synagogalen Gottesdienst ist und sein kann. Wer Rev. Hearst ty'XJ am 72E7 hörte, begriff, was der für die Anoacht der Gemeinde und damit für die Würbe und den Wert des Gotteshauses bedeutet. Nie werde ich sein 22V 7172p vergeffen und tief hat sich mir sein Schlußakkorb am Freitag Abend eingeprägt, wenn er das '721 'in* D'fID Vortrag. Man erlebte eine förmliche ElVI1217 flTtfl tü seinem Innern und tief ergriffen, aber auch m rechter gehobener n2tP5 Stimmung verließ man die Dukes Place Synagoge. Seine Kunst war aber so echt und so svhr der Ausfluß seines tiefinnersten Gefühles, daß fein PI71D7? 73Ö1PS Vortrag an Wochentagen einer erhebenden ny#3 s Feier in nichtnachstand. Jedes Wort war geperlt, jeder Satz accentuien, jeder tief liegende Gedanke herausgemeißelt und seine nTBfl trug auch für den, der der Sprache nicht kundig war, die Uebersetzung in stch. Er war ein Meister der hebräischen Sprache und neben seinem kiangretchen vollen Organ ein solch intimer Fürsprecher für sein y*7p, daß er seine Zuhörer mit fortriß und zur innigsten Andacht erhob. Außerdem hatte ich auch den Genuß, ihn im häuslichen Gottesdienst zu bewundern. Da er, dem Zug der Zeit folgend, vor etlichen Jahren seine Wohnung aus der City nach North- London verlegte, so blieb er in seiner hervorragenden Pflichttreu; die Freitag Nacht in der City, um 717*271 7*771V1 7*27J? selbst zu versehen. Seine Wohnung war dann in Cohns Restaurant und der Freitag Abend- Tisch in seiner Gegenwart zählt zu meinen liebsten Reiseerinnerungen. Weiche Fülle von 7H1T1 kam bet Öen Tischgesprächen mit Rev. Hearst zum Vorschein und welch köstlicher talmudischer Witz zum Ausdruck. Wenn aber am Schluffe der Tafel Herr Hearst pjjgn N272 vortrug, so offenbarte stch erst die Fülle der Schönheit und die Reichhaltigkeit dieses GevetS in ungeahnter Weise. 'D *7öb 7VX jnbwn NI, das war ein Meisterwerk der GotteSinnigkett m diesem Tischgebet, in dem man von der Kunst veS Chasonus sonst nichts ahnt. Nun ist dieser liederreiche Mund verstummt und diese Quelle davidischer Gotteslobpreis mg versiegt. Ich weiß es nicht, ob es einen ähnlichen Kenner jüdischen Schrifttums, jüdischen Geistes und hebräischer Sprache gibt, der als pfl fungiert und dessen Gebet zur Begeisterung so hinreißt, wie es Rev. Hearst y war-aber sicher ist es, daß wer diese von der Natur vurch Getstes- und körperliche Vorzüge so rejch bedachte Persönlichkeit kannte, wer dies vom Geist verklärte Auge, dkses leuchtende Antlitz vor dem *71127? gesehen, Liebe und Anerkennung weit über das Grab hinaus für ste bewahren wird. n"22k77l- Mehir Weinberg y^r Nottingham, 27. Aug. Im kräftigsten Mannesalter, ein Urbild männlicher Kraft, ist einer der Besten, die das gesetzestreue Judentum in England und darüber hinaus sein eigen nennen darf, ins Grab gesunken: Mehir Weinberg Inhaber und Letter der weltberühmten Firma Simon Heidek-erg, 5 Septbr. Im verflossenen Jahre stand unsere „Vereinigung jüdischer Akademiker" im Zeichen einer aufstrebenden Entwicklung. Der Beitritt neuer Mttglieder sowie daS Jatereffe an den Bereinsveranstaltungen bewies, daß die einigende Idee des gesttzestreuen Judentums auch in der Studentenschaft volles Verständnis gefunden hat. ES wurden Schrurtm abgehalten in p“y'jfi, 711*7120/ K7öJ und Htrschs Neunzehn Briefen. Ferner wurden folgende Vorträge