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Der Israelit · 1911-08-17 · Heft 33 (17.8.1911) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 33 (17.8.1911)
Date
1911-08-17
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Dieser selbst wohnte nicht nur der geselligen Zusammenkunft, die am Abend die bereits zahlreich angekommenen Lehrer vereinigte, bet, sondern am folgenden Tage auch der ganzen Hauptversammlung, ja, er nahm sogar am gemeinsamen Mahle teil und stellte als Borstand des Fremdenverkehrsvereins die Tafelmusik. Diese letztere stand, nebenbei erwähnt, auch ganz auf der Höhe ihrer Aufgabe und intonierte während des Bratens einen na7ö! Als Herr Bürgermeister Grass in seiner herrlichen Begrüßungsrede den jüdischen Lehrern die Versicherung gab, daß, wenn sie treu ihreS Amtes walten, sich nicht nur des DankeS ihrer Glaubensgemeincemetnschast, sondern auch des Dankes und der Wertschätzung ihrer christlichen Mitbürger - gewiß sein könnten, erhob sich tosender Beifall und tm Stillen wandte wohl jeder aus den Redner den Ausspruch unserer Weifen in den „Sprüche der Sätet" an: „Wer ist der Ehre wert, der die Menschen ehrt." Hut ab vor einem solch wackeren Beamten! 2 Die jüdische Gemeinde Kitzingen. 31 In der bereits erwähnten Begrüßungsrede feierte Herr Bürgermeister Grass die jüdische Gemeinde in Kitzingrn alS ein Element des Fortschritts. Auf diese Anerkennung kann sie stolz sein, aber nicht minder auf die Tatsache, daß fie zu den wenigen jüdischen Gemeinden Bayerns gehört, die durch die Tat beweisen, daß sie die Tätigkeit ihr^s Lehrers zu würdigen wissen, und daß der Sinn für soziales Empfinden in ihnen noch lebendig ist. So hat fie belfpielSweise nicht bloß die PensionSverhälrniffe ihrer Beamten in zufriedenstellender Wesse geregelt, sondern sich auch, Im Gegensatz zu den Großgemetnden, seinerze.t bereit erklärt, freiwillig die von Dingfelder für notwendig erachtete Summe mit aufhrtngen zu helfen. Wenn der 2. Vorstand der Kultusgemeinde Kttzingen in seinem währ«nd der Mohlzcit ausgebrachten Toast das Verhalten der von ihm vertretenen Korporation als etwas Selbstverständliches erklärte, so verdient daS alle Anerkennung, aber rS ist leider nur für einige wenige Gemeinden selbstverständlich.*) Auf diese Weise ehrt die. Gemeinde sich selbst und ihr Ansehen wächst dadurch, wie Figura zeigt, in den Augen ihrer christlichen Mitbürger. 3. Die Wertschätzung des jüdischen Lehrers. Es ist wohl nicht zuviel gesagr, wenn wir behaupten, daß der jüdische Lehrer sich beim christlichen Pudlilum einer recht hohen Wertschätzung erfreut, die oll einen aussälltgen Kontrast b.ldet zu der sozialen Stellung, welche ihm die jüdische Gemeinde im allgememen etntöamt. Daß die bayerischen Lehrer — neben den kurhesstschen — in dieser Beziehung wohl mit am besten abschneiden, dürfte bekannt seindas zeigte die Tagung in Rotenburg a. Tauber und noch mehr die in Kttzingen. Dieser Um¬ *) So haben außer Kttzingen nur noch zwei Großgemeinden, München und Würzburg, und zwei Mtttelgemetnden, Aschaffenburg und Nördlingen, die PenstonS- Verhältnisse ihrer Beamten geregelt. In allen anderer erfolgt die Regelung,' wenn überhaupt, nur von Fall zu Fall. Man liebt es, wie ein Redner richtig bemerkte, Wohltaten auszuteilen, aber nicht Gerechtigkeit zu üben. stand rührt wohl in erster Linie davon ber, baß ste bis auf wenige Ausnahmen BolkSschullehrerbtldung ausw isen und an vildungöstreben hinter ihren christlichen Kollegen nicht zurückstehen. Daß der einzelne Lehrer sehr viel dazu beitrag« kann, diese Wertschätzung zu steigern, das beweisen am besten die beiden Kollegen in den beiden genannten.Städten. Ihren Dank für diese Anerkennung seitens Andersgläubiger können die jüdischen Lehrer am besten dadurch betätigen, daß ste den Rat befolg«, den seinerzeit der Propbet Jirmijah den Exulanten mit auf den Weg gab: „Fördert das Wohl der Stadt, dahin ich Euch geführt habe und betet für sie zu Gott, denn in ihrem Wähle liegt auch bas Eurige." (Jer. 29. 