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Der Israelit · 1911-08-17 · Heft 33 (17.8.1911) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 33 (17.8.1911)
Date
1911-08-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10. Nr. 38 Der JSraeM. der Kulturresolutton an das A. C. an. Vom Misrachi sprechen ferner unter großer Unruhe und fortwährenden Unterbrechungen für diesen Antrag M. Berlin, Dr. Möller und Dr. Abrahmsohn, die alle auf die Folgen der Resolution Hinweisen und vor deren Annahme warnen. Dagegen teilt Kaplanski im Namen der „Poale-Zton" mit, daß diese Fraktion, die gestern noch „bedauert hatte", in dieser Sache mit MiSrachi einig zu gehen, ihre Taktik über Nacht geändert habe und nun für die Kulturresolution stimme. Nun schleudert Thon die allgemein frappierende Mitteilung in den Saal, daß die Rabbiner Reines und Rabbinowitz selbst in den vorberatenden Sitzungen der Resolution der Kulturkommission zugestimmt hätten. Jetzt müssen die beiden stillen Rabbiner, die sich sonst bei den Verhandlungen völlig passiv verhalten, selbst reden. Reines bestreitet, der Resolution zugestimmt zu haben. Er habe nur versprochen, sie in der Mtsrachtsitzung vorzulegen. Er sei, wiewohl treuer Zionist, von jeher Gegner des Kulturzionismus, der die gemeinsame Arbeit störe. Etwas deutlicher drückt sich Rabbiner Rabbinowitz aus. Er erklärt, in der zionistischen Organisation auch dann noch verbleiben zu wollen, wenn auch Misrachi austreten sollte, was ihm natürlich eine stürmische Ovation seitens der „Kulturellen" einbringt. Ohne weiter auf den eigentlichen Gegenstand einzugehen, verbreitet er sich über die Wichttgkeit des Sabbat und wünscht, daß man jeden Zionisten zur strikten Sabbathaltung verpflichte. Aus Dankbarkeit für seine Solidaritätserttärung mit der antimisrachistischen großen Majorität läßt man ihn ruhig reden — selbst der schneidige Marmorek, der am Präsidentenpulte dröhnend und unaufhörlich den Hammer schwingt, vergißt die obligatorischen „3 Minuten" und den stereotypen Ruf „Zur Sache!" — und spendet ihm lauten Beifall. Sirkin hält die Behauptung von der Zustimmung Reines zur Resolutton aufrecht, lobt Rabbiner Rabbinowitz und erklärt, daß die Konzessionen an die Religion in der Resolution das Höchstmaß darstellen. Ein Antrag auf namentliche Abstimmung wird abgelehnt. Sodann wird die ganze Resolutton satzweise verlesen und vom Kongresse mit allen gegen die Stimmen desMisrachi angenommen. Unter unbeschreiblicher Unruhe und Freuden- Ausbrüchen der Sieger, verlassen die Mitglieder des Misrachi still und gedrückt den Saat. Die Rabbiner Reines und Rabbinowitz, die offenbar die Fühlung mit ihrer Fraktion verloren haben, stehen noch eine Weile auf dem Podium vor der Tribüne und schauen unentschlossen und ratlos in den Trubel hinunter. Dann gehen auch sie, ohne den Ausgang der Wahlen abzuwarten. Es wird 10 Uhr,als man zu den Wahlen schreitet. Sie wickelten sich viel ruhiger und einfacher ab, als man erwarten mußte. Das mag zum Teil daran gelegen haben, daß nach der sechsstündigen Sitzung und der heißen Kulturschlacht sich eine gewiffe Ermüdung des Kongresses bemächtigte, und man zum Schluffe kommen wollte. Beide Listen des Permanenzausschusses werden vom Kongresse en bloc angenommen. Es sind also in das Große A. C. gewählt: Wolffsohn, Bodenheimer, Böhm, Fjscher, Friedemaun, Boris Goldberg, Halpern, Dr. Hausmann, Jdelsohn, Jakobus Kann, Keßler, Dr. Klee, Krementzkt, Marmorek, Motzkin, Neiditz, Podlischewskt, Dr. Rosenbaum, Mensk, Rosow, Petersburg, Dr. Julius Simon, Mannheim, Stand, Tschlenow,Ussischkin und Wetzmann. In das Engere A. C. — die eigentliche Leitung— werden gewählt: Prof. Marburg, Dr. Hantke, Dr. Jakobsohn, Schemarjah Lewin und Nachum So ko