Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 35 (31.8.1911)
- Date
- 1911-08-31
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Organ fles öunSes gesefiesfreuer jüStzcher hehrer Deufsdilan9s. va^iay and L(|ir Zur Lag««- der bayerischen Eebrer. 5. Die Tote« des Jahres. (Schluß.) Sie wurden in üblicher Weise geehrt. Ein Nachruf wurde nur dem verstorbenen Rabbiner Adler« Kitztngen gewidmet. Die beiden Lehrer kamen ohne einen solchen weg. DaS Letztere entspricht ganz der allgemeinen Gepflogenheit und das'.Schweigen war auch angebracht, denn hätte der Borfitzende diesmal eine Ausnahme gemacht, so hätte seine Ansprache etwa so lauten müssen: „ö$ find zwei unglückliche Kollegen, deren Verlust wir beklagen. Der eine starb nach langer, schwerer Krankheit, arm und verlassen im Krankenhaus zu Würzburg, der andere legte in geistiger Umnachtung Hand an stch selbst in der Nähe der Nervenheilanstalt, in der er Heilung suchte". Dieser Ausschnitt auS der LebenSgefchtchte zweier jüdischer Lehrer hätte doch gar zu nteberbrückend auf die Anwesenden gewirkt und Konferenzen sollen Lichtpunkte im Leben der Lehrer bilden. Wir wollen doch für kurze Zeit vergessen, daß daS Leben so manchem jüdischen Lehrer recht dort mttspielt. Gönnen wir den Toten ihre Ruhe, unser Wirken muß den Lebenden gellen. 6. Anträge. „Biele Gedanken find in dem Herzen des Mannes" und viele Pläne wälzen fich während deS Jahres in dem Gehirn besonders der jungen Kollegen, wie man daS LoS deS Lehrers zu einem erträglichen machen könnte. Sie verdichten fich auch zu Anträgen. Bor dem Rtchterstuhl der ruhig abwägenden Verwaltung und des Plenums bestehen aber nicht alle, und bet manchen findet eine solche Abschwächung statt, baß von -er gehofften Wirkung sehr wmtä Übrig bleibt. Wer wollte es leugnen, daß z. B. etnShrenrat mit wettgehenden Befugnissen behufs Beilegung von Differenzen zwischen Kollegen und Schiedsgerichte zur Schlichtung von Stretttgketten zwischen Rabbinern und Gemeinden etnersetts und ihren Beamten andererseits von großem Nutzen sein könnten, wenn ste obligatorischen Charakter habm würden! In der Form, wie der Antrag Godlewkh- Amderg angenommen wurde — und eine andere ist gegenwärtig kaum angängig — ist er ein Messer ohne Klinge, an dem der Stiel fehlt. Rabbiner und Gemeinden werden fich eben dem Schiedsgericht nicht unterwerfen, und eS fehlt die Instanz, die ste dazu zwingen könnte. So wird, wir befürchten sehr, alles beim altm bleiben. Die Arbeit war pro nihilo. In dieselbe Kategorie gehört wohl auch der mit so grv^r.Mühe entworfene Normalvertrag. Es ist vorläufig nu der Wille zur Macht vorhanden, um bessere Existenzveoingen zu erkämpfen. Anders verhält eS fich mtt dem Antrag D t n gselber- München, der fordert, daß die drei bayerischen Lehrerbildungsanstalten je eznm Vertreter der Lehrerschaft in ihr Kuratorium aufnehmen sollen. In seiner Begründung exemplifizierte er dabet auf daS Kölner Seminar und vergaß dabet nur bas eine, daß e« der „Bund" gewesen, der hier bahnbrechend geiÄrkt hat. Wir glauben, daß der Wunsch der bayerischen Lehrer anstandslos gewährt wird, denn eS liegt in dem wohlverstandenen Interesse der genannten Anstaltm, daß ste mtt den Lehrern in Fühlung bleiben. Die einer Ablehnung sehr ähnlich sehende Erklärung des Borsitzenden der Höchberger Anstalt macht unS in dieser Erwartung nicht irre. Man kann einem so ehrwürdigen alten Herrn nicht zumuten, daß er so ganz plötzlich umlernt. Bisher waren die Lehrer eine quantitä negligeable uno ihre Organisationen müssen fich den ihnen zustehendm Einfluß erkämpfen, auch da, wo es fich um ganz selbstverständliche Dinge handelt. AVer der gesunde Menschenverstand muß ja