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Der Israelit · 1911-08-24 · Heft 34 (24.8.1911) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 34 (24.8.1911)
Date
1911-08-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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diaB Schächten eine Tierquälerei sei, und dttß es MethioÄen gibt, welche die Diere schmerzfreier sterben lassen. Diese Frage tft*<w sich wichtig genug, Meinung gegen Meinung, Männer der Wissenschaft gegen Männer der Wissenschaft, und ivir wollen die Bemerkung ein fließen lassen, daß, solange die Wissenschaft Nicht zu einem abschließenden Urteil 'gelangt ist, der Zweifel geradezu unbedingt zu Gunst-en der tausendjährigen Schlachtm et ho de gelten muß! — Aber das konnte man sachlich und fachgemäß diskutiert haben, wenn der einleitende Bortrag sich für eine Diskussion geeignet hätte. Aber es mangelte an Begrenzung und Beherrschung, äußerer Klarheit und Logik, einer jeden wirklichen Argumentation. . . . Zuletzt stand Frl. v. Konow ganz allein, i n d e m s e l b st s e h r eifrige Gegner der Schechitach es für das Richtigste angesehen hatten, aburücken von ihrer eigentümlichen Agitativnsweise." Und von dem Präsidenten heißt es eben da: „In alledem spielte der Präsident eine merkwürdige Rolle. Es darf vermutet werden, daß, wenn er den einleitenden Vortrag verstanden hätte, er gegen verschiedene Ausschreitungen eingeschritten wäre. Aber als geborener Holländer ließ er in dem auf Schwedisch gehaltenen Vortrag alles passieren. Dadurch fehlte es ihm an allem Autorität, um nachher noch eingreifen zu können, da er durchaus nicht die Berechtigung der Antworten verstehen konnte." Ueber die Resolution urteilt die (offiziöse) „Berlingske TiteNde": „Betreffend die Schlachtungsfrage wurde eine Resolution angenommen, die elastisch genug war, um auch die anwesenden Anhänger der jüdischen Schächtung^ .zufriedenzustellen." Und der angesehene „Riget" schreibt: „Betreffend die Schlachtungsfrage usw. Es blieb Nicht unbemerkt, daß die jüdischen Vertreter ebenfalls dafür gestimmt haben." ' °* -t- Das Fazit der Verhandlungen darf danach, 'ohne Ueberschätzung, dahin gezogen werden, daß die Richtung, die durch Frl. v. Konow auf den Tierschutzkongressen vertreten wird, eine empfindliche Niederlage erlitten hat, von der sie sich hoffentlich nicht allzuschnell erholt. Es wird Aufgabe des nächsten Kongresses, der in den „Bereinigten Staaten von Nordamerika" stattfinden soll, sein, das hier begonnene Reinigungswerk fortzusetzen und zu vollenden, damit die Tierschutzbestrebungen von den ihnen zu ihrem Nachteil schon allzulange anhaftenden Verunstaltungen durch das antisemitische DemagogentuM endlich wieder befreit werden. AoUarrd. Me Leidienbeffatfunfl Jofef Israels- Kaag, 15. Aug. Wird der Tod Israels in der gesamten Kulturwelt als ungeheurer Verlust empfunden, so empfindet doch die holländische Judenheit doppelt tief den Schmerz ob des Hinscheidens dieses ihres großen und treuen Sohnes. Die Beerdigung, die heule früh stattfand, gestaltete sich zu einer Kundgebung aufrichtiger Liebe und tiefster Trauer, an der sich eine nach Tausenden zählende, aus allen Bevölkerungsschtchten zusammengesetzte Menge beteiligte. Ein wahrer Menschenstrom ergötz sich nach Scheven in gen, wo sich der jüdische Friedhof befindet und dort selbst erwartete eine dichtgedrängte Menge den Leichenzug. Eingefunden hatten sich hier als Vertreter der Königin der Kammerherr Joukheer No öl, die Minister des Aeußern und des Landbaus, der Bürgermeister der Residenz, der Rektor der Universität Leyden, die Vertreter fast aller niederländischen Vereine und- Gesellschaften, deren Zweck die