7.) 4. Erfreuliches und Unerfrenliches. Der Verein wächst an Mitgliederzahl und an Vermögen, daS ist das ErfreulichedeS Unerfreulichen aber gibt es eine schwere Menge. Es ist ein wahres Verhängnis, baß, wenn auf einer Lehrerversammlung über die Vorkommnisse des Jahres Bericht erstattet wird, sich dieser zu einer Reihe von Beschwerden und Anklagen gegen Rabbiner und Gemeinden gestaltet. In seinem Rechenschaftsberichte erwähnte der Borfitzende vor allem die Versuche der kleinen Gemeinden, gegen Gesetz und Verordnung ungeprüfte Lehrer anzuftellen. Noch bedauerlicher sei eS, daß diese Bestrebungen seitens der zuständigen Rabbiner unterstützt würden. Die energischen Worte der Abwehr, die Herr Hauptlehrer Gold st ein für dieses Boraehen fand, lassen gar keinen Zweifel darüber, daß die bayerischen Lehrer, und nicht nur fie allein, jeden alS ihren Feind anfehen, der die Anstellung ungeprüfter Lehrer begünstigt. Wenn die Handwerker es durchgesetzt haben, daß niemand den Meistertitel führen darf, der nicht hie vorgeschriebene Prüfung abgelegt hat, so kann man eS auch den Lehrern nicht verdenken, wenn fie sich gegen daS Eindringen minderwertiger Elemente in ihren Stand energisch wehren. Daß sie bet diesem Kampf, der ja nicht ein Akt der Notwehr ist, nicht kleinlich find, und nicht etwa solche Kollegen, die ein Seminar zwyr besucht, aber die Abgangsprüfung nicht bestanden, als nicht vollkommen gleichberechtigt anfehen das haben sie wiederholt erklärt. Der Borsitzende wies auch auf den AuSrveg hin, der von mehreren Gemeinden bereits mit Erfolg beschritten worden ist. Es wurden nämlich Ausländer mit der Ausübung ber Schechita und des Kantorats und der nüchstwohnende Lehrer mit der Erteilung deS Religionsunterrichts betraut. Wenn auch diese Einrichtung seitens einiger Kollegen mit Mißtrauen angesehen wir», fo »st es nur der Befürchtung zuzuschreiben, daß den genannte« KultuSbeamt« später auch der Religionsunterricht übertragen werde. Wir teilen — nebenbei gesagt — diese Befürchtung n i ch t. Der Vorsitzende rügte ferner die in neuerer Zeit auch in Bayern einreißende Unsitte, den Lehrer auf Kündigung anzustellen. Die Folgen dieser für den Lehrer so ungünstigen Anstellung« bedingung träfen selbst jene, dir von ihrer Bortrrssltchkeit überzeugt, eine zwangsweise Entlassung aus dem Amt gegen ihren Willen für unmöglich halten und leichten Herzens darauf eingehen. Unsere Gemeinden scheuen sich nicht, die Dimstentlaffung, diese härteste Disziplinarstrafe für Staatsbeamte, schon um recht geringfügiger Ursache willen zu verfüg« - Beispiel: Rördlwgen. Er ermahnte die Kollegen, die mehr als sechs Jahre im Dienste seien, eindringlich, bei einem Stellenwechsel auf kein Provisorium mehr etnzugehen. Ob diese Mahnung wohl fruchten wird? Zwei andere Beschwerden, die sich an die Adresse der bayerisch« Rabbiner wandt«, sind unserer Meinung nach durchaus berechtigt und doch halten wir ihre Besprechung bet dieser Gelegenheit für nicht ganz opportun. Der Vorsitzende rügte «S nämlich, daß einige Rabbiner den ihn« uutersteuten Lehrern anläßlich patriottjcher Feiern Predigt« zufmb«, mit dem Aufträge, fie am Sabbat in der Synagoge zu verlef«, und riet, deren Annahme künftighin zu