Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 34 (24.8.1911)
- Date
- 1911-08-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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LNrrr itf üer uß, wtz her ur irietse die lkes ften rcht rtaren nes und r a uch ge- :en hat »er em e" :inder itages wir ihrkes zen iche res der hr md ndie tßt, rer >as ickstß rer oeens en S- >en nn mnn rt- >cr ng -rr, H nd lde je» i ft >e, ur die ich 09 öhe tr* in S4 . August ISN Der Israelit «Alt» S keit unseres Tuns. Die der Thora treu gebliebene deutsche Juden heit hat gewiß die Pflicht, durch organisatorische und propagandistische Tätigkeit auf allen Gebieten des öffentlichen und privaten Lebens nicht nur die seelischen und geistigen Faktoren, die dem Judentum Verständnis und Anhänglichkeit schaffen können, zu stärken, sondern auch die wirtschaftlichen und sozialen Momente womöglich aus dem Wege zu räumen, die in Westeuropa so viele auf die Bahn des Abfalls drängen. Zu diesen praktischen Mitteln mag in hervorragendem Maße auch die Besiedelung des Heiligen Landes, mag unter gewiffen Bedingungen auch die Gewinnung der ganz Entfremdeten für das jüdische Volkstum, die Auslösung nationaler Empfindungen in der Brust der Gleichgiltigen gehören — aber immer nur als Mittel zum Zweck und immer nur unter der Bedingung, daß das Mittel den Zweck nicht vereitelt! Wer aber der jüdischen Gesamtheit den Revolver auf die Brust setzt und ihr zuruft: „Du trittst auf den Boden des modernen religiös-neutralen Nationalismus oder du stirb st" — oder „Weil eine Rückkehr zur Thora nach meinen empirischen Kalkulationen nicht möglich oder nicht wahrscheinlich ist, darum bleibt nur die Alternative: „rascheste nationale Renaissance mit oder ohne Thora, oder Tod", der hat damit nicht nur die tausendjährige Gotteslehre des Judenlums, wie oben nachgewiesen, der Lüge geziehen, sondern er mutet dem treugebliebenen Teile dieser Gesamtheit etwas geradezu Widersinniges zu. Der Arzt, der zur Abtötung lebenbedrohender infektiöser Stoffe dem Kranken ein tätliches Gift darbietet, hat wahrhaftig kein Recht, den sich gegen diese Kur wehrenden Patienten der „Eigenbrödelet" zu zeihen! Aber Herr Dr. Theilhaber tut es dennoch. Denn die „einheitliche Politik", zu der er auftuft, mutet dem gesetzestreuen Juden, wie hier tausendmal klargelegt, die Opferung seiner religiösen Ueberzeugungen, also geradezu die Tötung dessen zu, wofür er seine ganze „Politik" treibt. Wenn er durch den Anschluß an die zionistische Organisation z. B. anerkennt, daß es ein nationales Judentum mit und ohne Thora, ein Neutrum von Judenvolk gebe, das seine welthistorische Lehre zum Privatgebrauch hervorholt oder in die Tasche steckt, wie's gerade paßt, dann ist die ganze leidvolle jüdische Geschichte wahrhaftig ein schlechter Witz des Weltengeiftes, und die Juden täten bester daran, ihre raffen-biologischen Talente und Eigenschaften auf dem Wege der Blutmischung den nicht minder begabten großen Völkern zur Verfügung zu stellen. Das ganze Judentum ist dann wirklich Nichts als lächerltche „Eiaenbrödelei", und die Frage, ob ein großer Teil der deutschen Juden dem Gesetze der Thora dauernd oder nur vor. übergehend die Treue kündigen wird, verliert alles Jntereffe. Umgekehrt stützt sich— bei pflichtgemäßer Reinerhaltung des überlieferten jüdischen Jdeensystems — die Zuversicht auf Ueberwindung der herrschenden Krisis nicht auf die paar Nasenlängen „wissenschaftlicher" Voraussicht, sondern die Jahrtausende sind im Bunde mit dem unsterblichen jüdischen Volke, wenn es seine geistigen Schätze von den Jahrtausenden nicht überwinden läßt. Damit ist — das sei doppelt und dreifach betont — nicht etwa einem durchaus unjüdischen fatalistischen Müßiggang das Wort geredet. Mit scharfer Pointierung haben unsere alten Weisen den Segen hervorgehoben, der nur auf dem „Werk deiner Hände, das du vollbringst", ruhe, und der auch in den Geschicken der Gesamtheit nur dem mit offenem Blick und mutvollem Wagen Schaffenden zugesichert ist. Für die praktische Arbeit der Gesetzestreuen sind daher tausend Anregungen und Vorschläge diskutabel, von woher sie auch kommen möge. Aber die Schreckschüsse der „Auflösungs-Literatur" schrecken uns nicht. Mit Seelenruhe haben wir zu prüfen, welcher unserer Schritte dem Willen und dem Geiste der in der Thora niedergelegten Gesetzesethik gemäß ist, welcher nicht — und nur nach diesem Gesichtspunkte, nicht aber nach den „Alternativen" der Herren Joseph, Theilhaber und Genossen, unser Verhalten einzurichten. 