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Der Israelit · 1911-08-17 · Heft 33 (17.8.1911) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 33 (17.8.1911)
Date
1911-08-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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.rr 17 August 1911 Der Jsrarüt. Ko. SB Gelte 7 wird Kritik an der Führung der Oelbaum- I daß die galizifchen Zionisten sowohl in formalen spende geübt. Kann warnt vor kostspieligen! Angelegenheiten der Organisation als auch in Experimenten, umso mehr, als das nichtzionistische I den prinzipiellen Anschauungen über die Be- Kapital immer noch nicht für diese Zwecke zu! wegung einig sind. In seiner Kritik über die haben sei. Eine Wahl in die Leitung lehne er I Leitung hebt er besonders hervor, daß man ourch ab. Der Kongreß müsse eine bessere Organi-! praktische Arbeit in Palästina das Mißtrauen fationsdisziplin schaffen. I der maßgebenden türkischen Kreise am besten zer- Jn der Debatte wünscht A. Böhm mehr! streuen könne. In begeisterten ergreifenden Jdeenpropaganda. Das Geld allein mache! Worten spricht er über die Opfer der Wahlen es nicht, die Massen müssen mehr zionisiert I in Drohobyez, zu deren Ehren sich die Versammwerden. Mit der Assimilation dürfe es keinen! lung erhebt. Frieden geben. Darin sei der Standpunkt der! Dr. Bo den he im er teilt mit, daß Herr „Welt" nicht scharf genug. | Äaljaite 35 000 Mark für jüdische An- Pasmanik wünscht die Einsetzung einer I siedelungszwecke in Palästina gespen- 33gliederigen Kommission zur Prüfung aller! det hat. Palästinasragen. I Dr. Strauß (Bradford) hält es für not- Dr. Da ich es, London, mahnt zum Frieden! wendig, daß die zionistische Organisation eine und bringt dann die Affäre Mosstnsohn zur! offizielle Erklärung abgibt, daß der Zionis- Sprache. Die Leitung müsse dafür sorgen, daß I mus keinen Staat in Palästina gründas Gymnasium im jüdischen Geiste ge-! den will, sondern die Ansiedelung der leitet werde, da sonst Schulen in Palästina! Juden als ottomanische Bürger erweder Sinn noch Zweck hätten. Wir wollen die | strebt. Bibel echt haben und nicht in „wissenschaftlicher" I Rabbinersohn (Kiew) und Last er machen Präparierung. Ohne Thora sind die Juden ein! eine Reihe von Vorschlägen inbezug auf Prak- Nomadenvolk. Bon den Kongressen seien näch-! tische Palästinaarbeit, stens genaue Berichte über das Schulwerk in I Kapl ans ky verlangt informative Aufklärung Palästina zu verlangen. Auch Rabbiner Dr. I inbezug auf den Zionismus nicht nur für die Nacht, Braila, streift die Erztehungs- und! türkische,-.sondern auch für die arabische Oeffent- Kulturfrage. Er fordert in gutem Hebräisch, I lichkeit. Er fordert auch mehr Rücksichtnahme daß Dr. Mossinsohn verboten werde, Bibelkritik l auf die jüdischen Arbeiterorganisationen in Pazu unterrichten. Gerade in Palästina müffe eine I lästina. relig i öse Erziehung gefordert werden. | In der Nachmittagssitzung des zweiten Ber- Dr. Hantke wünscht ein festes Arbeitspro- I Handlungstages verteidigt zunächst: gramm für die Leitung, dessen wichtigster Punkt I Dr. I. Thon (Jaffa) das P a lästina - die Palästinaarbeit sein muß. | Ressort gegen die erhobenen Angriffe bezüglich Aus eine Anfrage von Dr. Felix, Ravenna! der Oelbaumspende. Das Palästinaamt sei bereit, gibt Wolffsohn unter stürmischer Zustimmung I den jüdischen Arbeitern eine möglichst weite Selbstoes Kongresses die Erklärung ab, daß die Zto- I Verwaltung zu gewähren, die aber nicht in eine nisten alle Ursache haben, für Italien, seine I Anarchie ausarten dürfte. Regierung und seinen König die gr öß- | Dr. Pasmantk verlangt daß die Leitung ten Sympathien zu haben und nur! auf allen Gebieten der zionistischen Arbeit die wünschen können, daß in allen Län-I Jniative ergreife und betont die Notwendigkeit dern die Juden so behandelt werden,! der Vertiefung des zionistischen Gedankens. Auch wie in Italien, und daß alle Fürsten I müsse man dem jüdischen Proletariat mehr Aufso denken und so handeln würden wie! merksamkeit schenken. der König von Italien. Wenn eine zlo. l Prof. Dr^ Marburg erwidert aus die seitens nistenfreundliche Zeitung in Konstantinopel einen I der poale-zionistischen