Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 35 (31.8.1911)
- Date
- 1911-08-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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zu skizzieren. Wer dasWesen dteser^Disziplin eingehender kennen lernen möchte, der sei auf das Werk Tanja (*0:n) verwiesen, das den auch in Deutschland hochgeschätzten Bearbeiter des Schulchan Aruch, Rabbiner Senior Salomon zum Verfasser hat. Es ist in vorzüglicher Ausstattung durch die Jeschiba zu beziehen und wird zu Gunsten derselben für einen Rubel verkauft. (Adresse:!-Joseph Schneersohn, Lubawitsch, Gouvernement Mogelew, Rußland). Der Autor war ein Zeitgenosse des Wilnaer Gaon. Während dieser das men rO'DD "i£D von Luzatto seinem Kreise empfiehlt, ist das N'sn i£D das Vademecum der Chassidim geworden. Beide streben ein und dasselbe Ziel auf verschiedenen Wegen an. 4. Die Jeschiba in Lubawitsch zeichnet sich ferner durch die Art und Weise aus, wie sie das Studium und die ganze Führung ihrer Zöglinge überwacht und leitet. Außer der Effens- und Schlafzeit sind die jungen Leute von früh bis spät in den geräumigen Sälen der Jeschiba. Dort bereiten sie sich für den Vortrag des Rosch Jeschiba vor, dort wiederholen sie das gelernte Pensum und studieren die älteren Hörer diejenigen Partien, für die sie sich durch freie Wahl entschieden haben. Aufseher — Maschgichim — überwachen und. regeln diese Tätigkeit. — Die ca. 350 zählenden Schüler verteilen sich auf fünf Klassen. Die jedes halbe Jahr zur vierten Klaffe aufrückenden 50—60 Schüler werden nach bestandener rigoroser Prüfung einer wenige Stunden entfernten Filiale der Jeschiba inSedrtn überwiesen, die ihren eigenen Rosch Jeschiba hat. Von dort kehren sie je nach ihren Kenntnissen nach etwa einjährigem Aufenthalt wieder nach Lubawitsch zurück und treten in die höchste Klaffe «in, in welcher die jungen Leute bereits selbstständig dem Studium obliegen. 5. Was aber die Jeschiba in Lubawitsch von allen mir bekannten voraus hat ist die Art und Weise wie sie für die materiellen Bedürfniffe ihrer Besucher sorgt. Pie erhalten sämtlich außer dem freien Unterricht, Wohnung, Kleidung und Nahrung vollständig unentgeltlich. Nur dadurch, daß die Anstalt ihren Zöglingen die Sorge für die Bedürfniffe des Lebens ganz abnimmt, kann sie die hohen Anforderungen an ihren Fleiß und ihre Ausdauer stellen. Mir. war diese Leistung schon vorher bekannt, aber erst als ich sie mit eigenen Augen sehen konnte, erhielt ich einen Begriff von ihrer sonst unerreichten Großzügigkeit. Etwa 350 Knaben und Jünglinge jahrein jahraus mit allen Bedürfniffen des Lebens zu versorgen, in einem weltentlegenen, ärmlichen Dörfchen ohne Mittel, ohne Fond, und diese Seelen im Vertrauen auf Gott und edle hilfsbereite Gesinnungsgenossen fmter Taunuskenners und prosesfionterten Bergkraxlers der gefeit gegen jede Anstrengung und jeden klimatischen Einfluß die mühevollste Terrainschwierigkeit spielend überwindet, geradezu bv jbltt ist und dennoch nach den anstrengendsten Nachttouren in die Fernen beS Taunus in jüdischer Pflichttreue fich pünktlich zum Morgengottesdienst einfindet und die Beterschar oft zu nötiger Gemei bezahl ergänzt. Frohsinn und Munterkeit erfüllen die in abendlich herrlicher Kühle die Kanonenstraße auf- und abwogenden Gäste, denen hier die Natur nach drückender Taaeshitze jene köstliche Labung bietet, nach welcher die Städter aeräde in diesen glutvollen Tagen vergeblich schmachten. Kurz, die Gemeinsamkeit im Genüsse der würzigen Natur, der Austausch amüsanter Erfahrungen im Berufe und scherzhafter Einfälle, oder die in jüdischen