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Der Israelit · 1911-08-31 · Heft 35 (31.8.1911) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 35 (31.8.1911)
Date
1911-08-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Es heißt da, daß es seine volle Berechtigung hat, wenn gegen so manches Front gemacht werde, was Tierquälerei seidaß wenn der Congreß sich auf die wirklichen Mißhandlungen von Tieren beschränkt hätte, sein Erfolg ein größerer gewesen wäre. „Aber der Höhepunkt in dieser Beziehung wurde am letzten Tage des Congreffes erreicht, da eine finnische Dame das Wort zur Bekämpfung der jüdischen Schlachtmethode nahm, worauf — milde gesagt — eine unschmackhafte Diskussion folgte, welche in einem unheimlichen Grade das Gepräge des Antisemitismus trug, und in welcher die professionellen Tierschützler sich sogar weigerten die Verteidigung der Juden für ihre Methode und ihre Erklärung anzuhören."-„In der Diskussion, bei der eine Beredsamkeit und eine Leidenschaft entwickelt wurde, welche man auf diesem Congreß nicht vermutet hätte, war es in hohem Maße deutlich, daß — trotz der Ableugnung seitens der finnischen Dame — dahinter mehr steckte als ausschließlich die Liebe zum Tiere." Diese Quittung über ihren Antisemitismus von einem Blatte, dem blinde Voreingenommenheit für die Juden wohl auch sie vorzuwerfen nicht den Mut haben dürfte, wird wohl Frl. v. Konow am schwersten verwinden. Zu der Schlußabstimmung äußert sich übrigens das genannte Blatt ganz im Sinne der bereits früher von uns zitierten Zeitungsstimmen folgendermaßen: „Darauf wurden sämtliche 21 Resolutionen angenommen, nachdem die Schlachtresolution eine solche Form erhalten hatte, daß selbst sämtliche Juden dafür stimmten, das will mit anderen Worten sagen, die Resolution so sehr geändert war, daß das Schächten faktisch zugelaffcn wurde." Die Erkenntnis ist hier jetzt allgemein, daß der antisemitische Einschlag, der bisher der Tierschutzbewegung ihren unangenehmen Charakter verliehen hat, auf dem Kongreß eine Niederlage erlitten hat, die nach und nach zu einer Abstoßung des Eindringlings führen wird. Wenn dieses im allgemeinen Interesse liegende Ziel erreicht wird, darf die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums", die in diesem Punkte die Fortführung der Tätigkeit Hirsch Hildesheimer's übernommen hat, sich das Verdienst zuschreiben, durch ihr rechtzeitiges Eingreifen auf dem 16. Kongreß diese Entwickelung angebahnt zu haben. Oesterreich. 6ine hebrätfch-orthodoxe Cages?eifung für 6ali?ien Krakau, 25. Aug. Im Interesse der Sammlung der Gesetzestreuen Galiziens, der auch in richtiger Würdigung der Verhältnisse von Ihnen so oft das Wort geredet wird, ist es mit Freuden zu begrüßen, daß nun ein Organ geschaffen wird, das alle, die treu naiotn min halten, verbinden und zum Kampfe für die heiligen, so vielfach bedrohten Güter des Judentums einen und rüsten soll. Wie durch ein Flugblatt bekanntgegeben wird, soll mit Anfang des Jahres 5672 in Krakau eine hebräische Tageszeitung ihr Erscheinen beginnen, die unter dem Titel 71 p ra der Pflege unb Verbreitung des jüdischen Geistes in Galizien dienen soll. Das Blatt soll in seiner täglichen Ausgabe Berichte aus allen Weltteilen sowohl über die allgemeine politische Lage wie ganz besonders über alle Geschehnisse aus dem jüdischen Leben enthalten. Die erste Voraussetzung, von der das Blatt in allen seinen Betrachtungen ausgehen und der einzige Maßstab, an dem es alle Ereignisse des Tages messen will, soll die jüdische Wahrheit sein, wie sie in Thora, Talmud und der vielhundertjährtgen