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Der Israelit · 1911-08-24 · Heft 34 (24.8.1911) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 34 (24.8.1911)
Date
1911-08-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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niffe siH picht so leicht befetttgett lassen. Haben wrr uns aber in Erez Jtsroel erst einmal die Httrch gereicht und zusammen gearbeitet, so wird dieS auch für, die mannigfachen Verhältnisse der Goküsländer großen Vorteil bringen. Also erst einmal ans Werk für unser heiliges Erbe im beiligen Lände NOSN vplv NVLN, dann wdch es hoffenlich geüngen, wie der erste Paragraph des Entwurfes der Moria-Satzungen besagt w'i'ns n 'tn' yI nraim*? mrrvriato. 22; Aug.' In der an der Zentral- 'mid Gottschedstraße gelegenen Synagoge, die 4m Jahre 1855 erbaut worden ist, werden zurzeit umfangreiche Umbauten ausgeführt, zu denen die Israelitische Religionsgemeinde auf Berastlassrmg des Baupolizeiamtes der Stadt sich gezwungen sieht. Es werden feit Anfangs d. M. nach dem Plane eines hiesigen Architekten die beiden Treppenhäuser der Synagoge vollständig umgebaut und anstelle der bisherigen hölzernen Wendeltreppen breite steinerne Treppen mit Podesten ' angebracht. Dir Arbeiten sollen so gefördert werden, daß mit -Eintritt der hohen Feiertage der Bau vollendet Ist. Indessen kann auch während der Bauzeit der Gottesdienst in der Synagoge abgehalten werden, da mäst das Schiff von den Treppenhäusern und Seitenräumen abzugrenzen wußte. Die Baukosten werden sich auf etwa 50 000 Mk. stellen. ' * * ... - * Trotzdem nun fast dreiviertel Jahre verstrichen, find, seitdem der Minister das Schlachtverbot str Sachsen aufgehoben hat, wird hier doch noch.-nicht geschachtet. Der Grund dieser erstaunlichen Tatsache liegt in dem Beschluß des HMgen Stadtrates, die Schlachtgebühr von Mk. 6 pro Stück, bet rituell geschlachtetem Vieh auf Mk. 20 zu erhöhen. Unter solchen Umständen'ziehen eS die Koscher-Fleischer vor, nach wie vor im nahen-Halle a. S. schlachten zu lassen. Die neue?ionUfifdie Leitung- , Aaset, 19. Aug. | zieht Mit der vom Kongresse in letzter Stunde vollzogenen Neuwahl des A. C. ist die lange? geplante Verlegung der zionistischen Zentrale von .Köln nach Berlin zur Tatsache geworden. ' Unmittelbar nach Kongrehschluß am 16. und 17.^August hielt das neugrwählte Engere Aktionskomitee der zionistischen Organisation Irr Basel seine ersten Sitzungen ab. Züm Borsitzenden wurde Prof. Marburg, zum stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Jycobsohn gewählt. Es wurde beschlossen) die Kölner BureauS möglichst bald, spätestens am 1. Oktober d. I. nach Berlin zu verlegest. In der am 16. August in Basel abgehaltenen Sitzung des Großen Aktionskomitees machte Prof. Marburg Mitteilung von der Konstituierung des E. A. C. und von den Beschlüssen, die in der vorangegangenen Sitzung des A. C. gefaßt worden waren. Es wurde beschlossen, die nächste Sitzung des Großen A. C. behufs Ausführung der Kongreßbeschlüffe auf den 4. November nach Berlin einzuberufen. Dänemark. Der 16. Internationale Cierfdiuft-Congref? in Kopenhagen. F. B. Kopenhagen, 6. August. (Schluß) Düs Wort erhielt Dr. E. Biberfeld- Berlin. Der Präsident halbe ihn vorhin unter den OpPositionZrednern gegen Frl. v. Konow genannt. Dagegen Müsse er sich verwahren. Er hübe auch schon vorher die Absicht nicht gehabt, diese Rednerin zu belehren oder seine Religion gegen ihre Angriffe zu verteidigen, und jetzt habe er noch weniger diese Absicht. Auf die Schilderung, die Frl. v. Konow vom Judentum und seinen Bekennern gegeben, passe das Goethesche Wort: „Du gleichst dem Geist, den du