schließlich siegen. V. Die Referate. Da auf der Tagesordnung der jüngsten Generalversammlung deS „Bundes" ebenfalls über die Jugendfürsorge und die Privatbeamtenverficherung referiert wurde, so liegt eS für denjenigen, der den Verhandlungen hier und dort - - - beiden Tak über die dm Händen ju gendlich er "Referenten und dieser Umstand war für den Eindruck entscheidend. Es gehört der ganze Optimismus und die BkgeisterungSfähtgkett der Jugend dazu, um trotz aller Hindernisse, die sich einer Jugendfürsorge in unserem Ginne mtgegenstellm, an einm wesentlichen Erfolg zu glauben. Eine Diskussion war in Kitztngen wegm der Kürze der Zeit leider nicht möglich. Hätte eine solche stattgefundm, so hätte mehr alS ein Redner eine Frage angeschnitten, deren ausführliche Erörterung wir in Frankfurt vermißt habm. Die Anforderungm, die die betdm auf dem gleichen religiösen Standpunkt stehenden Referenten, an den Lehrer stellten, setzm so viel BerufSsreudtgkeit voraus, wie sie leider bei der großm Masse der jüdischen Lehrer nicht vorhanden sein kann. Amßere und innere Umstände tragen dazu bei, sie gründlich auSzutreiben. Wir bitten, das nicht zu vergessm. Ueber das Referat des Herrn Ehrenreich- Forchhetm herrschte nur eine Stimme: die der Bewunderung über daS ttefgehmde Becftändnis, daS der Referent auf eMem den Lehrer» sonst so fem liegenden Gebiete besitzt und über die Anschaulichkett, mtt der er diese so schwierige Materie fetnm Zuhörem vortrug. Er kam zu demselben Resultate, wie Herr M A. Loeb- Frankfurt a. M. Er wteS an der Hand einer instruktiven Tabelle nach, daß unter Zuhtlfmahme der Zuschüsse, die der bayerische Lehrerveretn leistet und unter Berücksichtigung, daß die jüdischen Lehrer Bayern«, soweit ste Gchochttm find, auch künftighin der Alters- und der Invalidität-Versicherung unterstehen, selbst in den unterm GehaltSklassm ganz respektable Renten zu erwarten haben, wenn ste freilich auch lange nicht an die PmfionSbezüge der BolkSschullehrer htnreichen. 'Dm Gedankm, eine besondere Ersatzkaffe für Lehrer zu schaffen, WteS der Referent zurück. Dagegen find wir der ganz unmaßgeblichm Meinung, daß feine AuSführungm, soweit sie die ostpreußische HilfSkasse betrafen, unzutreffmb warm. „Das Brünnlei» der Wohltätigkeit", auf das er wiederholt ansptett, sprudelt dort in einer so krästtgm Weise, daß man schon weitgehende Versprechungen machen darf, ohne fürchtm zu müssen, von der Zukunft Lügm gestraft zu werden. Um dm gesetzlichm Ansprüchen gerecht zu werben, dazu reichm die Mittel der Sasse ja schon längst hin. Wir gestehen gem, daß, wenn anderSwo die Quellen nur halb so reichlich stießen würden, wir dem Gedankm einer Ersatzkaffe näher treten möchten. Unter den jetzigen Verhältnissen bescheiden wir unS gem und stimmen dm SchUtßfolgerungm der Seiden Referentm rückhaltlos zu. 8. Freie Besprechungen. Sie fanden zwischen Braten und Torte statt. Aber der Vorschlag, dm Herr Oppenheimer -Laudmbach det dieser Gelegenheit gemacht, nämlich eine Organisation der Kletngemeinden ins Leben zu mfm, ist uns trotzdem sympathisch uno er hätte es verdient, in einer Zeit biSkutterr zu werden, wo mau nicht durch Tellereklapper gestört wttd. In dm bisherigen Organisationen die Sroßgemeinden Trumpf und beherrschen da» eld auch da, wo man noch, wie beim D. I. G. B. dm Schein der demokrattschm Verfassung bis jetzt auftecht erhalten hat. ES wäre schon viel erreicht, wenn bte Herren Rabbiner von Zeit zu Zeit die Borstände der Landgemeinden zusammenbemfeu und gemeinsam mit dm Lehrern ihres Bezirks wichttge, daS jüdische Gemeinde» lebm betreffende Fragen besprechen würden. Bon da btS zu einer Gefamtorgantsation wäre nur ein Schritt. Freilich, eine» darf