rabbinischen Literatur für ewige Zeiten festgelegt ist. Besondere Aufmerksamkeit soll in diesem Blatte dem Problem der Jugenderziehung gewidmet werden. In einer wöchentlich erscheinenden Sabbatbeilage: na 3’ sollen alle Erscheinungen des jüdischen Lebens unter dem Gesichtspunkte der jüdischen und religiösen Wissenschaft einer kritischen Würdigung unterzogenwerden. Auch sollen vonjüdischem Geiste getragene belletristische und lyrische Beiträge in dieser der Belehrung und Unterhaltung gewidmeten Beilage Platz finden. Ueber die dringende Notwendigkeit eines solchen echtjüdischen Blattes für den jüdischen Osten ist weiter kein Wert zu verlieren, und der Name des Herausgebers, Dr. Joseph Seeliger, Krakau, bürgt dafür, daß dieses schöne Programm in dem Blatte, wenn es, wie zu hoffen ist, die nötige Unterstützung findet, vollauf zur Ausführung gelangen wird. Ungarn, ein polijeilicfier Oemalfaftf- Budapest 16. August. Wie rasch die ungarischen Behörden mit Ausweisungen bei der Hand sind, wenn es sich um Juden der anderen Reichshälfte handelt, zeigt das Abenteuer eines jüdischen Kurgastes, des angesehenen reichen Kaufmanns Nathan Liebsger aus Krakau, im ungarischen Badeorte Trencson-Teplttz. Seit vielen Jahren kommt Herr Liebsger jeden Sommer nach Treneskn-Teplitz zum Kurgebrauch. Auch heuer kam der 71 jährige Mann dahin. Da erfuhr er, daß eine arme Frau in ihre Heimat nach Polen heimzukehren wünsche, jedoch die Reisespesen nicht aufbringen könne Liebsger veranstaltete nun im Kreise seiner Bekannten eine Sammlung zu Gunsten dieser armen Frau. Als ein Gendarm sah, daß Liebsger von verschiedenen Seiten Geld erhielt, erklärte er ihn wegen Bettel, i verhaftet. Der Oberftuhlrichter, dem Liebsger vorgeführt wurde, ließ diesen gar nicht zu Worte kommen - er mußte in Begleitung des Gendarm in seine Wohnung gehen, und sofort seine Sachen packen, da er auszewiesen wurde. Der alte Mann wurde gezwungen sein Gepäck selbst zu tragen, und wurde schließlich an die Grenzgemeinde Hölak gebracht, und dort der Grenzpolizei übergeben. Vergebens beteuerte hier Liebsger seine Unschuld, berief er sich auf seine soziale Stellung und bot eine größere Kaution an, nichts nützte, er wurde einfach in eine Zelle gesteckt. Inzwischen gerieten die fremden Kurgäste in TrencftnTeplitz über den merkwürdigen Gewaltakt der Polizei nahezu in Aufruhr, und erst nachdem die angesehensten Persönlichkeilen beim Stuhlrichtcr vorstellig wurden, ließ dieser Liebsger wieder zurück bringen. gtnftlattb. ]u0enF)usroei(unaen. Belersvurg, 24. Aug. Auf Befehl des Gouverneurs unterliegen binnen 12 Tagen 500 Juden, trotz energischen Eingreifens des Jahrmarktkomitees zugunsten der Juden, der Ausweisung aus Nishninowgorod. In der Hafenstadt Sewastopol begann die Revision des Wohnrechts der dort ansässigen Juden. Ausweisungen sind zu erwarten. In der Station W o l n o w a ch a in der Nähe von Mariupol hat die Ausweisung aller Juden begonnen. Die Station Wolnowacha ist ein wichtiger Bahnknotenpunkt, wo viele jüdische Getreidehändler und Kommissionäre leben. In Kiew hat eine Versammlung der christlichen Kaufmannschaft stattgefunden, die beschloß, die Regierung zu bitten, die vielen gänzlich ungesetzlichen Ausweisungen von Juden und die Konfiskation ihrer Waren einzustellen, weil dieser Druck auf die wirtschaftliche Lage des ganzen Gebietes zurück w i rk t. Der Aelteste der Kaufmannschaft Wies darauf hin, daß eine derartige Resolution zwecklos sei, weil Stolypin vor einigen Tagen Weisung gegeben habe, daß den Juden unter keinen Umständen irgendwelche Erleichterungen zu gewähren