Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 35 (31.8.1911)
- Date
- 1911-08-31
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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h U; ■ t- $ i*-- J/V £' $•' ‘fe; »ft Mrarltt. Uerml$cbte$. zu Ende Im ganzen Lande erregt es das peinlichste Aufsehen, daß das Militär, obwohl es in genügender Anzahl vorhanden war, nicht gleich helfend eingriff. In Tredegar stehen allein 150 Mann, fünf Offiziere und eine Eskadron Husaren unter dem Befehl eines Majors. Fast zweihundert Mann befinden sich in der Nachbarschaft, und in Cardiff liegen tausend Mann Infanterie. Trotz dieser soldatischen Schutzmacht überfielen die Aufrührer Mittwoch den 23. August nochmals die jüdischen Häuser, drangen mit Gewalt in die Läden ein, zertrümmerten die Einrichtung und streuten die Ware auf die Straße. Die Beute, die sie Mitnahmen, wurde ihnen zwar zum Teil von der Polizei abgenommmen: Unter dessen predigten die Hetzer weiter den „gerechten Kampf gegen die jüdischen Schädlinge". Die sonst als friedlich bekannten Bergarbeiter sind plötzlich in wilde Meuterer verwandelt. Ganz England steht vor einem Rätsel. Von einem Abflauen der Pogromstimmung kann keine Rede sein. Immer weitere Kreise werden von dem Taumel ergriffen, sogar die besseren, gebildeten Gesellschaftsschichten. Die jüdische Bevölkerung hegt die größte Besorgnis, und wenn die Sache nicht in allerkürzester Zeit unterdrückt wird kann die Bewegung -er Dimensionen annehmen, die man jetzt bei allem Pessimismus dennoch nicht anzunehmen wagt. (Siehe Wochenrundschau.) UEstina. Jerusalem, 28. Aug. Wie die hier erscheinende hebräische Zeitung „Hacheruth" erfährt, hat der Großvesier infolge der wiederholten Vorstellungen des Großrabbiners Halm Nahum den neuen Pascha von Jerusalem telegraphisch angewiesen, den Sicherheitsverhältnissen in den jüdischen Kolonien, namentlich in Galiläa, sein besonderes Augenmerk zuzuwenden und darauf zu achten, daß den ottomanischen Juden beim Erwerb von Grund und Boden keine Schwierigkeiten seitens der lokalen Behörden in den Weg gelegt werden. Der Pascha hat die ministerielle Verfügung bereits an die Kaimakams in der Provinz telegraphisch weitergeleitet. Die Nachricht hat unter der jüdischen Bevölkerung des Landes große Befriedigung hervorgerufen. Jaffa, 24. Aug. In der von amerikanischen Juden gegründeten Kolonie „Achusah", für die eine große Bodenfläche auf der Anhöhe Dalaika gegenüber dem Genezarethsee angekauft worden ist,' haben die Arbeiten schon begonnen. Das Areal der neuen Kolonie wird 3500 Dunam umfassen. Die Kolonie grenzt an die bereits bestehenden jüdischen Ansiedlungen Milhamie, Jemma und Kinereth. Der Boden eignet sich insbesondere für Baumkulturen, das Klima wird als sehr gesund geschildert. Einstweilen sind einige Holzbaracken für die neuen Ansiedler errichtet worden, auch hat man mit der Pflügung des Bodens begonnen und trifft die notwendigen Vorkehrungen für die Bepflanzung größerer Parzellen mit Oliven, Mandelbäumen und Weinreben. Ferner wird ein großes Gebäude errichtet, das Wohnräume für die Arbeiter, Vorratskammern, Stallungen usw. enthalten wird. Endlich sind auch die Arbeiten für die Erbohrung zweier Brunnen in Angriff genommen worden. Die Mandelernte in unseren Kolonieen hat in diesem Jahre verhältnismäßig geringe Erträge geliefert. Ein Teil der Früchte ist auf den Jaffaer und Jerusalemer Markt gelangt, wo sie gute Preise erzielen. Auch die Ausfuhr der