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Der Israelit · 1911-08-17 · Heft 33 (17.8.1911) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 33 (17.8.1911)
Date
1911-08-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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W: ' ' «ette L «.38 •..t;• .. v, "j . .'i,-.- '•J..*. l. ••; &: f V. Kt*;' F;: Der €xodus und die Sukuntt des misractil. Htafet, 15. August. Bon hochgeschätzter Seite in Basel wird uns geschrieben: Die große Schlacht ist geschlagen. In später Abendstunde brachte die letzte Sitzung des . zehnten Zionistenkongresses, die von Eingeweiten lange vorhergejehene Katastrophe. In heißem Ringen standen sich, auf der einen Seite die Kultursanatiker vom iLchlage Sokolow und Mossinfohn, auf der anderen Seite die Vertreter des alten überlieferten Judentums, die an Zahl zwar gering, aber durch die Macht ihrer Ueberzeugung uriö ihrer Weltanschauung Achtung einflößten, die Männer des Misrachi, gegenüber. Die Männer, welche das thoratreue Judentum innerhalb des Zionismus bisher repräsentiert haben, ließen es dem E. A. C. gegenüber schon vorher <m Warnungen nicht fehlen. Sie inachten darauf aufmerksam, daß Fromme und Unfromme, Gläubige und Atheisten wohl in politischen und ökonomischen Fragen, welche den Kern des Baseler Programms bilden, Zusammenarbeiten können, niemals aber in kulturellen Angelegenheiten, die von der Religion nicht getrennt werden können. Das Kultur- und Erziehungsziel eines Mossinfohn ist in der Theorie genau so verwerflich, tote die Anschauung Reinachs. Beide leugnen Thora und Mizwos. Gefährlicher 'aber ist die erstere, weil sie in der schönen hebräischen Sprache und im lockenden nationalen Gewände auftritt. Trotz dieser Warnungen wurde von den maßgebenden Persönlichkeiten, unter denen ein Herzl mit weitem Blick und edlem Herren fehlte, die Kulturfrage aufgerollt. Vergebens erklärte Hermann Struck als Führer des Misrachi in schöner und zu Herzen gehender Rede, daß durch Uebernahme der Kultur ins Programm, worin z. B. eine Unterstützung des u n j ü di s ch e n hebräischen Gymnasiums in Jaffa implicite enthalten ist, die Misrachisten aus der zionistischen Organisation herausgedrängt würden. Man ließ die Vertreter, des Misrachi (Redakteur Berlin, Referendar Möller) kaum zu Worte kom- *inen, währerrd der Redtter der Mehrheit, Dr. Tschlenoff, ausführlich sprechen durfte. Noch eine schmerzliche Enttäuschung erlebten die Misrachisten.. Wahrend man den Misrachi kaltblütig erdrosselte, sprach Rabbiner Reines für den Frieden (?) und es sah aus, als ob er zum Rückzug blasen wollte. Noch betrübender waren die Worte des Rabbiners Rabbinowitz, der unter dem tosenden Beifall der links stehenden Parteien erklärte, er werde Zionist bleiben, auch wenn der Misrachi austreten sollte. Wie nennt man den Mann, der im Kamps seine Freunde verläßt und ihnen in den Rücken fällt?*) Dr. Abraham sohn von Sarbogord verlangte namentliche Abstimmung, damit jeder die hohe Bedeutung der Frage erfasse. Allein auch nicht in dieser Kleinigkeit kam man dem Wunsche der Minderheit nach, mit „überwältigender Mehrheit" wurde der Kultur-Beschluß angenommen. Damit ist endlich Klarheit geschaffen. Der Misrachi ist überstimmt, aber nicht besiegt, denn hinter ihm stehen die Millionen thoratreuer Juden, hinter ihm steht das Judentum, das einzige, das wahre, welches in der Thora wurzelt und nur in ihr seine Zukunft sieht. Die Männer des Misrachi sind in bester und edelster Absicht in die zionistische Bewegung eingetreten. Sie glaubten für ihr Ideal wirken zu können, sie sahen sich bitter enttäuscht. Inmitten einer.rein nationalisttschen Umgebung ist für 'thoratreue Männer kein Platz. Den Misrachisten ist ihr Weg vorgezeichnet. Sie werden, wie es ihre Pflicht ist, auK der zionistischen Bewegung austreten, die damit ihren religiösen Halt verliert und so den Keim ^zu ihrem Untergang gelegt hat. Der Misrachi wird aber nicht untätig bleiben und — dessen sind wir gewiß — sich selbständig organisieren und seine segensreich be- *) Wie wir erfahren, hat Rabb. Rabbinowitz dem »Misrachi" nie