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Der Israelit · 1911-08-17 · Heft 33 (17.8.1911) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 33 (17.8.1911)
Date
1911-08-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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'•«flf'»#?r*> if» 9Dec Me«M. Nr. 8& fectfte * 17 August 1911. machten Erfahrungen es für aussichtslos hielt, den Forderungen oeS jüdischen Religionsgesetzes innerhalb der zionistischen Partei Geltung zu verschaffen, plaidierten andere im Sinne einer Verständigung für Fortsetzung der bisherigen Arbeit. Da die Frankfurter Herren amrsmüde waren, wurden die Herren Dr. Franck-Altona, Holländer und Ref. Möller-Altona in die Exekutive gewählt und die Leitung von Frankfurt nach Hamburg verlegt. Lin Interview mit ffermsnn Struck. Marsch««, 13. August. Die Ookolow'sche „Hazefira" veröffentlicht in ihrer Nummer vom 13. August ein Interview ihres Baseler Korrespondenten, Czernowttz, mit dem stellvertretenden Vorsitzenden des „Misrachi", Hermann Struck, das nach verschiedenen Richtungen sehr wichtig ist, und dessen Inhalt wir daher im Folgenden wiedergeben: „Als in Basel bekannt wurd, daß die Misracht-Versammlung in Frankfurt scharfe Resolutionen hinsichtlich der Beziehungen des Misracht zu der zionistischen Organisation angenommen hätte, zweifelte man vielfach an dieser Tatsache, und insbesondere wollte man nicht glauben, daß die Misrachisten ihr Derbleiben in der zionistischen Organisation von der Annahme ihrer Forderungen durch den Kongreß abhängig machen würden. Mir hat jedoch der stellvertretende Vorsitzende des Misrachi, Herr Maler Hermann Struck, die Tatsache bestätigt. Die Unterredung verlief folgendermaßen. Herr Struck erklärte: „Die Frankfurter Versammmlung hat überaus scharfe Resolutionen angenommen. Sie wird sich auf keinerlei Kompromiß mit dem Kultur-Zionismus einlaffen, sondern vielmehr die Forderung unbedingt aufrecht erhalten, daß der Zionismus keinerlei Kulturarbeit betreibe, die lediglich Streit unter den Zionisten hervorzurufen geeignet wäre. Wird diese Forderung nicht erfüllt, so werden die Misrachisten gezwungen sein, die Consequenzen zu ziehen und aus der zionistischen Parteien auszuscheiden." „Sollte man nicht im Gegenteil aus dem Ergebnis der Frankfurter Konferenz den Schluß ziehen dürfen, daß die Besonnenen unter den Mirachisten gesiegt haben? Ist ein Beweis dafür nicht die Tatsache, daß die Misrachisten die Leitung aus dem orthodoxen Frankfurt nach Hamburg verlegen, und daß Dr. Feuchtwanger von seinem Posten zurückgetreten ist? „Nein, Nein! Keinerlei Aenderung ist Dukesz-Altona über die zehn jüdischen Märtyrer unter der hadrianischen Verfolgung, deren Schicksal vielfach in poetischer Form verherrlicht wurde. Er wies zunächst darauf hin, daß es verschiedene handschriftliche Erzählungen über das Schicksal dieser Märtyrer gibt und legte seinem Vortrag die seltene Handschrift der Hamburger Stadtbibliothek zu Grunde, die jetzt auf der Dresdner Ausstellung allgemeine Beachtung sindet. Die zehn Märtyrer wurden nicht zu einer Zeit angeklagt und hingerichtet. Es liegt zwischen dem Tode des ersten und dem des letzten ein Zeitraum von ungefähr 70 Jahren. Wenn nun dennoch diese zehn Mätyrer gewöhnlich zusammen erwähnt und betrauert werden, so ist dies damit zu erklären, daß ein gemeinsames grausames Geschick sie ereilt hat. Deshalb sind sie auch in den Erzählungen und liturgischen Dichtungen zusammen erwähnt und unter der allgemeinen Bezeichnung „die durch Rom Getöteten" registriert. Die ersten zwei, der Fürst Simeon, Sohn Gamliels des Zweiten, und der Hohepriester Jsmael, Sohn Elisas, wurden zur Zeit der Zerstörung des zweiten Tempels im Jahre 70 n. Ehr. hingerichtet. Tie römische Regierung wollte jede etwa beabsichtigte Erhebung des jüdischen Volkes schon im Keime ersticken,' und um es am empfindlichsten zu treffen, ließ sie den weltlichen und geistlichen Führer, Fürst und Hohenpriester, gemeinsam töten. Ter Fürst wuroe enthauptet, während dem Hohenpriester die Gesichtshaut mit spitzen, eisernen Kämmen abgezogen und ihm dann das Haupt abgeschlagen wurde. Ter Kopf dieses auch durch feine körperliche Schönheit ausgezeichneten Mannes wurde