begreifst, Nicht mir", und er würde glauben, sich und seinen Glaubensgenossen znnahe zu treten, wenn er dafür auch nur ein Wort der Abwehr fände. Irl. v. Konow habe es gewagt, die Synagogen Israels Schlachthäuser zu nennen. Nun, Israels Gotteshäuser stehen jedem offen, wahrscheinlich sei schon manches aus der Versammlung in einer Synagoge gewesen. Der werde es begreifen, welcher Art die Empfindung sei, die ein Jude für eine solche Karikierung seines Heiligtums übrig habe. Und was würde wohl ein 'Christ dazu sagen, wenn er, Redner, die Dreistigkeit besäße, über christlich-religiöse Fragen so von oben herab zu urteilen, wie es hier über die Frage, ob das Schächten ein Giottesgebot sei, geschah? Er nehme aber für die Juden in diesem Punkt alle die Rechte in Anspruch, die den Christen zustehen. Die Religion des Judentums, die dem Tier in jeder Wioche einen Ruhetag garantierte, die das Kassieren des Tieres, die Hetzjagd verbot, bedarf auch in tierschützlerischer Beziehung keiner Fortbildung und keiner Verteidigung. Wir verschanzen uns nicht hinter Gutachten, denn für uns ist die Schechitäh Gottes Gebot und darum kann sie mit Forderungen der Moral nicht kollidieren. Aber die Tatsache bestehe, daß auch die Wissenschaft Nicht gegen, sondern für die Schechitah entschieden hübe. Es gäbe keinen nennenswerten Physiologen, Anatomen oder Hygieniker, der Nicht das Schächten mindestens als gleichwertig mit jeder anderen Tötungsart bezeichnet habe. (Prof. Dahlström: „Die Veterinäre urteilen 'anders!") Nein, H er Professor! Mehr als '300 deutsche Veterinäre hüben für das.Schächten dotiert und überdies: Das Urteil von Männern wie Virchow, Panum, Dammann um nur diese zu nennen — wird niemand Mit einer Handbcwegung abtun! — Da der Präsident den Redner fortwährend unterbricht, schließt derselbe mit den Worten: „Der Tierschutz soll ethisierend wirken, indem er die Menschen dazu erzieht, von ihren Machtmitteln gegen die wehrlose Kreatur keinen unangemessenen Gebrauch zu machen. Der Antisemitismus aber ist feige; wären wir Juden ein Machtsaktor, mit dem man rechnen muß, er würde sich an uns nicht heranwagen. Hüten Sie die Idee des Tierschutzes vor dieser Infektion." Der folgende Redner, Herr Dr. Louis Fraenkel, Arzt in Kopenhagen, führte sehr treffend aus, daß die ganze Agitation gegen das Schächten auf eine Unkenntnis von dessen Wesen zurückgehe. Fortwährend von dem Präsidenten unterbrochen, gab er eine Darstellung des Schärens, wie es wirklich ist, fertigte die absurde These von dem Blutzustrom zum Gehirn durch die Vertebralarterien, die Pros. Dahlströw in einem Zwischenruf aufs Tapet brachte, in sachgemäßer Widerlegung ab und wies darauf hin, daß es irreführend sei, wenn man von der Tötung durch Schußapparate als Betäubungsmittel spreche; richtig allein wäre es, diese Methode als Gehirnzertrümmerung zu bezeichnen. Die humane Medizin stehe auf Seiten der Schechitah, ebenso die Koryphäen der Veterinärkunde; und wenn soviele Schlachthofbeamten anderer Meinung seien, so spielten hier aesthetische und andere Gesichtspunkte mit, die nicht maßgebend sein dürfen. Schließlich ,räumt der Redner, da Herr Klerck Mit Unterbrechung der Sitzung droht, auf Rat des Präsidenten Marok die Rednertribüne. Oel auf die Wogen goß die nun folgende Rede des Herrn Oberrabbrners Dr. Le wertst e i n - Kopenhagen. Anknüpfend an das Wort des Herrn Marok in seiner Eröffnungsrede, daß die Moral der Wissenschaft vorangehe, führte -er aus^ daß für uns Juden die .Schechitah, die wir als Gottes Gebot verehren, den Ergebnissen der Wissenschaft auch dann vorangehen müßte, wenn die Wissenschaft in ihrem Verdikt einig wäre. Nun müßten doch