low. Es'folgen Schlußreden der Herren Marburg, Tschlenow, Nssischkin undBodenheimer, worauf gegen 11 Uhr mit begeistertem matt tfb "Np-Gesange der Kongreß in gewohnt feierlicher Weise seinen Abschluß findet. Der Misrachi trat noch am Dienstag Abend zu einer geheimen Sitzung zusammen. Ueber seine Beschlüsse verlautet noch nichts. Soviel steht aber fest, daß Misrachi nach dem folgenschweren Beschlüsse des Kongresses auf weitere Kompromisse mit der Leitung sich nicht mehr einlassen wird. Endgiltige Beschlüsse werden einer demnächst stattfindenden Frankfurter Konferenz Vorbehalten bleiben. DKnernark. Her 16. Internationale Cierfchufe-Congreij in Kopenhagen. E. B. Kopenhagen, 6. August. (Fortsetzung.) Der Freitag war der Beratung von Fragen reintierschützlerischen Charakters gewidmet, die eine Diskrepanz der Meinungen von vornherein ausschlossm. Nur ein peinlicher Zwischenfall bei der in der Mittagspause auf dem städtischen Schlachthofe ßtattfindenden Vorführung der „humanen .^chlachtmethode" wäre zu registrieren. Daß die Gesellen, wie auf Bestellung, jedem, der es hören wollte, sagten: „Ja, bei uns geht alles schön und glatt, aber mit dem Schächten ist es schlecht bestellt", brauchte man nicht eben tragisch zu nehmen; auch anderwärts sind diese Herren von der Schechitah, die an ihre Arbeitslust, Geschicklichkeit und Aufmerksamkeit höhere Anforderungen stellt, als die Schlachtpistole, nicht eben übermäßig entzückt. Aber daß ein „Inspekteur" sein „sachverständiges" Urteil dahin abgab, das Schächten bereite den Tieren Oualen und sollte verboten werden (!), das war denn doch ein zu arges Stück, als daß es hätte ungerügt bleiben dürfen. In der Tat begleitet denn auch der „Politiken" diesen Bericht mit einem Tadel an diesem unberufenen Gesetzgeber. Auf die Frage des Herrn Dr. Frankel, ob er denn wissenschaftliche Unterlagen für seine Meinung besitze, und ob ihm die Gutachten über diese Frage denn bekannt seien, wußte er.nur zu erwidern, daß die Tierquälerei des Schächtens seine „Ueberzeugung" sei! — Dagegen läßt sich freilich nichts machen! So kam denn der Sonnabend, der letzte Vertzandlungstag, heran. Gewitterschwüle draußen und rwch mehr da drinnen im Saal, der heute stärker als \t während der ganzen Verhandlungstage gefüllt war. Schon im Morgenblatt brachte „Politiken" einen Artikel, der eine Sturmankündigung enthielt. Hit gelinder Uebertreibnng wurden die Larmszenen, welche der Bortrag von Frl. von Konow aus dem Londoner Kongreß hervorgerusen, geschildert — man habe sich die Haare vom Kopf gerissen und vor Wut in die Stühle gebissen? — und der Besorgnis! Ausdruck verliehen, daß es diesmal womöglich noch schlimmer kommen möchte. — Den Reigen eröffnete Miß Lind af Hageby-London mit einem! Referat über „The International Federation of Animal Protection and Anti-Vivisection Societies“, das in streng sachlichem Ton das große, die Völker umspannende Und einende Ticrschußwerk behandelte und der sympathischen Rednerin lebhaften, wohlverdienten Beifall eintrug. Dann verbreitete sich Herr Magnus Schwantje-Berlin, über „die Verwerflichkeit des Jagdvergnügens, insbesondere der Hetzjagden", wobei er mit anerkennenswertem Freitritt seiner Kritik auch vor den Thronen nicht Halt gebot. Und dann erhielt Frl. v. Konow das Wort zu ihrem Referat über den „Kampf um das Schächten in Finnland". (Be combat en Finland contre l’abattage seien la Methode juive.) , Rauschender Beifall empfing die Redncrm, die mit atemraubender Schnelligkeit ihr Pamtzhlet ^_ '_ 17. August mt he runter las. Das Schächten sei viele Jahrhunderte hindurch im russischen Reiche vom Kaukasus bis zu Schwedens Grenze verboten gewesen. Die Mohammedaner, ebenso wie die Juden dadurch betroffen, hätten .sich damit