Pflege der Kunst ist und deren Ehrenmitglied der Verstorbene gewesen war und, wie sich denken läßt, zahlreiche Künstler, die zum Teil eine wette Reife nicht gescheut hatten, um ihrem Meister und Kunstbruder die letzte Ehre zu erweisen. Nach dem üblichen D'Dn "02Cn ergriff der Oberrabbiner von Haag das Wort, um dem Schmerz seiner Glaubensgenossen in tiefgefühlten Worten zum Ausdruck zu geben, wobei er Israels nicht nur als gottbegnadeten Künstler, sondern auch a.ls edlen Menschen feierte, seine Bescheidenheit, Menschenliebe und sein religiöses Empfinden hervorhob. Der Minister Talma, der im Namen der Regierung sprach, hob hervor, wie Israels zu den Männern gehört habe, welche das Leben eines ganzen Volkes bleiben-bereichern und welche den nationalen Ruhm von Geschlecht *u Geschlecht fortpflanzen, und im Namen der Regierung und des niederländischen Volkes sprach er dem Andenken des Mannes, der so Schönes und Unvergängliches geleistet hat, die verdiente Huldigung aus, während der Bürgermeister her Residenz bezeugte, wie die Gemeinde Haag stolz darauf sein müsse, daß ein solcher Mitbürger in ihrer Mitte gelebt habe. Zahlreiche Kunstbrüder riefen dem dahingegangenen Meister ein herzliches Lebewohl zu, und zum Schluffe sprach der Sohn des Verstorbenen, Jsak Israels, allen Anwesenden den Dank der Familie aus. Auch ein Mttglied der deutschen kaiserlichen Gesandtschaft imHaag entbot namens der Kunstakademie in Berlin, deren Ehrenmitglied Israels war, dem Dahingegangenen einen sinnigen Scheidegruß. Mit dem ff'lp nahm die Trauerfeier in echt jüdischer Schlichtheit ihr Ende. Oestewetrh. ßsnSeskonkeren). Lemberg 19. August. Im Laufe des Monates Oktober wird in Lemberg eine Landeskonferenz der galizisch-jüdischen Kaufmannschaft stattfinden. Die Tagesordnung der Konferenz wird unter Anderem folgende Beratungsgegenstände enthalten: Sonntagsruhe, Befähigungsnachweis im Handelsgewerbe, Sperrstunde, Arbeitszeit tm Handelsgewerbe, Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb, Hausiergesetz, Handelsgehilfengesetz, Sozialversicherung im Handelsgewerbe u. s. w. Die jüdischen Kaufleute bilden in Galizien 80°/« der gesamten Kaufmannschaft und es ist daher begreiflich, daß die jüdische Kaufmannschaft in Galizien die das Handelsgewerbe unter ganz eigenartigen Bedingungen auszuüben gezwungen sind, von mancher Verfügung der zMrien Gesetze hart betroffen werden. Der Zweck der Konferenz ist nur, eine Milderung dieser Gesetzesbestimmungen herbeizuführen. Ungarn. Budapest, 17. August. Mehre Abgeordnete sprachen heute im Interesse eines auSgewiefenen jüdischen Tischlers beim Ministerpräsidenten Graf Khuen Hedervary vor. Dieser machte hierbei bemerkenswerte Aeußerungen über den Antisemitismus. Er erklärte, er würde den Fall untersuchen, müsse jedoch von vornherein sagen, er mißbillige es auf das entschiedenste, wenn Arbeiter ihrer Konfession wegen Belästigungen seitens der Behörden ausgesetzt feien. Der Antisemitismus, den er aus vollstem Herzen verabscheue, muffe entschieden bekämpft werden, und man dürfe es nicht dulden, daß Leute wegen ihrer religiösen Ueberzeugung verfolgt würden. gtuftlcmb* Die Jca und Sie Negierung — Jüdifdie Krieger. Petersburg, 18. August. Mit der Verfolgung des Zionismus hat die Bürokratie das erreicht, was sie wollte: eine Lahmlegung der zionistischen Sammel- und Agitationsarbeit im ganzen Lande. Nun geht es an die anderen Organisationen. Zunächst an die Jca. Die Regierung hat vor einiger Zeit den Sekttonschef des Ministeriums des Innern, Puttloff beauftragt, in sämtlichen ruMchar Zweigniederlassungen der Jca eine strenge Revision vorzunehmen und über das Ergebnis der Negierung Bericht zu