abgehalten: Herr Rabbiner Dr. Schiffer über „ReligionSgespräche", Herr Rabbiner Dr. Löwenst e t n über „Jonathan Eibenschütz", Herr S. Buttenwieser über „Nietzsches Weltanschauung und das Judentum", Herr Fr. Kahn über„Dre FalaschaS", Herr Rabbiner Dr. Kramer über „Sased zur Zelt Joseph Karos". Wie alljährlich kam auch im letztjährigen Programm die Gemütlichkeit zu ihrem Recht. Es fanden zahlreiche Auöflüge in die schöne Umgebung Heidelbergs stau. Auch die gemütlichen Abende fanden lebhaften Zuspruch. Zuschriften während der Ferren find zu richten an Herrn sind. chem. M. Weinberge:, Heidelberg, Weberstraße 6. May u. Co. Bon dem früh verstorbenen Bater und der ihn heute in hohem Greisenalter beweinenden Mutier von vornherein 777177 *272 erzogen, hat Mehir Weinberg in Halberstadt seine Gymnäfialbildung genoffen. Dort hat er in dem herrlichen jüdischen Milieu, daS so vielen nm* und,*7717177 712.7« fürs ganze Leben geschenkt hat, eine abgerundete, felsenfeste jüdische Weltanschauung sich erworben, die ihn mttt-n in den Genüssen l einer vornehm-aristokratischen Lebensführung und mitten in dm Versuchungen intensivster tndustrtrüer Betätigung nicht wanken und weichm ließ von dem Diktate der Pflicht. Seine geschä tltche Ausbildung genoß er in Frankfurt a. M., wo er zugleich im Hause seines Schwagers, des bekannten Herrn Jacob S. Posen, neue Antriebe und neuen Sporn zur idealsten jüdischen Pflichterfüllung empfangen durfte. Dann w dmete er stch, heimgekehrt, ganz dem ausgedehnten eigenen Geschäftsbetriebe, einer weitverzweigten, großzügigen phtlantroplschm Tätigkeit, die er als kostbarste traditionelle Famtltr »Pflicht vom Bater überkommen hatte uud einer großen Reihe kommunaler und politischer Ehrenstellungen, in denen er seine glänzenden Geistesgaben der Vaterstadt, dem Baterlande, mittelbar aber dem Judentum widmete. Denn als Jude, als gesetzestreuer Jude überalldenNamen Gottes zu heiligen, war das treibende Mottv für jede einzelne Sette seines öffentlichm Wirken- — einerlei, ob es die Humanitären Jnstitionen Nottingham-, die Bildungsanstalten der Sladr, die Verwaltung der jüdischen Gemeinde oder daS öffentliche Eintreten für die unglücklichen russischen Brüder galt. In seinem Busen wohnte das 272 2*?/ das unsere Weisen als bas höchste Gut des Menschen preisen und daS ihn auch im engsten Kreise als Sohn und Bruder sein Leben lang die hingebungsvollste Liebe betätige ließ. Spät erst hat er an sich gedacht und nur kurze Jahre das reine Famtlienglück genießen sollen, das er an der Seite einer geliebten Gattin, im seligen Besitze zweier prächtiger Knaben endlich gefundm. Sein Andenken und sein Borbiid werden, wie er allezett selbst ein bewußter Träger starker jüdischer Famtltentradttton gewesen, segenspendend wetterwtrken, und so auch im irdischen Kreise nicht minder wie in der Welt ewigen Seins die Spuren dieses kurzen Erdenwallens nimmermehr erlöschen: •7272*? pm 727 Erlange«, 23. Aug.. Vergangenen Sonntag, den 20. August, brachte man unter zahlreicher Beteiligung aus allen Kreisen der Bevölkerung die sterbliche Hülle des Religtonslehrers Herrn M.Morgenthau zu Grabe. Herr Rabbiner Dr. Neuburger, Fürth, schilderte in beredten Worten das segmSreiche und verdienstvolle Wirken des Berbltchenen während feiner 80jährigen Tätigkeit in Erlangen. Zu PahreS b. Neustadt a. Risch 