Mandeln hat bereits begonnen. Die E t h ro g im sind« Heuer quantitativ und qualitativ vorzüglich geraten und stehen hoch im Preise, da die Ernteergebnisse in Griechenland, dem Hauptgebiete der Ethrogimproduktion, diesmal sehr ungünstig waren und auch ui Marokko der Ertrag der Pflanzungen infolge der dortigen Wirren äußerst gering ist. Frankfurt a. M., 27. Aug. Donnerstag, den 24- Aug. abends hielt der Sekretär des hiesigen Zenttalbüros derMtsrachl-Füderatton, Herr I. I. Braun, ein Referat über den 10. Ztonistenkongreß, nachdem Herr Prof. W e y l, Borstand der hiesigen Mtsracht- Ortsgruppe, die gut besuchte Versammlung mit einigen Worten eröffnet hatte. Herr Braun verbreitete sich anfangs über das allgemein bekannte Bild des Kongresses, ging aber bald auf die Hauptfrage, nämlich die Kulturfrage, über. Hier, führte der Redner aus, handele eS sich um einen Kampf, der schon seit Jahren zwischen dem Misrachi und den sogenannten Kulturzionisten tobe. Der MiSrachi verlange nämlich, daß die Kultursrage auf den Kongressen überhaupt nicht behandelt werben soll, da es ganz unmöglich sei, mit Leuten, die nicht derselben Weltanschauung huldigen, über Kuiturfragen zu verhandeln. Alle Mahnungen und Bitten nützten nichtsalle Anträge des Misrachi fielen glatt durch. Es war eine schwere Niederlage, und zwar auf der ganzen Linie. Da blieb den Misrachisten schließlich nichts anderes übrig als den Saal zu verlassen. „Wir haben," führte der Redner aus, „seit Jahren zusammen mit den übrigen Ziomsten gekämpft und gearbeitet, jetzt ist es uns aber unmöglich gemacht worden, da man sich ja immer bemüht, den Misrachi aus der Organisation hinauszudrängen. Es wird uns voraus stchltch nichts anderes übrig blerben, als aus dem offiziellen Zionismus auszutreten." Zur Beratung dieses wichtigen Punktes soll demnächst eine Konferenz einberufen werben. Die lebhafte Diskussion, die der Rede deS Referenten folgte, drehte stch fast ausschließlich darum, ob es für den Misrachi unbedingt notwendig sei, aus der zionistischen Organisation auszutreten oder nicht. Einstimmig wurde dann den Delegierten des Misrachi auf dem Kongreß und insbesondere deren Worttührer, Herrn Hermann Struck, für ihr energisches und ztelbewußtes Auftreten der Dank der Versammlung ausgesprochen. Als Delegierte für die Misrachikonferenz wurden die Herren Louis Kahn und Dr. Braun gewählt. Barmen, 15. Aug. .Wie die Tagesblätter melden, ist letzthin in Bendahl ein junger Mann ertrunken und zunächst als unerkannt auf dem reformierten Friedhof am Kltngenholl beerdigt worden. Nun hat fich bei der Identifizierung herausgestellt, daß der Ertrunkene, der 15jährige Anstreicherlehrltng Max Lennhoff, einer Eiberfeider jüdischen Familie angehört. Er ist der Sohn des bet der Firma Strunch u. Döhrendahl beschäftigten Kaufmanns Lennhoff und wurde hon seinen Angehörigen seit dem 31. Juli vermißt. Eine inzwischen auf Veranlassung der Barmer Polizei in den Zeitungen erschienene Personalbeschreibung des Toten entsprach mit einer Ausnahme hinsichtlich des Alters, der Größe und der Wäschezeichen nicht den Tatsachen, und so ist es erklärlich, daß der Bater aus dieser Personalbeschreibung seinen Sohn nicht erkennen konnte, um so weniger, als nicht angegeben war, daß es fich um die Leiche eines Juden handelte. Verwunderlich ist dabei noch, daß die Polizeibehörden von Barmen und Elberfeld sich nicht gegenseitig verständigt haben, um so mehr, als die Fundstelle, das Bad Bendahl, zum