erstatten. Putiloff hat bereits die wichtigsten Filialstellen der Jen oesucht und aus denllrsachen dieser Matzsgel kein Hehl gemacht. Putiloff erklärte ganz offen,'daß die Regierung mit der Tätigkeit der Jett sehr, unzufrieden sei. Der Jca wurde nur. deshalb, gestattet, in den verschiedenen Städten RußlcmLs^ Bureaus zu eröffnen, weil die Regierung hoffte, daß diese große jüdische Kolonisationsgesellschaft sich ausschließlich mir der Förderung der jüdischen Emigratton befassen und'bewirken werde, daß soviel Juden als möglich Rußland verlassen. Die Jca habe aber die Reaierung. einfach getäuscht, indem sie durch ihre Kreditgenossenschaften ihr Hauptaugenmerk daraus richtet, die Lage'der Juden in Rußland selbst zu. verbessern. Puttlyff erklärte, daß die Regierung ein solches „Abweichen" von der Emigrationstüttgkett der Jca nicht gestatten werde. * * *' Ein Schulbeispiel dafür, wie in Rußland selbst diejenigen Juden, die für das Baterho-nd Gut nnd Blut geopfert haben, behandelt werden, ist die folgende der „Rjetfch" entnommene Mel. düng: Der jüdische Soldat Werkbreit hat den russischjapanischen Krieg mitgemacht, focht mtt außerordentlichem Heldenmute bei Mukden und anderen Schlachten und ttma verschiedene Bervnmdungen davon. Nach der Schlacht bei Wa-Kmgu hatte Werkbreit einen solchen Heldenmut an den Tag gelegt, daß er mtt einem Orden ausgezeichnet wurde und zum Unteroffizier vorrückte. Bei demselben Treffen rettete er auch das Leben seines Kommandanten, wobei er selbst in Lebensgefahr geriet. Der Kommandant dankte seinem jüdischen Retter in einem äußerst warm gehaltenen Brief. Und nun wollte dieser so gut beleumundete Josef Werkbreit sich irgendwo in einem sibirischen Nest niederlaffen, doch kaum war er dort angekvmme«, hat ihn die Polizei auch sofort ausgewiesen, denn in Sibirien kann ein Jude nur dann wohnen, wenn er dorthin — wegen eines Verbrechens strafweise verschickt wird. England. Segen Sen SosrS ok Depufes. London, 19. Ang. Gegen den (wie von uns bereits mitgetetlt) vom Board of Deputies gegenüber dem Parlamente geäußerten Wunsch,. nur solche Schächter zur Vornahme der betäubungslosen Sechttah zuznläffen, die vom Chiefrabbi oder in Ermangelung eines solchen vom Präsidenten des Board dazu ermächttgt sind, protestiert nun* mehr gleich dem Chacham Dr. Gast er auch der Ausschuß der in der Leedser Rabbinerversammlung ins Leben gerufenen Orthodoxen Vereinigung. Der dem Sekretariat des Board ok Deputies übermittelte Protest hat folgenden Wortlaut: „Namens unserer Organisation treten wir der Absicht des Board, die Ausübung der Schechitah von' der Autorisation des Chiefrabbi oder des Präsidenttew des Board of T-eputies abhängig zu mach-ch mit einem scharfen und entschiedenen Proteste entgegen. Nach der Vorschrift des mifi steht bi» Aussicht über die Schechitah einzig den betreffenden Ortffrabbinern zu und es wäre unerhört, ihnen dieses Recht schmälern Sn wollen. Ueberdies bedeutet dieser Beschluß eine eminente Gefahr für das religiöse Leben unserer Gemeinschaft. HSir sollten eher Gott danken für das Glück der freien Religionsübung, deren wir uns hierzulande erfreuen dürfen und nicht durch Schaffung derartiger Schranken eine Einengung nuferes religiösen Lebens herbeiführey. Wir verlangen mit aller Entschiedenheit eine Abänderung der betreffenden Klausel dahin, daß die Autorität der orthodoxen Rabbiver in der Provinz gewahrt bleibt, und hoffen auf Ihre umgehende Zustimmung, da wir bei deren Ausbleiben oder Verzögerung genötigt wären, unserem Protest an höherer Stelle zu unterbreiten. Unterzeichnet für die „Bereinigung orthodoxer Rabbinsr und Laien in Großbri-»

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