angehört. Red. 1. ' ' ' ,1‘" '• '! L'-- ■ ■- tter SfSartUt. tzonnene Tätigkeit für das Wohl unserer Brüder in Palästina in treuer Gemeinsamkeit mit seinen religiösen Gesinnungsgenossen weiter ausbauen. Pflicht jedes aufrichtigen Juden wird es sein, an der Förderung dieses wahrhaft jüdischen, weil auf religiöser Grundlage beruhenden, Zionismus tatkräftig mitzuwirken. Korrespondenzen und Nachrichten. Ararikfnrt a M , 16. August. Durch die Tagespreffe gehen, anscheinend auf Inspiration der dem Gemeindebund nahestehenden Kreise, offiziös frisierte Nachrichten, wonach man sich innerhalb der preußischen Ministerien mit der Vorbereitung eines neuen preußischen Judenrechts im Sinne des Gemeindebunds beschäftige. Diese Nachrichten sind erfunden. Es handelt sich, wie bereits mitgeteilt, lediglich um eine Detailfrage: die Aenderung von §§ 37—39 des Gesetzes von 1847 nach den Bedürfniffen der Berliner Gemeinde. Alles andere ist Stimmungsmache und soll wohl nur dazu dienen, den bisher > mißglückten Bestrebungen des Gemeindebundes ein neues Relief zu geben. GvsterreUH. Wien, 10. August. In Sachen des Emigrations- Kongresses erhalten wir von dem Wiener Comits eine Zuschrift, die unsere Darstellung im wesentlichen bestätigt, dabei jedoch berichtigend bemerkt, dgß eine persönliche Begegnung der Delegation der Petersburger Konferenz mit Jakob Schiff nicht stattgefunden habe, und daß die Kongreß- Idee als solche nicht gänzlich fallen gelassen fei. gdjnrei,. Der jehnfe öioniffenftonsreg. (Bon unserm Korrespondenten.) Aaset- 11. August. Der Nachmittag des ersten Verhandlungstages war der Generaldebatte über den Bericht des A.-C. gewidmet. Derselbe liegt gedruckt vor und gibt im wesentlichen folgendes Bild über den Stand der Organisatton: Der Bericht, eine 260 Seiten starke, stattliche Broschüre, gibt Auskunft über die politische Tätigkeit der Organisation, wie über ihre allgemeine Arbeit in den letzten zwei Jahren. Es haben vielfache Verhandlungen stattgesunden, um die Konflikte, die in taktischen Fragen nach dem Hamburger Kongreß entstarrden sind, zu beseitigen, die aber bis ejtzt noch zu keinem befriedigenden Resultate geführt haben. Tie im Juni 1910 in Berlin stattgefundene I a h rc s k o n f e r e n z faßte mehrere wichtige Entschlüsse und entwarf ein neues O r g a n i - . s a t i o n s st a t u t, das im wesentlichen die Rechte des Großen A. E. erweitert und einer Organisationskommissivn vorgelegt wurde. Die Finanzlage leidet dadurch, daß die Eingänge für die Organisation, die Schekelgelder, inkregetmäßig und unzureichend sind. Für die 'Deckung des Budgets, das sich auf 170 000 Mark beläuft, macht die Jahreskouferenz mehrere Vorschläge, über der der Kongress zu beraten hat. Die regelmäßige Einzahlung der Scheketgeldcr soll durch einen Beschluß erzwungen werden, der die Entsendung eines Delegierten zun, Kongresse von der Aufbringung .von 400 Mark an Sehekolim seitens des betreffenden Vereins abhängig macht. Das finanzielle Rückgrat der Organisation bildet der „Jewish Eolonial- Trustder auch eine Filiale in Palästina (Anglo Palestine Company) unterhält und dessen Aktienkapital z. Z. Lstr. 257,602 beträgt. Ter Nettogewinn betrug 1910: Lstr. 7613.8 und ermöglichte eti*e Dividende onv 6 Pence per 1 Lstt.-2lttie. Tas Zionistische Zentralbureau habe sich gut bewährt. Eine Kultur betvegung zu s'ü h r e n, _ 17. August lall. lehnt das E. A. C. ab, dagegen erachtet es desselbe als seine Aufgabe, die Kultur zu fördern. Tie „W e l t," die immer noch Gegenstand scharfer Kritik sei, habe eine Mehrausgabe von 13.000 Mk erfordert. Ter Bericht über die P al ä st i n a a r b e i t beschränkte sich im wesentlichen auf die Angaben, die im weiter folgenden Warburgschen Referate enthalten sind. Für den N a t i o n a l f o n d s ist seit de: letzten Kougresse ca. 1 Million Francs aufgebrai worden. Tie Tätigkeit des N.-F. erstreckt sich , der Hauptsache aus die agrarische und geistige Kulturarbeit in P a lästi n a. (Siehe Bericht Marburg.) Das Hebräische Gymnasium in Jaffa, zu dessen Koste,: der N.