größten Teile zu Elberfelder Gebiet gehört. So konnte es Vorkommen, daß volle acht Tage vergingen, ohne daß man die Persönlichkeit des Toten feststcllen konnte. Der Mißgriff bei der Beerdigung wäre dann auch vermieden worden. Kaiserslautern, 24. Aug. In bezug aus den in Nr. 33 aus Marienbad geschilderten Synagogen- SkandalZst zu konstatieren, daß in Kaisersiautern noch nie ein ähnlicher Skandai vorgekommen ist. Odeffa> 28. Aug. Das Odeffaer russische Tagblatt „Odegktj Novosti" brachten einen ausführlichen Bericht über die Eroff ung des Ztonslenkongreffes und veröffentlichte den ganzen Wortlaut der Rede Dr. Max N o r d a u s über die Notlage der Juden in den verschiedenen Ländern. Wegen dieser Rede wurde die betr. Nummer des Blattes konfisziert und ge.;en den Herausgeber ein Strafverfahren etngelettet. Verelnsivesen. Frankfurt a. M., 28. Aug. Das Deutsch- Israelitische Kinderheim des Vereins zur Erziehung israelitischer Waisen in Dtetz zählte, wie der Bericht pro 1910 mttteilt, am Schluß des Schuljahres 40 Zöglinge. Bon diesen waren 24 aus Preußen, die übrigen aus Bayern, Sachsen, Hessen, Elsaß-Lothringen. 35 Zöglinge besuchen die Volksschule, 5 die Realschule. Wie bisher wurde den Knaben innerhalb der Anstalt tn zwei wöchentlichen Stunden Hanöferttgkeits-Unterrtchl erteilt, wobei schöne Erfolge erzielt wurden. Ebenso wurde auch wie seither der Religionsunterricht tn der Anstalt von einer dafür besonders erworbenen Lehrkraft erteilt. Mit warmen Worten ehrenden Gedenkens wird im Berichte die Wirksamkeit des Heimgegangenen Herrn Lassar Mptnz V'5C7 für die Anstalt herdorgehoben. An Stelle des Verstorbenen wurde dessen Sohn, Herr Leo Mainz, tn die Verwaltung gewählt. Auch im Berichtsjahre hat die Anstalt viele Beweise des Wohlwolens und des Vertrauens erfahren, die sich in letztwilligen Zuwendungen, gelegentlichen Geschenken usw. kundgaken. w 81 Äügftst 1«1 Fulda, 28. Aug. Im „Fortbildunghetm jüdischer junger Kausleute" hielt m vergangenen Sonntag Herr Dr. chem. et phll. Meier Cahn einen Bortrag über: „Die Jubenfrage tw- 19, und 20. Jahrhundert", welcher großen Beifall erntete. Der Redner verstand es, den Erschienenen ein klares Bild von der Entstehung der Reform und ihrer erfolgreichen Bekämpfung zu geben. Da8 aufzustellende Wtnterprogramm wird alle jüdi scheu Wissensgebiete berücksichtigen. Personalien. Wiesbaden, 28. Aug. Frau Johanna Bielefeld geb. Isaak ist am Sonntag ftüh im Alter von 68 Jahren einem plötzlichen Herzschlag erlegen. Entstammend dem Hause Hermann Isaak tn Rührort, dessen Namen mit den wichtigsten jüdisch-philanthropischen Erziehungs- und Bildungsanstalten des Ntederrhrins aufs engste verknüpft ist und der u. a. zu den Mitbegründern des jüdischen Lehrerseminars in Düffeldorf-Köln gehörte, setzte fie die Tradition des Vaterhauses fort und wirkte an ihren Wohnstätten Ruhrort, Köln und Wiesbaden stets an erster Stelle in den Frauen- und WohltätigkeilSveretnen dieser Gemeinden. So nahm fie in mehr als 45jährtger Ehe all dem gemeinnützigen Wirken ihres Gatten, des Herrn Samuel Bielefeld, den regsten und innigsten Anteil. Es war eine auserlesene Trauergemeinbe, die ihrer Bahre folgteam Grabe gaben die Herren Rabbiner Dr. Kahn- Wiesbaden und Dr. B ä Ü r - Prrnzlou — letzterer als langjähriger Freund des Hauses Bielefeld — dem Schmerz der Familie und des Freundeskreises würdigen Ausdruck und gedachten in beredten Worten der großen Liebe, die fich die Heimgegangene durch ihr gemeinnütziges