einbalsamiert und nach Rom gebracht, wo er sich noch jetzt unter den Schätzen befinden soll. Sechzig Jahre später wurde der greife Rabbi Ariba, einer der bedeutendsten Gelehrten und Hinsichtlich der Polittk des Misrachi eingetreten, und es hat kein Wechsel der Anschauungen stattgefunden. Die neue Hamburger Leitung hat die Prinzipien des Misrachi in Frankfurt durchaus accepttert, und es besteht keine Meinungsverschiedenheit,ja keinerlei Verschiedenheit der Auffassung der Misrachisten hinsichtlich der Kulturfrage und ihrer Beziehung zum Zionismus. Die Delegiertenversammlung hat sich auch in Bezug auf den Streit der Frankfurter Genossen mit der zionistischen Ortsgruppe durchaus auf den Standpunkt der ersteren gestellt. Der Delegiertentag erkannte an, daß die Frankfurter Misrachisten gut daran getan haben, als Protest gegen die Mossinsohn'fche Rede aus der Ortsguppe auszuscheiden. Die Misrachisten hatten von der Ortsgruppe verlangt, daß sie diesen Agitator nicht nach Frankfurt kommen lasten sollten, und daß man nicht durch eine solche Provokation den Misrachi vor den Kopf stoßen solle. Jeder Pfennig, den der Zionismus Institutionen, wie dem Jaffaer Gymnasium, in denen die Heiligtümer des jüdischen Volkes entweiht werden, zuwendet, kostet dem Misracht Tausende von Seelen. Wir können nicht zu den Gesetzestreuen kommen und sie für unsere Bewegung werben, wenn man uns von allen Seiten die Etnwände entgegenhält: „Im Zionistischen Bureau arbeitet man am ronr; im Gymnasium lernt man „Tenach" ohne Kopfbedeckung, in Erez-Jisroel entweiht man öffentlich den Sabbat!" Die 1000 Frs., welche das AktionD-Comitee dem Jaffaer Gymoafium zugewendet hat, kosten uns 1000 Seelen. Man muß doch Verständnis haben für die Gefühle der Gesetzestreuen. Seit vielen Jahren fordern wir von der zionistischen Leitung nicht etwa, daß sie das religiöse Moment in den Zionismus htneintrage, sondern nur daß sie nicht öffentlich die Heiligtümer des jüdischen Volkes entweihe. Das ist uns immer Wieder und wieder versprochen worden, Wie lange sollen wir gezwungen sein, diese leichte und einfache Sache immer wieder fordern zu müssen?" „Wie könnt Ihr Misrachisten glauben, daß es dem Zionismus möglich sei, sich nicht mit der nationalen Erziehung, nicht mit der Heranbildung des künftigen Geschlechts, mit der Kulturarbeit in Erez-Jsroel zu befaffen?" „Es gibt keine nationale Erziehung ohne Religion, und für uns ist e^ne solche Erziehung ein Unmögliches. Der beste Beweis ist unser westeuropäisches Erziehungssystem. Wir westeuropäischen Gesetzestreuen glauben, mindestens ebensoviel Kultur zu besitzen, wie jene radikalen Freidenker, welche die Kritik i» die zarten Herzen der Kleinen senken und sie, um nur ein äußerliches Moment zu nennen, im Widerspruch gegen alle jüdische Sitte unbedeckten Hauptes in der Gotteslehre unterrichten. Ist das Nicht lediglich ein purer Eigensinn von diesen Leuten? Kann man sie nicht: mit jenem Jeschibah-Bachur vergleichen, der Talglichter ißt, nur um eine „Aweiroh" tun zu Wunen? Was nützt ihnen dieses ganze Fretdenkertum? Und wenn wir sehen, daß die zionistische Organisation solchen Leuten mit besonderer Liebe begegnet, dann bleibt uns kein anderer Weg, als aaszuscheiden. Der Zionismus hat nach unsrer Ansicht nicht nötig, sich mit Kulturarbeit zu beschäftigen. Er hat genug mit den wirtschaftlichen und polittschen Problemen zu tun, genug zu tun mit seiner inneren und äußeren Organisation, und jede Beschäftigung mit den schweren kulturellen Problemen kann ihm nur schaden." „Und was wird geschehen, wenn der Misrachi aus der Organisation ausscheidet? Mrd er dann noch irgend eine Existenz-Berechtigung haben?" „Das ist eine andere Fragen über die Aussichten der Partei kann ich im Augenblick nichts sagen. Nur eines weiß ich: In dem Augenblick, in dem der Misrachi aus der zionistischen Organisation ausscheidet, werden sich ihm Taus ende von religiösen Gesinnungsgenossen anschließen, die auf diesen Augenblick warten." „Und was wird die Partei dann tun?" „Was sie tun wird? Möglicherweise wird sie sich alsdann nur mit Kulturbeit beschäfttgen, jedoch in ihrem Geiste und ihrem Sinne. Jedeusalls stehen wir jetzt vor einem schweren Kampf. Und der Misrachi wird