5. Es obliegt uns nun noch ein kurzes Wort zu der Behauptung Theilhabers, daß auch die Rückkehr zur Thora nicht geeignet sei, einen der Krebsschäden der Kultur, den Rückgang der Geburten, zu heilen. Nun fehlt für diese Behauptung angesichts der lauten Sprache der Geschichte einerseits, der Statistik der östlichen Länder andererseits jeder wissenschaftlich brauchbare Beweis, denn den individuellen Beobachtungen Theilhabcrs und seiner Gewährsmänner lassen sich andere individuelle „Beobachtungen" und andere Gewährsmänner entgegengesetzter Richtung gegenüberstellen. Von der Behauptung ist vielmehr nur das eine richtig — und mehr dürfte Th. auch gar nicht gemeint haben —, daß auch bei einem Teile der gebildeten westeuropäischen Gesetzestreuen die Fruchtbarkeit hinter derjenigen der Vergangenheit zurückbieibt. Wir haben diese Tatsache bereits im Jahre 1906 (s. Artikel „Kindersegen") hier betrachtet. Sie beweist aber nickt, daß die wahrhafte ,MückKchr zur Thora^ ihre alte historische Kraft eingebüßt habe, sonderrr nur, daß eS im Rahmen der prinzipiellen'. Treue zum Gesetze tausend ZniensitatSgLo^e dieser Treue und tausend Nu an een der von ihr bedingten seelischen Verfassung gibt. Dtevo ll e Erfüllung des Gesetzes im Wen setzt eben eine' tiefe und umfassende Kenntnis deS Gesetzes, ja die fortdauernde Beschäftigung mit dem Studium dieses Gesetzes voraus, — und gerade um diese Kenntnis ist es in mancher gesetzestreuen jüdischen Favylie Westeuropas schftcht bestellt. Und nicht jeder, der äußerlich übt und lernt, bleibt in jeder Lebenslage und zu allen Zeiten gleichmäßig auf der Höhe sieghaften Gottvertrauens, das wiederum nur die Frucht innigen, ein Leben lang vorwärts strebenden Sichversenkens in die GotteSlehre, die Frucht eines aus dem Boden der Lehre Kraft saugenden sittlichen Ringens ist. Auch der Orthodoxie, namentlich der in den Brennpunkt kulturellen Lebens und geistiger Assimilation gestellten westeuropäischen Orthodoxie, glltder Ruf „ Zurück zur Thorä", und der nahende Schofarhall des Ellulmondes — wozu kehrte er sonst.immer wieder? — ruft auch ihr daS alte Mahnwort zu, daß von der vollen, innigen Gottestreue die Existenz des jüdischen Volkes , aller Orten abhänge:!D”ro mrcn ... , - ... >, / * Koch-mM-sHav. ITIisradil imS Slonlsmus. Wie uns das Zentralbureau der Zionistischen Foederation „Misrachi" in Frankfurt a. M. mitteilt, soll vorerst die von der Frankfutter Konferenz am 7. August beschlossene B er legun g des Sitzes der Misrachi-Föderatton nach Hamburg unterbleiben. Zuschriften sind wie bisher nach Frankfurt zu adressieren. Um zu den Ergebnissen des Kongresses Stellung zu nehmen, findet noch im Laufe des Monats Elul eine außerordentliche Delegiertenkonferenz statt. — Ort und Zeit werden noch bekanntgegeben.. Außerdem gibt das Bureau bekannt, daß die Beschlüsse der Misrachi-Delegietten während deS 10. Kongresses, insbesondere in der Kultur- Glanze und ihrer allen Kraft wieder verhelfen könnte, diesen „stammen Wunsch" überläßt man neidlos dem Misrachi und macht sich über dieses „müßige Umernebmen" mit der ganzen Schärfe des östlichen Witzes lustig... Der MtSracht tut, was er kann. fSS find wackere Männer von festem Glauben an den Sieg des jüdischen Gedankens innerhalb des Zionismus und auch vom besten Willen, den Steg hervetzuführen beseelt. Aber eS zeigt fich immer mehr, daß die in der S a ch e liegen en Schwierigkeiten unüberwindlich find. Dazu kommt, daß die Führer des MiSrachi einer Kongreßleitung gegenüber stehen, die an Diplomatie und parlamentarischer Gewandtheit alle früheren wett übertrifft, und Gegnern wie A ch a d H a a m, SokolowS. I. Hurwttz, Birnbaum, Adolf Stand, Braude, Mossinsohn, Ussischktn, Semarjah Lew in u. v. a. Die beiden letzi genannten find die gefährlichsten, nicht wegen ihrer hervorragenden