Gruppe gegen das Palä- Artikel gegen die italienische Negierung schrieb, I sttneramt vorgebrachten Beschwerden und wendet so ist das zu bedauern, aber man sei nicht in | sich gegen die Anklagen Kanns. Er verteidigt der Lage, das zu hindern. I alle von Kann bemängelten Institutionen in Damit finden die Verhandlungen des ersten I Palästina und führt u. A. aus, daß es jetzt not- Tages ihren Abschluß.! tue, vornehmlich für die kulturellen Insti- Die Sitzung des zweiten Tages be- I tute des Zionismus zu sorgen, ginnt Donnerstag 10 Uhr mit einer Erklärung! Sodann ergreift Wolffsohn das Wort zur des Dr. Nacht, daß „der Misrachi die zuver- | Erwiderung auf die am Berichte des Aetions sichtliche Hoffnung habe, daß in den schwebenden I comitees geübten Kritik. Entgegen der vielfach Fragen eine Einigung mit der allgemeinen zio- I geäußerten Ansicht, man müsse beit Mut haben, nistischen Organisation erzielt werden wird."! auch schlechte Arbeit in Palästina zu machen, er- Darauf wird eine große Reihe von Begrüßungen! klärte er, man müffe Mut haben, die Arbeiten, verlesen und eine Palästinakommission, I die sich als schlecht erweisen, etnzustellen. Die ebenso eine F in anzkom Mission en bloc ge- | zionistischenLandesorgantsationen müssen in erster wählt.! Linie für die zionistischen Ideen arbeiten und Nach einer kurzen Ansprache des Herrn! nicht ihre 5kräste an der Landespolitik zersplittern, Wolffsohn, in der er um rücksichtslose, aber sach-! umsomehr als die Landespolitik in den verliche und vornehme Kritik bittet, ergreift Dr.! schiedenen Ländern verschieden sei und es so vor- Zo lisch an das Wort zur Berichterstattung I komme, daß Zionisten gegeneinander kämpfen, über den Internationalen Rassenkon-I Wenn im Namen der palästinensischen Arbeiter greß, an dem er als zionistischer Vertreter teil- I verlangt wird, daß man mehr daraus hinargenommen hat. I beiten soll, mit arabischen Kreisen sich zu ver- „Der Rassenkongretz hat, sagte der Redner, I ständigen, so sollten in erster Linie die oft zu für uns die Bedeutung, daß zum erstenmale die! resoluten Arbeiter für die Verständigung sorgen. Judenfrage vom wissenschaftlichen und nationalen | Er verteidigt in fernerem das Schreiben des Standpunkte aus vor der Gelehrtenwelt behan- I Herrn Kann; er selber teile den Standpunkt delt wurde." Dr. Zollschan teilt ferner mit,! des Herrn Kann und meint ebenfalls, daß es daß die von ihm auf dem Rassenkongreß ver- I besser wäre, Prof. Marburg nicht mit kauftretenen Anschauungen, die er für den theoreti-! männischer Arbeit zu belasten, scheu Unterbau des zionistischen Gedankens als! Der Leitung wird darauf ein Bertrauensgrundlegend betrachtet, mit Beifall ausgenommen! Votum erteilt, das aus Antrag Thons einen worden sind. Er betont die Notwendigkeit einer! Passus erhält in dem insbesondere dem Präs. Vertiefung des Zionismus nach der Wissenschaft-! Wolffsohn Dank ausgesprochen wird, daß er daß lichen und ideellen Seite hin. I große Erbe Herzls, nicht nur erhalten, sondern Darauf wird die Generaldebatte fortgesetzt.! gemehrt habe. Dr. Margulies beantragt, daß die Organi- I Der Freitag brachte die erwartete religiöse sationskommission die Prüfung des neuen Orga-! Debatte. Der Saal war, als der Vorsitzende nisationsstatuts noch heute vornehmen möge.! Dr. Nord au um 10 Uhr die Sitzung eröffnete, Tr letsch bedauert ebenfalls die Einschränkung | nur schwach bl setzt. Ruhig, sogar fast teilnahmsder Kritik. Dr. Reich betont mit Genugtuung, los, nahm man den Bericht des Präsidenten des jüdischen Nationalfvnds, des Herrn Dr. Bodenyeimer, über die Sammlungen und die Verwaltung des Nationalfonds entgegen. Die Sammlungen bewegen sich in einer aufsteigenden Linie und haben den höchsten Siand im vorigen Jan erreicht. Die Verwaltung hat die Strdelungsgenosstnschrst, welche vom vorigen Kongreß beschlossen wurde, auSgebaut und ist bestrebt, die gegenwä tigen Einr chkungen zu erweitern, ehe man an neue Unternehmungen herantrtrt. Der Grunbzwcck, auf dem man auch weiter beharren müffe, ist die Erwerbung von B den in Palästina für daS jüdische Volk zum Zweck der Ansiedelung einer jüdischen Bauernschaft. Hiervon düfe man nicht abgehen nnd deshalb spreche sich der Redner gegen eine eiwaige B steu-rung des Nation lsonds aus, wie sie daS neue Organifationsstatut vorsehe. Zum Schluffe berührte er die Schwterigketten, welche durch Beschwerden der grs tzesireuen Juden entstanden sind und die in keiner Weise begründet fiten. Bcn einer Verletzung relig.