verweigern, da es ein Armutszeugnis für den Lehrer sei, wenn er nicht seloständig eine Predigt ausarbeiten könne. Nicht minder zu beanstanden sei die Gepflogenheit ewiger Raböwer, die Prüfungstermtne nur dem KultuSvorstand bekannt zu geben, mit dem Aufträge, b« Lehrer entsprechend zu benachrichtigen. Wir wollen die von Herrn Hauptlehrer Goldstein im erster« Falle vorgeschlagen« Abwehrmußregel gar nicht auf ihre gesetzmäßige Berechtigung Hw prüfen, halt« es aber in jedem Falle für besser, wen« die Verwaltung des bayerischen LehrerveretnS sich tn solch« und ähnlichen Fäll« an die Herren Rabbiner mtt der Bitte um Remedur wendet und erst bann die Flucht tn die Oeffentltchkett ergreift, wenn diese- Mittel versagt hat. Rückhaltlos stimm« wir jedoch der Verurteilung. jener Kollegen zu, die eingestandenermaßen nur aus materiell« Rücksichten dem Verein der bayerisch« Kantor« und der übrigen Kultusbeamt« vetgetteren find. Es ist kein sehr erheb. ndeS Schauspiel, wenn selbst Elementarlehrer, deren Pmfionsverhältrnffe vorzüglich geregelt find, die neubegründete Kaffe alS ein Töpfletn anfehm, auS dem ste schöpf« können. DaS ist ewe Ausnützung der hauptsächlich auf Wohltätigkeit angewiesen« Kaff«, der« Verwerflichkeit nicht scharf genug geraden werden kann. Befriedung erweckte dageam ewe andere Mitteilung deS Vorsitzenden. Die Revisionskommission ber „Freien Bereinigung für die Jnteresi« deS gesetzestreuen Judentums w Bayern" hat ihre Arbeit« beendet und wird dm von ihr ausgcarbetteten Gesetzentwurf im September dem zuständigen Mwister überreich«. Die auf die Lehrer bezüglichen Bestimmung« entsprächm durchweg den berechtigten Forderung«: nach Ljährtger Tätigkeit im Amt desinttsve Anstellung- Grundgehalt, Atterszulagen, Penfions- und Reliktendersorgung nach den staatttchm Sätzen ufw. DaS verdient alle Anerkennung, VesonderS gegenüber dem im Auftrag deS D. I. G. B. ausgeardeUeren Machoi'schm OrganisativnSmtwurf. Ergänzt wurde die Mitteilung durch Herrn Kolleg« Dtngfelder-Rtünchen, wonach die Bertteter der Großgemewd« im Herbst zusammentretm und eine Annäherung an dm Standpunkt der Gesctzestreuen versuchen wollen, um daS Zustandekommen der Revision zu erleichtern. Mit diesem hoffnungsvollen Ausblick auf die Zukunft schloß die Berichterstattung. Ende gut, alles gut! (Schluß folgt.) Protokoll der am 5. Juni 1911 zu Frankfurt n. M. abgehqtteneu Geueral-Ber'sqmmluug des Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands. (Fortsetzung). Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen erteilt der Vorsitzende hieraus dem Referenten üb.-r das Bundesthema, Herrn Tr. Rothschild-Halb r ftabt das Wort zu sein«! Vortrage: „Ueücr den Einfluß des Lehrers auf die der Schule entwachsene '■ Jugend." Ta der Vortrag demnächst in diesen Blättern erscheint, so erübrigt es sich, ausführlich darüber zu berichten. Nur eines sei hier hervorgehoben. Was dem Referenten von vornherein den großen und unbestrittenen Erfolg sicherte, war der Umstand, daß er in einer Gemeinde wirkt, wo alle Umstände für das Gelingen der ans die Jugendfürsorge bezüglichen Bestrebungen günstig sind, der starke Glaube also an die Durchführbarkeit des von ihm Vorgeschlagenen, und daß er den ungebrochenen Optimismus der Jagend besitzt. Daß es ihm aber an praktisch Erfahrenem aus diesem Gebiet nicht fehlt, das bewies er' sowohl in dem Vorträge, als in der Debatte. Diese selbst wurde, nachdem dem Referenten der lebhafte Tank der Versammlung und des Vorsitzenden geworden, auf die Nachmittagssitzung verschoben, um ik. 'S >3 3 ,3 4 ■ 4 4 6 3 Vf;

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