Wirken allseitig erworben hatte. Sie war eine DtPX im besten altjüdischen Sinne. Breme«, 28. Aug. Das 50jährige Borsteherjubiläum des Herrn Eduard Ahr ah am gestaltete sich zu einer schönen Kundgebung für den Jubilar. In der prächttg ausgeschmückten Synagoge versammelte fich die Gemeinde zum Gottesdienste und lauschte andächtig der Predigt des Herrn Rabbiners Dr. R o s e n a k, der an Hand des Btbelwortes irD^ÖD KD2 1N2V2 '"H1 mm mim nsm m *b. mm we Pflichten des Vorstehers einer jüdischen Gemeinde schilderte und den Jubilar als ein Muster treuester Pflichterfüllung, edlen Wirkens und gottesfürchttgen Wandelns kennzeichnete. Besonders rühmend wurde hervorgehoben, wie der Jubilar seiner Aufgabe gerecht zu werden suchte durch seinen wohltätigen Sinn, der fich prattisch betätigie bei Witwen und Waisen, bet Armen und Notleidenden, und wie er ferner durch seinen fleißigen Besuch des Gotteshauses gar manchem in der Gemeinde ein gutes Vorbild sein könnte. Mit dem Segenswunsche b'jb' “ymK1 mps iroböö hv schloß die eindrucksvolle Rede, von der der Jubilar und wohl auch die zahlreichen Zuhörer fichtlich ergriffen waren. Nach Beendigung des Gottesdienstes hielt Herr Vorsteher N. Abraham eine warmherzige Ansprache und überreichte dem Jubilar eine kunstvoll geschriebene Adresse, wodurch dem Jubilar die Ehrenmitgltedschaft der Gemeinde erteilt wirb. Als Zeichen dankbarer Verehrung überreichte der Redner ferner seitens der Gemeinde eintn kostbaren Becher, der im Atelier der Firma Felix H o - r o w i z, Frankfurt a. M., hergestellt wurde und die Widmung trägt: xt&K niPIET D*D* Es kennzeichnete die fromme Gefinnunq des Jubilars, daß er sofort diesen berrltchen VN'p-Becher für die Synagoge stiftete. Zum Schluffe verlas Herr Ai. Schragenhetm als Vorsitzender des Kranken-Wohltättgkeitsvereins, eine Adresse dieses Vereins, dem sich der Frauenverein angeschloffen hatte. Dettelbach, Unterfrk., 28. Aug. Hier verstarb nach längerem Leiden Frau Rosa Kleeblatt Sie zählte zu den gut religiösen Frauen, die die frommen Grundsätze des Elternhauses nicht so leicht vergessen. Frömmigkeit, Wohltätigkeit, bescheidenes Wesen waren fhre Hauptzierden. Still und friedfertig halte fie nur Freunde, keinen Feind. Den Armen öffnete fie stets Tür und Haus. fOtP und A" ehrte fie. Kein war ihr zu beschwerttch. Im Gotteshause war sie die erste und letzte. Glücklich fühlte fie stch, ihre einzige Tochter an emen religiösen Mann verheiratet zu wissen. Ihr Andenken wird unter uns stets ein gesegnetes bleiben. Möge fie den Lohn ihres edlen Tuns ernten und Gott ihre Hinterbliebenen trösten und stärken. Wien, 21. Aug. Einen schweren Verlust erlitten wir durch das Htnscheiden des Prtvatgelehrten, Herrn Zewt Fischhof Der Verstorbene, der ein After von 87 Jahren erreichte, hat rrotz aller Wechselfälle des Lebens seine tiefe bewahrt. Es war ein erhebender Anblick zu sehen, wie allsabbatlich zahlreiche Kaufleute in seiner Wohnung seinen geistreichen IDlö* Borträgen lauschten. Er besaß die besondere Begabung, Leute, die fern von der Thora lebten, IVIV^ mm zu sein. So war se.n »*“)# von einer stattlichen Zahl derer umringt, die er aus den Weg der Gottesfurcht gebracht. Herr Rabbiner Fürth aus Schizschow schriderte dies alles tn einem großangelegten, ttesdurchdachten IfiCn/ der alle Anwesenden zu Tränen rührte. Auf . v.’r F4-Vn ' üüttäla I xTwrmik ISDGGGTTGTTTTLXÄTTGTGSGGTGD, i 1 I i »m I 3 S*CW 2. *~i JF iS o* a n ww» oro u wo»«? «isa®?tr!o uca n