abgefnnden. Nicht so die verschlagenen und reichen Juden, die es verstanden, das Gesetz zu umgehen und seinen klaren Wortlaut zu fälschen. In Finnland hätten sie den General-Gouverneur Bobrikoff dazu gebracht, ihnen das Schächten zu gestatten. „Infolge meiner Agitation ist diese Erlaubnis zurückgezogen worden." Die Juden haben sich aber „trotzdem" nicht beruhigt, sondern immer wieder den Senat bestürmt, das Verbot aufzuheben. Bei diesem Kampf finden sie die Unterstützung der großen Geldjnden in Leipzig und anderen Zentren, und setzen der Regierung das Messer an die Kehle, wie sie es auch mit den unschuldigen Tieren tun! Sie winseln, daß ihre Greise und Kinder kein Fleisch zu'essen hätten; dabei wird Fleisch aus Petersburg (400 Kilometer entfernt!) importierte auch hätten sie ja andere Nahrung und.außerdem schlachteten sie, was für ihren Mangel an Takt spräche, Geflügel in ihren Synagogen und veranstalteten dort wahre Blutbäder! Das Schächten sei gar kein religiöses Gebot, sondern aus der Legende des Alten Testaments, wonach Abraham den Isaak mit einem Messer und nicht mit einem Beil schlachten wollte, habe das auserwählte Verbot sich sein albernes Vorurteil gezogen. Die Helsingforer Fakultät habe das Schächten für weniger human als die Betäubung erklärt; ans dunklen Gründen habe die Leipziger für Aufhebung des Schächtverbots gestimmt. Das Schächten sei gar kein biblisches Gebot, sondern die Rabbiner halten bloß aus nationalen, politischen und ökonomischen Gründen, besonders, um die Assimilation zu verhindern, daran fest. Das Schächten, „diese religiöse Barbarei", sei ein internationales Uebel, welches die Tierfreunde, ohne Rücksicht auf die Niederlage in Sachsen oder die neuen deutschen 'Gesetzesvorlagen, bekämpfen müßten. Ob die Juden ihre Synagogen zu Schlachthäusern machen, ob sie aus Mangel an Kultur oder ihrer Wahn- Vorstellung von einem Gott, der die Seligkeit der Menschen nach den Qualen der Opfertiere bestimmt, am Schächten festhalten — wir müssen fordern, daß es überall verboten wird, und lehren, daß es nur eine Moral gibt, die den Leiden der Tiere Einhalt gebietet! — — — Diese ausführliche Wiedergabe des schönen Seelenergusses des Frl. v. Konow soll dazu dienen, zu geigen, welche Ungeheuerlichkeiten man im Zeitalter der Aufklärung auch einem gebildeten Publikum noch ungestraft zu bieten wagen darf, wenn es sich um Juden, ihre Religion iund ihre Lebensverhältnisse handelt. Das Kunststück, in wenigen Sätzen eine derartige Fülle von gröbster Unwissenheit und dickster Unwahrheit, von Ungebühr und Brunnenvergistung hineinzupressen, könnte als Leistung immerhin imponieren, wenn solche Leistungen in der antisemitischen Literatur und Rhetorik nicht zu den Alltäglichkeiten gehörte. Es verdient aber hervorgehoben zu werden, daß der Beifall am Schlüsse der Rede der angenehmen Dame immerhin matter als bei ihrem Auftreten war, und daß da und dort doch auch Zeichen des Mißfallens, wenn auch schüchtern, sich hervorwagten. Und der Präsident, was sagte er zu dieser Beschimpfung einer Religions-Genossenschaft, die in allen Knltnrstaaten anerkannt ist und pi den Freunden des Tierschutzes ein stattliches, eifriges Kontingent stellt? Den Präsidentenstuhl zierte an diesem Verhandlungstage Mr. R. A. K l e r ck - Haag. Ich habe schon manchem Kongreß, mancher bewegten Versammlung beigewvhnt, aber ein derartiges, völliges Versagen der Leitung habe ich noch nicht erlebt. „Das Unzulängliche, hier wards Ereignis." Frl. v. Konow durste ihre Hetzliraden herünterlesen, ohne Rüge seitens des Herrn Präsidenten; aber als die Diskussionsredner die ihnen zugebilligte Redezeit von, sage -und schreibe, d r e i M i n n t e n, in der sie daZ

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