nicht vergessm werdm: woran eS dm Sleingemetndm hauptsächlich fehlt, bas find die finanziellen Mittel, und nur die Großgemetndm könnm ste beschaffen. Darum befürchten wir sehr, daß der schöne Gebart noch sehr lange seiner Berwtrkltchung mtgegenharrm wird. 9. Zensuren? Wenn man, wie wir, tn der glücklichen Lage ist/ der Verwaltung deS bayerischen Lehrervereins und insbesondere ihrem Borfitzenben ganz uneingeschränktes Lob für ihre gesamte Geschäftsführung zu spmdm, dann ist eS wohl auch erlaubt, einmal eine schlechte Zensur auSzutetlen und ste trifft jmm Teil der Kollegen, die nicht so viel Disziplin besaßen, um dem knurrenden Magen zum Trotz bei dem so schönen Bortrag deS Herrn PräparandmlehrerS K lugmannt öchberaauszuhaltm. DaS hätte nicht nur die Rücksicht auf dm Referentm, fonbem auch die Anwesenheit des Herrn Bürgermeist. Grass dringend geboten. Man wird unS hoffentlich nicht mißverstehen. Um aber 21V2 M sein, wollm wir nicht versäumen, hier nochmals Herm Lehrer Bamberger- Sttzingen für die geschickte Art und Weise, mtt der er alle die Konferenz betreffendm Anordnungen traf, ttnsern Dank öffmtlich auszusprechm. Die Tagung in Kitztngen reihte fich der von Rothenburg a. T. würdig an und daS war zum nicht geringm Teil fein Verdienst. Bericht über die sr. üabresversammlusg der Israelitische« Eebrentonfereaz tiesseas zu Escbwege am 5 jmi 1911. (Schluß) Herr Prov.-Rabbiner Dr. Bamberger-Hanau erstattet hierauf 'fein Referat: „Ueber den talmudifchm Ursprung deutscher Lefestücke*. In fesselnder Weise versteht eS der Bortragende trotz der schon vorgerückten Zeit die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer btS auf dm letzten Augenblick in Spannung zu hatten. Seine AuSführungm beschränken sich fast ausschließlich auf die Lesestücke de» vom Hesstfchm BoWschullehrerverein und des von Dr. SteM henmSgegebmm Lesebuches. An etwa 30 btS 40 Stücken weist der. Redner in ferner zum Teil mtt feinem Humor durchwürzten Bortrage dm Ursprung aus Talmud und Midrasch nach. Dte Wiedergabe deS Referate» ist unmöglich, erübrigt fich aber auch hier, da eS auf Wunsch der Versammlung durch Drucklegung weiterm Kreisen zugänglich gemacht werdm soll. Lebhafter Beifall wird Heim Dr. Bamderger zuteil. In der Debatte, an der fich verschiedene Herren betelltgten, weist insbesondere Herr KretSrabbiner Dr. Cohn darauf hin, baß manches, waS talmudifchm Ursprungs angesehm werde, doch auch anderen Quellm entspringen könne. Es sei hier Vorsicht im Urteile geboten. Unter dm Völkern findet ein ewiger Austausch der geistigen Güter statt, ein ununterbrochenes gegmseMgeS Gebm und Nehmen fei wahrzunehm-n, und was man alS geistiges Eigentum des einm Volkes betrachte, stelle fich der tieferen Fortschung oft alS Entlehnte» und Anaeetgnetes dar. Nach Schluß der Debmte trägt Herr S t a h l-Bebra tn Vertretung deS erkrantten Herrn Schwarzschild- Schlüchtern den Kassenbericht vor. Die «affe verfügt nach Abzug aller Ausgaben über einm Bestand von 38,70 M. Dem Safsterer wird nach Prüfung der auSgelegten Rechnuna Enttastuna erteilt. Der folgende Punkt der Tagesordnung betrifft die Herausgabe eMes Lesebuches für dte israelitischen Schulen beS Regierungsbezirkes Kassel. Die in dieser Hinsicht bestehende Schwierigkeit kann nicht eher gehoben werdm, alS bis das von dem Hessischen BolkSschullehrerveret» entworfene Lesebuch dte «meymtgung erhattm hat. Erst bann kann dte zu diesem Zwecke schon früher gewählte Kommission (die Herrm Dr. LazaruS -Staffel, Perlstet n GudenSberg, Plaut- Grebenstein, Spier- Sontra, Stahl-Bebra) ihre Tätigkeit beginnen und an die Abfassung etne; Lesebuches für jüdische Schulen herantretm. In dm „Fretm Mttetlungm" berichtet Her