Gesellschaften nie fehlenden humorvollen Blüten altjüdischen Witzes schaffen jenen Frohsinn und die heitere Laune, welche einmal von der notwendigen Erquickung und Erholung des Körpers und Gemütes unzertrennlich find. Go kann das mit natürlichen Reizen so reich geschmückte Oertchen von seinem Nährboden, dem schätze- und quellenreichen Taunus mit Recht ausruft n: „TaunusluftWaldesduft — kühl am Morgen — frisch am Abend — stet von Sorgen — Kräfte labend!" L... n für das Judentum zu gewinnen und zu erhalten/ welch eine Großtat ist das, die jeden adelt, der zu ihrer Verwirklichung die Hand bietet! Mit acht Schülern hat Rabbiner Schneersohn vor 14 Jahren seine Musteranstalt eröffnet. Als das Jahr zu Ende war, ergab fich ein Defizit von einigen hundert Rubeln, das von einigen wohlhabenden Freunden der jungen Anstalt und ihres Gründers beglichen wurde. Seitdem wuchs mit der Zahl der Schüler das jährliche Defizit, aber auch die Zahl der Freunde und Gönner nahm von Jahr zu Jahr zu und es gelang auf diese Weise die Anstalt immer mehr und mehr auszubauen. Korrespondenzen und Nachrichten. »mifjftM »eilt,. Berliner Brief E. B. Aerti«, im August. Das erste Halbjahr nicht mehr umstrittener Vorherrschaft der „Liberalen" im Parlament der hiesigen jüdischen Gemeinde liegt hinter uns. Zur Stunde hält tont Berlin noch seinen Sommerschlaf und ruht xrovnl nsgotiis und toeitah von der Reichshauptstadt von den Anstrengungen und Leistungen des Winters und des Vorsommers aus. Aber, wenige Wochen noch, und mit den „hohen Festtagen", deren Vorboten sich schon in allerlei Anzeigen in den Tagesblättern — Synagogensitze mit und ohne Predigt, Orgel und gemischtem Chor, Machsorim und Hilfsvertreter mit schöner Stimme — ankündigen, wird das, was man hier jüdisches Leben nennt, auch bei uns wieder erwachen und bald wieder den bekannten, in Reden und Essays so beliebten kräftigen Pulsschlag verspüren lassen. Da erscheint es nicht unangebracht, in diesem Moment auf diese verflyffene Zeitspanne rückschauend einen Blick zu tun und die Ereignisse, die sich in ihr vollzogen, einer kurzen Kritik zu würdigen. Im Allgemeinen hat bisher die Zeit weder den lebhaften Befürchtungen, welche der konservative Block in dem erregten Wahlkampfe vom vorigen November an einen Sieg der „Liberalen" knüpfte, noch den hochgespannten Erwartungen der Radikalen, die davon im Eilmarschtempo in der Erfüllung grundlegender, d. h. grundumstürzender Reformforderungen sich erhofften, Völlig Recht gegeben. Zuerst schien es ja so, als sollte die Parole „Liberal ist Trumpf" fürderhin k Toutrance unterstrichen und mit den konserrativen Residuen gründlich aufgeräumt werden. Man erinnert sich wohl noch der, bis tief hinein in gutliberale Kreise peinlich empfundenen Farce, die gleich in der ersten, diesjährigen Sitzung der Repräsentantenversammlung bei den Bureau- und Kommissionswahlen von den liberalen Heißspornen aufgeführt wurde/ man beseitigte die konservativen Mitglieder aus allen maßgebenden Aemtern und wählte dafür ein Vorstandsmitglied der Resormgenoffenschaft (Johannisstraße) zum zweiten Vorsitzenden. „Es rast der See und will sein Opfer haben." Aber mit wachsendem Abstand von der Wahlzeit und ihren verbitternden Momenten und Episoden klang auch die Spannung in den Gemütern wenigstens so weit ab, daß das Machtgefühl der siegreichen Partei nicht mehr so brutal zutage trat, und die vielfach erwarteten heftigen Zusammenstöße blieben umso eher aus, als die de- - '-VH-*..