öjer Gesetze ist Herrn Dr. Bodenh imer nichts bekannt. Ueberhaupt finde er, daß der Jüdische Nationalfonds gar nickt berechitgt sei, eine „religiöse Polizei" über die auf den Ländereien des Naitona'sonds in Palästina angestellten Arbeiter auszu- Lben. Er müffe es ablehn n, einen Gewissem zwang zu schaffen. Als einziges M ttel empfiehlt er der-Orthodoxie die positive Arb it, insbesondere die Schaffung von Arbeitsgelkgknheiten für religiöse Juden von Seiten der Mtsrochtten. Bis jetzt ab-r sei es dem MtSrocht nicht einmal gelungen, die für Schaffung einer selbständigen Kolonie nötigen 50000 Frs. aufzubrrngen. Mit einem Apell, indem er da'auf htnwies, daß der Fonds, wenn üverall fo eifrig und energisch gearbeitet wurde, wie in Belaien und Südafrika, eine Jahreseinahme von mindestens 12 Mill. Mark ergeben müßte, schloß Herr Dr. Bodenheimer seine Ausführungen. Nun erhielt Herr Dr. N. Katzenelsohn, der Vorsitzende des Direktoriums der Jüdischen Kolonialbank das Wort. Er erstattet Bericht über die Tätigkeit der Kolonialbank und ihrer Töchterinstitutionen: Anglo-Levantine Banking Company und Anglo Palastine Company. Die Operationen auf verschiedenen Gebieten haben gute Erfolge erzielt. Die Investierung des Kapitals in Palästina erreicht bereits ca. acht Mill. Frs. Im Allgemeinen Ist die Tätigkeit der Banken nach vielen Richtungen hin erweitert worden, die Aussichten für die Zukunft sind günstig. Als nun Herr Hermann Struck die Rednertribüne verrat war die Spannung groß und eine lebhafte Teilnahme löste plötzlich die Langeweile ab, die während der Referate um sich gegriffen hatte. Herr Struck vertritt mit Entschiedenheit den Standpunkt des MiSrachi und führt aus: Aus bcm Munde des Tr. Bodenheimer haben wir alle mit inniger Freude vernommen, daß unsere landwirtschaftlichen Unternehmungen in Palästina zu den schönsten Hoffnungen berechtigen. Tann hat aber Tr. Bodenheimer, des Beifalls eines Teiles dieser Versammlung sicher, uns mit hem Ausdruck „religiös« Polizei" zu belegen gewagt, den ich als unerhörte Beleidigung der Misrachi-Organisation auf das schärf st e zurückweise. (Lebhafter Beifall der Misrachi, große Unruhe.) Man hat uns schon früher von leitender Stelle aus als Sabbatrichter und -Schnüffler verspottet. (Zustimmung bei den Misrachi.) Liebe Gesinnungsgenossen, das rührt uns nicht, wir lächeln darüber, wenn auch schmerzlich. Wir sehen nicht nach rechts und links, wir ' treiben keine Politik, wir gehen, auf eine unerschütterliche Ucberzeugung gestützt, geradeaus unseren Weg. Schimpswvrte, wie die eben erwähnten, sind keine Beweise. Als die Vertreter des traoitionell-religiösen Prinzips im Zionismus sehen wir uns veranlaßt, seine Entwickelung und Verbreitung betrifft. Er verliest dann einen Brief des Herrn Oöerrabbiner Kuk in Jaffa, der in deutscher Sprache etwa folgendermaßen lautet: Jaffa, 3ö. Zammtiä 5671. An bü sehr geehrte Leitung hes jüdischen Nationalfonds! Als Eingeweihter, dem unsere Kolonisation in Erez Israel nahegehl, sehe ich mich verpflichtet dem geehrten Komitee Tinge mitzuteilen und es anzurcgen mit allen Kräften, eine Angelegenheit zu ordnen, die das .Wesen und die Grundlage des Bestandes der Kolonisation, ihre Ehre und ihren Ausbau, fottri: die Ehre des jüdischen Nationalfonds im allgemeinen, seine Entwickelung und Verbreitung betrifft. Sie, geehrte Herren, mögen erfahren, daß das System der Verletzung der Heiligtümer unserer Re- ' ligion in allen Teilen der Ansiedlung, besonders aber auf den Besitzungen des Nattonalfonds in sehr herausfordernder Form, speziell durch Entweihung des Sabbats und der Feiertage (hört! hört! bei den Misrachi) sehr verbreitet ist. Tie Arbeiter und Beamten kümmern sich nicht im geringsten um das, was Israel tu'ilig ist, und mit Verachtung entweihen sie die £eiligliit der Festtage durch öffentliche Arbeiten

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