die Position, die er eingenommen, nicht einen Augenblick verlassen. Auch ein Kompromiß, in dem Sinne, daß das Gymnasium und die „Tachkemonischule" unterstützt werden, kann uns nicht befriedigen. Kein Kompromiß! Entweder der Zionismus beschäftigt sich nicht mitKultur, oder der Misrachi wird am Zionismus keinen Anteil haben!" Der Korrespondent der „Hazefira" knüpft an dieses Gespräch natürlich eine Reihe von liebenswürdigen Auseinandersetzungen, indem er ausführt, daß die Misrachisten mit einem solchen Programm überhaupt keine echten Zionisten seien, und daß es besser sei, wenn sie jetzt gleich austräten, als später. Sie würden dann einsehen daß sie, losgelöst vom Zionismus „ebenso ohnmächtig und isoliert" seien wie jetzt. einflußreichsten Persönlichkeiten seiner Zeit, seiner öffentlichen Lehrtätigkeit halber auf Befehl der römischen Regierung verhaftet und wegen seiner Begünstigung des Bar-Kochba-Aufstandes, der bekanntlich die Befreiung Palästinas vom römischen Joche bezweckte, vom Kaiser Hadrian zu einem grausamen Tode verurteilt, der vom Stadttheater Turnus Rufus vollführt wurde. Mit spitzen eisernen Kämmen wurde dem greisen Gelehrten das Fleisch vom Körper gerissen und er langsam zu Tode gemartert. Standhaft ertrug er die unmenschlichen Qualen und versuchte die Schmerzenslaute der Umstehenden durch das Gebet zu übertönen. Mit dem Glaubensbekenntnis auf den Lippen hauchte er feine reine Seele aus. Besonders tragisch war das Geschick des großen Lehrers Chananjo, Sohn Teradjions. Er wutte, weil er öffentlich zur Bildung von Religionsgemeinden Gaben sammelte und in der jüdischen Retigionslehre unterrichtete, zum Feuertode und seine Frau zum Tode durch das Schwert verurteilt, während seine Tochter der Schande preisgegeben werden sollte. Ergeben und mutig ertrug er die Qualen des Todes, die ihm noch durch Auflegen von feuchten Schwämmen verlängert wurden und ermahnte noch im letzten Moment seine weinend um ihn versammelten Schüler zum Ausharren im Glauben der Väter Einige Jahre später starben auch die anderen sechs in den Handschriften erwähnten Talmudlehrer eines grausamen gewaltsamen Todes, wegen der Erfüllung ihrer Religionsgebote oder wegen der öffentlichen Ausübung ihrer Lehrtätigkeit angeklagt und verurteilt. Diese zehn Märtyrer haben freudig und heldenmütig für ihren Glaubest ihr Leben geopfert und waren durchdrungen von dem Bewußtsein, fterbmb ihrem Volke die Liebe und Treue zu ihrem Gotte einzuprägen. Aus dem Opfermute dieser zehn glaubensstarken Märtyrer hat das jüdische Volk stets von neuem Begeisterung, Mut und Trost in den Zeiten der Verfolgung geschöpft. (Blindenstenographie für Nidvisch.) Tie „British and Foreign Blind Association" in London beschäftigt sich gegenwärtig mit einem interessante« Versuch. Es handelt sich um die Anwendung des englischen Braille- Systems für Stenographie auf hebräische Buchstaben, um es für die stenographische Aufnahme yiddischer Vorträge verwenden zu können. Dieses yiddische Stenographie-System soll hauptsächlich den vielen blinden Kindern zugute kommen, die das Londoner East-End auszuweisen hat. Auf der letzten Konferenz über Blindenerziehung, die in London stattfano. fungierte als offizieller Protokollführer der blinde Maurice I. Myers, ein Jude, der nicht nur selb ein hervorragender Stenograph und Maschinenschreiber ist. sondern ein eigenes System für Stenographie erfunden hat, das in England jetzt sehr verbreitet ist. (Sitte authentische Rachricht über die Belagerung von Jerusalem.) In OberAegypten ist, dem „Journal du Caire" zufolge, eine interessante archäologische Entdeckung gemacht worden. Man hat ein hölzernes Paneel ausgegraben, auf dem eine lateinische Inschrift von 50 Zeilen entdeckt wurde, von denen 35 Zeilen leserlich sind. Diese Schrift zeigt, neben den in Pompeji ausgegrabenen Tafeln, eine der schönsten Spezimen der lateinischen Sprache. Der Inhalt bezieht sich auf die Belagerung Jerusalems durch Bespasian und Titus. Tie genannt: Zeitung bemerkt hierzu, daß diese Inschrift die erste authentische Nachricht über die Belagerung Jerusalems darstellte und die Erzählungen des Josephus und anderer Historiker bestätigte.

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