find. (&n$lanb. ZuSenexresle in England. «London, 26. Aug. In der Grafschaft Mammouth in Sudwales kam es zu ernsten Ausschreitungen, die besonders in den Städten Tredegar, Ebbw Vale und Rhymney die Form von Judenexzessen annahmen, denn zu allernächst Plünderten die Anführer Häuser von Juden, da gegen dieselben, die zum Teile Grundstücksbesitz in den drei Städten haben, seit langem von gewissenloser Seite gehetzt wird. Später griff das Volk, das auch über die durch denEisenbahnerausftand hervorgerufene Lebensmittelteuerung erbittert ist, noch andere Gebäude an. In Tredegar wurden über 30 Personen ins Hospital gebracht, die bei dem Zusammenstoß mit der Polizei schwer verwundet worden waren. Die Menge ist immer noch erregt und droht nun mit neuen Gewalttaten. Ferner wird aus London mitgeteilt: Eine eigentümliche Erscheinung im Gefolge der Arbeiterwirren sind die Judenhetzen in S ü d w a l es, die, wie heute morgen in mehreren englischen Blättern hervorgehoben wird, bisher in England für unmöglich gehalten worden seien. Die Hetzen, die nun schon drei Tage gedauert, und Szenen, wie in Tredegar, Ebbw, Vale und Rhymney spielten sich auch in kleinerem Maßstabe in anderen Orten von Monmoutshire ab. Biele Mische Familien lassen ihre Geschäfte und anderen Besitz im Stich und fliehen nach London. Das Londoner Komitee der „Deputies of the British jews* hak gestern im Ministerium des Innern Vorstellungen gemacht und das Versprechen erhalten, daß weitere Truppen nach Monmoutshire abgehen würden, um die Ruhe wieder herzustellen. Nach dem „Standard" ist es seit dem Ausbruch der Judenhetzen in Südwales auch zu allerlei Feindseligkeiten im Londoner Judenviertel gekommen, die jedoch keinen gewalttätigen Charakter haben. Jüdische Ladenbesitzer an der Middlesex Street wurden von Rowvies verhöhnt, während andere mit den ausgelegten Waren davoneilten, ohne zu bezahlen. Die „Times" melden aus Tredegar unter dem 24. dies, daß dort auch gestern wieder Judenhetzen unternommen wurden, bet denen nicht ein jüdischer Laden verschont blieb. Zu Hunderten fliehen die Juden aus der Stadt und der Umgebung und lassen alles im Stich. Aehnliche Szenen wie in Tredegar wiederholten sich gestern auch in Caan, Viktoria, Waunllwyd, Aberbyßwyg, Brynmawr, Beaufort und Ebbw Vale. Mit Einbruch der Nacht befanden sich fast alle Minentäler von Monmoutshire im Aufruhr. Plünderungszüge wurden in großem Maßstabc unternommen und viele Personen wurden mißandelt. In Caan, einer kleinen Minenstadt, hatten sich 10000 Menschen zusammengerottet, die sich erst zerstreuten, als mit der: Bahn eine starke Abteilung Soldaten. anlangte. In Brynmawr, wo nur zwei jüdische Läden zu plündern waren, richtete sich die Wut der Aufrührer gegen die Kirche und die Häuser einiger wohlhabender Leute, die sie zu stürmen suchten. Der Times-Vertreter in Tredegar telegraphiert, daß dort seit Monaten eine starke Gärung gegen die Juden herrsche. Von anderer Seite wird berichtet: Immer neue Hiobsposten treffen stündlich aus Südwäles ein. Das Volk hat sich nicht nur nicht beruhigt, es geht in seinem sinnlosen Wüten immer weiter und nimmt die bedrohlichste Haltung gegen die Juden ein. Die Hauptschuld an den immer gefährlicher ausartenden „Riots", wie man die „echt-russisch" anmutenden Pogrome hier beschönigend nennt, mißt man den gewissenlosen antisemitschen Demagogen zu, die die Wut des Pöbels in unverantwortlicher Weise schüren und unaufhörlich neues Vorgehen gegen die Juden predigen. Die schweren Ausschreitungen in Monmouthshire find keineswegs

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