-F. 30,000 Francs beigetragen hatte, ist nun von seinem Erbauer, Lordmayor Moser, Bradford ganz dem N.-F. als Eigentum überlassen worden und kann nun als ausschließliches Institut der zionistischen Organisation gelten. Ebenso soll sich der N.-F. an der Errichtung des Technikums in Haifa beteiligen. Ter Bericht der einzelnen Landsmannschaften verzeichnet das Eindringen der zionistischen Idee auch in Nordasrika, sowie in Indien und Japan. Bedeutend sind relativ die Eingänge der Beiträge aus Kanada; sie sind auch in Australien und Brasilien gestiegen, während sie in Argentinien auf gleicher Höhe blieben. Erfolglos erwiesen sich alle Versuche in Frankreich und Italien. Einen Rückgang weist auch Ostasien auf. Etwas reger ist die zionistische Arbeit in Skandinavien und in Griechenland. Recht ungünstig steht die Sache in Rußland, wo das wachsende Mißtrauen der Behörden die zionistische Propaganda stark beeinträchtigt. Besser steht es in Oesterreich und in Deutschland. Im letzteren Lande wurden in den zwei Berichtsjahren 83,795 Mark aufgebracht (g?gen 76,925 im vorigen Berichte.) Gute Erfolge weise Nordamerika auf. Dem Berichte sind statistische Tabellen über die zionistischen Vereine und Institutionen in allen Ländern der Diaspora angefügt. Der Debatte voraus geht ein Referat des Herrn Prof. Marburg über die Palästinaarbeit des A.-C. Ter 'Redner geht von den die Palästinaarbeit betreffenden Beschlüssen der früheren Kongresse aus und schildert die durch Lage gebotene Abschwenkung der zionistischen Politik von dem Charter ans die P a l ä st i u a - K l e i n a r b e i t. Schon unter Herzl kam die P a4 ä sti n a ko m m i s s io n zustande, der die Erforschung Palästinas, die Errichtung eines Auskunftsbureaus usw. oblag. Ter Verein „Bezalel" beschäftige heute 400 Juden im Kunstgewerbe und die O e l b a u m i n st i t n t i o „ unterhalte 100 jüdische Arbeiter. Auch der Palästina-Pflanz int gsver - e i n entwickele seine von jüdischen Kolonisten angelegten Mandel- und Olivenpslanzungen in befriedigender Weise weiter und daS Palästina-Jdnst r i e - S y n d i k a t beginne seine tyelder mehr und . in ehr in Palästina nutzbringend anzulegen. Tie Zeitschrift „Palästina" habe sich nach manchen Wandlungen jetzt recht erfreulich entwickelt. Vor vier Jahren, auf dern 8. Kongreß, wurde die Palästinakommissipn durch ein Palästina- R e s s o r t abgelöst und durch die Einrichtung einer parallelen Instanz in Palästina erweitert. Unter den in den letzten vier Jahren begründeten Institutionen sei die Palestine Land Development Co. das wichtigste. Weitere Ergebnisse dieser Periode sind die eng mit dem Nationalfonds liierte Siedlungsgesellschast Erez Israel, ferner die Imin obiliengesellschast Palästina, welche die städtische Parzellierung betreibt, die Gründung einer landwirtschaftlichen Versuchs st ation bei Haifa durch amerikanische Philantropen, sowie die Errichtung der Land- und Pl antagenge feilsch a s t Liberia, welche den ersten Zusammenschluß größerer, meist russischer Kapitalisten zur intensiven Bewirtschaftung eines Gutes in Palästina darstellte. Ferner seien zu erwähnen, der Verbandjüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina und die Gesellschaft f ü r P a l ä st i n a f o r - s ch u n g, die schon in diesem Herbst die erste Expedition ' herairsschicko, um "das tote Meer mit den neuesten Methoden moderner Wissenschaft zu untersuchen. Vor Eingang in die Debatte verliest Herr Wolffsohn ein Schreiben des Mitgliedes der E. A. C., Herrn Jakobus Kann, Haag, in, dem im Gegensätze zu vielen anderen Vorschlägen gewünscht wird, daß der Kongreß den Präsidenten der Bewegung wähle und daß dieser sich nach freiem Ermessen seine Mitarbeiter aussuche. Ferner verlangt Kann die Einschränkung der Ausgaben für die Presse und die. Verschmelzung des Palästinabureaus mit dem Zentralbureau. Ein gewisser Bruchteil der Einnahmen des N. F. müsse der Organisation zu Gute kommen. Im Weiteren wendet sich das Schreiben gegen die Palästinaunternehmungen des Pros. Marburg und die Reklame der zionistischen Presse für dieselben, insbesondere

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