aber auch die Gegner zugeben, daß diese Einigkeit nicht bestehe. Sei es also auch nur ein Zweifel: ist man berechtigt, um einer zweifelhaften Tierquälerei in das religiöse Empfinden so vieler Menschen einzu- 'greifen und die Gewissensfreiheit derselben so schwer zu beeinträchtigen. Eins aber fei zweifellos, daß sich in keinem Religionsbekenntnis bessere Tierfreunde fänden, als gerade unter den Juden. Darum sei es nicht gut, wenn hier Instinkte zum Worte kämen, die von den jüdischen Mitgliedern als eine Beschimpfung ihrer Religion schwer empfunden werden. Bannen Sie diese Bestrebungen ans Ihrer Mitte und lassen <Äe wie bisher auch uns freudig gemeinsam mit Ihnen Mitarbeiten an den edlen Aufgaben des Tierschutzes. Aus der nun folgenden lebhaften Diskussion, in der Prof. Dahlström sich gegen den Borwurf - der ihm gar nicht gemacht worden war — Antisemit zu sein, verwahrte, sei die Friedensrdde des Mr. Grrssiths, eines schottischen Pastors, erwähnt. Es sei ihm warm ums Herz 'geworden, als einer der Redner sich so frank und rückhaltlos zu der Lehre bekannte, daß was Gottes Gebot, niemals mit der wahren Moral in Widerspruch stehen könne. Er habe bei den frommen Juden stets die Beobachtung gemacht, daß sic zuerst nach oben, dann neben sich und erst zuletzt auf sich schauten! Er sei überzeugt, daß, 'wenn Mängel im Tierschutz beständen, die Juden nicht zögern würden, dieselben abzustellen. Aber man solle ihnen nicht die Lust verlegen, Mit uns mitzuarbeiten. — In gleichem Sinne sprach noch Dr. Obermann, Pastor aus 'Vlissingen, und ein Schwede, Herr Blomquist aus Stockholm. Und nun gelangte Frl. v. Konow zum Schlußwort, das sich aus wenige Sätze beschränkte und, in schroffem Gegensatz zu der triumphierenden Siegesgewißheit von vorhin, seltsam matt und verlegen klang. Es brauche ja nicht gerade in den Synagogen .geschlachtet zu werden; es genüge, wenn es tut Gebiet derselben geschehe! Das sei der alte Judentrick, jeden Antisemit zu nennen, der ihre Grausamkeit tadelt. Mit solchen ünd ähnlichen Redensarten suchte sie die erlittene schwere Niederlage zu markieren; aber der Eindruck der Debatte war doch zu stark, um durch solche Mätzchen verwischt werden zu können. * * * Das Schlußergebnis haben wir bereits mitgeteilt. Die Resolution Dahlström, die ausnahmslos die Betäubung der Schlachttiere gesordert hatte, verschwand von der Bildfläche und, 'zweifellos unter dem Eindruck der geschilderten 'Debatte, trat jene andere an ihre Stelle, die neben der Betäubung auch jede andere Dötungsärt anerkennt, wofern nur möglichst rasch der 'Kopf rasch ganz vom Rumpf getrennt wird. Daß hei Vierfüßlern diese Prozedur nicht in einem! Zuge geschehen kann, liegt auf der Hand und wurde auch allseitig anerkannt. Interessant ist die Stellungnahme der hiesigen Blätter zu der SchechitahdÄotte und ihrem Ausgang, in der sie sämtlich den Kernpunkt der 'ganzen Tagung sehen. So schreibt „Politiken" (Morgenblatt, 6. August) über Frl. v. Konows - Auftreten: „Mit einem gewissen Mangel an Takt wollte die Rednerin u. <*. auch die Anwesenden belehren, daß das Schächten so wie es geübt wird, durchaus nicht in den jüdischen Gesetzen geboten ist. Mit Recht protestierten die 'anwesenden Rabbiner gegen diesen Eingriff in ihr Gebiet und einer von ihnen fragte nicht ohne Grund, was die Anwesenden meinen würden, wenn er erklären wollte, was Christenlehre sei 'oder nicht. Und damit war der Tag verpfuscht. Denn man bekam nach und nach den Emdruck, als' befände man sich auf einem jüdisch-thevloschcn, nicht auf einem Tierschutzkongreß. Die Aufgabe, welche vorlag, war:' zu erweisen, daß L i

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