Begabung, sondern weil fie all ihre Reden im Sinne deS Misrachi — beginnen, dessen Forderungen teilweise zu den ihrigen machen, um dann zu dem stereotypen Schluß zu pelangen: „Hütet euch vor dem MtSracht!" „Wenn man ihm einen Finger gibt, will er . hie ganze Hand!" lautete der Schluß einer ganz von Religionsfreunbltchkett triefenden Rede des sprachgewandten Herrn L e w t n. So tobt der Kampf weiter, selten von Ruhepausen und desto öfter von langatmigen, bet der tropischen Hitze doppelt ermüdenden trockenen geschäftlichen Referaten und Zahlenaufstellungen unterbrochen. Einen wohltuenden Waffenstillstand brachte der Sabbat, an dem auch dieser wiloreißende Sambatjon völlig ruhte. Da eine Begrüßungspredtgt tu der Synagoge nicht möglich war, jo nahm der allverehrte Herr Rabbiner Dr. Cohn Gelegenheit, bei dem üblichen Lernen nach dem Gottesdienste in der kleinen Synagoge, die von mehreren Hunderten Zionisten besucht war, inner Betonung seines Standpunktes seinen Wtllkommensgruß an alle, „die von Ost und West, vereint im Bestreben, fich über die trennenden Grenzpsähle hinweg die Bruderhand zu reichen, hierhergekommen find", in herzlichen Worten zu ttchten. Dann entwickelte er seinen, unseren Zionismus, wie er in der Tüora, in unserem alten Glauben und religiösen Empfinden wurzelt. Die. von Herzl gewünschte Rückkehr zum Judentum müßte tm Sinne des alten, einfachen Thorajudentums Vs-standen werden. Dann und nur dann hätten wir das Recht, tm Gegensätze zu anderen Böllern, die längst von der Volksbühne verschwunden find, von nationaler Medergeburt, von Palästina als der Heimat unseres Mtzwohlevens zu sprechen. Daran schloffen fich getst- und sichtvolle exegetische und homiletische Erklärungen zum Wochenabschnitte und der Appell, auf jüdische Weife für die Hebung Von JHKV Di? zu wirken. Daß die BÜroS deS Kongreffes am Sabbat geschlossen waren, sollte eigentlich selbstverständlich sein, muß aber dennoch tm Hinblick auf frühere Kongreffe verzeichnet werden, aber auch von privater Sette bemühte man fich diesmal, den empörenden von früher zu vermeiden. In den jüdischen Penfionen erschallten überall die rv6j?öri in der schmelzenden, sehnsuchtsvollen Melodie des nipfin« Im polnischen ttTttttiT fl’D tn Kleinbasel konzentrierte fich daS jüdische Geistesleben östlicher Observanz. Dort sprachen drei rusfische resp. galiztsche Rabbiner nacheinander. Gegen Abend fanden fich alle mit ihrem Anhang im gastlichen Hause des Rabbiner Dr. Cohn zusammen) wo man unter jfttri Gesängen und bei trefflicher „Verpflegung", eine unvergeßliche Stunde verlebte. Eine markante Persönlichkeit des KvngreffeS ist Herr Rabbiner Schmelkes aus Przmißel, der,;eine schöne, ehrsurchtgebtetende Erscheinung, auch mit großer Entschiedenheit für die jüdischen Ideale im Sinne des MtSracht etnzutreten weiß. Die Kongrestlettrmg. Immer mehr kommt man zur Ueverzeugung, daß Nord au recht eigentlich nur ein zionistisches Dekorationsstück bedeutet. Wiewohl nominell Borfitzender deS Kongresses, betelligt er fich an der Leitung so gut wie gar nicht. Nachdem er sein Sprüchlein — diesmal recht scharf — gesagt, hat er feine Aufgabe im Großen und Ganzen gelöst. Dm meisten Sitzungen bleibt er fern, und erscheint er hier und da, so bleibt er teilnahmslos im Hintergründe des Podiums oder arbeitet fiir fich. Flutet eine Woge der Begeisterung plötzlich biL an seinen Arbeitstisch heran, dann stößt er seinen Nebenmann an und läßt fich aufllären, um was eS fich handele . . . In die Leitung teilen sich statt feiner die Herr« Dr. Bodenhetmer, Tschlenow, Ussischktn und Marmoreck. Letzterer ist ein gar schneidiger Herr, der mit der letztm Lungen- und Mmskellrast Stwnne und Hammer tn dm Dtmst der gutm Sache stellt und, so der Hammer versagt, jeden im Gaale bet Ramm zur Ruhe und Ordnung verweist. Ihm ist eS auch Vorbehalten — Absicht oder Zufall — die denkwÜÄtge Kulturverhandlung vor ThoreSschluß zu letten. In der Art, wie er eS versteht, MtSracht im Zaune zu haltm, in der Beschränkung, die er all denen auszuerlegm versteht, bermWorte in das Programm Sokolow- Sirktn nicht htnetnpasse», zeigt er dm Meister, den Meister der Di-zrpltn. Aber er hat doch ein gols '4