-V' ' ' " A. «UMst M. zimierte konservative Fraktion bet fast allen prinzipiellen Streitfragen sich in der Debatte wie bei den Abstimmungen mehr noch als früher durch Spaltung neutralisierte. Aber als bemerkenswertes Symptom der eingrtretenen Verschiebung der Machtverhältniffe und als Beweis dafür, daß die Majorität gewillt ist, die Konsequenzen aus ihrem Wahlerfolg in dem Sinne zu ziehen, daß sie in die ausschlaggebenden Stellen Männer ihrer Wahl bringt, verdient doch die, gleichsam als Schlußakt jene bewegte Ouvertüre paffend accompagnierende, in der letzten Sitzung vor den Ferien erfolgte Wahl des Herrn Justizrats Breslauer in die durch die Amtsniederlegung des Herrn Geh. Justizrats Timendorfer fretgewordene Stelle im Gemeindevorstand vermerkt zu werden. Herr Timendorfer rechnete sich wohl zu den konservativ gestimmten Mitgliedern des Vorstandes, während Herr Breslauer Vorsitzender der „Liberalen Vereinigung" ist. Man wird also nicht fehlgehen, wenn man in diesem Tausch einen Ruck nach links, einen Anlauf der liberalen Repräsentantenmehrheit zu einer x4nötration pacifiqne des Aeltestenkollegiums, das bisher das retardierende Element gegenüber dem liberalen Kopfüber gebildet, mit Männern ihres Vertrauens erblickt. Doch muß anderseits registriert werden, daß nach dem Urteil von Männern, die ihn kennen, Justizrat Breslauer als unabhängiger Charakter zu gelten hat, der sein Amt nicht als Geschäftsführer einer Partei, sondern der Gesamtinteressen aufzufaffen und zu verwalten bestrebt sein werde. (Schluß folgt.) Breme«, 28. Aug. Mittwoch den 23. dies schiffte sich hier die 55. Emigrantengruppe der Jto nach Galveston ein. Die Gesellschaft, deren Reise vom Emigrantenbureau zu Kiew geleitet wird, bestand aus 83 Personen und zwar 66 Männern und 17 Frauen. 47 Personen standen im Alter von 20 bis 40 Jahren. Die Zahl der Jünglinge resp. Jungfrauen im Alter von 15 bis 20 Jahren betrug 21 und der Kinder 15. Unter den männlichen Auswanderern befanden sich 50 Handwerker (zumeist Schneider, Schuhmacher usw.), 2 Lohnarbeiter und 8 Kleinhändler. Außerdem hatten unter den 17 weiblichen Emigranten 8 einen gewerblichen Beruf erlernt. Sie alle hatten Galveston oder andere Plätze des amerikanischeu Westens zum Reiseziele, wo sie durch Vermittlung der Jto entweder als selbständige Handwerker oder als agrarische und industrielle Arbeiter ihr Auskommen finden. Die nächsten Gruppen, für die die Einzeichnungen bereits begonnen haben, werden, wie der bei der Einschiffung anwesende Vertreter des Kiewer Bureaus mitteilte, Anfang und Mitte September d. Js. von hier aus ihre Seereise antreten. Qixn&tnavk. &open$a$enf 13. August. Ein interessantes Nachspiel zu den stürmischen Verhandlungen am letzten Tage des 16. Internationalen Tterschutz- Kongreffet liefert eine amüsante Preßpvlemir, die sich zwischen Frl. v. Konow und dem „Politiken" abspielte und zu einer neuen Niederlage der allzu siegesbewußten Dame führte. In einem „Eingesandt" in der „Nationaltidende" beschwerte sie sich nämlich über dte (von uns in voriger Nummer wiedergegebene) Charakteristik, welche „Polittken" ihrer Rede hatte zuteil werden taffen. Sie habe nur über den Kamps um das Schächten in Finnland referiert/ nur habe sie „natürlich" dabei auch die religiöse Berechtigung des Schächten in die Diskussion ziehen müssen. Auch sei es nicht wahr, daß selbst Schächtgegner von ihrer Agitationsart degoutirt wären/ die Beschuldigung des Antisemitismus sei ja in der Debatte als ungerechtferttgt erwiesen worden. Darauf antwortet „Polittken" ziemlich derb: „Wir haben keine Lust, uns mit Frl.i v. Konow zu beschäftigen, die offenbar nicht die Tragweite ihrer eigenen Worte kennt. Daß wir aber mit unserem Urteil nicht allein stehen, beweist die