1843 geboren, absolvierte er 1881 daS Kgl. Lehrerseminar zu Schwabach, übte sodann seine Lehrtätigkeit tn Kaubenheim, Lautershausen, Binswangen und wirkte feit 1681 in Erlangen auch als V71V und ^NIQ- Herr Lehrer Katz, der Schwiegersohn und Nachfolger beS Verstorbenen, nahm in ergreifenden Worten Abschied von dem geliebten Bater -seiner Familie. Sodann sprachen Herr W. Mannlein als Vorstand der israelitischen Kultu? gemeinde in deren Namen, Herr A. D r e i f u ß als Vorstand des iSrael. WohltätigkettsdsretnS, besten Gründer der Verblichene war) Herr RechtSprakttkant Max Stern im Namen der ehemaligen Schüler und Schülerinnensodann entboten die Vertreter des kgl. Humanist. Gymnasiums, sowie der kgl. Realschule wie auch die städtischen Behörden thrrm dahtngegangenen Watsenrat den letzten Gruß. In erhebenden Worten feierte Herr Lehrer Stammet den Verstorbenen als treum Kollegen und dankte als Vorstand de8 Bezirks lehrervereins für erwiesene Kollegialität und BeretnStrme. Die zahlreiche Trauerversammlung legte Verebtes Zeugnis ab, welcher Beliebtheit stch der Verblichene erfreute. Die israelitische KultuSgemeinde Erlangen verliert in dem Dahtngegangenen eine Stütze, die mit seltener Pflichttreue eine hervorragende Gelehrsamkeit und gediegene Bttdung verband und-so eine verdienstvolle und segensreiche Tätigkeit entwickelte. n"22£37 Hohenfalza, 29. August. Die Diamantene Hochzeit feierte heute das Rentier Moritz Dobrz y n s k i s ch e Ehepaar in vollkommener körperlicher und geistiger Frische. Der Jubilar ist 89, seine Gattin 82 Jahre alt. AuS Anlaß dieses Tages waren in der Wohnung des greisen Paares der Vorstand der Synagogengemeinde und der Repräsentantenvorsteher, ferner eme große Zahl Gratulanten aus der Bürgerschaft erschienen, um dem ehrwürdigen Jubelpaare ihre Glückwünsche persönlich zu überbringen. Auch Herr Gemetnberabbtner Dr. Kohn übermittelte persönlich dem Jubelpaare seine Glückwünsche. Ferner gedachte Herr Rabb. Dr. Halpersohn am Samsrag nachmittag gelegentlich seiner Antrtttspredtgt in der hiesigen Bethamtdrasch- Synagoge dieses seltenen Ehejubiläums in anerkennenden Worten. Herr Oberbürgermeister TreinieS gratulierte tm Aufträge des Magistrats und der Stadtgemeinde Hohenfalza. Bon nah und fern liefen zahlreiche Telegramme, Briefe und Geschenke ein. Diese allgemeine Teilnahme ist em Beweis für die hohe Wertschätzung, die sich das greise Jubelpaar durch persönliche Ltevenswürdtgkett und stere Hilssberettschaft allenthalben zu erwerben verstanden har. Morva St. Jarros (Ungarn), 27. August. Am 1. April d. I. starb in Amerika im Alter von 89 Jahren Herr Moritz Baar. Bor 8 Jahren überstedelte er samt seiner Gattm nach Amerika. Er war ein Mann, der fest auf dem. Boden des naditionellen Judentums stand, ein Mann, besten Haus jeder Arme, besonders n"71, nicht ungetröster verließ. Mehrere.Dezennien hatte er die große 72*1P* in Deutschkreutz mit einer ansehnlichen Summe auch von Amerika ausjunterstützt. Als langjähriger Vorsteher der hiestgen Kultus«emeinde und der Chewra Kaütscha hat er jederzeit daS Wohl der Gemeinde gefördert. Kurz vor feinem Tode hat er in einem hmterlaffenen Briefe den letzten Wunsch geäußert, daß ihn der Szentszer Oberrabbiner in der hiesigen Kultusgeyreinde 7'SVv fein möge.

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